Die Sapeur OSB Kulturtipps für die kommenden vier Wochen!

Läuft die Spielzeit nicht so, wie man sie sich vor der Saison Bier- oder Apfelweinseelig ausmalte, dann hilft Bier oder Ebbelwoi um auf andere Gedanken zu kommen. Alkohol, die Ursache und Lösung aller Probleme! In Kombination mit guter Musik oder im Kreise guter Freunde ist Alkohol noch besser.

Solange das sonnige Wetter noch auf sich warten lässt, ist die Festivalwelle noch in weiter Ferne. Das bedeutet im Umkehrschluss: Bands spielen in zivilisierten Städten (und nicht etwa in der saarländischen Pampa), zu anständigen Uhrzeiten (nicht um 13:30 Uhr, wenn das Delirium noch den Tagesablauf dominiert) und vor allem abendfüllende Sets (nicht etwa 45 Minuten von der neuen Platte, die ausschließlich von pubertären Pickelmädchen mit Holzperlen in den Schnürsenkel der rosafarbenen Dr. Martens gefeiert werden). Also nutzt die Zeit, solange man noch mit der S-Bahn anreisen, aus Gläsern trinken und sportive Freizeitkleidung in urbanem Umfeld trinken kann. Darüberhinaus haben wir euch noch ein paar weitere Tipps aus dem kulturellen Leben in Rhein-Main zusammengetragen, die mit Sicherheit äußerst interessant sein werden.

Guido Zimmermann – GZ Art am 11. März im MTW Offenbach

Kunst im Club, das neue Ausstellungskonzept bietet Künstlern monatlich Raum ihre Werke der Öffentlichkeit zu präsentieren. Allerdings nur eine Stunde in einem Rahmen wie man es von einer „normalen“ Vernissage gewohnt ist. Dann werden die Werke Teil einer musikgesteuerten Lichtinstallation der Eventreihe Bernsteinzimmer.

Guido Zimmermann

Das Werk von Guido Zimmermann erinnert einen daran, dass Kunst nicht nur ins Museum, sondern auch in den öffentlichen Raum gehört. Er ist einer der wenigen Künstler, die erkannt haben, dass die architektonische Landschaft von Städten eine wichtige kulturelle Funktion ausüben kann. Als Leinwände dienen dem Frankfurter Künstler nämlich große Fassaden im urbanen Raum und alles was sich bemalen lässt. So werden die Metropolen Europas zu riesigen Freiluftgalerien. Seit einiger Zeit macht er sich stark für das Street-Art-Projekt „Das Museum auf der Straße“, bei dem es um mehr Kunst an den Häuserfassaden der Rhein-Main-Region geht.

Der Graffitist und Maler hat eine faszinierende Form gefunden, moderne Meisterwerke zu kreieren, die einen hohen Unterhaltungswert besitzen und gleichzeitig zum Nachdenken anregen. Dabei lässt er sich weder auf einen Stil noch auf ein bestimmtes Medium festlegen. Er malt auf Leinwände, führt gigantische Murals aus und fertigt immer wieder auch Skulpturen an.

Goethe: Tree of Society

Zimmermann begann 1993 sein Studium in der Malerei, jedoch nicht an einer Uni sondern in den Straßen Frankfurts. Er setzte sich mit dem für die Graffitiszene eher untypischen Figurativen auseinander und experimentierte damit. Ein Jahrzehnt später kam dann ein offizielles Studium an der Academy of Visual Arts hinzu. Durch diese Kombination schaffte es der Künstler, seine Arbeit zu verfeinern und an bedeutenden Kollaborationen mitzuwirken, die ihn an die Spitze der deutschen Street-Art-Szene katapultierten.

Seine neusten Arbeiten veranschaulichen, dass sich nicht nur zwei scheinbar unvereinbare Stilmittel wie Öl und Sprühfarbe hervorragend ergänzen, sondern auch, dass sich neue Generationen an opulenter musealer Kunst an unkonventionellen Schauplätzen erfreuen können. (Text: Daniel Schierke)

Lightbrush Fotografie vom 13. bis 18. März in der Frankfurter Naxoshalle

Der 1977 in Hamburg geborene Fotograf Florian Krause studierte Kommunikationsdesign mit dem Fokus auf Fotografie und Videos. Angefangen als freier Kameraassistent und später als freier Fotograf, entdeckte er im Jahr 2009 auf dem Festival Meeting of Styles sein Talent für eine spezielle Fototechnik – die Lightbrush Technique.

foto by florian krause

Seit jeher beleuchtet er mittels Langzeitbelichtung und Taschenlampen Graffitis bekannter Künstler von einer neuen Perspektive. Mit bis zu 4 Minuten Belichtungszeit und ohne digitale Nachbearbeitung kreiert Krause Lichtakzente, lässt Wandkonturen hervorheben oder lässt die Graffitis mit Licht in die Umgebung hineinfließen, ohne dabei das eigentliche Wandbild zu verändern. Seine Absicht ist es die Atmosphäre und Umgebung ebenso zu transportieren. Was für Beobachter während der Produktion sonderbar wirkt, hinterlässt am Ende eine einzigartige Schönheit. „Lighbrush Graffiti“ nennt der Künstler diese besondere Fotokunst.

