Es gab Zeiten, da hat ein neuer adidas SPZL Drop bei uns für ordentlich Schnappatmung gesorgt. Ihr wisst schon: aufgeregte Tage vor dem Release, nervöses Aktualisieren irgendwelcher Onlineshops, ausverkaufte Größen und Schuhe, bei denen man sich hinterher gefragt hat, ob man nicht doch besser gleich zwei Paar hätte kaufen sollen. SPEZIAL war eben SPEZIAL. Und das nicht nur wegen der drei Streifen.

In den vergangenen Jahren ist diese Euphorie allerdings ein wenig auf der Strecke geblieben. Sagen wir mal so: Es war nicht alles schlecht, aber so richtig vom Hocker gehauen hat uns auch nicht jede Kollektion. Der einstige Drive? Irgendwie ein bisschen verloren gegangen. Darüber haben wir uns in unseren letzten Artikeln zu adidas SPZL ja bereits ausführlich ausgelassen. Und bevor jetzt jemand denkt, hier wird schon wieder gemeckert: keine Sorge. Heute schlagen wir ausnahmsweise mal versöhnlichere Töne an.

Denn ich muss tatsächlich gestehen, dass mir die neue adidas SPZL Autumn/Winter 2026 Kollektion ziemlich gut gefällt. Zumindest in Teilen. Und damit meine ich vor allem die Schuhe. Aber der Reihe nach.

Dass Gary Aspden ein wandelndes adidas Archiv auf zwei Beinen ist, dürfte inzwischen auch dem Letzten bekannt sein. Kaum jemand versteht es so gut wie er, die Geschichte der Marke mit den drei Streifen immer wieder neu zu interpretieren. Dabei geht es bei SPZL bekanntlich nicht um besonders laute Designs oder darum, das Rad alle sechs Monate neu zu erfinden. Vielmehr dreht sich alles um die kleinen Details, vergessene Silhouetten, historische Farbgebungen und jene Kleidungsstücke, die irgendwann einmal irgendwo zwischen Fußballtribüne, Pub, Plattenladen und britischer Straße zum festen Bestandteil einer Subkultur geworden sind.

Dass es die neue AW26-Kollektion nun ausgerechnet in den Skatepark verschlägt, ist deshalb eigentlich gar nicht so überraschend. Schließlich liegen Terrace Culture und Skateboarding stilistisch näher beieinander, als man auf den ersten Blick vermuten würde.

Für die Kampagne hat man jedenfalls eine ziemlich illustre Truppe zusammengetrommelt. Riley Hawk, Dennis Busenitz, Vincent Milou, Shin Sanbongi und Lawrence Ravail geben sich die Ehre. Dazu gesellt sich Blondey McCoy, der ohnehin schon seit geraumer Zeit irgendwo zwischen Skateboarding, Mode und adidas unterwegs ist und bekanntlich auch seine eigene SPZL-Kollaboration vorweisen kann.
Ein durchaus sympathischer Cast, der zeigt, dass adidas SPZL eben nicht ausschließlich von nostalgischen Erinnerungen an verregnete Auswärtsspiele und längst geschlossene Nachtclubs lebt.

Kommen wir zur Bekleidung. Und hier fällt zunächst einmal positiv auf, dass man sich dieses Mal nicht ausschließlich durch sämtliche Schattierungen von Schwarz, Navy und Grau gearbeitet hat. Nicht falsch verstehen, gegen ein ordentliches Navy Blue ist grundsätzlich überhaupt nichts einzuwenden. Aber irgendwann darf es dann eben auch mal etwas anderes sein.

Mit Rot, Grün und einigen erdigen Farbtönen bringt die neue Kollektion jedenfalls ein wenig frischen Wind in die Garderobe. Natürlich bleibt alles schön zurückhaltend und typisch SPZL. Schließlich wollen wir hier niemanden mit allzu viel Farbe erschrecken. Besonders interessant ist der Eccleshill Smock, der in Rot und Grün daherkommt und irgendwo zwischen klassischer Sportswear und funktionaler Outdoor-Bekleidung angesiedelt ist. Genau die Art von Jacke, die man sich morgens überwirft, wenn man noch nicht weiß, ob der Tag im Café, im Stadion oder bei drei Stunden Nieselregen endet.
Dazu gesellen sich die zurückkehrende Turncroft Track Jacket und der Springvale Parka, die beide ziemlich gut ins gewohnte SPZL-Universum passen.

