Es gibt Orte, die prägen Menschen ein Leben lang. Nicht, weil sie besonders schön oder spektakulär sind, sondern weil sie ihren eigenen Rhythmus haben. Alcorcón, im Süden Madrids, ist einer dieser Orte. Zwischen Wohnblöcken, Fußballplätzen und einer lebendigen Hip-Hop-Kultur ist Juanan aufgewachsen – besser bekannt unter dem Namen La Purezza del Quartiere oder Improbus.

Was als fotografischer Blick auf das eigene Umfeld begann, entwickelte sich über die Jahre zu einem künstlerischen Gesamtkonzept. Heute vereint der Mann Fotografie, Film und Musik unter einer gemeinsamen Idee: Geschichten festzuhalten, die oft im Verborgenen bleiben. Im Mittelpunkt stehen dabei nicht große Gesten, sondern die Menschen, die das Viertel ausmachen – ihre Gesichter, ihre Werte und ihr Alltag.

Seine Arbeiten sind geprägt von einer klaren Bildsprache und einem feinen Gespür für Atmosphäre. Gleichzeitig spiegeln sie Themen wider, die sich wie ein roter Faden durch sein Schaffen ziehen: Herkunft, Arbeiterkultur, Loyalität, Klassenbewusstsein und das Bedürfnis, den eigenen Wurzeln treu zu bleiben. Auch seine Nähe zur Fußball- und Casual Culture ist kein modisches Accessoire, sondern Ausdruck einer Identität, die weit über Kleidung oder Vereinsfarben hinausgeht.

Ihr kennt seine Arbeit durch den Clip und die Fotos zu unserer Collabo mit den Jungs von We are Dotore. Wir haben mit ihm über genau diese Welt gesprochen: über das Viertel, das ihn geprägt hat, über Vertrauen in der Subkultur, den Blick eines Fotografen, die Sprache des Rap und die Frage, warum manche Geschichten nur von denen erzählt werden können, die sie selbst erlebt haben.

Viel Spaß mit dem Gespräch!

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Hallo, Juanan! Es ist mir eine Freude, dieses Gespräch mit dir führen zu können. Wie geht es dir im Moment und womit hast du dich in den letzten Wochen am meisten beschäftigt?

Zunächst einmal vielen Dank, dass ihr an mich gedacht habt, dass ihr euch die Zeit für dieses Gespräch nehmt und mir dieses Interview ermöglicht. Das weiß ich wirklich sehr zu schätzen.

Im Moment geht es mir gut. Natürlich habe ich – wie wahrscheinlich jeder – meine eigenen Dinge im Kopf, aber insgesamt geht es mir gut. Ich bin fokussiert und ganz auf mein eigenes Projekt konzentriert.

In den letzten Wochen war ich ehrlich gesagt ziemlich beschäftigt: Ich habe alles vorbereitet, was ich nach dem Sommer mit meiner Modemarke umsetzen möchte, gleichzeitig die Bestellungen meiner neuesten Kollektion bearbeitet und verwaltet und daneben noch neue Projekte gefilmt und geschnitten, die bald erscheinen werden.

Bevor wir über Musik, Fotografie oder Rap sprechen: Wenn wir uns heute in Alcorcón treffen würden – wohin würdest du mich zuerst mitnehmen?

Wie bei allen Menschen, die von außerhalb kommen, würde ich euch als Erstes zu dem Wandgemälde in Alcorcón bringen, das Ricardo González, Yolanda González, Ndombele Augusto und Carlos Palomino gewidmet ist. Vier Menschen, die von Neonazis ermordet wurden – drei von ihnen in Alcorcón und einer in Madrid.
Dieser Ort bedeutet mir sehr viel. Er trägt eine enorme Energie in sich, erzählt viele Geschichten und macht deutlich, was Alcorcón war und bis heute ist: seinen Kampf, seine Geschichte und unsere Herkunft.

Was müsste man sehen, riechen oder hören, um zu verstehen, warum dieses Viertel dich bis heute so prägt?

Das Leben auf seinen Straßen. Ich glaube, jeder, der in einem Viertel oder einer Stadt im Süden Madrids aufgewachsen ist, würde ähnlich antworten.
Ich kann gar nicht genau erklären, warum Alcorcón mich so geprägt hat. Ich denke, manche Dinge lassen sich einfach nicht in Worte fassen. Vielleicht hat es vielmehr mit den Erlebnissen zu tun, die man an einem bestimmten Ort gemacht hat.

