Endlich komme ich dazu, Universal Works mal wieder auf unsere kleine Blogbühne zu bitten. Anlass dafür ist eine Kollaboration, die ziemlich genau in unser Beuteschema fällt: Universal Works hat sich mit Walsh zusammengetan – einer dieser herrlich britischen Schuhmarken, bei denen nicht irgendein gesichtsloser Konzern im Hintergrund die Strippen zieht, sondern bei denen tatsächlich noch Familienbetrieb, Fabrik und eine ordentliche Portion Geschichte zusammenkommen.

Den langjährigen Lesern dürfte der Name Walsh beziehungsweise Norman Walsh ohnehin bekannt vorkommen. Unter anderem durch die Kollaborationen mit The Casual Connoisseur. Dan und Tom haben schließlich schon mehrfach ihr herrlich verrücktes Talent unter Beweis gestellt, alteingesessene Marken und Produktionsstätten auszugraben und ihnen ganz nebenbei diesen gewissen Hauch Coolness zu verpassen. Ohne großes Geschrei, ohne künstlichen Hype – einfach durch ein gutes Auge für Dinge, die schon immer gut waren.

Von Nottingham nach Bolton
Universal Works hat bekanntlich Freunde und Partner auf der ganzen Welt. Für die aktuelle Zusammenarbeit musste man allerdings gar nicht besonders weit reisen. Von der UW-Heimat Nottingham ging es hoch nach Bolton, wo Walsh noch immer seine Schuhe fertigt. Ohnehin ist die Gegend für Universal Works kein unbekanntes Terrain. Co-Gründerin Stephanie stammt aus dem nahe gelegenen Rochdale und auch David Keyte verbindet mit der Region einiges.

Mit Walsh hatte Universal Works bereits vor einigen Jahren zusammengearbeitet. Bei der Rückkehr in die Fabrik soll sich dieses Mal allerdings etwas verändert angefühlt haben. David beschreibt es so, als sei dort etwas wiedererweckt worden: neue Energie, neues Leben und vor allem eine gewisse Aufbruchsstimmung. Klingt vielleicht ein bisschen pathetisch für ein paar Turnschuhe. Gefällt uns aber.

Für die Kollaboration hat man sich drei klassische Walsh-Modelle vorgenommen: Ensign, Tornado und Cobra, jeweils in drei Farbvarianten. Die Idee dahinter ist eigentlich angenehm simpel: Man nimmt etwas aus dem Archiv, lässt dessen Charakter in Ruhe und schiebt es mit Materialien, Farben und Details ein kleines Stück in die Gegenwart. Also eher behutsames Restaurieren als Komplettsanierung. Eine kleine Sonderbehandlung bekam allerdings der Cobra. Aus ihm wurde kurzerhand der Cob. Warum? Weil man in Nottingham ein Brötchen „Cob“ nennt.

Cobra

In Lancashire wiederum würde einem vermutlich jemand erklären, dass das Ding selbstverständlich „Barm Cake“ heißt. Andere Namen, gleicher alltäglicher Begleiter – und wahrscheinlich könnte man in England einen kompletten Abend im Pub damit verbringen, darüber zu diskutieren, wer nun recht hat.

Damit ist der Cob im Grunde die gesamte Zusammenarbeit in Schuhform: ein bisschen Nottingham trifft Bolton, lokale Eigenheiten treffen gemeinsame Geschichte und aus einem alten Walsh-Modell wird ein neuer Alltagsbegleiter.
Oder anders gesagt: Man beschäftigt sich mit der Vergangenheit, ohne anschließend darin wohnen bleiben zu wollen.

Mit im Gepäck sind übrigens auch verschiedene Oberteile und Hosen. Die können wir an dieser Stelle allerdings ziemlich elegant vernachlässigen.
Ihr wisst ja: Auf den Blog kommt nur das, was uns selbst fasziniert und was wir im Zweifelsfall auch tragen würden. Bei den Kleidungsstücken dieser Kollaboration springt der Funke bei mir leider nicht über.

Bei den Schuhen sieht das schon ganz anders aus. Mein persönlicher Favorit ist ganz klar der Walsh x Universal Works Tornado. Die Silhouette hat für mich genau diesen Charme eines 1970er-Jahre-Runners, bei dem man kurz überlegt, ob man ihn gerade in einem alten Laufsport-Katalog entdeckt hat. Und genau das macht ihn spannend.

Tornado

Universal Works und Walsh haben erfreulicherweise nicht versucht, aus dem Tornado etwas zu machen, das er nicht ist. Die klassische Form bleibt erhalten und bekommt ein Update aus hochwertigem Veloursleder und Sports-Nylon. Innen ist der Schuh komplett mit weichem Nappaleder gefüttert, während sich Walsh und Universal Works beim Branding angenehm zurückhalten.

Und vielleicht ist genau das der Grund, warum solche Kooperationen so viel interessanter sind als der siebenundzwanzigste Sneaker, bei dem lediglich zwei Logos nebeneinandergeklebt wurden. Walsh bringt die Geschichte und die Fertigung mit, Universal Works das Gespür dafür, diese Geschichte ein wenig abzustauben, ohne sie anschließend unter einer dicken Schicht Zeitgeist zu begraben.

Für alle, die jetzt ebenfalls ein Auge auf den Tornado oder einen seiner beiden Kollegen geworfen haben: In Berlin gibt es seit einigen Jahren einen Universal Works Flagship Store. Es könnte sich also lohnen, dort einmal nachzufragen, ob die Modelle verfügbar sind beziehungsweise bestellt werden können. Mit etwas Glück erspart ihr euch damit die Mehrkosten und den üblichen kleinen Brexit-Zirkus, der Bestellungen aus Großbritannien heutzutage leider begleiten kann.

Und falls nicht? Dann beginnt wieder das Nachdenken, ob wirklich jetzt einen neuen Sneaker benötigt. Was für eine Frage oder?!

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Ensign

Source: Universal Works