Auch darunter gibt es einiges zu entdecken. Das Caedington Gilet, der Hartshill Knit Sweater, das Slaidburn Polo Shirt und die Loughrigg Pants sorgen für die entsprechende Grundausstattung. Dazu kommen weitere Strickteile und natürlich die obligatorischen Graphic Tees. Wobei wir bei Letzteren wieder bei einem Thema wären, das ich einfach nicht verstehen will. Warum müssen diese T-Shirts eigentlich erneut so unglaublich weit geschnitten sein? Ich weiß, Oversized ist weiterhin ein Ding. Aber zwischen einem angenehm lockeren Shirt und einem Kleidungsstück, in dem man problemlos noch zwei weitere Personen unterbringen könnte, liegt meiner Meinung nach ein ziemlich großer Unterschied. Vielleicht bin ich dafür auch einfach nicht mehr die Zielgruppe

Jetzt aber zu dem Teil der Kollektion, der mich tatsächlich am meisten interessiert: der Footwear. Und hier muss ich Gary Aspden und seinem Team dieses Mal wirklich ein kleines Kompliment machen. Denn die Auswahl ist nicht nur abwechslungsreich, sondern bringt auch einige Silhouetten zurück, die bei mir sofort wieder dieses alte SPZL-Gefühl auslösen.
Allen voran der Albrecht II SPZL. Dass dieser Schuh ein Comeback feiert, freut mich persönlich ganz besonders. Das braune Leder, die zurückhaltende Optik und dieser leicht elegante Einschlag machen ihn zu einem dieser adidas Modelle, die nicht bei jedem Schritt laut nach Aufmerksamkeit schreien müssen. Ein Schuh für Leute, die wissen, was sie da an den Füßen haben. Und genau das ist doch eigentlich die DNA von SPEZIAL.

Mindestens genauso spannend finde ich den Boston II SPZL, der die klassische Running-Ästhetik wieder aufgreift und in die Gegenwart transportiert. Der Boston gehört für mich ohnehin zu den Modellen, bei denen adidas gerne öfter im eigenen Archiv stöbern dürfte. Deutlich flacher geht es beim Hawaii SPZL zu, der gleich in zwei Farbvarianten erscheint. Eine schöne, unkomplizierte Silhouette, die sich irgendwo zwischen Freizeitklassiker und gepflegtem Terrace-Schuh bewegt.

Dann wäre da noch der Halewood SPZL, der mit seiner Kombination aus kräftigem Orange und Navy für einen kleinen Farbtupfer sorgt. Nicht unbedingt der zurückhaltendste Vertreter der Kollektion, aber gerade deshalb eine willkommene Abwechslung. Und schließlich hätten wir noch den Wetherlam SPZL. Ein Outdoor-inspiriertes Modell, das dank wasserdichter Aditex-Membran auch dann noch seinen Dienst verrichten soll, wenn das britische Wetter mal wieder seinem Ruf gerecht wird. Optisch bewegt sich das Ganze irgendwo zwischen klassischem Wanderschuh und adidas Archivfund. Also durchaus interessant für alle, die ihre drei Streifen nicht nur bei Sonnenschein ausführen möchten.

Ist das alte SPZL-Feeling also wieder da? Nun ja, ganz so weit würde ich vielleicht noch nicht gehen. Dafür waren die letzten Jahre einfach zu wechselhaft und die Erwartungen an SPEZIAL sind bei uns nach wie vor ziemlich hoch. Aber die AW26-Kollektion macht definitiv wieder mehr richtig als falsch. Vor allem bei den Schuhen hat man sich dieses Mal auf einige Stärken besonnen, die adidas SPZL ursprünglich so interessant gemacht haben: gute Archivarbeit, spannende Silhouetten, tragbare Farbgebungen und ein gewisses Gespür für Modelle, die nicht schon morgen wieder vergessen sind.

Die adidas SPZL Autumn/Winter 2026 Kollektion erscheint am 6. November. Und wer weiß, vielleicht sitzen wir dann ja tatsächlich mal wieder etwas aufgeregter vor dem Bildschirm. So wie früher. Etwas älter und hoffentlich einem etwas entspannteren Puls. Denn am Ende geht es bei SPZL doch genau darum: ein früher Zug, das Drehkreuz am Stadion, drei Stunden in der Kälte stehen für ein langweiliges Unentschieden und irgendwo dazwischen ein verdammt gutes Paar adidas an den Füßen. Spieltag eben.