Es ist Freitag, und ihr wisst, was das bedeutet: Eine neue Runde eurer Favoriten steht an!

“Out of bed at eight am
Out my head by half past ten
Out with mates and dates and friends
That’s what I do at weekends
I can’t talk and I can’t walk
But I know where I’m going to go”

So, oder so ähnlich wie The Specials es in ihrem Song „Friday Night, Saturday Morning“ beschreiben, stelle ich mir die Wochenenden unseres heutigen Gesprächspartners vor. Ihr kennt Ingo alias @snkrcrps bereits von unserem Interview auf dem Blog oder als Gast bei unserem Podcast Casual Madness. Ingo hat das Herz auf der Zunge, das Bier im Blut und den Tabak in der Lunge. Auch auf die Gefahr hin, dass ich mich zum dritten Mal in Folge in unserer The Favorites-Serie wiederhole, ist er ebenfalls ein Tresenromantiker der alten Schule. Aber das wird er euch gleich selbst erzählen.

Doch Ingo ist noch mehr: ein leidenschaftlicher adidas Sammler, Bastler und Sneakercleaner. Seid ihr bereit, in das Leben eines Genussmenschen einzutauchen? Dann öffnet euch ein Bier oder, falls noch Arbeit vor dem Wochenende ansteht, holt euch lieber einen Doppio oder einen starken Filterkaffee. Viel Spaß mit The Favorites von Ingo! Read responsibly. 

Dein Vorname

Ingo

Welches „Baujahr“ steht in deinem Ausweis?

1976

Dein Verein

Als gebürtiger Hannoveraner, nur die HSV’s. Aber ich habe Herz und Leber auch an die Oldschdod verloren.

Wie bist du mit der Casual Culture in Kontakt gekommen?

Wenn man sich etwas länger und intensiver mit dem Thema Turnschuhe als Kulturgut beschäftigt, dann stolpert man automatisch schonmal über die Begrifflichkeit Casuals. Auch wenn Fußball schon als kleiner Molch ein Thema für mich war, hatte ich nie eine Beziehung zur Casual Kultur. Sicherlich auch, weil ich nie Teil einer aktiven Fußballszene war. Ich komme ja aus der Hiphop und Breakbeat Subkultur der frühen Neuziger. Das habe ich gelebt, geatmet und bis heute verinnerlicht. 

Dann kam 2015 Casual Couture Hamburg. Als ich zu der selben Zeit bei adidas Originals Schanze (RIP) gejobbt habe, hatten wir dort einen Stammkunden, der an der Entstehung von CCHH beteiligt war. Durch ihn bin ich dann in den Dunstkreis dieser duften, äußerst geschmackvoll gekleideten Typen gekommen.

Irgendwann, ziemlich am Anfang von CCHH gab es auch mal ein Meet and Greet mit Cass Pennant inkl Vorführung des Films „Casuals: The Story of the Legendary Terrace Fashion“ mit anschließendem Q&A, Bezirksligaspiel mit Bier und Bratwust usw…

Auch wenn dieses eindrucksvolle Wochenende mit Cass mir die Möglichkeit gegeben hat, das ganze kulturwissenschaftlich aufarbeiten zu können und ich seit Casual Couture wesentlich mehr Berührungspunkte mit Fußball und seinen Szenen habe – I’m still a Bucket Hat Raver.

Wie würdest du deinen eigenen Stil beschreiben?

Frisch gewaschen am Rande der Verwahrlosung und nie gebügelt.

Entspannte, HipHop beeinflusste Straßenmode der 90er trifft Kreisliga Platzwart.

Lange Hosen z.B. trage ich ausschließlich Carhartt Cargos. Auch wenn ich die Preis/Leistung nicht mehr so prickelnd finde, sie sind bequem und praktisch. Die Carhartt Produkte der Neunziger waren praktisch unverwüstlich. Heute tragen sich die Cargos von Carhartt WIP schnell ab und ich muss die gezwungenermaßen alle Nase lang zum Schneider schleppen.