Mein ganzes Leben hat in Alcorcón stattgefunden – sowohl das Schlimmste als auch das Schönste. Ich bin hier seit meiner Kindheit aufgewachsen. Vielleicht fühlt es sich deshalb so an, als wäre dieser Ort ein Teil von mir. Seine Straßen sind mein Zuhause und seine Menschen meine Familie.

Du sprichst oft über dein Viertel, aber nie mit einer romantisierten Sichtweise. Wann wird ein Viertel wirklich zu einem Zuhause?

Wenn es sich fremd anfühlt, durch andere Straßen zu laufen, während deine eigenen dir Ruhe schenken.

Ich romantisiere mein Viertel durchaus, weil ich stolz darauf bin, woher ich komme und wofür dieser Ort steht. Was ich allerdings nicht romantisiere, sind die Armut und die Probleme, mit denen die Menschen dort leben müssen.

Der Name „La Purezza del Quartiere“ begleitet dich schon seit Jahren. Viele sehen darin einfach eine Marke. Ist er für dich eher ein Versprechen oder eine Verantwortung?

Ich würde sagen: beides. Es ist ein Versprechen, das ich mir selbst gegeben habe und das ich jeden Tag aufs Neue einhalte – nämlich, dass ich alles erreichen kann, was ich mir vornehme.

Gleichzeitig ist es eine Verantwortung – aus zwei Gründen.

Erstens braucht es Verantwortungsbewusstsein, damit ein Projekt wachsen und seine Ziele erreichen kann. Nichts fällt vom Himmel. Man muss sich selbst etwas aufbauen. Genau das habe ich auch dadurch gelernt, dass ich dort aufgewachsen bin, wo ich herkomme, und durch mein Umfeld.

Zweitens gilt: Je größer dein Projekt wird, desto mehr Menschen schauen auf dich. Du wirst zu einer Bezugsperson, und dann musst du viel bewusster darauf achten, was du sagst – oder eben nicht sagst. Vor allem wegen der jüngeren Generation, die dich idealisiert und sich an dem orientiert, was du tust.

Du bist Fotograf, Filmemacher und Autor. Alles beginnt mit der Beobachtung. Wann hast du gemerkt, dass du die Welt anders siehst als viele Menschen um dich herum?

Ich glaube, das ist mir bis heute gar nicht wirklich bewusst geworden. Ich fotografiere, filme oder schreibe einfach über das, was meine Aufmerksamkeit auf sich zieht. Ich nehme an, wenn so viele Menschen Gefallen daran finden, muss etwas Besonderes daran sein. Aber ich zerbreche mir nicht den Kopf auf der Suche nach Motiven oder warte auf den perfekten Moment.

Wenn ich irgendwo bin und etwas sehe, das mich tief berührt, mache ich ein Foto davon. Und wenn ich die Kamera nicht dabeihabe, nehme ich diesen Moment einfach für mich mit. Ich habe immer gedacht, dass das vielleicht weniger mit einer besonderen Sicht auf die Welt zu tun hat als mit meiner Sensibilität. Ich bin einfach ein sehr sensibler Mensch.

Wer deine Arbeiten kennt, merkt sofort, dass deine Bilder eine ganz eigene Ästhetik haben – egal, ob sie die Härte der Straße oder ganz andere Szenen zeigen. Wie hast du diesen Blick geschärft und wie würdest du deinen Stil beschreiben?

Eigentlich habe ich nichts anderes getan, als immer weiter Fotos zu machen. Immer mehr Fotos.

Danach habe ich sie bearbeitet und jedes Bild so gestaltet, wie es mir gefiel. Und ich denke, nach all den Jahren und Tausenden von Fotos habe ich irgendwann meinen eigenen Stil und meine eigene Ästhetik gefunden. Ich freue mich besonders, wenn Leute mir sagen, dass sie eines meiner Fotos sofort erkennen – noch bevor sie sehen, dass ich der Fotograf bin.

Ich glaube, das ist das Höchste, was ein Künstler erreichen kann: Dass seine Werke bereits für ihn sprechen, ohne dass er selbst etwas sagen muss.

Meinen Stil zu definieren, fällt mir ehrlich gesagt schwer. Was ich aber immer versuche, ist, dass meine Bilder weder ihre Eleganz noch ihre Rohheit verlieren.