Der im Jahr 1981 in Leipzig geborene Streetart-Künstler Bond TruLuv entwickelte sich seit Anfang 2000 zu einem der gefragtesten Künstler der Szene. Nach seinem Masterabschluss im Jahr 2010 in Anthropologie und seinem Stipendium an der University of Arts (ISI) in Yogjakarta, Indonesia arbeitet Bond zurzeit als freischaffender Künstler, hin und her pendelnd zwischen Asien und Deutschland.

Stets auf der Suche nach neuen Kompositionen seiner Buchstaben und kaligrafischen Ausdrucksmöglichkeiten, nutzt Bond Elemente der bildenen Kunst und aus dem Grafik-Design. Geometrische, kaligrafische und detaillierte Buchstaben werden meist mit einer knalligen Farbauswahl in Szene gesetzt und ergeben einen ziemlich freshen, einzigartigen Stil. Mit der künstlerischen Absicht nach Wandel und Veränderung, experimentiert Bond dabei ständig mit neuen Materialien und Stilrichtungen. Neben der Verwendung von digitalen Werkzeugen und Installationen, experimentiert der Künstler seit kurzem auch mit der Technik der Langzeitbelichtung und zusätzlichen Lichtquellen, die seine Bilder zum Leben erwecken. Auch mit dem Künstler und Fotografen Florian Krause, über den wir bereits berichtet haben, arbeitete Bond zusammen. Beide Künstler sind mit der Lightbrush Technique vertraut und nutzen sie in ihren Arbeiten vielfältig.

TALCO am 19. März im Schlachthof Wiesbaden

Talco

Adriano Celentano trifft auf Blaskapellee und osteuropäische Melancholie. Klingt zwar komisch, aber dieser Patchanka-Combat-Ska-Punkrock-Mix aus Florenz geht gut voran. LetztenNovember erschien mit „Silent Town“ übrigens ihr jüngstes Album.

ROCK `N` ROLL NOIZEFEST feat.THE RAZORBLADES + JANCEE PORNICK CASINO am 19. März – Kulturpalast Wiesbaden

Na an diesem Samstag meint es der Stromgitarrengott echt gut und segnet mit gleich zwei Shows die hessische Landeshauptstadt. Wiesbadens, besser Deutschlands Surf-Punk-Combo Numero Uno veröffentlichen diesen April ihr neues Album „New Songs For The Weird People“ und präsentieren es in Zusammenarbeit mit dem Kulturpalast Wiesbadens auf dem ROCK & ROLL NOIZE FEST. 3 Bands, ein Vintage Markt und ein Barbershop erfreuen das Rock‘n Roller Herz und versprechen einen wilden Abend.

ROCK `N` ROLL NOIZEFEST

Gigantische Melodiewellen treffen auf krachige Feedbackorgien und Reminiszenzen an Glam Rock, New Wave, Ska und Powerpop. „Ob man das als Surfpunk, instrumentalen Punkrock oder sonst was bezeichnet, ist uns nach 14 Jahren Bandhistorie und über 600 Auftritten herzlich egal. Unsere Musik ist genauso bunt wie unser Publikum und wir lieben Dick Dale so sehr wie die Ramones, Lee Perry, Phil Spector und die Raveonettes.“ so Band-Mastermind Rob Razorblade über den stilistischen Ansatz der Band. Oder für die Ignoranten, so in etwa wie das Titellied von Pulp Fiction.

Futbol e Vida am 22. März in der Naxoshalle Frankfurt

Für Daniel Cohn-Bendit ist Fußball ein Spiegel für die Entwicklung einer Gesellschaft und eines Landes. Gerade in Brasilien haben sich Politik und Fußball oft vermischt, sei es bei den Rassenfragen der 1920er und 40er Jahre oder der Demokratiebewegung in den 70er und 80er Jahren, verkörpert durch die „Democracia Corinthiana“. Während der Fußball-WM 2014 reiste Daniel Cohn-Bendit einmal quer durch Brasilien. Er wollte wissen, was von dem demokratischen Geist des brasilianischen Ausnahmefußballers Sócrates noch geblieben ist.

futebol e vida

Der Fußballclub Corinthians São Paulo mit seinem Kapitän Sócrates protestierte zu Anfang der 80er Jahre mit dem Slogan „Direktwahlen jetzt!“ gegen die Militärdiktatur. Beim Einlauf ins Stadion hielt das Team der Corinthianer eine 20 Meter lange Banderole mit dem Spruch „Siegen oder verlieren, aber immer mit der Demokratie“ in die Kameras.

