Sapeur OSB im Gespräch: Kami Hashemi, B74 Selected Goods

Frankfurt galt lange als Stadt ohne besondere Einkaufsmöglichkeiten oder schicken Konzepten. Kami Hashemi sorgt mit seinen Perlen des Einzelhandels wie B74 Selected Goods, Red Wings Store und Freitag by B74 Selected Goods für die große Ausnahme am Main und verschafft mit seinen Stores nicht nur einen Blickfang, sondern auch ein Einkaufserlebnis. Mit unserem Gesprächspartner blicken wir heute bei uns auf dem Blog über den Tellerrand. Kami ist so etwas wie ein kleine Legende hier in der Stadt. Er stattet Frankfurt bereits seit mehreren Jahrzehnten aus und fokussiert sich heute auf Marken der Heritage Menswear, die für Qualität und zeitlose Klassiker stehen. Wir wünschen euch viel Spaß mit dem Interview.

© Christian Schramm | B74 Selected Goods

Gude Kami! Erst einmal vielen Dank, dass du dir für uns Zeit genommen hast. Du bist in der internationalen Modewelt zuhause, für deinen guten Geschmack auch außerhalb von unserem größten Dorf der Welt bekannt und ein sehr gefragter Interviewpartner. Stell dich aber bitte einmal selbst unseren Lesern vor.

1967 in Frankfurt geboren und aufgewachsen. Ich liebe meine Stadt und die Frankfurter. Meine Eltern starteten Ende der 70er Jahre mit mehreren Geschäfte in der Frankfurter Innenstadt. Unter anderem mit Marken wie Chevignon, Buffalo Boots, Fiorucci, Benetton, Liberto, Jet Set usw. Ich bin quasi in den Einzelhandel mit Klamotten und Schuhen hineingeboren worden.

Du bist in Frankfurt aufgewachsen und kleidest die Stadt mit deinen Shops „B74 Selected Goods“, „Red Wing Shoes“ und „Freitag“ von Kopf bis Fuß. Wie würdest du die Mentalität der Frankfurter und ihren Kleidungsstil beschreiben?

Der Frankfurter ist nicht ganz so einfach, anfangs Neuem eher kritisch, aber durchaus zu begeistern.
Den Kleidungsstil der Frankfurter ist total gemischt, man kann den Frankfurter nicht in eine Schublade stecken.

© Christian Schramm | B74 Selected Goods

Eigentlich wollten wir dich ja „nur“ zu B74 Selected Goods befragen, aber alter Vadder, du bist ja schon mehr als nur eine lokale Größe und betreibst den ersten deutschen Red Wings Shoe-Store der Republik, den es seit nun 40 Jahren in Frankfurt gibt. Eine Marke, die u.a. für den Klassiker „875 Moc Toe“ steht. Erzähl doch bitte einmal wie die ganze Sache mit dir und der Fashion Industrie anfing?

Wie gesagt bin ich quasi da reingeboren worden. Meine Eltern hatten Ende der 1970er – Anfang der 1980er sechs Läden mit den besten Labels, die eigentlich jeder gebürtige Frankfurter kennt. Das ,,Subway’’ war der Männerladen mit Marken wie Chevignon, Jet Set, Liberto, Biscote, Sabotage etc. Das ,,Life’’ war der Damenladen mit Fiorucci und das ,,Cisco Kid’’ mit Schuhen von Buffalo, Caterpillar und irgendwann dann auch Red Wings. Wenn Du in Frankfurt aufgewachsen bist, hast Du auch irgendwann irgendwas bei uns eingekauft.

Eine lange und erfolgreiche Geschichte. Was würdest du sagen ist das Geheimnis deines Erfolges?

Ich habe quasi als kleines Kind meine Hausaufgaben hinter dem Tresen gemacht und war mit einem Ohr bei jedem Kundengespräch dabei und habe so eben mitbekommen wie und wofür sich Menschen begeistern.
Neben der Beratung ist es die Auswahl an Produkten, die ein Teil unseres Erfolges sind. Den Red Wing Store haben wir dann 1998 übernommen, sprich den gab es dann bereits schon seit 20 Jahren.