Mit Rohheit meine ich die Wirklichkeit des Motivs – ganz gleich, was sich vor meiner Kamera befindet. Mit Eleganz meine ich guten Geschmack: Dass das Bild handwerklich gut gemacht ist und dass ich weiß, von wo aus, wie und wann ich den Auslöser drücke.

Deshalb lautet das Motto von La Purezza del Quartiere auch: „Die Eleganz der Peripherie.“

Wer deine Arbeit kennt, merkt schnell, dass Kleidung in deinen Fotos nie zufällig auftaucht. Wann hast du verstanden, dass Mode weit mehr sein kann als bloße Kleidung?

Das habe ich zum ersten Mal verstanden, als mich mit 15 Jahren jemand nach meinem „Stil“ fragte. Da wurde mir klar, dass das, was wir tragen, Informationen vermittelt. Es zeigt, wie wir uns der Welt präsentieren. Kleidung ist auch eine Entscheidung.

Mit der Zeit versteht man immer mehr davon. Man entwickelt eine bestimmte Ästhetik, entdeckt die Welt, die sich darum herum bewegt, und findet schließlich seinen eigenen Platz darin.

Ich habe gehört, dass du einmal gesagt hast, Kleidung habe dir geholfen, Selbstvertrauen zu entwickeln. Das fand ich sehr spannend. Hat sich mit deinem Stil auch dein Blick auf dich selbst verändert?

Einmal habe ich gelesen, dass es Kleidungsstücke gibt, die – egal wie schön sie sind – einfach nicht zu jeder Phase deines Lebens passen.

Heute trage ich Jacken, mit denen ich mich vor ein paar Jahren überhaupt nicht wohlgefühlt hätte. Ich glaube, das hat sehr viel mit der eigenen Einstellung, mit Selbstvertrauen und mit der inneren Haltung zu tun.

Etwas anderes, das ich erlebt habe, war Folgendes: Irgendwann fing ich an, bestimmte Kleidungsstücke zu tragen – zum Beispiel meine Burberry-Kappe. Anfangs fühlte ich mich darin überhaupt nicht richtig. Ich war es nicht gewohnt und wusste, welches Gewicht so ein Kleidungsstück mit sich bringt. Trotzdem habe ich mich bewusst dazu gezwungen, sie zu tragen, obwohl ich mich wegen meiner damaligen starken Unsicherheit und meines geringen Selbstwertgefühls nicht wirklich wohl damit fühlte.

Ich tat das, um mir selbst zu beweisen, dass auch ich mich so kleiden durfte und dass ich der Mensch sein konnte, der ich sein wollte.

Deshalb sage ich, dass Kleidung mir geholfen hat, Selbstvertrauen aufzubauen. Sie war ein Teil meiner inneren Revolution. Während meine Unsicherheit mir sagte: „Nein.“, Sagten meine Einstellung und meine Kleidung: „Doch.“

Man sieht dich oft in Kleidung, die eng mit der Casual Culture verbunden ist. Welche Beziehung hast du zu dieser Subkultur? Und gehst du regelmäßig zu den Spielen deines Vereins?

Schon als Kind hat mich die Welt der Fankurven fasziniert. Es beeindruckte mich, so viele Menschen zu sehen, die für etwas brennen – die für etwas kämpfen, zu dem sie gehören und an das sie glauben. Irgendwann stand ich selbst auf den Rängen, habe diese Atmosphäre erlebt und die Ästhetik dieser Szene kennengelernt. Dort hat alles angefangen.

Allerdings gehöre ich zu den Menschen, die glauben, dass man nicht mehr oder weniger dazugehört, nur weil man sich auf eine bestimmte Weise kleidet. Entscheidend ist nicht, wie du aussiehst, sondern was du tust. Und ja, ich gehe regelmäßig zu den Spielen meines Vereins.

Fußball nimmt einen sehr wichtigen Platz in deinem Leben ein – nicht nur sportlich, sondern auch kulturell. Was hat dich an den Fankurven und Tribünen von Anfang an so fasziniert?

Wie ich schon bei der vorherigen Frage gesagt habe: die Leidenschaft. Mich fasziniert das Gemeinschaftsgefühl, das dort entsteht, und der Zusammenhalt zwischen den Menschen. Außerdem hat das Ganze für mich etwas Identitätsstiftendes. Deshalb bin ich immer der Meinung, dass man den Verein seiner eigenen Stadt, seines Viertels oder seines Dorfes unterstützen sollte.

