Interview mit Domenico Mungo, Autor von „Streunende Köter“ (deutsch & italienisch)

Domenico Mungo hat mit seinem Buch „Cani Sciolti“ ein herausragendes Zeitzeugnis für die italienische Ultrakultur geschaffen. Das Buch ist fernab von „wir waren die Besten“ „gegen uns konnte sich niemand erfolgreich stellen“ geschrieben, wie wir es leider vom englischen Markt der sogenannten „Hooligan Autoren“ gewöhnt sind. Es ist ehrlich geschrieben, gerade zu entwaffnend offensiv. Nichts wird in irgendeiner Form beschönigt. Das Buch vereint die Prosa der italienischen Kurven, dem stile di vita, den Mut, die Verzweiflung und den Hass. 

Das Interview ist Dank der Antworten Domenico´s sehr lang geworden. Aber wie auch bei unseren Interviews zuvor zu keinem Zeitpunkt langweilig oder langatmig. Es sind die Worte eines derer, der von der italienischen Ultrà Subkultur fasziniert war, nicht nur lebte, sondern mit seinem Dazutun auch Leben und Mentalität einhauchte. Ganz egal, zu welchen Verein man auf dem Stiefel sympathisiert, seine Worte und Beobachtungen spiegeln zwei Dekaden der italienischen Ultras wider. 

Vielen Dank an unsere Freunde David und Remo für die Übersetzung. Mille Grazie, Ragazzi!

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1) Ciao Domenico! Vielen Dank, dass du dir für unser Frage und Antwort Spiel Zeit genommen hast. Nicht viele Bücher über die Ultras in Italien haben uns so begeistert wie dein Werk „Cani Sciolti“ (dt. Streunende Köter). Stelle dich bitte selbst bei unseren Lesern vor.

Ich bin 43 Jahre alt. Ich beschäftig(t)e mich mit Indie- und Alternative-Musik, Punk und Postmetal und spiele selbst in einer Punk- & Hardcore-Band. Wir organisieren Konzerte und schreiben bei einem wichtigen italienischen Musikfanzine namens „Rumore“ mit. Seit 1985 bin ich Ultra der Fiorentina, die ich Zeit meines Lebens verfolgte. Seit einigen Jahren beschäftige ich mich mit der Ultra-Bewegung, ihrer Geschichte, Problemen, sozialen Herkunft, Politik und anthropologischer Komponente, indem ich dazu Arbeiten, Artikel und Romane schreibe und an Meetings und Konventen teilnehme. So kommt es, dass ich mit anderen wissbegierigen Ultras wie Vincenzo Abatantuono, Lorenzo Giudici, Gabriele Viganò oder Luca Tomaselli zusammengekommen bin, um Texte zu schreiben und Theorien aufzustellen. Diese drehen sich um die Kommunikation der Ultras, die sich in Form von Spruchbändern gegen Gegner oder das System des Fußballs äußert. All dies basiert auf Valerio Marchi, der sich von allen Ultras Italiens am meisten mit Jugendsubkulturen, insbesondere der Ultras, beschäftigt hat. Ich bin Anarchist und habe an den politischen Unruhen der 90er und 2000er-Jahre teilgenommen, auch am G8 in Genua 2001. Ich lebte die antagonistische Realität der Squats und besetzte Häuser von Turin und Italien und schreib darüber Artikel und Romane. Ich schreibe aber auch Liedtexte, habe Poesie-Bücher ebenso veröffentlicht wie eine Fernsehreportage über die Bewegung für Sky Italia und RAI. Ich verstehe mich als Aktivisten gegen polizeilichen Amtsmissbrauch, Folter, Repression und den Neofaschismus sowie für individuelle Freiheit. Heute lehre ich Literatur und Geschichte an einer Hauptschule und erforsche an der Universität Turin die Geschichte der Stadt in den 80er und 90er-Jahre in historischer, linguistischer, anthropologischer und sozialer Hinsicht. Deutschland und die deutschen Ultras gefallen mir sehr, da sie konsequent und sehr neugierig gegenüber anderen Realitäten sind. Sie beschäftigen sich stark mit der internationalen Ultrabewegung und lernen viel von diesen Erfahrungen. Ich bedanke mich herzlich bei allen deutschen Ultras, die mich unterstützt haben; die meine Bücher, meine Artikel und meine Interviews gelesen und mich an interessante Debatten eingeladen haben. Ich bedanke mich auch bei den Jungs von Burkhardt&Partner, die mein Buch „Cani Sciolti“ übersetzt und veröffentlicht haben und bei meinem Freund Kai Tippmann (altravita), der ebenfalls meine Arbeit in Deutschland verbreitet hat sowie bei den Alternativmedien Deutschlands und Österreichs (Ballesterer, Ralph Schmidt von ZDF) für die Rezensionen, die Interviews, die Unterstützung und die Veröffentlichung.

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2) Du bist im Turin der 1970er und 1980er aufgewachsen. Eine Stadt, die sehr von der Industrie geprägt ist. War das Leben so rau und hart, wie man es uns heute glauben lässt?

Turin war in den 1970er, 80er und 90er Jahren eine sehr schwer bewohnbare Stadt. Dafür zuständig waren politischer Terrorismus, Industrialisierung und die damit verbundene massive Zuwanderung von Arbeitskräften aus Süditalien; heruntergekommene Außenquartiere und Vorstädte, tägliche Gewalt, Drogen. Es war aber auch eine Stadt, die eine Avantgarde bildete, wenn es um politischen und sozialen Kampf, wenn es um jugendliche Gegenkulturen und Lebensstile, um Punkrock und die italienische Ultrabewegung ging. Turin bildete eine komplexe und harte Realität, was aber gleichzeitig als Ansporn wirkte, kreativ zu sein. Zu überleben und sich etwas aufzubauen war in dieser Situation nicht einfach. Die Konflikte und Widersprüche waren sehr groß, auch weil man nicht vergessen darf, dass Turin eine Stadt ist, die in den 60er-Jahren einen immensen Zuzug von Arbeitskräften aus dem Süden erlebte, die bei FIAT Arbeit und in Turin ein Zuhause fanden. Dies führte zu Spannungen, die man heute mit der Masseneinwanderung von Menschen aus Drittwelt-Staaten vergleichen kann. Für uns Söhne der Arbeiterklasse, die sich auf der Suche nach Freiräumen  und Selbstbestimmung befanden, war dies eine Herausforderung. Wir nahmen verschiedene Mittel in die Hand, um dies zu realisieren: Wir besetzten Fabriken, Schulen, Universitäten, verlassene Häuser. Es entstand eine gegenkulturelle Musikszene und man begann, sich gegen die Repression von Polizei und Staat aufzulehnen, um Freiräume zu erarbeiten. Es war nicht einfach, manchmal dramatisch und traurig mit vielen verhafteten, verfolgten und getöteten Freunden. Mit Niederlagen und Depressionen. Mit Verraten und Fluchten. Aber es war auch alles sehr schön, romantisch, bewegend, kreativ. Es hat mir erlaubt, einzigartige Erfahrungen zu sammeln, unglaubliche Menschen kennenzulernen, denen ich meinen menschlichen, kulturellen und emotionalen Wachstum verdanke.

3) Du bist Turiner mit kalabresischen Wurzeln. Wie kam es dazu, dass du der Viola aus Florenz die Treue geschworen hast? Denn wie wir alle wissen, gibt es in der Fiat Stadt neben der dominierenden Juventus auch einen zweiten Verein, den AC Turin, mit einer sehr respektablen Tifoseria.

