Unser Freund D. vom Profilo Basso Fanzine war mal wieder auf Tour. Im Januar verschlug es ihn unter anderem nach London und Portsmouth – zwei Ziele, die bei vielen Hoppern ohnehin ganz weit oben auf der Liste stehen. Zwischen ehrwürdigen Grounds, englischer Pubkultur und dem üblichen Reisechaos sammelte er wieder reichlich Eindrücke.
Da wir selbst wissen, wie gern man gute Tourberichte liest, wollen wir euch seinen Trip natürlich nicht vorenthalten. Also lehnt euch zurück, schnappt euch ein Kaltgetränk und begleitet D. auf seiner kleinen England-Runde – irgendwo zwischen Flutlicht, Tube-Chaos und britischem Fußball-Alltag.
D., grazie mille per il resoconto del viaggio – e speriamo in tante altre visite e trasferte in Inghilterra!
Mitte Januar sollte eigentlich ganz im Zeichen des Fußballs stehen – fünf Tage lang. Neben einem Wochenendspiel aus einer großen Auswahl (wir entschieden uns für QPR gegen Wrexham) wollten wir auch am Mittwoch noch Charlton gegen Millwall mitnehmen. Leider wurde das Spiel unter der Woche erst nach unserer Flug- und Hotelbuchung auf Dienstag vorverlegt, sodass wir diesen Plan streichen mussten.

Ich treffe meinen Freund um sechs Uhr morgens vor meinem Haus. Nach eineinhalb Stunden Autofahrt erreichen wir den Flughafen Venedig Marco Polo und fliegen Richtung London. Der Abflug erfolgt pünktlich um 10:10 Uhr und knapp zwei Stunden später landen wir in Stansted. Gerade rechtzeitig, um den Zug zu erwischen und planmäßig an der Liverpool Street anzukommen.
Obwohl wir seit Stunden hungrig sind, holen wir uns zunächst schnell etwas bei Greggs und steuern anschließend direkt einen Pub an: das Pride of Spitalfields. Dieser Pub verkörpert für mich den klassischen East-End-Pub wie aus dem Bilderbuch. Rote Teppiche, alte Vorhänge und jede Menge Charakter vermitteln eine nostalgische Atmosphäre. Zwei London Pride und ein Guinness liefern uns die nötige Energie für den Rest des Tages.
Das Wetter ist zwar nicht besonders kalt, dafür aber ziemlich nass – der Regen begleitet uns ständig. Also suchen wir erneut Zuflucht in einem Pub, diesmal im Crown & Anchor in Covent Garden. Gleich um die Ecke befindet sich auch die neue Guinness Open Gate Brewery, doch angesichts der recht stolzen Pint-Preise lassen wir sie lieber links liegen. Am Abend fahren wir nach Bayswater, lassen unsere Rucksäcke im Hostel und gehen zunächst ins nahegelegene Kings Head. Zum Abendessen landen wir schließlich im The Sir Alexander Fleming, einem Pub mit Blick auf den Kanal hinter dem Bahnhof Paddington.
Am Donnerstagmorgen geht es weiter nach Brighton. Von London Blackfriars nehmen wir den Zug an die Küste, wo wir die nächsten zwei Nächte in einem einfachen Ibis-Hotel verbringen – nur wenige Schritte vom Bahnhof entfernt und für die aktuelle Zeit erstaunlich günstig. Nach einem ausgiebigen Full English Breakfast bei Tiffany’s und einem kleinen Spaziergang durch die Innenstadt, während wir auf den Check-in warten, landen wir schließlich im The Railway Bell. Dieser Pub liegt ebenfalls nur wenige Schritte von unserem Hotel entfernt und überzeugt vor allem durch seine günstigen Pints.
Der restliche Tag besteht aus einer Mischung aus Shopping und Pubbesuchen. Zuerst zwei Guinness im 3 Jolly Butchers – ein ziemlich spartanischer Pub, in dem außer einem Mann an der Bar nur wir Gäste sind. Danach ein hervorragendes High Five und ein Cider im Hand in Hand. Nachdem wir später noch bei Itsu gegessen haben, geht es zurück ins Railway Bell, wo uns das lokale Publikum bestens unterhält. Den Tag beschließen wir mit einer Carlsberg an der Hotelbar.


Am Freitagmorgen wachen wir ausgeruht auf und machen uns nach einer schnellen Dusche direkt auf den Weg nach Portsmouth – eine Stadt, die ich bereits zweimal besucht habe. Trotz kräftigem Wind scheint diesmal die Sonne, sodass wir zumindest nicht mit durchnässten Schuhen herumlaufen müssen. Nach knapp eineinhalb Stunden und einem Umstieg in Havant steigen wir bereits eine Station früher aus – in Fratton –, um zuerst dem Stadion einen Besuch abzustatten.
Etwa zehn Minuten vom Bahnhof entfernt, mitten zwischen Wohnhäusern, liegt Fratton Park, die Heimat von Portsmouth F.C. Der Verein wurde 1898 gegründet und steht aktuell am Tabellenende der Championship. Da das Stadion geschlossen ist, begnügen wir uns mit einem Rundgang außen herum. Besonders die vielen Wandmalereien und der historische Eingang zu den Tribünen, der praktisch unverändert geblieben ist, sorgen für echte Gänsehaut.
Danach geht es Richtung Zentrum, wo wir uns mit einem weiteren Full English Breakfast im The Isambard Kingdom Brunel stärken – einem Pub direkt neben dem Bahnhof Portsmouth & Southsea. Auf dem Weg zum Spinnaker Tower, dem Wahrzeichen der Stadt, bleibt noch Zeit für einen Abstecher ins Gunwharf Quay. Dieses offene Outlet-Center bietet zahlreiche Markenläden wie Fred Perry, Adidas oder Ralph Lauren. Zur Mittagszeit wird es wieder Zeit für ein Bier. Unsere Wahl fällt auf das Spice Island, einen wunderschönen Pub direkt am Meer mit perfektem Blick auf den Spinnaker Tower. Auch das angrenzende Camber Quay ist sehr sehenswert – mit vielen Booten und einer wirklich malerischen Atmosphäre.