Am Tag nach diesem unvergesslichen Spiel traf sich Daniel Cohn-Bendit mit Sócrates und der 1,92 Meter große Fußballspieler begrüßte ihn mit den Worten „‘68 ist nach Brasilien gekommen!” Heute ist Brasilien eine aufstrebende Volkswirtschaft, die auf der internationalen Bühne eine immer wichtigere Rolle spielt. Der brasilianische Fußball droht jedoch in Mittelmäßigkeit, Korruption und Gewalt abzurutschen. Cohn-Bendits Roadmovie dokumentiert das Leben in Brasilien während der Fußball-Weltmeisterschaft, einen Monat und 7.000 Kilometer lang, weit weg von den Spotlights der Stadien. Auf seiner Reise unterhält sich Daniel Cohn-Bendit mit Größen wie Gilberto Gil oder Sócrates‘ jüngerem Bruder Raí, ehemaliger Fußballstar von Paris Saint-Germain – und er trifft die Brasilianer, während sie in den Bars, am Strand oder im Jugendzentrum einer Favela mit ihrer Selaçao fiebern.

Im Anschluss an den Film gibt es Gelegenheit, mit dem Regisseur Niko Apel, dem Autor und Protagonisten Daniel Cohn-Bendit und dem Sportredakteur der FAZ,  Christian Kamp über diesen Film ins Gespräch zu kommen.

K.I.Z. 22. März im Schlachthof Wiesbaden

Kein Scheiß: Die Herren des guten Geschmacks habe ich vor etwa zehn zwölf Jahren in einem kleinen Jungendzetrum einer nassausischen Taunusgemeinde gesehen. Mit ihrem Musikstil und den Texten waren sie in etwa so massentauglich wie de Sades 120 Tage von Sodom oder etwa Snuff-Filme. Auch kein Scheiß: Ich hab mal im Stau gestanden, in Brandenburg! Genauer gesagt in der Höhe von Neu-Ruppin. Ich sah das als Zeichen, furh ab und suchte das besagte Haus aber vor lauter topprenovierten leer stehenden Häusern fand ich es nicht…..

KIZ

Letzten Sommer brachten sie mit „Hurra, die Welt geht“ unter ihr nunmehr fünftes Album heraus und sind spätestens damit im MP3-Player jeder Air-Max-, dutt- und turnbeuteltragenden Gymnasiastin angekommen. Wär auf dieses Publikum kein Bock hat, kann sich freuen. Das Konzert ist ausverkauft.

Turbostaat am 23. März im Schlachthof Wiesbaden

Turbostaat

Nach zwei großen Alben auf Schiffen beziehungsweise Rookie, einem Ausflug zum Major Warner, der Rückkehr zum Indie mit ihrem 2013er Album „Stadt der Angst“ und einem neuen Album auf Pias, vor allem aber nach wahrlich unzähligen energiegeladenen Auftritten in der ganzen Republik, nicht wenige davon bei uns im Haus, sind Turbostaat mehr denn je eine der Instanzen im Deutschen Punkrock, Brüder im Geiste von Dackelblut, Oma Hans, Boxihamsters, Oiro. Diese dunkel-emotionale Art, nach vorne zu preschen, die Gitarren, die immer schon eher Dischord sagten als einszwodreivier, der Gesang, rau und laut, dazu reflektierte, lyrisch-politische Texte, all dies macht bis heute den Reiz des Quintetts aus. Doch wem sagen wir das?

Ein deutscher Boxer am 29. März Naxoshalle Frankfurt

Der „Schwarze Bomber“ genannte Charly Graf wurde schon mit 17 Profiboxer. Als er später nach dem Abrutschen ins Mannheimer Rotlicht Milieu eine Haftstrafe in der JVA Stammheim verbüßen musste lernte er dort den ehem. RAF-Terroristen Peter-Jürgen Book kennen, der seinem Leben eine prägende Wendung  gab.

Charly Graf

Schon als Kind einer ungelernten Arbeiterin und eines farbigen US Soldaten, aufgewachsen in einer Baracken Siedlung wird Charly Graf wegen seiner Hautfarbe immer wieder ausgegrenzt und stigmatisiert.
Peter- Jürgen Book motiviert ihn in der JVA Stammheim wieder an seine Laufbahn als Profi Boxer anzuknüpfen. Es gelingt ihm, sich als Häftling für offizielle Wettkämpfe anzumelden – ein einzigartiger Fall in der deutschen Justizgeschichte.
Charly Graf wird später deutscher Meister im Schwergewicht.
Der Grimme Preisträger Eric Friedler zeichnet in seinem Dokumentarfilm gedreht an Originalschauplätzen, mit Filmausschnitten aus damaligen Sportsendungen und Interviews mit Charly Graf ein eindrucksvolles Portrait. Es äußern sich die Trainerlegende Angelo Dundee, Konstantin Wecker, Boxstallgründer Wilfried Sauerland und Peter-Jürgen Book.