Wie zuvor bereits erwähnt bin ich selbst ein Sohn der Migration. Meine Eltern verließen Kalabrien Ende der 60er-Jahre um nach Turin zu ziehen und bei der Firma der großen Herren Turins, FIAT, zu arbeiten. Dies hat mein Leben verändert und mir aufgezeigt, dass man seine Grundrechte, individuelles und kollektives Glück, nur durch Kampf, Hartnäckigkeit und Rebellion gegen Missbräuche und Ungerechtigkeiten erlangt. Der Grund, weshalb ich Fan und Ultras von Fiorentina geworden bin, ist die Liebe, die mein Vater für diesen Verein vorlebte. Als Junge lebte er in einem kleinen Dorf in Kalabrien, wo alle Fans der großen Drei aus dem Norden (Juve, Milan, Inter) waren. Er wollte sich davon abgrenzen und wählte eine junge, attraktive, sympathische Mannschaft mit dem Symbol der schönsten Stadt der Welt: Es war Fiorentina. Ich habe diese große Liebe und Leidenschaft von ihm geerbt. Zum Glück existiert in Torino auch il Grande Toro, die einzige Mannschaft Turins! Die anderen sind Gäste und Ausdruck einer identitätslosen Fanbewegung, die keine Heimat hat. Ich habe gelernt, Torino, seine Geschichte und seine Fans, zu denen ich die Ehre habe zu gehören, zu lieben. Ich habe viele Freunde bei den Ultras Granata und bin stolz darauf, die Freundschaft zwischen Torino und Fiorentina mitgeprägt und gestärkt zu haben. Sie existiert seit 40 Jahren und wird für immer andauern. Gegen Juventus und seine Macht.

4) Wie würdest du die Zeit beschreiben, als du zum ersten Mal Kontakt zum Collettivo Autonome Viola hattest? Was hatte dich so fasziniert, dass du sofort wusstest, dass das hier kein einmaliger Besuch für dich war, sondern von nun an einen Großteil deines Lebens ausfüllen sollte?

Das Collettivo Autonomo Viola 1978 war eine der größten und respektabelsten italienischen Ultragruppen der 80er und 90er-Jahre. Sie erbten die Tradition der Ultras Viola 1973, die vom großen Pompa gegründet wurden und bildeten gemeinsam mit anderen Gruppen (Fossa dei Leoni & BRN Milan, Ultras Granata Torino, CUCS & Fedayn Roma, Fossa dei Grifoni Genoa, Ultras Tito Sampdoria, Brigate Gialloblù Verona, Brigate Nerazzurre Atalanta, Ultras Brescia, Boys SAN Inter, Forever Ultras Bologna, Eagles Lazio, Fedayn Napoli etc.) die Speerspitze der italienischen Ultrabewegung. Wenn ich als kleiner Junge ins Stadion ging, war ich mehr an der Fankurve, wo sich etwas bewegte, Fahnen geschwenkt, Pyro gezündet und Lieder gesungen wurden, interessiert als daran, was auf dem Platz so geschah. Das CAV war für mich ein grosser Traum. Die Jungs dort auf dem Zaun zu sehen, wie sie mit einem Fingerzeig tausende Leute zum Singen brachten, das war sehr bewegend. Als ich mit 13, 14 Jahren begann, selbst an die Spiele zu gehen, näherte ich mich rasch den Ultras Granata, wenn ich in Turin war, während ich bei Fiorentina immer nahe am Collettivo und den Alcool Campi (eine gefürchtete, gewalttätige und sehr respektierte Sektion des CAV) stand und vieles von und über die Ultras lernte. Ich wuchs weiter auf und mit mir auch die Fiesole und das Collettivo, das in den 90er-Jahren auch dank der starken Mannschaften mit Batistuta und Rui Costa sowie dem unglücklichen Team mit Roberto Baggio, das 1990 das UEFA-Pokal-Finale gegen dieses verfluchte Juventus erreicht hatte, seine größte Zeit erlebte. Es gab außergewöhnliche Choreographien in Kurve und Stadion, Lieder, Fahnen, Pyro, Ausschreitungen in ganz Italien und Europa und wir zeigten, dass sich auch eine kleine Stadt wie Florenz zu einer respektierten Szene entwickeln kann. Gegen Juventus zeichneten wir mit Pappen die Skyline von Florenz in die Kurve, während wir im ganzen Rest des Stadions Fahnen mit dem Stadtlogo Florenz’, dem Giglio (Lilie), verteilten. Dies als einzelnes Beispiel. Zuvor waren es die großen Vereine wie Milan und Roma, die den Takt vorgaben. Es war gefährlich, in diese Städte zu reisen, auch nach Bergamo oder Brescia, aber es ist uns gelungen, die Auswärtsfahrten dahin zu organisieren und dort unsere Transparente und Fahnen zu präsentieren. Wir brachten von 100 (Bari, Lecce, Palermo) bis hin zu deren 20.000 (Cupfinal in Avellino gegen Juventus) jede Menge Leute an die Auswärtsspiele. Ich war ein einfaches Mitglied der Kurve, ein anonymer Kämpfer hinter seinem Schal und seinem Ninja-Pullover, und begann, in die Organisation der Gruppe hineinzuwachsen. Die Jungs aus Florenz sahen, wie ich immer dabei war, von Turin bis Florenz, an den Auswärtsspielen, bei den Ausschreitungen, bei der Durchführung von Choreographien. So gaben sie mir immer mehr Aufgaben, während auf persönlicher Ebene unzerstörbare Freundschaften entstanden. Florenz wurde meine zweite Heimat. Jedes Mal, als ich nach Florenz reiste – noch heute! – wollten mich alle zum Abendessen einladen. Ich war zuhause. Anfangs der 2000er-Jahre erlebte Fiorentina dann eine grosse Krise. Grund dafür war Präsident Vittorio Cecchi Gori, 2002 wurde Fiorentina in die vierte Liga zwangsrelegiert, die Ultras gaben aber nie auf. Bei einem Abendspiel gegen Pisa, einem bekannten toskanischen Derby, erschienen Ende August über 30.000 Zuschauer und wir fetzten uns zwei Stunden lang mit den Pisani. Ich war dabei schon ein Teil des Direttivo des CAV und Anstimmer in der Kurve. Ich kümmerte mich gemeinsam mit einigen Jungs um unser Fanzine und die Communiqués. Wir machten eine großartige Meisterschaft in der C2, gewannen diese und stiegen später in die Serie A auf. Das CAV war eine großartige Gruppe. Trotzdem passten einige unserer Eigenschaften jungen, rebellischen Kurvengängern nicht mehr in den Kram. Vielleicht beging das CAV mit alten Militanten auch einige Fehler, wir entschlossen uns dann allerschwersten Herzens, die Gruppe zu verlassen. Es entstanden Auseinandersetzungen, teils auch gewalttätig – unter Ultras diskutiert man, man fetzt sich aber auch – und gründeten neue Aktionsgruppen, die ihrerseits gewaltorientierter waren als das CAV. ACAB Firenze 1926, Diffidati Firenze, Firenze Ultras, Parterre, Noi Non Tesserati. Und schlussendlich auch die Realität, die heute in der Fiesole herrscht: 1926 – Curva Fiesole, eine Gruppe, die von vielen willigen Jungen geführt und von uns Alten unterstützt wird. Das CAV hat mein Leben verändert. Es waren schöne, gewaltreiche, romantische und unvergessliche Jahre. Auf meinem von Tattoos übersäten Körper trage ich noch heute voller Stolz den Indianer, das Symbol des Collettivo.

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5) „Jugendliche, die durch ihre Lebensumstände, durch Orte an denen sie aufgewachsen sind, durch die Erfahrungen die sie gemacht haben, gezwungen sind, wie Bertolt Brecht sagen würde, „auf der falschen Seite des Lebens zu stehen. Denn auf der anderen Seite, stehen ja schon die Anderen.“ Ein schöner Vergleich, der aus deiner Feder stammt. Kannst du dies bitte uns erläutern?

