Es gibt Muster, die kommen und gehen. Und es gibt Tartan. Ein Stoff, der seit Jahrhunderten ziemlich überzeugend beweist, dass ein paar sich kreuzende Linien mehr Persönlichkeit haben können als so manche komplette Garderobe.

Bei Barbour gehört das Karomuster ohnehin zum Inventar. Manchmal unübersehbar, manchmal diskret im Inneren einer Wachsjacke versteckt – aber fast immer dort, wo es sich richtig anfühlt. Und in dieser Saison führt die Spur des Tartans zurück nach Schottland. Genauer gesagt nach Ayrshire und damit in jene Landschaft, in der die Geschichte des Barbour-Namens und des Familien-Tartans verwurzelt ist.

Passenderweise ist die Geschichte von Barbour selbst eine Geschichte des Unterwegsseins. Vor mehr als 130 Jahren machte sich John Barbour von Kirkcudbrightshire im Südwesten Schottlands auf den rund 130 Meilen langen Weg nach South Shields an der Nordostküste Englands. Eine Reise durch eine Landschaft, die vermutlich schon damals nicht dafür bekannt war, ihre Besucher mit konstantem Sonnenschein und Windstille zu verwöhnen. Was, rückblickend betrachtet, ziemlich praktisch war. Denn aus dieser Nähe zu Wind, Wetter und Landschaft entstand eine Marke, deren bekannteste Kleidungsstücke genau dafür gemacht wurden: rauszugehen, anstatt auf besseres Wetter zu warten.

Erst einmal: Was ist eigentlich Tartan?
Wer Tartan einfach nur „Karo“ nennt, liegt nicht völlig daneben – macht es sich aber ungefähr so einfach wie jemand, der eine Wachsjacke als „grüne Jacke“ bezeichnet.
Entscheidend für einen Tartan ist sein sogenanntes Sett. Dabei handelt es sich um die genaue Abfolge verschiedenfarbiger horizontaler und vertikaler Fäden, die im rechten Winkel miteinander verwoben werden. Anzahl, Reihenfolge und Farbe der Fäden ergeben das charakteristische Muster. Das Sett ist gewissermaßen der Fingerabdruck eines Tartans.

Jeder offiziell anerkannte Tartan besitzt sein eigenes registriertes Sett. Und genau hier wird die Sache bei Barbour interessant: Die Tartans der Marke sind nicht einfach dekorative Karos, die irgendwann für besonders britisch befunden wurden. Sie basieren auf einem eigenen Familien-Sett und sind damit Teil der Identität des Hauses. Man könnte sagen: Wo andere ein Logo platzieren, lässt Barbour gelegentlich lieber das Futter sprechen.

1998: Classic Tartan

Der Classic Tartan ist der Ausgangspunkt der Barbour-Tartan-Geschichte. 1998 entwickelt, sollte das erste exklusive Muster vor allem eines tun: zu den berühmten Wachsjacken passen.

Seine Farben orientieren sich entsprechend an der britischen Countryside – erdig, gedämpft und ungefähr so weit von Neon entfernt, wie ein Land Rover Defender von einem Lamborghini. Das Ergebnis ist jenes vertraute Barbour-Karo, das heute fast genauso selbstverständlich zur Marke gehört wie gewachste Baumwolle, Cordkragen und die leise Hoffnung, dass es am Wochenende ruhig ein bisschen regnen darf.

2002: Dress Tartan

Vier Jahre später wurde es heller. Gemeinsam mit den Tartan-Spezialisten von Kinloch Anderson entwickelte Barbour 2002 den Dress Tartan. Seine Inspiration stammt von den helleren Tartans des 18. Jahrhunderts, ergänzt durch warme Sandsteintöne, die an britische Sommertage erinnern. Also an jene seltenen Nachmittage, an denen man tatsächlich ohne Jacke aus dem Haus gehen könnte – sie aber vorsichtshalber trotzdem mitnimmt.
Der Dress Tartan zeigt zugleich, wie flexibel ein traditionelles Sett sein kann. Die Grundidee bleibt bestehen, während Farben und Stimmung verändert werden. Heritage, ohne im Museum zu landen.

2006: Ancient Tartan

Beim Ancient Tartan ging Barbour noch einen Schritt weiter zurück. Seine gedeckten Farben orientieren sich an historischen pflanzlichen Farbstoffen, wie sie früher zum Färben von Stoffen verwendet wurden. Entsprechend natürlich und leicht verwaschen wirkt die Palette.

Besonders häufig begegnet einem der Ancient Tartan in Verbindung mit Barbours klassischem Sage – jenem Grün, das aussieht, als hätte jemand Moos, Farn, einen bewölkten Novembernachmittag und ein sehr gutes Pub miteinander zu einer Farbe vermischt. Und das ist ausdrücklich als Kompliment gemeint.

2026: Birchwood Tartan

Mit dem neuen Birchwood Tartan kommt nun ein weiteres Kapitel hinzu. Das für die Herbstsaison 2026 entwickelte Muster nimmt Barbours klassischen Tartan als Ausgangspunkt und übersetzt ihn in eine zeitgemäße Palette aus Braun- und Marinetönen. Inspiriert sind die Farben von den schottischen Wäldern – Baumrinde, dunkles Unterholz, spätes Herbstlicht und all jene Nuancen, für die Menschen mit guten Wanderschuhen vermutlich sehr präzise Bezeichnungen kennen.

Entscheidend ist aber, was sich trotz der neuen Farbgebung nicht verändert: das Familien-Sett. Und genau darin liegt der Charme der Sache. Tradition ist schließlich kein Standbild

Barbour verwendet seine Tartans heute längst nicht mehr ausschließlich als Innenfutter einer Wachsjacke. Sie erscheinen auf Besätzen, werden auf gewachste Baumwolle gedruckt, saisonal neu eingefärbt oder gleich zum Hauptdarsteller eines Kleidungsstücks gemacht. Mal findet man nur einen kleinen karierten Hinweis am Kragen oder Innenfutter. Mal bekommt man Tartan in voller Lautstärke. Jacken, Bekleidung, Schuhe und Accessoires dienen dabei gleichermaßen als Leinwand.

Das Interessante daran ist weniger, wo das Muster auftaucht, sondern dass es trotz all dieser Veränderungen erkennbar bleibt. Classic, Dress, Ancient oder jetzt Birchwood: Die Farben wechseln, die Proportionen können sich verändern, und aus einem traditionellen Muster wird plötzlich etwas, das hervorragend zu einem modernen Herbst-Outfit passt. Doch darunter liegt weiterhin dieselbe gestalterische DNA.

Vielleicht ist das ohnehin die angenehmste Form von Heritage. Nicht ständig davon zu erzählen, wie traditionsreich man ist, sondern Dinge aus der Vergangenheit mitzunehmen, weil sie heute immer noch funktionieren.

Und so führt Barbours Reise in dieser Saison zurück nach Schottland – durch Ayrshire, vorbei an Wäldern, Feldern und jener rauen Landschaft, die schon ganz am Anfang der Geschichte stand. Nicht aus Nostalgie, sondern um von dort aus weiterzugehen. Mit einer Wachsjacke auf den Schultern, Tartan im Futter und, wenn wir Großbritannien richtig verstanden haben, einer ziemlich guten Chance auf Regen.

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Source: Barbour