Nach einem hervorragenden ESB und dem obligatorischen Guinness geht es weiter Richtung Southsea. Der Bereich Old Portsmouth ist meiner Meinung nach der schönste Teil der Stadt. Hier kann man entlang der alten Stadtmauern spazieren und vom Round Tower aus die frische Meeresluft genießen. Selbst der etwas in die Jahre gekommene Vergnügungspark am Clarence Pier hat seinen eigenen Charme. Bevor wir den Zug zurück nach Brighton nehmen, schauen wir noch im The Hole in the Wall vorbei – einem großartigen Pub mit einer Decke voller Bierdeckel, gemütlichem Licht und toller Atmosphäre. Ein Besuch, den ich mir extra vorgenommen hatte. Zurück in Brighton gibt es Pie and Mash im Sussex sowie ein paar letzte Pints im Railway Bell – diesmal allerdings ohne den üblichen Absacker an der Hotelbar.
Samstag ist schließlich Fußballtag. Wir müssen wieder nach London zurück, allerdings wird ein Teil der Strecke wegen Bauarbeiten durch Busse ersetzt. Nach einem weiteren Kaffee steigen wir in die Tube Richtung Euston, wo wir unsere Rucksäcke im Prince Arthur abstellen – einem Pub mit Zimmern darüber, in dem wir unsere letzte Nacht verbringen werden. Da wir zur Mittagszeit ankommen, fahren wir frühzeitig in Richtung Stadion, um noch etwas Pre-Match-Atmosphäre mitzunehmen. Nach etwa einer halben Stunde steigen wir in Shepherd’s Bush aus – nicht die nächste Station zum Stadion, aber bewusst gewählt, um unterwegs noch ein paar Pubs mitzunehmen.
Nach einem schnellen Snack bei Greggs trinken wir unser erstes Bier im The Green. Am Eingang werden wir direkt vom Türsteher nach unseren Tickets und unserer Teamzugehörigkeit gefragt. Trotz vieler junger Fans in blau-weiß gestreiften QPR-Trikots fehlt dem Pub irgendwie die Atmosphäre. Die Bierauswahl besteht fast ausschließlich aus kommerziellen Marken wie Blue Moon, San Miguel, Cruzcampo oder Carling. Letzteres bekommen wir im Plastikbecher serviert – und tun uns schwer, es überhaupt auszutrinken. Wir bleiben nicht lange. Deutlich besser ist die Stimmung im Coningham Arms, ebenfalls an der Uxbridge Road. Der Pub mit seiner blauen Fassade ist voller Schals und Fans, und drinnen ist es gefühlt 40 Grad warm. Hier stimmt die Atmosphäre. Wir bestellen ein Spitfire und genießen das typische Vor-dem-Spiel-Feeling.


Danach geht es weiter zum Loftus Road Stadium. Von außen wirkt es ziemlich alt – was nicht überrascht, denn es wurde bereits 1934 gebaut. Ohne die Flutlichtmasten würde man das Gebäude kaum als Stadion erkennen. Nach einem kurzen Blick in den Fanshop betreten wir die Bhatia Stand, wo wir zwei Tickets bekommen haben. Nachdem wir noch schnell eine Carlsberg getrunken haben, nehmen wir unsere Plätze ein – nahe am Gästeblock. Das Stadion ist praktisch ausverkauft, was durchaus bemerkenswert ist, da QPR nur im Mittelfeld der zweiten Liga steht. Die Wrexham-Fans machen von Beginn an lautstark Stimmung. QPR geht früh in Führung und das Stadion explodiert, doch die Gäste geben nicht auf. Zur Halbzeit holen wir uns Hotdogs und Bovril. Kaum sind wir wieder zurück auf unseren Plätzen, gleicht Wrexham aus. Das Spiel bleibt extrem unterhaltsam, mit Chancen auf beiden Seiten. Zehn Minuten vor Schluss bringt Steve Cook QPR erneut in Führung. Alles scheint entschieden – doch dann schlägt Wrexham noch einmal zu: Ausgleich in der 93. Minute und schließlich der Siegtreffer in der 95. Minute mit einem Traumtor aus der Distanz. Der Gästeblock dreht komplett durch. Aufgrund der starken Unterstützung über das gesamte Spiel hinweg ist dieser Sieg absolut verdient. Nach dem Schlusspfiff stürmen alle gleichzeitig Richtung U-Bahn. Wegen Problemen im Tube-Netz müssen wir mehrfach umsteigen, schaffen es aber schließlich zurück nach Euston. Dort treffen wir unseren Freund D. im The Captain Flinders für eine letzte Runde London Pride, bevor wir im Prince Arthur den Tag mit ein paar Guinness beenden.
Am Sonntagmorgen traten wir schließlich die Heimreise an. Von Liverpool Street fahren wir rechtzeitig nach Stansted, um vor dem Boarding noch die letzten Guinness zu trinken. Der Rückflug nach Venedig startet – erstaunlicherweise – pünktlich. Von dort geht es wieder mit dem Auto nach Hause, gerade rechtzeitig zum Abendessen.