Die Ultras sind das Symbol einer Epoche. Sie sind alles und gleichzeitig das Gegenteil von allem. Liebe, Hass, Loyalität, Niedertracht, Gewalt, Mut, Großzügigkeit, hässliche Dinge, durch Gewalt getötete Menschen, Angriffe und loyale Schlägereien, Solidarität. In der Welt der Ultras finden wir sämtliche Aspekte der Seele und der Natur des Menschen. Daher erachte ich es als wichtig, die Verhaltensweisen und Codes der Ultra-Welt zu beobachten, zu studieren, zu erkennen und zu verstehen. Die Ultras sind vielleicht die wichtigste, bedeutendste Jugendkultur der letzten 40 Jahre und in meinem Kleinen wollte und will ich dazu beitragen, dieses Phänomen zu studieren, zu begreifen. Man muss das alles verstehen, dass sich Fehler aus der Vergangenheit nicht zu wiederholen beginnen.

6) Ist Ultrà in deinen Augen eine gewachsene Gegenkultur zur italienischen Gesellschaft oder eine in Italiens Stadien gewachsene Subkultur?

Die Konzepte von Gegen- und Subkultur haben sich in den letzten Jahren stark mit dem Mainstream vermischt. Alles, was im Untergrund entsteht, ist dazu prädestiniert, sich entweder vom System einholen zu lassen und dadurch zu normalisieren oder auf totalen Konfrontationskurs zu gehen. Die Ultràkultur war eine typisch italienische Subkultur, die Ende der 60er-Jahre entstand, in einer historisch wichtigen Zeit Italiens, in der sich Politik, soziale Gewalt, Leidenschaft für Fussball und Lokalpatriotismus zu vermischen begannen und etwas schufen, das in dieser Form noch nie da war. Ultras bedeutet für mich primär einmal, tief und bedingungslos die eigenen Farben, die eigene Stadt, die Gruppe, die Brüder zu lieben. Dazu bereit zu sein, jedwedes Opfer zu erbringen, um die Mannschaft zu unterstützen und dafür zu sorgen, dass du mit deinen Leuten da bist, in der ersten Reihe, siegreich und niemals unterwürfig. Das heißt, auf Bequemlichkeiten zu verzichten; Geld, Zeit und Liebe auszugeben. Loyal zu sein, kein Geschäft zu treiben auf dem Rücken der Leidenschaft anderer Menschen. Das heißt, gegen Ungerechtigkeiten, gegen das System und die Repression anzukämpfen, die Grundrechte der Bürger zu verteidigen, um nicht diskriminiert und an den Rand gedrängt zu werden. Ultras ist Leidenschaft, Freude, das Glück, wenn eine Choreographie Menschen mit heruntergefallener Kinnlade dastehen lässt. Ultras ist ein neues Lied, das durch den Himmel schwebt, das sind geschwenkte Fahnen, eingeatmeter Rauch. Ultras ist die Auseinandersetzung mit dem Feind, um die eigene Identität und das eigene Territorium zu verteidigen. Zu hassen, gehasst zu werden und darauf stolz zu sein. Ultras sind die Freundschaften, die die Zeit prägen; in deiner Kurve, in befreundeten Kurven, aber auch mit gegnerischen Ultras, die du mit der Zeit kennenlernst. Ich habe viele Freunde in Kurven, mit denen wir spinnenfeind sind; Bresciani, Bergamaschi, Napoletani, Milanisti, Interisti, Juventini, Genoani, Sampdoriani etc. und pflege zu ihnen Kontakt, treffe sie und verbringe mit ihnen fernab des Stadions und des Fußballs eine gute Zeit. Ultras zu sein bedeutet auch Solidarität mit Menschen, denen es weniger gut geht als dir, die beispielsweise von einer Tragödie heimgesucht werden. Ultras zu sein bedeutet aber auch, nicht scheinheilig zu sein, an die eigenen Werte zu glauben und keine Kompromisse mit dem Staat, der Polizei oder Clubs zu akzeptieren.

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7) Du warst über zwei Jahre hinweg Capo der CAV 1978. Wie war für dich das Gefühl für deine Gruppe in dieser Rolle auftreten zu dürfen? Und durch so eine Funktion, bleibt man natürlich kein Unbekannter. Hast du weiterhin in Turin gelebt und wenn ja, wie hast du dich vor Angriffen der Juve Ultras geschützt?

Ich war nie Capo des CAV 1978, auch weil wir keine Capos hatten, abgesehen von der Zeit, in der wir einen Präsidenten namens Stefano „Passarella“ hatten, der viel Verantwortung wahrnahm. Die anderen waren Leader, aufgrund ihres Charismas, ihrer physischen Stärke, ihrer Intelligenz. Ich und viele anderen gehörten zu den aktivsten und nahmen viele positive und negative Aspekte der Kurve in die Hand. Stadionverbote, Verhaftungen, Polemiken, Verfolgungen – Mitglied des CAV zu sein, heißt auch immer, dies bewusst zu tun. In die Entscheidungen der Kurve involviert gewesen zu sein war für mich eine große Ehre. Ihr müsst wissen, dass die Menschen in Florenz sehr stolz auf ihre Stadt und ihre Identität sind und es für einen nicht-gebürtigen Fiorentina-Fan schwieriger ist, als vollwertiges Mitglied der Kurve akzeptiert zu werden. Dies ist mir gelungen und das bedeutet mir sehr viel. Ich wohnte und wohne in Turin. Ich habe viele Freunde bei den Ultras des Toro, aber auch viele gute Verhältnisse mit Fans von Juventus. Ich habe noch nie ein Problem gehabt; wir gehen gemeinsam aus, besuchen die gleichen Lokale oder Fitnesscenter und noch nie hat mich irgendwer angegriffen. Stell dir vor, einer meiner besten Freunde, mit dem ich regelmäßig in Buch- und Blog-Projekten zusammenarbeite, ist ein Ultras von Juve! Im Stadion ist dann natürlich alles total anders…

8) Ich hatte einmal das Vergnügen ein Spiel zwischen Juventus und der Fiorentina im Delle Alpi besuchen zu dürfen. Was da los war, Wahnsinn! Viola füllte drei Ränge des Gästesektors und vor, während und nach dem Spiel präsentierten sich alle Facetten der ital. Ultras. Wer waren eure größten Feinde und hattet ihr neben der Brigate Gialloblu und den Ultras vom AC Turin noch andere Freunde?

Warst du vielleicht bei Juve-Fiorentina am 6. Januar 2001? Da waren wir 4.000 Ultras! Es war ein zwischen Support und Gewalt unvergesslicher Abend in einer sehr interessanten Zeit (Ja, das war die besuchte Partie. Anmerkung Sapeur OSB). Repression gab es zwar schon, aber keine Fancard, Drehkreuze, Käfige, nominalisierte Tickets und andere heutige Schweinereien. Die Ultras der Fiorentina pflegten immer schon tiefe Rivalitäten, aber auch großartige Freundschaften. Einige alte Freundschaften haben sich in Feindschaften umgewandelt oder umgekehrt. Beispiele? In den 70er- und 80er-Jahre waren wir gute Freunde der Romanisti, der Sampdoriani, der Interisti und der Bergamaschi. Verhältnisse, die sich aus verschiedenen Gründen zu Rivalitäten entwickelt haben, insbesondere mit den Römern, den Bergamaschi oder den Interisti. Umgekehrt herum hatten wir 1973 in Verona große Auseinandersetzungen mit den BGB, heute ist dies eine große Bruderschaft. Ich mag mich daran erinnern, dass wir Freunde waren oder sind der Ultras vom Toro, der Brigate aus Verona, den Ultras Catanzaro, den Ultras von Sporting Lissabon, von Ujpest Budapest und der Jungs von Millwall. Die Liste unserer Feinde ist lang: Juventus, Roma, Atalanta, Brescia, Milan, Inter, Genoa, Bologna, Napoli, Lazio, Pisa, Catania, Sampdoria, Salernitana, Perugia, Siena, Bari und generell alle Kurven, mit denen wir keine Freundschaft haben und es bei einem Aufeinandertreffen ohne Polizeipräsenz zu Zwischenfällen kommen würde.

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9) Zurückblickend auf die Zeit vor Raciti, welche Saison war für dich die beste oder wichtigste? Egal ob für den Verein, die Gruppe oder dich persönlich?