Heutzutage sehen viele Menschen im Fußball nur noch ein Geschäft. Du hingegen sprichst oft von Gemeinschaft. Was findet man auf der Tribüne, das außerhalb des Stadions verloren gegangen ist?

Ich weiß nicht, wie andere das sehen, aber ich finde dort einen Ort, an dem man gemeinsam Zeit verbringen, man selbst sein und mit Menschen zusammen sein kann, die Fußball als etwas Größeres verstehen als nur einen Sport.

Außerdem ist die Tribüne eine Plattform, von der aus man Missstände im eigenen Umfeld sichtbar machen kann. Ein Stadion ist ein Ort mit großer medialer Aufmerksamkeit, an dem viele Menschen zusammenkommen. Auf einer Tribüne findest du Gemeinschaft, Zusammenhalt und etwas, das Menschen verbindet. Inmitten eines Systems, das auf Individualismus ausgerichtet ist, sind die Fankurven für mich ein Schützengraben des Kollektivs.

Inwiefern hat die Fankultur dein Verständnis von Loyalität verändert?

So sehr, dass ich verstanden habe, dass das, zu dem ich gehöre, größer ist als ich selbst. Und wenn es nötig ist, alles dafür zu geben, dann werde ich genau das tun.

Ich glaube außerdem, dass sich darin eine Metapher für das Leben insgesamt verbirgt. Man steht zu seinem Verein und zu seinen Menschen. In guten Zeiten – und vor allem in den schlechten.

Genauso wie man seine Familie in einer schwierigen Phase nicht im Stich lässt, lässt man auch seine Leute und seinen Verein nicht allein. Das ist Loyalität.

Kommen wir zu deiner Musik. Du selbst sagst, dass sie nie für die breite Masse gedacht war. War Erfolg für dich jemals wichtiger als Glaubwürdigkeit?

Nie. Im Gegenteil: Im Laufe der Jahre ist Musik für mich zu einem Sprachrohr geworden, mit dem ich Missstände anprangern und über das sprechen kann, was mir wichtig ist.

Deshalb ist es mir egal, wie weit ich damit komme. Ich habe nie Musik gemacht, um Geld zu verdienen. Und was Glaubwürdigkeit betrifft: Ich denke, bevor man glaubwürdig sein kann, braucht man Rückhalt. Damit meine ich nicht Menschen, die einem den Rücken freihalten, sondern dass die eigenen Taten das bestätigen, was man von sich behauptet. Erst dann besitzt man Glaubwürdigkeit.

Wenn nicht, reicht die erste echte Bewährungsprobe des Lebens aus, um zu zeigen, dass alles, was man hinter einem Bildschirm erzählt, in Wirklichkeit nur ein Slogan oder eine Rauchwolke war.

Deine Texte wirken oft wie Seiten aus einem Tagebuch. Schreibst du eher für dich selbst oder für Menschen, die Ähnliches erlebt haben?

Darüber denke ich ehrlich gesagt nie nach. Ich schreibe einfach. Ich habe Songs, die sich eher an andere Menschen richten und davon handeln, wie ich die Welt sehe. Und ich habe andere, die sich fast wie ein Gespräch mit mir selbst anhören.

Welcher Vers oder welcher Song beschreibt Juanan im Moment am besten?

Puh… Im Moment könnte ich keinen bestimmten Song oder Vers nennen. Es gibt viele Stücke, die mich beschreiben könnten. Wenn ich mich jetzt sofort entscheiden müsste, würde ich „Animal“ von Non Servium wählen.

Seit Jahren arbeitest du mit Künstlern und verschiedenen Marken zusammen. Vor Kurzem hast du auch unsere Zusammenarbeit mit den Jungs von Dotore auf beeindruckende Weise zum Leben erweckt. Man merkt, dass viele Menschen dir vertrauen. Glaubst du, dass Vertrauen erlernt werden kann oder entsteht es nur durch gemeinsam verbrachte Zeit?

Ich glaube, damit eine Marke, eine Gruppe oder andere Menschen dir ihre Projekte anvertrauen, müssen zunächst einmal deine Arbeiten für dich sprechen. Vieles von dem, was ich heute habe, und viele der Menschen, die mich für Projekte anfragen, tun das nicht nur, weil ihnen gefällt, was oder wie ich arbeite. Sie erkennen sich in dem wieder, was ich bin – und auch in meinem Projekt „La Purezza del Quartiere“.