Da muss man bei einer 3 Jahre alten Hose schon mal genau überlegen, ob man die zum romantischen Dinner mit der Freundin anziehen kann. Natürlich habe ich mir im Laufe der Jahre auch einige gepflegtere Kleidungsstücke bei Casual Couture gezogen.

Bist du bei den Spielen deines Vereins immer in der Kurve anzutreffen?

Tatsächlich nein. Auch eine Dauerkarte besitze ich nur für den ÖPNV. Im Niedersachsenstadion sitze ich meist irgendwo auf den W Rängen.

Im Volkspark ist es der Platz auf der Nordtribüne, wo eine Dauerkarte meiner Jungs über ist, oder, wenn VVK, in ihrer Rufweite.

Dein Lieblingsstadion? (neben deinem Club)

Das Hans-Walter-Wild Stadion in Bayreuth!

2 Bratwürste zum Preis von einer, das Biest und seine Menschen, außerdem Bayreuther Hell vom Hahn.

Wie sieht dein typischer Ablauf am Spieltag aus?

Unabhängig davon, ob „außwärts“ in Hannover, oder in Hamburg, wenn ich an Sams- oder Sonntagen von zuhause starte, ist morgens meist erstmal eine Aspirin notwendig. Dann kalt duschen und über ein nahrhaftes Frühstück eine solide Grundlage schaffen. Dann kommt Bier ins Spiel.

An Freitagen hat man sich ja für gewöhnlich den Tag eh schon mit Arbeit versaut. Der Druck, zielorientiert alkoholische Erfrischungsgetränke zu konsumieren ist da dann aus Gründen entsprechend größer. 

Was allen Tagen gemeinsam ist, vor, während und nach dem Spiel, kaltes Bier und heiße Bratwurst, mit guten Menschen, an schönen Orten zu genießen. Kneipe, Kiosk, Bierbude… egal. Am Ende des Tages muss ich eh auf dem Sofa schlafen.

Dein bevorzugtes Bier?

Für die Langstrecke!? In Hannover ist es Lindener Spezial, in Hamburg Holsten Pils. Im krassen Gegensatz dazu trinke ich auch sehr gerne Imperial und Pastry Stout, oder Double Dry Hopped Triple IPA (laut einer Freundin die überflüssigste Biersorte der Welt – Hi Dschuli). Ach komm, bring mir alle Biere mit mindestens 8% und aufwärts. Ich liebe sie! Allerdings sind dann die Abende, oder Tage damit entsprechend kürzer.

Welche ist deine Lieblingsjacke? (In deinem Besitz und dein Holy Grail)

Vor Jahren habe ich bei eBay eine adidas Lederjacke aus der Olympic Collection geschossen, die so Ende der Neunziger, Anfang der 2000er gedropped wurde. Viel Patina, etwas boxy, aber feinstes Leder und für nur 20€ kannste nicht knurren. Liebe ist das Wort, was unsere Beziehung am besten beschreibt. Als Kind der Neuziger Feier ich auch Tracktops sehr hart. Ich hab eine kleine, etwas prollige Sammlung aus Tracktops und Coach/Stadion Jacken zusammengetragen, die ich bei jeder Gelegenheit kombiniere. Aber auch alles nix, was man an einem romantischen Abend trägt! Was das ganze aber für mich besonders macht, Stella, aus dem adidas Apparel Archive in Herzo, hat mir zu einigen Stücken die entsprechende adidas Katalog Seite seiner Zeit zukommen lassen. Liebe dafür, Stella! 

Gibt es vielleicht eine besondere Errungenschaft, auf die du ganz besonders stolz bist?

Ja, gab es mal. Aber Asche auf mein Haupt! Als wir 2022 umgezogen sind, habe ich mein Heiligtum, die gigantische Torsion Lampe tatsächlich verkauft! In der neuen Wohnung war einfach kein Platz mehr dafür… wirklich… keine Chance. Es musste eine Entscheidung getroffen werden. Entweder geht die Lampe, oder der Marantz Hi-Fi Turm von 1977, den ich von meinem Opa geerbt habe. Am Ende ist die Lampe zumindestens in meiner adidas Familie geblieben und dank des Hi-Fi Turms hören meine neuen Nachbarn gute Musik, ob sie wollen oder nicht! Aber wenn es wirklich um so etwas wie Stolz geht – dann meine in eigener Handarbeit hergestellten „Track and Boost“ Customs. Da hab ich viel Blut, Schweiß und Tränen für vergossen.