Ich begann in den frühen 80er-Jahren ins Stadion zu gehen, da war alles noch ganz anders. Weniger Polizeikontrollen, mehr wirkliche als mediale Gewalt – es gab eigentlich in jedem Spiel Auseinandersetzungen, da es noch keine Gästesektoren gab und die Polizeibegleitung für die Gästefans sehr schwach war. Da knallte es nicht nur unter Ultras, sondern auch unter normalen Fans, das war ganz normal. Überdies gab es noch kein Internet, kein Facebook und all diese Scheiße der modernen Ultras. Ich erinnere mich, dass es im San Siro normal war, dass die Heim-Ultras einfach mal über den zweiten Rang rüberkamen und es dann wüst knallte. In Rom und Napoli war es normal, mit Steinen bombardiert zu werden, um gar nicht von den Urinbechern zu sprechen, die dir weiter im Süden (Palermo, Catania, Bari, Cosenza, Licata, Acireale, Andria etc.) nachgeschmissen wurden. Dahin reisten jeweils nur wenige Mutige, da es sehr gefährlich war. Der Spirit unter uns war immer sehr schön, sehr romantisch. Unser Ziel war, gemeinsam da hinzufahren, Neues auszuprobieren, sich mit gegnerischen Ultras in deren Städte zu messen. Das war neu, reizvoll. Gewalt war da, aber es war selten organisiert. Vielmehr ging sie von spontanen Kontakten aus, aus purer Laune, aufgrund des Resultates. Man hatte keine Skrupel, jeder Gegner war ein Gegner. Es wurde immer wieder komplett übertrieben. Ich denke da an die Toten Paparelli, De Falchi, Spagnolo, Fonghessi, Filippini, Currò; die Molotovs der Fiorentini gegen die Bolognesi, die Jungs aus dem Zug in Salerno, Angriffe, Messerattacken, Vandalenakte, Jungs, die ohne Schuld darin involviert wurden. Ich denke auch an viele Ultras, die von der Polizei getötet wurden wie Di Maio, Furlan, Colombi, Plaitano, Ercolano oder Sandri. All dies führte natürlich dazu, dass man die Ultras nur noch als Deliquenten wahrnimmt und die positiven Sachen, die unser Wesen ausmachen, nicht mehr sieht. Ultras sind schizophren: Sie können die schönste Aktion hinzaubern, gleichzeitig aber auch in der totalen Niedertracht versinken. Wie jeder Mensch übrigens. Was mich angeht: Die Zeit von den 80er-Jahren bis in die frühen 2000er war episch, heroisch, unvergänglich. Fiorentina war sportlich eigentlich nie speziell stark, wenn man von einigen Phasen absieht, was die Euphorie etwa für den Europapokal deutlich steigerte. Im 1990 standen wir im UEFA-Pokal-Finale gegen Juventus, reisten zuvor nach Madrid, Sochaux, Auxerre, Kiev, Bremen. Das ist unvergesslich. Aber auch die 80er-Jahre vergesse ich nie; da reiste ich jeweils alleine von Turin aus an die Spiele und lernte, wie wichtig Gruppe, Freunde, Brüder sind. Auch das Jahr nach der Pleite in der C2 ist unvergesslich. Wir haben in kleinen Stadien gegen kleine Vereine gespielt, hatten aber zuhause immer 35.000 Zuschauer und reisten mit bis zu 5.000 auswärts! Insgesamt war es so: Wenn die Mannschaft gut spielte und gewann, waren wir glücklich und enthusiastisch. Es waren aber die anonymen, vielleicht sportlich langweiligen Jahre im Mittelfeld der Tabelle, die mich viel stolzer machen. Ich erinnere mich an jedes meiner 30 Jahre in der Kurve mit Leidenschaft, Enthusiasmus und Wehmut.

10) Es ist brutal, was sich nach dem ungeklärten Tode vom Polizisten Raciti für die ital. Ultras ändern sollte. Innerhalb von nur zehn bis elf Monaten habt ihr die gesamte Repression und Verbote erhalten, die sich beispielweise in Deutschland über Jahre hinweg „einbürgerten“. Wie empfandst du diese Zeit, in der sich alles ändern sollte?

2007 war das „Annus Horribilis“ der italienischen Ultrabewegung. Es begann mit dem Tod von Raciti in Catania im Februar und endete mit dem Mord an Gabriele Sandri am 11. November. Es sind zwei dunkle Kapitel, die nie ganz aufgeklärt wurden. Besser gesagt: Über den Tod von Gabbo gibt es keine Zweifel, der Bulle hat wie ein Verrückter von der anderen Seite der Autobahn rüber geschossen und einen Jungen getötet, von dem sie erst später erfuhren, dass es ein Ultras war. Es hätte jeden treffen können; ein Kind, eine Frau, einen Rentner… der hat einfach geschossen, total verrückt! Und er hat bis heute nicht wirklich dafür bezahlt. Der Fall Raciti ist bis heute nicht aufgeklärt. Zwei Jungs aus Catania, Speziale und Micale, wurden angeklagt und befinden sich seit sieben Jahren im Gefängnis – für einen Todesfall, den die italienische Polizei sich alleine selbst zuzuschreiben hat. Es scheint sicher, alle Indizien spielen dafür, selbst Zeugen sagten aus, dass Raciti von einem „Defender“ der Polizei im Rückwärtsgang tödlich verletzt wurde. Der fahrende Polizist merkte nicht, dass Raciti hinter dem Auto stand und überfuhr ihn tragischerweise. Aber es ist halt bequemer, Ultras anzuklagen, einen Polizisten getötet zu haben, um dann wieder eine Repressionswelle loszutreten. Auch der Tod von Gabbo hatte Reaktionen in den Kurven zur Folge. Sie verlangten den Abbruch sämtlicher Spiele aus Respekt vor dem Getöteten – insbesondere in Bergamo und Taranto, wo die Ultras einen Spielabbruch herbeiführten sowie in Rom, wo Ultras von Lazio und Roma gemeinsam die Polizeikaserne der Hauptstadt angriffen. Paradoxerweise hatte Gabbos Tod ebenfalls eine harte Repressionswelle zur Folge. Neue Gesetze wurden in Kraft gesetzt; sie sind meines Erachtens dafür zuständig, dass die italienische Ultrabewegung getötet wurde. Sie arbeitete zwar ohnehin schon selbst darauf hin; es gab zu viel Business, zu viel Infiltrierung durch Politik und weitere komplett absurde Dinge. Aber fortan war alles hyperkontrolliert, man wurde gefilmt, bekam Stadionverbot oder Verhaftungen für inexistente Taten oder Lappalien wie mal kurz das Spielfeld zu betreten, um das Team zu feiern, das Abbrennen von Pyrotechnik, das Singen eines Liedes gegen den Gegner, das Hochhalten von Spruchbändern mit offensivem Inhalt… Trommeln, Fackeln und Transparente wurden verboten. Dies alles unter der Regie des Pay-TV, das seine Interessen verteidigte und mehr Macht und Einfluss hat als die Ultras. Mir ging es in dieser Zeit sehr schlecht, es ergab keinen Sinn mehr ins Stadion zu gehen und einfach nur zu funktionieren, ohne Meinungsfreiheit und ohne die Möglichkeit, Fehler zu begehen. Ich spreche mit Montesquieu, der sagte, dass unnötige Gesetze die nötigen schwächen würden. Wenn schon Gesetze bestehen, bezahle ich für Fehler, aber ad hoc neue Gesetze für die Ultras einzuführen, um tausende Junge zu kriminalisieren, aus ihren Gruppen und von ihren Freunden zu entfernen, ist ein großes Risiko. Für die Obrigkeit müssen wir alle gleich sein, ohne Gedanken, ohne Seele, ohne Freiheit. Und die Ultras haben in guten und in schlechten Zeiten immer versucht, wenigstens frei zu sein.