Seit Jahren sehe ich, wie Magazine und Medien über Projekte berichten, an denen ich beteiligt war. Wenn sie über mich schreiben, verwenden sie oft einen Satz, der mir besonders gefällt:
„Immer zuverlässig – ein treffsicherer Schuss.“

Gab es Situationen, in denen du ein Projekt bewusst abgelehnt hast, weil es nicht zu deinen Werten passte?

Einige. Allerdings passiert das inzwischen immer seltener. Die Leute kennen mein Projekt mittlerweile. Sie wissen, wer ich bin, wofür ich stehe, wie ich arbeite – und was ich nicht mache. So verhindert man von Anfang an, dass sich der falsche Typ Mensch oder unpassende Angebote überhaupt an einen heranwagen.

Welche Geschichte würdest du eines Tages gerne erzählen, hast aber bisher noch nicht den richtigen Zeitpunkt dafür gefunden – ganz egal, ob mit der Kamera oder mit dem Mikrofon?

Seit vielen Jahren trage ich dieselbe Geschichte mit mir herum. Sie ist bereits vollständig in meinem Kopf. Ich habe sie bisher nicht umgesetzt, weil sie meine ganze Zeit und meine ganze Hingabe verlangen würde – und das kann ich im Moment nicht leisten. Mehr möchte ich dazu nicht sagen.

Nur so viel: An dem Tag, an dem dieses Projekt das Licht der Welt erblickt, werde ich Geschichte schreiben. Ich habe keine Beweise dafür. Aber auch keinerlei Zweifel.

Du vermittelst den Eindruck, immer in Bewegung zu sein. Kannst du überhaupt einmal stillsitzen?

Wenn ich still sitze, dann stimmt wahrscheinlich etwas nicht mit mir. Hahaha. Nein, unmöglich.
Das Leben ist dafür da, alles mitzunehmen. Ich bin nicht hier, um einfach nur einer von vielen zu sein.

Zum Schluss noch eine Frage: Wenn Alcorcón heute einen Brief an Juanan schreiben könnte – was würde darin stehen?

Das weiß ich ehrlich gesagt nicht. Ich hoffe nur, dass die Menschen, wenn ich eines Tages nicht mehr da bin, sich weniger an mich erinnern als vielmehr an den Grund, warum wir all das getan haben, was wir tun mussten.

Vielen Dank für dieses großartige Gespräch! Wie immer gehören die letzten Worte unserem Gast. Sag einfach, was du sagen möchtest.

Vielen Dank an das Team von Sapeur, dass ihr mir die Möglichkeit gegeben habt, hier dabei zu sein. Es ist für mich eine große Ehre, dass sich ein Projekt wie eures für mich interessiert.
Aus Alcorcón sende ich euch herzliche Grüße.Auf viele weitere Jahre voller Kultur, Kunst, Fußball, guter Musik und Antifaschismus.

La Purezza del Quartiere

Hay lugares que marcan a las personas para toda la vida. No porque sean especialmente bonitos o espectaculares, sino porque tienen un ritmo propio. Alcorcón, al sur de Madrid, es uno de esos lugares. Entre bloques de viviendas, campos de fútbol y una vibrante cultura hip-hop creció Juanan, más conocido como La Purezza del Quartiere o Improbus.

Lo que comenzó como una mirada fotográfica a su propio entorno fue evolucionando con los años hasta convertirse en un proyecto artístico integral. Hoy combina fotografía, cine y música bajo una misma idea: documentar historias que a menudo permanecen ocultas. En el centro de su trabajo no están los grandes gestos, sino las personas que dan vida al barrio: sus rostros, sus valores y su día a día.

Su obra se caracteriza por un lenguaje visual claro y una gran sensibilidad para captar la atmósfera. Al mismo tiempo, refleja temas que atraviesan todo su trabajo como un hilo conductor: el origen, la cultura obrera, la lealtad, la conciencia de clase y la necesidad de mantenerse fiel a las propias raíces. También su vínculo con la cultura del fútbol y el movimiento casual no responde a una cuestión estética o de moda, sino que forma parte de una identidad que va mucho más allá de la ropa o de los colores de un club.

Muchos ya conoceréis su trabajo por el videoclip y las fotografías de nuestra colaboración con los chicos de We are Dotore. Hablamos con él precisamente sobre ese universo: el barrio que lo formó, la confianza dentro de la subcultura, la mirada del fotógrafo, el lenguaje del rap y la razón por la que hay historias que solo pueden contar quienes las han vivido en primera persona.

¡Disfrutad de la entrevista!

