15

14

Schnell von der Schule nach Hause. Mittagessen. Danach die Hausaufgaben fertig machen. Umziehen und ab auf den Bolzplatz. Das war während der Grundschule mein normaler Tagesablauf. Ab 14: 30h war ich spätestens mit meinen Klassenkameraden und Freunden vom „Block“ auf dem Grün (manchmal auch Beton), das für uns die Welt bedeutete. Bisschen „Englisch“ zum Warmmachen und dann zwei Teams gewählt und wir zockten bis es dunkel wurde. Ich versuchte meinen Idolen nachzueifern oder versuchte die Tricks der „Großen“ wie Maradona oder Platini nachzumachen und in der Pause haben wir all die wichtigen Spiele mit den entscheidenden Szenen bis ins kleinste Detail nachbesprochen. Nur für uns, ganz ohne Wertung. Bei den Toren behalfen wir uns mit unseren Pullis, sonstigen Wechselklamotten oder Mülltonnen. Die Farblinien gab es bei uns nicht, spielen aber in der Fotoserie, die ich auch heute vorstellen möchte, eine wichtige Rolle.

Urban Goals ist eine Serie von Bildern, die überall in Großbritannien aufgenommen worden sind. Die Fotoarbeiten von Michael Kirkham aus Liverpool markieren soziale Klassenfragen, die in der britischen Gesellschaft weit verbreitet sind.

13

12

„Nur wenige Relikte der Kindheit rufen das hervor, was ein Urban Goal tut. Die bröckelnden Ziegel. Die geisterhafte Aura. Die feinen Nuancen von Torraum zu Torraum. Sie sind die Ikonen der Innenstadt. Erinnerungsstücke an unzählige glückliche Stunden bevor die Jungen und Mädchen die Alcopops fanden.

Erinnern wir uns an die glückliche Jugend, die uns in eine Zeit transportiert, als die Möglichkeit der nächste Robbie Fowler zu sein oder im Wembley Stadion zu spielen, eine klare Möglichkeit war. Irgendwo hier liegt die echte Fußballromantik, weit entfernt von astronomisch hohen TV Geldern und Sepp Blatter. Ein Ort, an dem das Spiel immer noch schön ist.

11

10

9

8

Der Anblick eines Urban Goals ruft nicht einfach nur die Sentimentalität in einer Welt in der nur noch das Geld zählt hervor, sondern die verblichenen Farben der Torlinien spiegelt in gewisser weise auch die Verlagerung des Fußballs aus den Arbeitervierteln raus, in denen die meisten Profiklubs herauswuchsen. So zeigen die Urban Goals wirtschaftliche und auch kulturelle Wahrheiten auf.

7

6

5

4

Schau nur richtig hin und die wirst die Ungleichheit, die Benachteiligung und die Augen der Entrechteten sehen, ihre Existenzen im 21. Jahrhundert zeichnen ein treffendes Bild des sozialen Fortschritts in Großbritannien. Noch sind die Kinder nicht verloren. Sie werden an die Spitze des Spiels steigen. Die Craig Bellamy´s und Wayne Rooney´s der Welt. Wenn du ganz genau hinsiehst, wirst du die Träume sehen.“

Michael Kirkham Urban Goals 

2

1