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11) Die Einführung der Tessera del Tifosi und dem darin verankerten Articolo 9 brachten sehr viele Gruppen oder Kurven dazu, nicht mehr ihre Mannschaft bei Auswärtsspielen zu unterstützen. Wie war die Situation in Florenz, für welchen Weg hattet ihr euch entschieden?

Die Einführung der Tessera war nichts anderes als ein weiteres Mittel, um die Fronten zwischen den italienischen Ultras zu verhärten und interne Polemik auszulösen. Es ging und geht darum, ob man die Karte macht oder nicht, nicht darum, dagegen anzukämpfen. Die Tessera ist kein probates Mittel, um gegen Gewalt vorzugehen, es ist nur ein Instrument sozialer Kontrolle, ein Business-Ding, hinter dem Interessen von Unternehmen, Banken und Lobbys stehen. Die meisten Kurven äußerten gegen außen das Begehren, gegen die Tessera vorzugehen, auch die Großen wie Milan, Inter und Juve – unter der Hand waren sie aber schon damit beschäftigt, sie zu unterschreiben. Es gab keinen Weg mehr zurück, aber es entwickelte sich innerhalb der Bewegung eine breite Front gegen die Tessera. Viele Kurven, von der Serie A bis in die unteren Ligen, kämpften gemeinsam gegen die Tessera, reisten nicht mehr auswärts oder taten dies im Wissen, von der Polizei abgefangen zu werden. Der springende Punkt ist jedoch der Artikel 9, ein Passus, der jeden Fan mit Stadionverbot diskriminiert. Jeder normale Mensch erlangt seine Freiheit zurück, nachdem er für eine Gesetzesübertretung bezahlt hat. Dies zählt nicht für die Ultras: Wenn ein Stadionverbot abgelaufen ist, darf betreffender Mensch aufgrund seiner Vergangenheit weiterhin für fünf Jahre keine Einzeltickets für Auswärts- und in besonderen Fällen auch für Heimspiele erwerben. Das ist das schlimmste an der ganzen Sache. Dennoch haben viele Kurven aufgrund der Liebe zum Verein die Tessera unterschrieben, in einigen Fällen ist es ihnen sogar gelungen, den Articolo 9 zu umgehen. So wurden Away Cards geschaffen, mit welchen man ohne eigentliche Tessera auswärts reisen kann. Es ist einfach eine andere Karte… dieser ganze Ideologiekrieg hat die Szenen gegeneinander aufgebracht. Die Tesserati wurden als Ultras von Staates Willen diffamiert, den Non-Tesserati wurde vorgeworfen, dass sie eine Ausrede suchten, um nicht auswärts zu fahren. Bei uns in Florenz entstanden zwei Lager: Das CAV und andere historische Gruppen entschieden sich, die Tessera zu machen, wir ex-CAV, ACAB 1926, Diffidati Firenze, Firenze Ultras, Maniacs, ex-Vecchia Guardia, Curva Ferrovia und andere fanden uns im Unterrang der Kurve wieder und entschieden uns, die Tessera nicht zu machen. Wir organisierten Märsche, Flugblätter, Kleber, Schals, T-Shirts und Veranstaltungen gegen die Tessera. Wir fuhren trotzdem auswärts, wobei es uns in einigen Fällen gelungen ist, auch ohne ins Stadion zu kommen (Lecce, Bari, Genoa dank einiger Heim-Ultras, Parma, Mailand). In anderen Fällen hielt uns die Polizei auf, was darin resultierte, dass wir draußen bleiben mussten und einige von uns Stadionverbot erhielten. All dies führte zu einem großen Graben innerhalb der Kurve, was der Einheit und der Schönheit unseres Supports nachträglich schadete. Später gab es dann auch für uns eine Away Card, die wir annahmen. Wir standen wieder zusammen in der Kurve, im Namen von Florenz und der Fiorentina. Wir haben nach der Auflösung des CAV unter dem Namen 1926 die Führung der Kurve übernommen und fahren heute überall hin, obwohl wir weiterhin gegen Tessera und Repression sind. Viele haben uns beschuldigt, den Kampf gegen die Tessera verraten zu haben. Obwohl sich grundsätzlich jeder um seinen eigenen Scheiss kümmern sollte, zeigen die Hunderte von Stadionverboten in den letzten zwei Jahren, dass die Ultras in Florenz immer noch lebendig sind und dies auch immer sein werden.

12) Böse Zungen oder Kritiker sagen, die ital. Szene war zu lange auf dem Olymp. Ähnlich wie die alten Römer verloren sie durch Geschäfte mit dem Ticketing, mit den Fanartikelshops oder dem Abkassieren auf den Parkplätzen das Wichtige aus den Augen. Kannst du diese Kritik in irgendeiner Form nachvollziehen oder ist das nur dummes Geschwätz von Neidern?

Alles richtig. Ich unterschreibe und füge an, dass ich das selbst immer wieder geschrieben habe. Das Grundübel ist, dass einige Szenen – ich nenne jetzt hier keine Namen, aber wer die Szene kennt, weiß, wen ich meine – begriffen haben, dass man Ultras auch als Job verstehen, Business treiben und Geld machen kann. Geld zu sammeln durch Material, Tickets, Mitgliedschaften und Auswärtsspielen – früher die klassischen Instrumente zur Selbstsubvention – hat viele Leute groß gemacht. Einige wenige Capi verdienen auf dem Rücken vieler Jungs eine goldene Nase. Man hat sich von den Ursprüngen entfernt, von den Ursprüngen, die besagen, dass die Kasse nur dafür da ist, die Aufwendungen für den Support zu decken, Choreographien zu bezahlen, weniger Reichen zu erlauben, auswärts zu fahren, Anwälte, Prozesse und Busskosten zu bezahlen. Diese Kasse hat sich für einige in die Lohnkasse entwickelt. Der Rest kam durch sinnlose Gewalt, Repression, Politik und Mode. Das alles hat vieles zerstört.

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13) Wir wissen alle, dass es nie mehr so wie früher werden wird. Aber denkst du, dass das Tal der Tränen wieder durchschritten werden kann und beispielsweise Mannschaften ohne die Tessera wieder auswärts begleitet werden können?

