MMA ist längst raus aus der schmuddeligen Käfigecke. Die UFC und Oktagon füllen Arenen, Fighter werden zu Social-Media-Stars und irgendwo zwischen Brazilian Jiu-Jitsu, Muay Thai, Krafttraining und der nächsten Highlight-Reel wächst eine Generation heran, die davon träumt, mit Mixed Martial Arts ganz nach oben zu kommen. Die neue dreiteilige Doku „Fight House“ schaut sich an, was hinter diesem Traum steckt. Und landet dafür nicht in Las Vegas oder Abu Dhabi, sondern ziemlich genau vor unserer Haustür: im Rhein-Main-Gebiet.

Im Mittelpunkt steht der 24-jährige Piter aus Hanau, der sich auf seinen ersten MMA-Kampf vorbereitet. Das Debüt im Käfig, auf das monatelanges Training hinausläuft. Talent ist da. Sein Coach Chris Lo, Black Belt im Brazilian Jiu-Jitsu, hält einiges von ihm. Das Problem: Talent allein reicht in diesem Sport ungefähr so weit wie eine gute Rechte ohne Kondition. MMA verlangt Disziplin. Jeden Tag. Genau damit tut sich Piter schwer.

© hr/Marc Nordbruch

Und ziemlich schnell wird klar, dass „Fight House“ ohnehin keine klassische Sportdoku über Trainingspläne, Weight Cuts und den Traum von der UFC ist. Denn Piters schwierigste Kämpfe finden außerhalb des Gyms statt. Er ist in einem Umfeld von Gewalt und Kriminalität aufgewachsen, vorbestraft und auf Bewährung. Während seine Brüder Rob und David auch mithilfe des Sports Stabilität in ihr Leben gebracht haben, versucht Piter noch, seinen eigenen Weg zu finden.

Dazu kommt eine Erfahrung, die sich nicht einfach wegtrainieren lässt: Piter hat den rassistischen Anschlag von Hanau im Februar 2020 überlebt. Sechs seiner Freunde wurden ermordet. Wenn er in „Fight House“ darüber spricht, bekommt die Serie eine Tiefe, die weit über die übliche Geschichte vom Underdog hinausgeht. Das Gym wird dadurch zu mehr als einem Ort, an dem Menschen lernen, sich gegenseitig möglichst effektiv auf die Matte zu schicken. Es bedeutet Struktur, Gemeinschaft und im besten Fall die Aussicht auf ein anderes, besseres Leben.

Neben Piter begleitet „Fight House“ seine Brüder Rob und David sowie den MMA-Kämpfer Moritz. Trainiert wird im Infinitus Gym in Stockstadt. Während Rob und David vor dem Sprung ins Profigeschäft stehen, ist Moritz dort bereits angekommen. Sein Alltag zeigt die andere Seite des Traums: ein Leben, das konsequent auf Training, Leistung und den nächsten Kampf ausgerichtet ist.
So entsteht über drei Folgen ein neuer Blick auf eine Sportart, die gerade enorm wächst – und auf junge Männer, die im Käfig etwas suchen, das außerhalb davon manchmal nur schwer zu finden ist: Richtung, Anerkennung, Gemeinschaft und Kontrolle über das eigene Leben.

Gerade deshalb funktioniert „Fight House“ auch dann, wenn man mit MMA bislang wenig anfangen konnte. Die Kämpfe liefern zwar den Rahmen, aber eigentlich geht es um die Frage, was passiert, wenn Sport plötzlich zur Chance wird, die eigene Geschichte in eine andere Richtung zu lenken. Und darum, dass der härteste Gegner manchmal eben nicht auf der anderen Seite des Oktagons steht.

„Fight House“ vom Hessischen Rundfunk ist ab 11. August in der ARD Mediathek zu sehen. Das hr-fernsehen zeigt alle drei Folgen am Montag, 24. August, ab 22 Uhr hintereinander. Hier findet ihr einen längeren Trailer.

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