Die 990er-Serie von New Balance war bei mir definitiv keine Liebe auf den ersten Blick. Eher so ein langsames Rantasten an das Thema „Dad Shoes“, gefördert durch verschiedenste Outfit-Pics aus unserer Welt und begleitet von dem immer wiederkehrenden Gedanken: „Eigentlich sieht das gar nicht verkehrt aus.“
Dann kam irgendwann der erste 990v2 bei mir rein und, siehe da: Diese herrlich massive Außensohle macht den Schuh nicht nur optisch interessant, sondern auch verdammt komfortabel. Und über die Qualität der eingesetzten Materialien bei den Made in USA-Modellen müssen wir uns vermutlich ohnehin nicht lange unterhalten.

Wie das dann eben so ist – angefangen bei Tattoos über Jacken bis hin zu Turnschuhen – sollte es natürlich nicht bei einem Colorway bleiben. Man kennt das. Erst findet man etwas ein bisschen komisch, dann ganz interessant und irgendwann überlegt man, ob man wirklich noch einen weiteren grauen Sneaker braucht. Spoiler: Natürlich!
Warum ich euch das alles erzähle? Ganz einfach: Anfang November bekommt die 990er-Familie Zuwachs. Und New Balance bringt es in der dazugehörigen Kampagne ziemlich passend auf den Punkt: Dad’s back.

Bevor wir uns dem neuesten Familienmitglied widmen, lohnt sich allerdings ein kurzer Blick zurück. Denn die Geschichte des 990 ist mittlerweile fast so legendär wie der Schuh selbst. New Balance arbeitete seinerzeit mehrere Jahre an einem Laufschuh, der Stabilität, Flexibilität, Komfort und hochwertige Materialien möglichst kompromisslos miteinander verbinden sollte. Heraus kam 1982 der erste 990: graues Wildleder, atmungsaktives Mesh und für damalige Verhältnisse ziemlich ambitionierte Technik.

Made in USA. Grau. Funktional. Und mit einem Preisschild von 100 Dollar alles andere als zurückhaltend. Auch beim Marketing hielt man sich nicht unbedingt mit falscher Bescheidenheit auf. „On a scale of 1000, this shoe is a 990.“ Kann man machen. Vor allem dann, wenn man offenbar ziemlich genau weiß, was man da gerade gebaut hat.
Was vermutlich niemand bei New Balance vorhersehen konnte: Der 990 sollte irgendwann mindestens genauso interessant für Menschen werden, die keinerlei Absicht hatten, auch nur einen einzigen Kilometer darin zu laufen.

Ende der 80er- und in den 90er-Jahren entwickelte sich insbesondere in Washington, D.C. und Baltimore eine eingeschworene New Balance-Fangemeinde. Die grauen Suede-und-Mesh-Runner wurden dort vom Performance-Schuh zum Bestandteil eines lokalen Dresscodes und bekamen einen Status, den sich wohl kein Produktdesigner am Reißbrett hätte ausdenken können. Der Schuh den die Väter im Büro, beim Samstageinkauf oder auf Familienausflügen trugen.

Jetzt steht also der 990v7 vor der Tür. Und wer angesichts der mittlerweile siebten Generation ein komplett neues Gesicht erwartet, hat das Prinzip 990 vielleicht noch nicht ganz verstanden. Die Kunst liegt hier schließlich seit jeher darin, etwas zu verändern, ohne das zu zerstören, weshalb die Leute den Schuh überhaupt mögen.

Der erste 990v7 erscheint dementsprechend in der wohl einzig richtigen Farbe: Grau. Genauer gesagt in Kool Gray/Calcium/Light Arctic Gray. Verschiedene helle und dunklere Grautöne verteilen sich über den Upper aus Pigskin Suede und Mesh. Dazu kommen hochwertig wirkende Tumbled-Leather-Akzente und überarbeitete synthetische Suede-Elemente. Die Silhouette wirkt dadurch etwas schlanker und aufgeräumter als bei ihrem Vorgänger, ohne plötzlich so zu tun, als wäre sie kein 990 mehr.
Besonders auffällig sind die leicht vorvergilbten Midsole-Elemente. Das Calcium-Finish findet sich außerdem an der Umrandung des N-Logos sowie an den Laces wieder und verpasst dem Schuh diesen derzeit so beliebten „Ich stand seit 1994 in einem ziemlich guten Sneaker-Archiv“-Look.

Kann man über künstlich gealterte Sohlen diskutieren? Sicher. Sieht es hier gut aus? Leider auch ja. Dazu gesellen sich kleine hellblaue Akzente in der Midsole – ein Detail, das man bei den klassischen grauen 990ern so bislang nicht kannte.
Während man außen also behutsam an der Ikone gefeilt hat, passiert technisch ebenfalls einiges. Der 990v7 bekommt eine weichere Variante der FuelCell-Dämpfung als der 990v6. Kombiniert wird diese mit einem festeren ENCAP-Segment und einem TPU-Shank im Mittelfußbereich, der zusätzliche Stabilität liefern soll.
Oder anders gesagt: oben Dad, unten ziemlich moderne Performance-Technik. Genau dieser Spagat ist vermutlich das Interessanteste am neuen 990. Denn statt aus dem Dad-Shoe-Image herauswachsen zu wollen, macht New Balance das einzig Vernünftige und umarmt es einfach komplett.

Für uns gibt es beim 990v7 noch ein weiteres schönes Detail. Unser alter Bekannter Jean Khalife ist mittlerweile Creative Design Manager bei New Balance und war maßgeblich an der Entwicklung des neuen Flaggschiffs der 990-Serie beteiligt. Für ihn steht der 990 für das kontinuierliche Streben nach Qualität und Handwerkskunst – über Generationen hinweg weiterentwickelt und auf den ersten Blick sofort erkennbar. Die eigentlichen Innovationen sollen sich erst zeigen, wenn man genauer hinschaut.

Genau darin lag auch die Herausforderung beim v7: die richtige Balance zwischen Vertrautem und Fortschritt zu finden. Die Silhouette sollte ikonisch bleiben und gleichzeitig eindeutig neu wirken. Dafür wurde insbesondere der Upper verfeinert und etwas eleganter gestaltet. Die typische Kombination aus Pigskin Suede und atmungsaktivem Mesh bleibt erhalten, wird nun aber durch Tumbled Leather und hochwertigere synthetische Suede-Elemente ergänzt.

Oder wie Jean es selbst beschreibt:
“The 990v7 represents a new chapter in the 990’s lineage. The goal was to strike the perfect balance between familiarity and progressiveness. It had to feel iconic, but also unmistakably new.”

Und eigentlich fasst das den 990v7 ziemlich gut zusammen. Denn natürlich könnte man fragen, wie viel Innovation ein grauer Sneaker braucht, dessen größtes Talent seit über vier Jahrzehnten darin besteht, immer irgendwie wie ein 990 auszusehen.

Der New Balance 990v7 Made in USA erscheint am 6. November bei New Balance und ausgewählten Händlern weltweit. Und falls ihr beim ersten Anblick noch denkt: „Hm, weiß nicht. Schon ziemlich Dad …“ Gebt dem Ganzen ein bisschen Zeit. Ich kenne das.

Source: New Balance