Viele profiteren von der Tessera. Beispielsweise Politiker (Lega Nord; Maroni, Berlusconi, die anderen Faschisten, aber auch Renzi) haben die Tessera als Instrument gegen die Gewalt gefeiert und gingen damit auf Stimmenfang. Gepaart mit Panikmache in der Gesellschaft ging dies natürlich auch auf. Die Tessera bevorteilt auch die Banken, die die Tessere für 10, 15 Euro verkaufen – vervielfache diesen Betrag mal!. Viele Banken schwätzten sogar normalen Menschen, die einfach ein Konto eröffnen oder einen Kredit aufnehmen wollten eine Tessera auf, nur um Geld zu verdienen! Auch die wirtschaftlichen Lobbys profitieren davon: Ihnen gehören zum Beispiel Ticketone oder andere Vorverkaufsstellen, die zusätzlich Geld abwerfen. Bei der Polizei ist es eh keine Frage; sie glaubt, alle zu kontrollieren und bestrafen zu können, wenn etwas passiert und kann durchaus auch mal den Gästesektor schließen, obwohl die zu erwartenden Gästefans die Tessera in der Tasche haben (bspw. bei Napoli-Roma). Viele haben versucht, den Obrigkeiten beizubringen, wie unnötig und schädlich diese Karte ist, da sie die Leute mehr vom Stadion entfernt als sie dahin bringt – nicht nur die Ultras, sondern auch die Familien, die Jungen, die Frauen -, da sie nicht immer funktioniert, teilweise die Drehkreuze nicht funktionieren, da es trotzdem immer noch schwierig ist, ein Ticket zu kaufen. Eine riesige Scheiße. Trotzdem besteht sie weiterhin. Die Politiker behaupten weiterhin, dass die Gewalt in Stadien zurückgegangen ist, dass es strengere Strafen braucht, dass man das Stadionverbot auf fünf Jahre und in besonderen Fällen auf lebenslang ausdehnen muss. Unwahrheiten und Lügen für die Propaganda. Heute regiert in den italienischen Stadien die Beraubung von fundamentalen Grundrechten wie die Personenfreizügigkeit bzw. Bewegungsfreiheit gemäss Schengener Abkommen, das bei Auswärtsspielen einfach so mal außer Gesetzt gestellt wird. Verteidigungsrecht besteht auch nicht, Stadionverbote können weiterhin einfach so ausgesprochen werden, es braucht dafür keine Beweise und es tritt sofort in Kraft. Ab dem Moment, wo ein Fan ein SV erhält, kann man nicht mehr darüber reden; man kann keine Beweise wie Fotos oder Videoaufnahmen mehr vorbringen, die die Unschuld des Fans belegen. Dieser bleibt also, wenngleich unschuldig und um viel Geld für einen Anwalt ärmer, weiterhin vor dem Stadion. Es gibt auch eine Art nachträgliche Verhaftung, was bedeutet, dass ein Fan auch Wochen, wenn nicht Monate nach einem Ereignis noch verhaftet werden kann, wenn er als dafür verantwortlich ausgemacht wird – man muss also nicht mehr vor Ort erwischt werden. Außerdem kann man durchaus auch mit Stadionverbot bestraft und verhaftet werden, wenn man gerade mal ein bisschen Pyro gezündet oder einen Gegner verbal oder schriftlich beleidigt hat. Es reicht schon nur, dass du dem Digos (Zivi) gerade nicht sympathisch bist, um ein Stadionverbot zu kassieren. Dies sind Grundhaltungen eines diktatorischen Regimes, nicht die einer modernen Demokratie, die in der Lage sein sollte, sein Volk zu bilden und zu verteidigen. Unser Staat ist einer, in dem die Polizei in ihren Kasernen, in den Schulen, in den Straßen und den Stadien töten darf, ohne dafür bestraft oder verurteilt zu werden. Es ist ein Land, in dem Silvio Berlusconi immer noch auf freiem Fuß ist, trotz zahlreicher Verfahren und Verurteilungen. Wo rassistische und xenophobe Politiker den Hass gegenüber Ausländer anstacheln und dafür noch mit Wählerstimmen belohnt werden. Wo der Staat nicht einen, sondern hundert Jungs in einer Schule massakriert, während sie schlafen oder wenn sie wegen einiger Gramm Haschisch in der Zelle landen, aber dem Staat passiert nichts. Die Beamten werden vielmehr sogar noch befördert. Wir hoffen weiterhin darauf, dass ein etwas weniger unterbelichteter Politiker dies alles einmal sieht, dass die Anwälte – insbesondere der sehr gute Lorezo Contucci, der für die Rechte der Ultras einsteht – und die Jungs aus der Kurve diese anstrengende Schlacht doch noch für sich entscheiden. Unser Traum ist, dass jeder wieder immer und überall seiner Leidenschaft nachgehen kann, so wie sie oder er dies will. Ohne Grenzen, ohne Polizei, ohne Tessera. Im Namen der Freiheit jedes Einzelnen.

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14) In Deinem Buch schildertest Du die Saison der großen Fiorentina in der Serie C2. Vermisst Du etwas aus dieser Phase, verglichen mit der jetzigen Situation in Florenz und im italienischen Fußball der Seria A, etwa der Forli-Überfall mit 5.000 Mann?

Die C2 war eine dramatische Erfahrung, weil sie das Ende der grossen ACF Fiorentina bedeutet hat. Wir wurden da von der Obrigkeit bestraft, die ohnehin nie gut auf die Fiorentina zu sprechen war und wurden für wenige Millionen Euro Schulden insolvent erklärt, während andere Vereine in Italien bei sehr viel mehr Schulden weiterhin fröhlich vor sich hin lebten. Sie spielten weiter in der Serie A und erhielten Unterstützung vom Verband FIGC. Es war ein Schock. Ich mag mich noch ganz genau daran erinnern, wo ich mich befand und was ich gerade machte, als am 2. August 2002 die definitive Meldung über den Ausschluss der Fiorentina bekannt wurde. Es ist dasselbe wie wenn du erfährst, dass eine geliebte Person in einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen ist. Wir haben viele Tage lang geweint, aus Wut, aus Schmerz. Aber wir fühlten uns auch stark, geeint wie vielleicht nie zuvor. Fiorentina waren wir, nicht Cecchi Gori. Fiorentina waren die Ultras, die wunderschöne Stadt. Fiorentina war eine Geschichte, die nicht enden konnte, solange auch nur einer von uns lebte. Wir haben uns vereint, die Karten auf den Tisch gelegt und entschieden, dass für uns alles weiter geht. Unsere glorreiche Geschichte sollte weiter gehen, wo auch immer Fiorentina spielt. Einige Tage später wurde ein neuer Verein gegründet, der Industrielle Della Valle kaufte die Lizenz und fortan spielten wir unter dem Scheißnamen Florentia Viola, dem lateinischen Namen der Stadt. Für uns blieb es die ACF Fiorentina 1926. Es wurde bekannt, dass wir in der vierthöchsten Liga gegen kleine Teams aus unbekannten Dörfern spielen müssten. Dies interessierte uns nicht. Wir waren Florenz und immer noch da im Fussball. Am 21. August 2002 spielten wir im Stadio Artemio Franchi das erste offizielle Spiel unter dem Namen Florentia Viola. Gegen Pisa traten wir mit einem weissen Trikot mit dem Giglio drauf und ohne Sponsor an, mit elf halbwegs bekannten Spielern. Trotzdem kamen 30000 Zuschauer. Im August, an ein Spiel in einem Amateurpokalwettbewerb! Es gab heftige Ausschreitungen mit den Fans aus Pisa, die nach Florenz kamen, um die Beerdigung Fiorentinas zu feiern, dann aber mit einigen verbeulten Köpfen mehr nach Hause reisten. Dieser Abend widerspiegelt für mich die Liebe zu unseren Farben und unserer Stadt geradezu im Perfektion. Was in den Monaten darauf passierte, war magisch. Die Florentia gewann die Meisterschaft, das Stadion war immer voll, der Zuschauerschnitt betrug 30000 – nicht einmal alle A-Clubs erreichten dies. Gegen Savona feierten wir die 25 Jahre des CAV mit einer fantastischen Choreographie und wir reisten mit Tausenden Leuten nach Gubbio, Castel di Sangro, Forli, Arezzo, Siena, Poggibonsi, Fano, Savona oder Imola. Wir fetzten uns heftig mit der Polizei, was Verhaftungen und Stadionverbote nach sich zog. Unser Freund C. verlor in Imola ein Auge, da ein Polizist direkt vor ihm das Tränengas abfeuerte. Unsere Rache hatte es in sich. Wir haben die Polizisten mit Schlägern, Fackeln und Gürteln angegriffen und sie in die Flucht geschlagen, während wir uns um unseren verletzten Freund kümmerten. Das CAV war zu dieser Zeit eine wunderschöne Gruppe von Freunden und Ultras.

Unvergesslich. Heute gewinnen wir in London, Thessaloniki, Rom, Mailand, Turin – aber jedes Mal blicke ich kurz in den Himmel und denke daran, wie wir nie aufgaben und die Fiorentina zu dem machten, was sie heute wieder ist. Die Fiesole, die Ultras. Eine Widmung geht an unsere Brüder, die leider nicht mehr unter uns weilen. An unsere verstorbenen Freunde, die im Laufe der Zeit von uns gegangen sind, die nicht mehr ins Stadion kommen können. Die Fiesole gehört ihnen.

15) Bist du bis zum Ende vom Collettivo Autonomo Viola aktiv in der Gruppe geblieben?

