Wie ihr wisst, schauen wir bei Sapeur – One Step Beyond gerne über den Tellerrand. Manchmal führt uns der Blick zu einem neuen Fahrrad, manchmal auf einen Berg, gelegentlich in eine Bar – und diesmal eben auf den Ratzeburger See. Dort beginnt Ende der 1950er-Jahre eine Geschichte, die eigentlich alles mitbringt, was wir an guten Underdog-Erzählungen mögen: ein paar Außenseiter, einen eigenwilligen Kopf, reichlich Widerstand und eine Idee, die zunächst niemand so richtig ernst nehmen möchte.

Der Film heißt Adams Acht, startet am 17. September 2026 in den deutschen Kinos und erzählt die auf wahren Begebenheiten beruhende Geschichte des legendären Rudertrainers Karl Adam und jener Mannschaft, die bei den Olympischen Spielen 1960 für eine sportliche Sensation sorgen sollte.

©Majestic

Ratzeburg, Ende der 50er-Jahre. Eine Kleinstadt unmittelbar an der Grenze zur DDR – und vermutlich nicht der erste Ort, an dem man damals nach einer Revolution des deutschen Rudersports gesucht hätte. Hier unterrichtet Karl Adam Mathematik, Physik und Sport. Und hier trifft er auf eine Generation junger Männer, die ihren Platz noch nicht gefunden hat. Außenseiter, Einzelkämpfer, Hitzköpfe. Junge Kerle mit reichlich Energie und nicht immer einer besonders guten Idee, wohin damit. Adam dagegen hat eine. Er setzt sie gemeinsam in ein Boot.

Was zunächst fast ein wenig banal klingt, wird zum Anfang von etwas Größerem. Denn Adam gibt den jungen Männern nicht nur ein Ventil für ihre Kraft und Wut, sondern eine Perspektive. Mit unkonventionellen Trainingsmethoden, wissenschaftlicher Neugier und offenbar einer gehörigen Portion Sturheit beginnt er, aus Einzelkämpfern eine Mannschaft zu formen.
Die ersten Erfolge lassen nicht lange auf sich warten. Begeisterung löst das allerdings längst nicht überall aus. Die Funktionäre des damals ausgesprochen elitären deutschen Rudersports begegnen Adam und seiner Truppe mit Skepsis, Spott und schließlich offenem Widerstand. Mit anderen Worten: beste Voraussetzungen für eine gute Underdog-Geschichte.

Doch Adams Acht ist mehr als ein klassisches Sportdrama über Training, Schmerzen, Niederlagen und den einen großen Moment. Während er versucht, seinen Achter schneller zu machen, wird die Welt um die jungen Männer komplizierter. Deutschland befindet sich im Aufbruch und ist gleichzeitig ein Land, das seine Vergangenheit noch lange nicht hinter sich gelassen hat. Der Kalte Krieg zieht seine Linien immer schärfer – und aus politischen Grenzen werden ganz persönliche.

Besonders für Hans Lenk. Seine große Liebe Ulla lebt nur wenige Kilometer entfernt auf der anderen Seite des Ratzeburger Sees. In der DDR. Geografisch zum Greifen nah, politisch zunehmend unerreichbar.
So kämpft die Mannschaft nicht nur gegen die Uhr und die körperliche Erschöpfung. Alte Schuldfragen, gesellschaftliche Erwartungen und ideologische Gräben sitzen gewissermaßen mit im Boot.

©Majestic/Tom Salt

Und vielleicht liegt genau darin der Reiz dieser Geschichte: Während sich ein Land noch fragt, was es eigentlich sein möchte, versucht eine Gruppe junger Männer herauszufinden, was aus ihr werden kann.
Karl Adam glaubt jedenfalls an sie. Unbeirrbar formt er aus seinen Außenseitern eine Einheit, die irgendwann tatsächlich größer wird als die Summe ihrer Teile. Bis schließlich bei den Olympischen Spielen 1960 ein Achter am Start liegt, dem lange kaum jemand etwas zugetraut hatte.

Der Rest ist – im wahrsten Sinne des Wortes – Sportgeschichte.

Auch vor der Kamera hat Regisseur Hannu Salonen eine interessante Mannschaft zusammengestellt. Oliver Masucci übernimmt die Rolle des eigenwilligen Rudertrainers Karl Adam. Felix Kammerer spielt Hans Lenk, den nachdenklicheren Kopf innerhalb des Teams. Dazu kommen Svenja Jung und Leonard Kunz, der als vaterloser Hitzkopf Rulffs im Boot sitzt.

Salonen selbst beschreibt den Reiz des Stoffes als Zusammenspiel mehrerer Ebenen: Sportgeschichte, emotionales Underdog-Drama und das Porträt eines Landes im Übergang. Eine Bundesrepublik, die nach vorne will, während die Vergangenheit noch überall unter der Oberfläche liegt und die Teilung Deutschlands immer konkreter wird.

Das klingt zunächst nach ziemlich viel Gepäck für einen Ruder-Achter. Aber vielleicht ist gerade das der Punkt. Denn die besten Sportfilme handeln am Ende selten nur vom Sport. Sie handeln davon, warum Menschen überhaupt antreten. Vom Scheitern und Weitermachen. Vom Vertrauen. Davon, seinen Rhythmus zu finden – und davon, dass acht starke Einzelne noch lange keinen schnellen Achter ergeben. Dafür müssen plötzlich alle in dieselbe Richtung ziehen.

Ob Adams Acht am Ende tatsächlich großes Erzählkino wird, werden wir natürlich erst nach dem Kinobesuch wissen. Die Zutaten jedenfalls stimmen neugierig: eine bemerkenswerte wahre Geschichte, ein starkes Ensemble, die Atmosphäre der späten 50er-Jahre, deutsch-deutsche Geschichte – und eine Sportart, die auf der großen Leinwand nicht unbedingt zum üblichen Personal gehört. Allein das ist für uns schon ein guter Grund, genauer hinzuschauen.

Der Film startet am 17. September 2026 bundesweit in den Kinos. Und vielleicht haben wir ja den einen oder anderen von euch neugierig gemacht. Auf Karl Adam. Auf diese acht Männer. Und auf die Frage, wie weit man kommen kann, wenn plötzlich alle im selben Takt ziehen.

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