Du kennst das: Manche Brands droppen Kollektionen, andere erzählen Geschichten. Marshall Artist gehört plötzlich zur zweiten Kategorie – und das fühlt sich ehrlicher an, als man es sonst so gewohnt ist.

In den letzten anderthalb Jahren lief da im Hintergrund nämlich einiges, was man nicht sofort auf den Lookbooks sieht. Zusammen mit This Feeling haben sie sich ziemlich konsequent um die Indie- und Gitarrenszene gekümmert – also genau das Milieu, aus dem solche Labels ursprünglich mal ihre Energie ziehen. Die „By The People, For The People“-Tour war dabei weniger PR-Stunt als vielmehr ein kleiner Gegenentwurf zum aktuellen Live-Zirkus: kostenlose Shows, lokale Headliner, echte Nähe. Bands wie The Crooks oder Rolla vor Leuten, die sonst vielleicht gar nicht reingekommen wären.
Und ganz nebenbei wurde noch das Salford Lads Club vor dem Aus bewahrt – ein Ort, der mehr Geschichte in den Wänden hat als die meisten neuen Venues zusammen.

Genau dieser Vibe schwappt jetzt in die SS26-Kollektion rüber – allerdings ohne, dass es zu gewollt wirkt. Der Ausgangspunkt liegt irgendwo im Manchester der späten 80er und frühen 90er. Tony Wilson, Factory Records, Second Summer of Love – du weißt schon, diese Phase, in der plötzlich alles gleichzeitig passiert ist: Rave, Britpop, Fußball und alles dazwischen. Keine klaren Grenzen, eher ein großes Durcheinander, das irgendwie funktioniert hat.

Und genau dieses Durcheinander greift Marshall Artist ziemlich gut auf. Die Pieces wirken nicht wie Kostüme aus der Zeit, sondern eher wie moderne Interpretationen davon. Leichte Cagoules, Overshirts, Jacken – alles mit einem gewissen Utility-Touch, aber ohne dass du direkt wie ein Festival-Klischee rumläufst.

Die Stoffe machen hier viel aus. Parachute Cotton, dieses leicht zerknitterte Nylon, Ripstop – alles Materialien, die nicht nur gut aussehen, sondern sich auch so anfühlen, als könnten sie was ab. Dazu kommt dieses neue Desert Touch Polyamide®, das irgendwo zwischen technisch und angenehm soft liegt.
Farben? Eher subtil interessant als laut: Mint, ausgewaschenes Cyan, so ein staubiges Rosa, dazu viel Grau und gedecktes Grün. Sieht ein bisschen aus wie der Moment, wenn du morgens aus einem Club kommst und das Licht langsam wieder angeht.

Und ja, die Zielgruppe sind eher die jungen Zwanziger, die langsam damit beginnen sich für Mode zu interessieren oder ihren eigenen Stil gefunden haben. Am Ende fühlt sich das Ganze nicht wie ein großes Revival an, sondern eher wie ein Weitererzählen. Die Referenzen sind klar, aber niemand versucht krampfhaft, die Vergangenheit nachzubauen. Und genau deshalb funktioniert’s.

Kleine Randnotiz: Marshall Artist ist wieder bei The Smart Dresser gelistet. Heißt für dich: Wenn du das Zeug in die Finger bekommen willst, lohnt es sich, da mal nachzuhaken.

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Source: Marshall Artist