¡Buenas, Juanan! Es un placer poder tener esta conversación contigo. ¿Cómo estás en este momento y qué es lo que más te ha ocupado la cabeza durante estas últimas semanas?

Lo primero de todo muchísimas gracias por contar conmigo para vuestro proyecto, sacar un rato para que podamos hablar y ofrecerme la entrevista. De verdad que lo valoro mucho. En este momento estoy bien, con mis cosas como todo el mundo imagino pero bien, centrado y mentalizado en mi proyecto. Estas últimas semanas la verdad que he estado bastante liado preparando todo lo que quiero hacer con mi marca de ropa después de verano, entregando y gestionando pedidos de las últimas prendas que he sacado a la par que he estado editando y grabando nuevos proyectos que están por salir.

Antes de hablar de música, fotografía o rap: si hoy nos encontráramos en Alcorcón, ¿a dónde me llevarías primero?

Al igual que hago con todas las personas que vienen de otros lugares aquí, el primer lugar a donde os llevaría es al mural que tenemos en Alcorcón en memoria de Ricardo González, Yolanda González, Ndombele Augusto y Carlos Palomino. 4 personas asesinadas a manos de neonazis, tres de ellas en Alcorcón y una en Madrid. Este lugar para mí es especial y está cargado de una energía muy grande, habla de muchas cosas y cuenta lo que ha sido y lo que es Alcorcón, su lucha, su historia y de donde venimos.

¿Qué tendría que ver, oler o escuchar para entender por qué ese barrio sigue marcándote a día de hoy?

La vida en sus calles. Creo que cualquier persona que se haya criado en un barrio o ciudad del sur de Madrid te respondería lo mismo. No sabría expresar bien porque a mí me ha marcado tanto Alcorcón, creo que no es algo que se pueda expresar con palabras. Incluso pienso que tiene más que ver con las vivencias, con las cosas que le hayan ocurrido a alguien en un lugar en concreto. Mi vida ha ocurrido en Alcorcón, tanto lo peor como lo mejor, me he criado aquí desde niño. Quizá es por eso que lo siento como parte de mí, sus calles como mi hogar y su gente como mi familia.

Hablas a menudo del barrio, pero nunca desde una mirada romántica. ¿Cuándo se convierte realmente un barrio en un hogar?

Cuando encontrarte entre otras calles te resulta extraño pero estar entre las tuyas te da paz. Yo romantizo mucho el barrio porque me siento orgulloso de donde vengo y de lo que representa, lo que no romantizo es la precariedad o las problemáticas que se viven en él.

El nombre La Purezza del Quartiere te acompaña desde hace años. Mucha gente lo entiende como una marca. Para ti, ¿es más una promesa o una responsabilidad?

Podría decir que son las dos cosas. Es una promesa que me hice a mi mismo que sigo cumpliendo día tras día de que puedo lograr y llegar a donde quiera y es una responsabilidad por dos razones. La primera porque hay que ser responsable para que un proyecto salga adelante y logre objetivos, nada cae del cielo, hay que buscarse la vida (cosa que también me enseñó crecer donde crecí y mi entorno). La segunda porque a la par que tu proyecto crece más gente se fija en ti, empiezas a ser referencia y hay que tener más cuidado con lo que se dice o se deja de decir, sobretodo por la chavalería más joven la cual te idealiza y sigue lo que haces.

Eres fotógrafo, cineasta y autor. Todo empieza con la observación. ¿Cuándo te diste cuenta de que veías el mundo de una manera distinta a la de muchas personas que te rodeaban?

Creo que sigo sin darme cuenta de eso, simplemente fotografío, grabo o escribo lo que me llama la atención. Imagino que si a tanta gente le llama la atención es porque algo de especial tendrá, pero no suelo romperme mucho la cabeza buscando cosas o esperando el momento. Si estoy en un lugar y veo algo que me cala dentro le saco una foto, si no llevo la cámara encima me lo llevo para mí. Siempre he pensado que quizá tiene más que ver con la sensible que soy para todo que con tener una visión u otra del mundo.

Tus imágenes tienen una estética muy marcada, da igual si capturan la crudeza de la calle o cualquier otro escenario. ¿Cómo has ido afinando esa mirada y cómo describirías tu estilo tan personal?