Nein. Im Sommer 2003, als Fiorentina in die Serie C1 und gleich am grünen Tisch in die Serie B aufstieg, verließen viele das CAV, weil sie nicht einverstanden waren mit seinem Weg. Einige wollten die Linie des CAV verändern, ihn weniger extrem und gewalttätig organisieren. Es ging nicht um Kompromisse mit der Polizei, auf keinen Fall, auch nicht um Business. Es war vielmehr so, dass wir Ultras auf die authentische, originale Art und Weise leben wollten. Nach großen Diskussionen und teils auch gewalttätigen Auseinandersetzungen verließen wir das CAV. Wir waren jung, charismatisch und sehr gewaltorientiert. Wir gründeten eine Gruppe mit dem Namen ACAB Firenze 1926 und landeten sogleich im Fadenkreuz der Polizei und des Vereines. Trotzdem blicken wir in der Serie B auf eine großartige Saison zurück. Wir fuhren überall hin und prügelten uns mit den Bergamaschi, den Napoletani und den Ternani – darüber hinaus häufig mit der Polizei, die uns daran hindern wollte, unser ACAB-Transparent aufzuhängen. Unser Name und unser Material wurde von Gesetztes wegen verfolgt, weshalb wir immer alles ins Stadion schmuggeln mussten. Wir gewannen das Relegationsspiel gegen Perugia und kehrten nach zwei Spielen voller Schlägereien mit der Polizei und mit tausenden Viola in Perugia in die Serie A auf. Nachdem ACAB von der Polizei weggefegt wurde, gründeten wir Firenze Ultras, eine wunderschöne Gruppe, die viele ex-CAV, Vecchia Guardia, i’Bianco, ACAB und andere Ultras in sich vereinte. Wir waren unabhängig und gewalttätig und landeten erneut im Visier der Polizei. Wir mussten uns auflösen, da uns organisiertes Verbrechen (eine solche Behandlung erhält sonst nur die Mafia oder Terroristen!) vorgeworfen wurde. Darauf folgten einige Jahre ohne Gruppenzugehörigkeit, ehe wir zuerst das Parterre und dann 1926 gründeten. Diese Jungs führen die Fiesole heute.

16) Wie hat sich die Curva Fiesole seit der Auflösung des Collettivo Autonomo Viola im Jahr 2011 entwickelt?

Heute teilen wir uns die Kurve friedlich mit allen anderen Viola in der Kurve, ohne Differenzen und Rivalitäten. Dies zum Wohle unserer Fiorentina. Aber natürlich hat weiterhin jeder seine Freundschaften, seine Erinnerungen, seine Erfahrungen – aber gemeinsam sind wir 1926!

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17) Wie hat es dein Umfeld (Familie, Freunde) aufgenommen, als du mit der Idee um die Ecke kamst, ein Buch zu dem vielleicht heißesten und polarisierenden aller Themen der italienischen Gesellschaft zu schreiben?

Ich bin der, der ich scheine. Ohne Scheinheiligkeit oder sonstige Spiele. Ich bin ein Ultras, aber auch ein Lehrer, ein Schriftsteller, ein Rebell und ein Musiker. Ich bin mit mir im Reinen. Alle, die mich kennen, wissen wer ich bin, was ich mache, wie ich denke und handle. Niemand hat sich darüber gewundert, dass ich Ultras-Bücher schrieb, niemand hat mich darum abgekanzelt. Im Gegenteil, ich wurde immer unterstützt und geliebt, von meiner Familie, meinen Freunden, meinen Gegnern.

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18) Wie reagierte die breite Öffentlichkeit beim Erscheinen von „Cani Sciolti“? In einem Italien, das von der Berlusconi Presse bestimmt wurde, wurde es doch bestimmt heiß diskutiert?

Meine Bücher sind subversiv, rebellisch, antagonistisch, herausgegeben von kleinen, mutigen, unabhängigen Verlagshäusern fernab des Mainstreams der Massenmedien. Trotzdem sind sie bei vielen Jungs gelandet, dank Mund-zu-Mund-Propaganda, dank meiner Opfer, Präsentationen, Reisen, die ich in ganz Italien und Europa unternommen habe, um sie bekannt zu machen. Dank Leuten, die mir dabei geholfen haben und einiger freier Journalisten, die mich interviewt und gut über mich berichtet haben. Dies, obwohl Berlusconi und seine Sklaven nie ein gutes Wort über mich und meine Kollegen wie Abatantuono, Marchi, Francesio, Romelli, Berlingieri, Giudici und andere verloren haben. Diese Bücher sind für sie gefährlich, es ist gefährlich, die Wahrheit auszusprechen, da sie den Regierenden nicht in den Kram passt. Sport Week, das Magazin der Gazzetta dello Sport, hat mich als den John King Italiens hingestellt, mein erster Roman „Sensomutanti“ als „fedeli alla tribù“ Italiens. Trotzdem existierte ich für die Medien nicht. Obwohl ich tausende Exemplare über unabhängige Kanäle verkauft hatte. Ich glaube ja nicht, dass ich der John King Italiens bin, aber ein klein wenig Beachtung wäre schon logisch gewesen. Es interessiert mich aber einen Scheißdreck, ich bin glücklich so. Den Respekt und die Glaubwürdigkeit vor all denen zu besitzen, die mich kennen, die italienischen und europäischen Ultras, der Rebellen, das reicht mir.

19) Du hast sehr viele Details genannt und auch unter Abkürzungen oder Synonymen andere Protagonisten aus der Szene genannt. Wie haben deine einstigen Weggefährten dein Werk aufgenommen? Gab es vielleicht sogar aus der ehemaligen Gruppe Ressentiments gegenüber deiner Arbeit?

Nein, meine Brüder waren glücklich und stolz darüber, daß ich unsere Geschichte in einem Buch ohne Lügen und Verschleierungen niedergeschrieben haben. Sie waren glücklich darüber, daß ich das schrieb und nicht irgend ein Journalist oder Polizist. Wäre das der Fall gewesen, wäre es nicht akzeptiert worden, ich konnte es bringen, da ich einer von ihnen war und bin. Einfach nur ein Ultra, der schreiben und erzählen kann. Ich dachte, dass die Geschichten der Ultras Geschichten von Menschen seien, weshalb es angebracht war, ein Buch darüber zu schreiben. Genauso wie etwa ein Liebesbuch, ein Kriegsbuch, ein Actionbuch. Wo Personen, Herzen, Hirne, Geschichten bestehen, muss jemand da sein, um diese zu erzählen. Um diese auf ehrliche Art zu erzählen, bewusst darüber, was alles passiert ist und in der Lage, dass die Welt dies versteht oder zumindest verstehen könnte.

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20) Dein Buch endet sehr eindringlich und spannend beschrieben quasi im Schweizer Exil. Wie war die Zeit für dich dort und wie lange musstest du dort bleiben?

Ach, das war nur ein kleines Täuschungsmanöver, um das Buch fertig schreiben zu können und den Leuten zu verstehen zu geben, daß wenn die Dinge sich in diese Richtung weiterentwickelt hätten, es aufgrund der Repression in einer Flucht aus Italien geendet hätte. Eine Metapher, aber sie hatte eine große Bedeutung und kam der Zeit zuvor. Heute ist es in Italien ein Verbrechen, Ultras zu sein und wir sind sehr häufig dazu gezwungen, uns zu verstecken oder ins Ausland zu fliehen. Es gibt auch weitere Ultras-Bücher: „Noi odiamo tutti“ von Abatantuono und Viganò, das die Geschichte offensiver Spruchbänder darstellt; „The Final“ mit Abatantuono und Tomaselli, das unsere Reise nach Schottland zum Cupfinal zwischen den Rangers und Falkirk ebenso erzählt wie unsere Ansichtsweise des britischen Fussballs und Modells, „Stadio Italia“ als Sammlung von Texten von Giudici, das sich mit der Repression sowie sozialen und wirtschaftlichen Faktoren des modernen Fußballs unter dem Aspekt der Repression beschäftigt. Schreiben, um zu dokumentieren. Schreiben, um zu leben.