Welche Marken kicken dich aktuell am meisten?

Schwierig! Meine Markenabhängigkeit macht es mir nicht einfach, diese Frage zu beantworten. Darüber hinaus bin ich alles, aber nicht into recent Fashion und Brands. Es sind einzelne, wenige Drops von adidas, die mich bewegen. Meist Schuhe, hin und wieder auch Apparel. Das 20 Jahre Overkill Paket, speziell der Guidance, hat mich absolut überzeugt. Ansonsten suche ich viele Pieces auf dem zweit Markt. Die bereiten mir immer große Freude. Die Releases von Eskapada Essentials in der Vergangenheit fand ich sehr gelungen. Solide Basics mit schönen Details.

Wie sah dein letztes Matchday Outfit aus?

Top to bottom, Hawkins and Joseph Beanie, Eskapada Sweater, Diesel Parka, Carhartt Cargo und adidas Support 91.

Was sind deine Top3 Sneaker/Trainer?

Ok, nur das, was in meiner Sammlung und aktuell auch tragbar ist. adidas X Overkill Guidance 20 Jahre Pack, TRX 2000 und der ZX 2000.

Welche Bands und Künstler finden wir auf deiner Awaydays-Playlist?Dimple Minds, Mehnersmoos, Udo Jürgens, Hate Squad, Rodger Whittaker. Eine gesunde Mischung aus asozial, Alkohol, Aggression und Herzschmerz.

Welche Film- und Serienempfehlung gibst du uns mit auf den Weg?

Three Body Problem, Midnight Mass und Sweet Home haben mich sehr gut unterhalten in der letzten Zeit. Sonst gucke oder höre ich viel True Crime, Mystery und Spooky Stuff. Ich bin fasziniert von menschlichen Abgründen und Unerklärlichem. Ich kann nicht gut mit Cliffhangern umgehen. Wenn dann nach spätestens 60 Minuten ein Thema durch ist, bin ich tiefenentspannt und glücklich. 

Buch und Kultur: Was sind hier deine Favoriten?

Sachbücher! Seit ich lesen kann, ziehe ich Sachbücher Storytelling vor. Das hat mich zu einem wandelnden Kompendium des unnützen Wissens gemacht. Im Augenblick lese ich „Kein Bier ohne Alster“, die Geschichte des Bieres in Hamburg. Unfassbar interessant und appetitanregend.

Meine Abende und Nächte schlage ich mir gerne mit kleinen Rap Gigs oder Drum and Bass/Jungle Parties um die Ohren. Das darf alles gerne einen eher familiären Rahmen haben und die Künstler sind entweder alles andere als Mainstream, oder Oldschool. 

Da Kneipe mit ihrem ganzen Drumherum ja auch Kulturgut ist, will ich Euch unser Stadtteiltrinken nicht vorenthalten. Mein guter Freund Stig und ich haben uns letztes Jahr vorgenommen, in jedem einzelnen der 104 Hamburger Stadtteile die Kneipen leer zu trinken. Pro angefange 20000 Einwohner im jeweiligen Stadteil müssen wir eine Kneipe machen. Bei z.Z. 40 Stadtteilen und 69 Kneipen durften wir auf unserer soziokulturellen Bier Safari schon einige ungeahnte Highlights der Hamburger Kneipenlandschaft und deren Stammgäste kennenlernen. Steilshooper Eck, Tonndorfer Burg, Anno 1960, Katz und Kater, sowie das Zwergenstübchen, um mal meine Top 5 zu nennen. 

Vielen Dank für euer Ohr! In dem Sinne, Prost un Ahoi! Bleibt gesund und durstig!

Es war mir wieder mal ein Fest, Ingo! Melde dich bitte, falls du diesen Sommer wieder in Frankfurt vorbeischauen solltest. Und ja, ein Besuch bei euch in Hamburg ist überfällig.