Längst hat Charly Graf sich aus dem Teufelskreis der Gewalt befreit und ist zum Vorbild für schwer erziehbare Jugendliche geworden. An Schulen in sozialen Brennpunkten bringt er ihnen das Boxen bei und zeigt ihnen, wie sie ihre Aggressionen in den Griff bekommen und mehr Selbstvertrauen entwickeln. Seine unkonventionellen Erziehungsmethoden kommen bei den Jugendlichen an, weil er einer von ihnen ist.

Charly Graf wird beim anschließenden Filmgespräch dabei sein.

Lichter Filmfest Frankfurt International vom 29.03. – 03.04.16

Das Lichter Filmfest Frankfurt International ist ein Fest für den Film. Es rückt vor allem diejenigen Facetten der Filmkunst in den Mittelpunkt, die im Kino- und Fernsehalltag zu kurz kommen und stellt für rund eine Woche im März (bzw. April) das Bewegtbild in den Mittelpunkt des Kulturlebens in Rhein-Main.

Ein Filmfest, das seinen Ursprung in der regionalen Filmlandschaft hat und die Werke, die in der Region entstehen, in seiner ganzen Breite vorstellt. Dazu eine Plattform für spannende Filme aus aller Welt, die gleichzeitig der wachsenden Vernetzung der Region und der hohen Diversität des Weltkinos Rechnung trägt. Die Filme laufen übrigens im Frankfurter Mousonturm, Mal Sehn Kino, Festivalzentrum, Filmmuseum, Ledermuseum Offenbach und anderen Spielstätten. Also uffgebasst bei der Filmwahl und noch einmal genau vorher prüfen, wo ihr hin müsst!

Bei all den guten Filmen, möchten wir von Sapeur OSB euch einen besonderen Hinweis auf folgenden Film geben

TOKAT – Das Leben schlägt zurück 02. April (15:30h) , Mousonturm Frankfurt

Tokat

Anfang der 90er mischen türkischstämmige Gangs die Frankfurter Szene auf. Von Drogen verticken, Jacken abziehen bis hin zu Mord reicht das Repertoire der Jugendlichen, die sich in Banden mit illustren Namen wie „Turkish Powerboys“, „Griesheim Tigers“ oder „Ahorn Boys“ zusammengeschlossen haben. Die Frankfurter Filmemacherinnen Andrea Stevens und Cornelia Schendel fragen in TOKAT, was aus den harten Jungs von damals geworden ist. Sie begleiten Kerem, der auch heute noch in Frankfurt lebt und sich mit kleinen Jobs über Wasser hält. In der Türkei treffen sie auf Hakan und Dömnez, die in ihr Heimatland abgeschoben wurden und dort versucht haben, sich ein neues Leben aufzubauen. Der Dokumentarfilm ist das eindringliche Porträt dreier Männer, denen es aus verschiedenen Gründen nicht gelungen ist, in Deutschland Fuß zu fassen. Inwieweit tragen sie persönlich die Verantwortung dafür, inwieweit ist die Gesellschaft schuld? Die beiden Dokumentarfilmerinnen begeben sich auf Ursachenforschung. Ihre Fragen sind vor dem Hintergrund der Debatte um die Integration von Flüchtlingen aktueller denn je.

VEGA & BOSCA 08. April in der Frankfurter Batschkapp

„Die Zwei sind back – alte Liebe rostet nicht!“. Einen Tag vor dem Heimspiel gegen den Kackhaufen aus Sinsheim ist das unser Highlight im April!

Vega BoscaEine Kollabo, auf die nicht nur eingefleischte Freunde von Niemand Fans lange gewartet haben: Mit seinem letzten Album „Kaos“ konnte sich Vega Anfang des Jahres auf dem ersten Platz der Albumcharts platzieren, während sich Bosca mit „Solange es schlägt“ ebenfalls einen Platz in den Top Ten sichern konnte. Zwei Hochkaräter in der Deutschraplandschaft, die mit „Alte Liebe rostet nicht“ am 22. Januar ein imposantes Album präsentieren.
Vega und Bosca: Unzählige gemeinsame Shows, jede Menge Touren, ein gutes Dutzend gemeinsame Songs, haufenweise durchzechte Nächte aber vor allem eine Verbundenheit die Ihresgleichen sucht!

Die meisten „Klappentexte“ sind von den Veranstaltungsinformationen übernommen worden.

Euer b.