Sapeur OSB hat sich zwar der Mode von der Tribüne und dem von britischen Subkulturen inspirierten Stil verschrieben, aber wir kommen nicht herum, von dem Konzept um B74 Selected Goods zu schwärmen. Viele fahren vielleicht in andere Städte um solche Stores wie deinen zu besuchen, ohne wissen dass es diese Perle am Main gibt. Die Produktpalette ist recht schnell erklärt: sehr hochwertige Heritage Menswear. Wie bist du auf die Idee zu B74 gekommen und was hat dich hierbei inspiriert?

Ich habe irgendwann mit T-Shirts von Johnson Motors und Denim von Atelier La Durance im Obergeschoss vom Red Wing Store angefangen und dort nur Kunden hochgelassen die bereits im Bestitz von Red Wings waren. Meine erste Raw Denim war von Atelier La Durance und diese hat mit schlichtweg umgehauen. Ich hab mich dann so in das Thema reingesteigert, das irgendwann der Platz nicht mehr gereicht hat. So wie es Red Wing im Bereich Schuhe macht, gibt es eben auch andere Hersteller die alles geben um hochwertige Klamotten und Accessoires herzustellen. Ich dachte mir das ist es, neben den Schuhen die entsprechende Kleidung anzubieten.

© Christian Schramm | Red Wing Store Frankfurt

Die Auswärtigen fragen sich bestimmt für was „B74“ steht und warum ihr diesen Namen für den Shop verwendet.

Das ist ganz einfach die Adresse: Berliner Strasse 74 🙂

Für mich Laien wirkt B74 wie ein Konzeptstore. Die Aufmachung und das Interieur sprechen eine deutliche Sprache und…sorry…ich bin fast mehr hiervon begeistert als von den angebotenen Kleidungsstücken und Accessoires. Nach welchem Konzept hast du den Look des Shops entworfen und was sollte hiermit vielleicht ausgedrückt werden?

Ich habe in meinem Leben viele Shops eingerichtet und mit Ladenbauern zusammengearbeitet, jedoch meist mit wenig Budget. Ich habe ca. ein Jahr lang nach alten Möbeln gesucht und irgendwann wurde mir die komplette Einrichtung eines alten Berufsbekleidungsgeschäftes angeboten. Alte Kleiderständer und ein paar Tische haben den Rest gegeben. Ich wollte mit der Einrichtung flexibel bleiben und gestalte immer wieder um. Das war mein Ziel und dieses wollte ich mit bereits gebrauchten Möbeln erfüllen.

Im Markenportfolio findet man Namen, die für Kleidung stehen, die alle handwerklich und qualitativ hochwertig sind. Filson, Merz b. Schwanen, Tellasson, Dehen 1920 , Topo Designs, etc. Nach welchen Kriterien entscheidest du welche Marke zu B74 Selected Good passt?

Qualität, Design, Herkunftsland, Händlerportfolio und der persönliche Kontakt zu den Menschen, die hinter der Marke stehen, sind für mich die Teaser. Dann schaue ich mir das ein bis zwei Saisons an und starte relativ klein und baue es dann aus, sofern es auch beim Kunden gut ankommt.

© Christian Schramm | Red Wing Store Frankfurt

Ich würde sagen, dass die Marken für Heritage Menswear begrenzt sind. Wo und wie findest du neue, freshe Marken, die bei euch ins Konzept passen?

Oft sind es alte Brands, die eingeschlafen sind und dann wieder Gas geben. Aber es gibt doch noch einiges zu entdecken und es entstehen auch viele neue kleine Brands die sich auf etwas spezialisieren und einen top Job abliefern.

Wie würdest du den typischen B74 Kunden beschreiben?

Auf der Suche nach Labels, die zeitlose Produkte herstellen – mit Liebe zum Detail – und vor allem ohne dabei das Label groß zu präsentieren.

B74 liegt ja leider etwas versteckt und für die Leute auf der Zeil wirken die hochpreisigen Produkte vielleicht etwas altbacken. Wie seid ihr mit dem Kundenzuspruch zufrieden? Stolpern die Leute eher zufällig bei euch rein oder habt ihr mittlerweile eine große Stammkundschaft?

Wie Du bereits festgestellt hast ist unser Laden versteckt, daher stolpert hier keiner einfach so rein. Wir leben hauptsächlich von Stammkunden die uns im Laufe der Zeit gefunden haben oder denen unser Geschäft empfohlen wurde.