Pues la verdad que lo único que he ido haciendo ha sido hacer fotos, y fotos, y fotos… después las editaba e iba dejando cada una como a mí me gustaba y imagino que con los años después de tantas fotos hechas pues he encontrado mi estilo, mi estética. Me gusta mucho que mucha gente me dice que cuando ve una foto mía, sin leer que la haya hecho yo ya saben que es mía. Creo que eso es lo máximo a lo que puede llegar un artista, a que su propia obra ya hable por él sin tener que decir nada.

No sabría como definir mi estilo, la verdad. Lo que sí intento siempre es que no pierda ni la elegancia ni la crudeza, con crudeza me refiero a la realidad de la propia foto, sea lo que sea lo que tenga delante de la cámara. Y con elegancia me refiero a tener buen gusto, que esté bien hecho, saber elegir desde donde, cómo y cuando saco la foto.

De ahí que el lema de La Purezza del Quartiere sea ”La elegancia de las periferias”.

Quien conoce tu trabajo se da cuenta enseguida de que en tus fotografías la ropa nunca está ahí por casualidad. ¿Cuándo entendiste que la moda podía ser mucho más que simplemente vestir?

Lo entendí la primera vez que me preguntaron ‘el palo’ teniendo 15 años. Ahí supe que lo que llevamos puesto es información, es como nos mostramos al mundo, también una decisión. Luego creces y con el paso de los años vas entendiendo ciertas cosas, te decantas por cierta estética, por el mundo que gira alrededor de todo eso y encuentras tu lugar también.

He escuchado que una vez dijiste que la ropa te ayudó a desarrollar confianza en ti mismo. Me pareció muy interesante. ¿Cambió también la forma en la que te veías a ti mismo a medida que evolucionaba tu estilo?

Una vez leí que había prendas que por muy guapas que estén no están hechas para ti en según qué momento de tu vida estés. Yo me he puesto chaquetas ahora que hace unos años me las ponía y no me sentía cómodo, y creo que eso tiene mucho que ver con la cabeza, con la confianza y con la actitud. También, algo que me ocurrió fue que llegó un momento en el que me puse ciertas prendas (como puede ser mi gorra de Burberry) y aunque al principio no me terminaba de ver con ello porque no estaba acostumbrado y porque entendía el peso de llevar una prenda así,  me obligaba a llevarla aunque no me viese del todo bien con ella por problemas de inseguridad y autoestima graves que tuve en su día solo por el hecho de demostrarme que claro que yo también podía vestir así y que podía ser lo que quisiera ser. De ahí lo de que me ayudó a desarrollar confianza en mi mismo, fue como parte de mi revolución interna, cuando la inseguridad me decía que no, mi actitud y la ropa decía que si.

A menudo se te ve vistiendo ropa ligada a la Casual Culture. ¿Qué relación tienes con esta subcultura? ¿Y sueles ir a los partidos de tu equipo?

Desde niño me llamó la atención el mundo de las gradas. Me fascinaba ver a tanta gente loca por algo. Luchando por algo a lo que pertenecían y en lo que creían. De ahí pasé a pisarlas, vivirlas y ver su estética, ahí empezó todo. Aunque es cierto que soy de los que piensan que no por vestir de cierta manera eres más o menos en esto, lo que importa es lo que haces, no como vistes.

Y sí, suelo ir a los partidos de mi equipo.

El fútbol ocupa un lugar muy importante en tu vida. No solo desde lo deportivo, sino también desde lo cultural. ¿Qué fue lo que te fascinó desde el principio de las gradas y las curvas?

Como dije en la pregunta anterior, la pasión. La comunidad que veo que genera, la unión entre las personas. También diría que es algo identitario, por eso siempre soy de los que creen que se debe animar y seguir al equipo de tu ciudad, barrio o pueblo.

Hoy en día mucha gente ve el fútbol únicamente como un negocio. Tú, en cambio, hablas a menudo de comunidad. ¿Qué se encuentra en una grada que se ha perdido fuera del estadio?

No sé el resto pero yo encuentro un lugar donde compartir, ser y estar con personas que entienden esto como algo más que como que un deporte. También un altavoz para denunciar aquello que esté ocurriendo en tu entorno desde la grada, ya que el estadio es un escaparate a nivel mediático a donde acude mucha gente.

En una grada vas a encontrar comunidad, colectivo, algo que une. En medio de un sistema que trabaja por y para el individualismo, las gradas son una trinchera.

¿Hasta qué punto la cultura de la afición ha cambiado tu forma de entender la lealtad?

Hasta el punto de que entiendo que a lo que pertenezco es más grande que yo mismo y por ello, si es necesario darlo todo, así será.

