Zu meiner eigenen Überraschung habe ich euch Perry Boys von Ian Hough bislang noch gar nicht vorgestellt. Dabei gehört das Buch längst zu den Standardwerken, wenn es um die Anfänge der Casual Culture geht. Wer verstehen möchte, warum Manchester Ende der Siebziger plötzlich zu einem der Epizentren einer Bewegung wurde, die Fußball, Mode und Musik dauerhaft miteinander verknüpfte, findet hier genau den richtigen Einstieg.

Wer den Ursprung der Casual-Kultur verstehen will, landet früher oder später unweigerlich in Manchester und Salford. Genauer gesagt: im Jahr 1979. Während anderswo noch klassische Bootboys das Bild auf den Terraces bestimmten, tauchte im Nordwesten Englands eine neue Generation auf. Fred Perry Poloshirts, schmale Lee Cords, Adidas Stan Smith an den Füßen und der markante Wedge-Haarschnitt – fertig war der Look, der schon bald die Fußballtribünen und schließlich ganz Großbritannien verändern sollte. Die Presse taufte sie die Perry Boys.

Ian Hough war mittendrin statt nur dabei. Als junger Manchester United-Anhänger erlebte er aus erster Hand, wie sich aus einer kleinen Gruppe stilbewusster Jugendlicher eine Bewegung entwickelte, die weit über Fußball hinausging. In seinem Buch beschreibt er nicht nur die Rivalität mit den Liverpooler Scallies oder die oft brutalen Auseinandersetzungen auf und neben den Terraces, sondern zeichnet zugleich das Porträt einer Generation, die Mode als Waffe verstand und Stil mindestens genauso ernst nahm wie Loyalität.

Doch Perry Boys ist weit mehr als ein weiteres Hooligan-Buch. Es ist die Geschichte einer kulturellen Zeitenwende. Zwischen Designerklamotten, Amphetaminen, Auswärtsfahrten und der Jagd nach den neuesten Labels entwickelt sich eine Erzählung darüber, wie aus den Straßen Manchesters später die Rave-Kultur, Madchester und letztlich eine weltweite Jugendbewegung entstehen konnten. Roxy Music und David Bowie liefern den Soundtrack, während sich die Stadt langsam in das verwandelt, was sie bis heute für viele ist: eine der großen Stil- und Musikmetropolen Europas.

Hough schreibt dabei mit viel Humor, bemerkenswerter Ehrlichkeit und einer Authentizität, die man nicht recherchieren kann. Er verklärt die Vergangenheit nicht, verschweigt weder Gewalt noch Drogen oder Kriminalität, macht aber deutlich, weshalb diese Jahre bis heute einen so nachhaltigen Einfluss auf die Football Casuals und die britische Popkultur haben.

Wer sich für die Wurzeln dieser Subkultur interessiert, für die Verbindung von Fußball, Mode und Musik oder einfach verstehen möchte, warum ein Fred Perry Polo mehr sein konnte als nur ein Kleidungsstück, kommt an diesem Buch kaum vorbei. Perry Boys ist nicht nur Zeitzeugnis, sondern Pflichtlektüre – rau, stilvoll und genauso unverwechselbar wie die Bewegung, die es dokumentiert.

Perry Boys: The Casual Gangs of Manchester and Salford
Ian Hough
Milo Books
304 Seiten | Englisch
ISBN: 978-1903854655