© Christian Schramm | B74 Selected Goods

Als vor der Wende noch die in Frankfurt stationierten GI´s das Stadtbild prägten, hatten die Schüler des College Sportteams eine geniale schwarze Collegejacke mit einem FRANKFURT und GERMANY Schriftzug auf dem Rücken. Gemeinsam mit Dehen1920 präsentiert ihr ein Schmuckstück von Jacke, das an diese Zeit und Design angelehnt ist. Welche persönliche Geschichte gibt es hierzu und bietet ihr die Jacke immer noch zum Kauf an?

Als ich noch jung war, hatte ich nicht viele Klamotten. Besser gesagt meine Eltern dachten es wäre nicht gut wenn ich mir einfach alles aus dem Laden nehme. Also fing ich irgendwann an Jacken zu sammeln für die ich damals kein Geld hatte. Irgendwann kam ich an eine der Frankfurt Jacken und sie wurde meine Lieblingsjacke. Jeder sprach mich darauf an, also dachte ich mir die muss es wieder geben. Es dauerte ein paar Jahre bis ich dann Dehen1920 entdeckte. Hier konnte ich mit einem hochwertigen Label und einer kleinen Auflage starten. Diese habe ich dann nur selektiv an Family und Freunde verkauft. Mit der Zeit wurden es dann immer mehr, die das Glänzen in den Augen hatten und sich an Ihre Jugend erinnerten und schon immer so eine Jacke haben wollten. Eine Bekenner-Jacke eben. Jeder der so eine Jacke besitzt, trägt sie mit Stolz.

Neben Kleidung und Accessoires bietet ihr auch Homeware an. Wollt ihr neben dem Kunden auch deren Zuhause „einkleiden“? Was umfasst hier euer Sortiment und mit welcher Idee geht ihr bei der Auswahl hierzu vor?

Ich denke unsere Kunden lieben alle das Gleiche und wenn ich was entdecke was zum Thema/ Konzept passt, dann kaufe ich es einfach.

© Christian Schramm | Freitag by B74 Selected Goods

Der Schweizer Taschenhersteller Freitag hat Ende 2016 sein eigenes Markengeschäft in Frankfurt eröffnet, bei dem du der Betreiber bist. Neben den begehrten Taschen, die aus LKW Planen gefertigt sind, führt der Shop auch Kleidung der Marke. Wenn man deine Vita betrachtet, scheinst du rastlos und immer mit dem richtigen Riecher unterwegs zu sein. Sind bereits weitere Projekte in Planung?

Das nennt sich ,,Freitag by Store“, sprich ein Store der nicht wie alle anderen von Freitag betrieben wird, sondern von jemand anderem. 2016 gab es zwei „Freitag by Stores“. Wir sind quasi die Ersten in Europa mit dem Konzept, welches dem normalen von Freitag selbst betrieben Stores gleichzusetzen ist. Für mich eine besondere Ehre.
Neben drei Läden, zwei Onlineshops und drei Labels, die wir Europaweit vertreiben, gibt es noch zwei Ordershows für Händler. Eigentlich reicht das erstmal, aber evtl. kommen wir schon im Oktober 2018 mit einem weiteren Konzept um die Ecke…

Kami, jemand der so lange wie du mit der Stadt und dem Einzelhandel verwurzelt ist, wie würdest du die viel gescholtenen Einkaufsmöglichkeiten in Frankfurt einschätzen?

Meiner Meinung nach gibt es zu wenig an individuellen Einkaufsmöglichkeiten. Wir haben einige gute Geschäfte und Konzepte in unserer Stadt, aber ich denke, Frankfurt könnte noch einiges mehr vertragen. Der Inhaber geführte Einzelhandel hat es grundsätzlich schwer da viele Labels nun auch eigene Stores betreiben.

© Christian Schramm | Freitag by B74 Selected Goods

Vielen Dank, dass du mit uns „leidenschaftlichen Amateuren“ das Frage-Antwort-Spiel gemacht hast. Deine Shops und Ideen bereichern unsere Stadt und zeigen, dass wir doch die ein oder andere Perle im Einzelhandel-Dschungel zu bieten haben. Wir wüschen dir weiterhin viel Erfolg und das richtige Gespür.

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