También creo que puede servir como metáfora de la propia vida. Hay que estar con tu equipo, con tu gente. En las buenas y sobretodo en las malas. Igual que no dejarías a tu familia en una etapa jodida tampoco lo vas a hacer con tu gente, con tu equipo. Lealtad. 

Pasemos a tu música. Tú mismo dices que nunca estuvo pensada para las masas. ¿Fue alguna vez el éxito más importante para ti que la credibilidad?

Nunca. Es más, para mí la música con el paso de los años se ha convertido en un altavoz para denunciar aquello en lo que estoy en contra y hablar de lo que quiero. Por eso me da igual a donde llegue, nunca busqué ganar dinero con ello.

Y sobre la credibilidad… creo que para tenerla antes debes tener respaldo. Y con esto no hablo de tener quien te cubra las espaldas, si no que tus hechos respalden lo que dices ser. Ahí tendrás credibilidad. Si no, a la primera que la vida te ponga a prueba se verá que todo lo que dices tras la pantalla en la realidad no es más que un slogan, una cortina de humo.

Tus letras muchas veces parecen páginas de un diario. ¿Escribes más para ti mismo o para personas que han vivido experiencias parecidas?

La verdad que nunca pienso en eso, simplemente escribo. Creo que tengo desde canciones más dirigidas hacia la gente hablando de como veo las cosas a canciones en las que hasta parece una conversación conmigo mismo.

¿Qué verso o qué canción describe mejor a Juanan en este momento?

 Uff… no sabría decir una canción o un verso en concreto ahora mismo. Tengo muchas que me podrían definir.

Si tuviera que elegir una ahora mismo te diría una de Non Servium, la de ‘Animal’.

Llevas años colaborando con artistas y también con diferentes marcas. Hace poco también supiste dar vida a nuestra colaboración con los chicos de Dotore de una forma increíble. Se nota que mucha gente confía en ti. ¿Crees que la confianza se puede aprender o solo nace con el tiempo compartido?

Creo que para que una marca, un grupo y otras personas confíen en ti para sus propios proyectos necesitas primero que tus trabajos hablen por ti. Creo que mucho de lo que tengo hoy en día y de la gente que me llama para trabajar es porque más allá de que pueda gustarles más o menos lo que hago y cómo trabajo, se sienten identificados con lo que soy, con lo que es también mi proyecto ‘La Purezza del Quartiere’.

Desde hace años veo a revistas y medios hablando de trabajos en los que yo he participado y cuando hablan de mí siempre dicen una frase que me gusta mucho:

‘Siempre fiable, disparo seguro’.

¿Ha habido ocasiones en las que rechazaste conscientemente algún proyecto porque no encajaba con tus valores?

Unas cuantas, aunque cada vez lo hago menos porque directamente la gente ya conoce mi proyecto, lo que soy, cómo es y lo que no hago. Es una manera de ahorrarte que se te acerque la basura, siendo firme desde el principio.

¿Qué historia te gustaría contar algún día, pero todavía no has encontrado el momento adecuado para hacerlo? Da igual si es con la cámara de fotos o con el micrófono.

Llevo muchos años con la misma historia en la cabeza, ideada ya. Si no lo he llevado a cabo es porque para hacerlo necesitaría de todo mi tiempo y cariño y ahora mismo no puedo. No puedo decir más, solo que el día que eso salga a la luz haré historia. No tengo pruebas pero tampoco dudas. 

Transmites la sensación de ser una persona que siempre está en movimiento. ¿Eres capaz de quedarte quieto alguna vez?

Si estoy quieto es porque algo malo me pasa JAJAJAJAJAJ

No, imposible. La vida es para arrasarlo todo, yo no he venido aquí para ser uno más.

Y antes de terminar: si hoy Alcorcón pudiera escribirle una carta a Juanan, ¿qué crees que pondría en ella?

La verdad que no lo sé. Sólo espero que el día que no esté aquí, más que recordarme a mí, la gente recuerde porqué hicimos todo lo que tuvimos que hacer.

¡Muchísimas gracias por esta gran conversación! Como siempre, las últimas palabras son para nuestro invitado. Di lo que quieras decir.

Gracias a la gente de Sapeur por darme la oportunidad de aparecer por aquí. Para mí es todo un honor que un proyecto como el vuestro se interese por mí.

Desde Alcorcón, un saludo grande. Por más años de cultura, arte, fútbol, buena música y antifascismo.

La Purezza del Quartiere