In der Schweiz war ich nie, außer um ein paar Konzerte zu besuchen, viel gutes Marihuana zu rauchen und die Fiorentina in Zürich gegen die Grasshoppers zu schauen. Und um mich mit der schweizerischen Polizei zu prügeln, die uns mit Gummigeschossen bombardiert und einem Wasserwerfer bespritzt hat.

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21) Dein aktuelles Werk „Macelleria Diaz“ erschien Ende 2013 und handelt vom G8-Gipfel in Genua. Leider wurde es bisher nicht ins Deutsche übersetzt. Erzähl uns bitte aus dem Inhalt.

Es ist die Geschichte eines unglücklichen Buches. Es hätte 2011 erscheinen sollen, aufgrund einiger Probleme beim Verleger gelang dies aber nie. Ich versuche seit Jahren, es zu publizieren bzw. einen mutigen Verleger zu finden, der es veröffentlicht. Es ist ein Buch, das den G8-Gipfel in Genua 2011 zum Thema hat und aus der Sicht der Jungs, die nach Genua gereist sind und die Polizeigewalt live miterlebt haben, geschrieben ist. Es beginnt in der Diaz-Schule, wo über 90 Menschen – unter ihnen zahlreiche Jungs und Mädels aus Deutschland – von der Polizei verprügelt wurden. Sie hatten die einzige Schuld, dort zu übernachten und wurden Opfer des Angriffes der Bullen. Dann geht es weiter mit verschiedenen Geschichten von Leuten, die sich allesamt irgendwo auf den Straßen Genuas befunden haben, um für die Freiheit zu kämpfen. Ich erzähle den Mord an Carlo Giuliani und die Torturen, die tausende Compagni von Seiten der italienischen Polizei hinnehmen mussten. Einige von ihnen sind sehr gute Freunde von mir. Ich erzähle meine Erfahrungen von diesen Tagen in Genua. Ich erzähle von all diesen Mördern in Uniform, die unbescholten davongekommen sind und nie verurteilt wurden. Jede Geschichte hat ein eigenes Lied, das den Text beeinflusst hat und umgekehrt. Ich hoffe wirklich, es bald veröffentlichen und auch in Deutsch übersetzen zu können. Es ist die Stimme, die diese Tage aufleben lassen, an sie erinnern möchte, da die heutigen Jugendlichen nichts darüber wissen, was in ihrem so demokratischen Land, das zu den acht Großen der Welt gehört, geschehen ist. Im Juli 2001, nicht im 1943…

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22) Letzte Worte

Ich danke dir und deinem Blog für den Platz, den ihr mir zur Verfügung stellt. Für mich ist es sehr wichtig, zu kommunizieren, mich mit etwas auseinanderzusetzen, kennen zu lernen und kennengelernt zu werden. Meine Absicht ist es, den Leuten beim Verstehen zu helfen, die Wahrheit zu verstehen, die nie nur eine einzige ist, sondern stark von der Perspektive, aus der man gewisse Dinge beobachtet, abhängig ist. Ich lade alle deutschen Ultras dazu ein, den Kampf für Freiheit und Bewusstsein weiterzuführen. Außerdem hoffe ich, bald nach Deutschland zurückzukehren, euch neue Bücher präsentieren und mit euch sprechen zu können. Die Geschichte wurde nicht immer nur durch die Sieger geschrieben. Es ist noch möglich, mit der ganzen Stimme, die in unseren Adern fließt, zu schreien. Auf dass uns die Kehle brennt. Es ist das einzige, das wir machen können, um uns lebendig zu fühlen. Jetzt und immer. Für immer.

Lunga Vita agli Ultras

Domenico Mungo

Streunende Köter (Cani Sciolti), Verlag: Burkhardt & Partner Verlag (15. November 2011), Sprache: Deutsch, ISBN-10: 3940159093, ISBN-13: 978-3940159090

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 1) Ciao Domenico! Grazie mille per il tuo tempo per rispondere nostri questioni. Non ci sono tanti libri dagli Ultras in Italia che fanatizzono noi come la tua opera „Cani Sciolti“. Ti pregiamo primo di presentarsi ai nostri lettori.

Ho 43 anni. Mi sono occupato e mi occupo di musica indie e alternative, punk e postmetal suonando in Punk e Hardcore band, organizzando concerti e scrivendo su una importante rivista musicale italiana chiamata Rumore. Sono un ultras della Fiorentina dal 1985 che seguo da sempre. Da alcuni anni mi occupo del movimento ultras, della sua storia, dei suoi problemi e della sua origine sociale, politica e antropologica scrivendo saggi, romanzi, articoli, organizzando e partecipando a summit, meeting e convegni. Ad esempio io e altri studiosi ultras del movimento italiano, come Vincenzo Abatantuono, Lorenzo Giudici, Gabriele Viganò, Luca Tomaselli e altri ci siamo ritrovati a scrivere testi e formulare teorie anche sulla comunicazione che gli ultras hanno saputo creare attraverso, ad esempio, gli striscioni offensivi o critici del sistema calcio. Tutto questo grazie all’insegnamento di Valerio Marchi, il più grande studioso italiano ed europeo delle sottoculture giovanili ed in particolare degli ultras. Sono un anarchico e ho partecipato alle lotte politiche negli anni 90 e 2000 (fra cui il G8 di Genova del 2001) e vivendo la realtà antagonista degli squat e delle case occupate torinesi e italiane scrivendo romanzi e articoli in merito. Scrivo testi per canzoni e spettacoli musicali, ho pubblicato libri di poesie, reportage sul mondo ultras per Sky Tv Italia e Rai Tv. Sono un attivista contro i soprusi della Polizia, la tortura e la repressione dei movimenti antagonisti e delle individualità libere, contro la TAV e il neofascismo. Oggi sono un insegnante di letteratura e storia presso la scuola di secondo grado e ricercatore presso l’Università di Torino in campo storico, linguistico, antropologico e sociale sulla storia di Torino negli anni 80 e 90. Amo molto la Germania e gli ultras tedeschi per la loro coerenza, rigore e voglia di conoscere la realtà delle cose, confrontandosi con il movimento ultras internazionale e imparando molto dalle esperienze altrui. Ringrazio quindi tutti gli ultras tedeschi che mi hanno sostenuto, acquistato e letto i miei libri, i miei articoli e le mie interviste, che hanno organizzato convegni e dibattiti invitandomi i ragazzi di Burkhardt&Partner per aver tradotto e diffuso il mio libro Cani Sciolti in Germania, l’amico Kai Tippmann che ha tradotto e diffuso il mio lavoro in Germania, e i media alternativi tedeschi e austriaci (Ballester Magazine, Ralph Schmidt di ZDF) per le recensioni, le interviste, il sostegno e la pubblicità.

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2) Sei cresciuto a Torino negli anni 70 e 80, in una città molto coniata dell’industria. Era la vita cosi grezza e dura come le gente pensono oggi?

Torino negli anni 70, 80 e 90 era una città molto difficile da vivere. Il terrorismo politico, l’industrializzazione e l’immigrazione di massa dal Sud Italia, le periferie degradate e abbandonate a se stesse, la violenza quotidiana, la droga. Ma era ed è anche una città all’avanguardia nelle lotte politiche e sociali, negli stili di vita, nelle controculture giovanili, nella musica punkrock, nel movimento ultras italiano. Quindi una realtà complessa e dura, ma anche molto stimolante e creativa. Sopravvivere ed imporsi in una situazione simile non era facile. I conflitti e le contraddizioni erano molto forti, anche perché non bisogna dimenticare che Torino è stata una città in cui negli anni 60 molti uomini e donne del sud Italia sono emigrati per lavorare alla Fiat, aumentando tensioni e disagi molto simili a quelli attuali nei confronti dei flussi migratori di massa dei migranti dal Terzo Mondo. Per noi giovani figli della classe operaia la ricerca di spazi fisici e mentali, l’autodeterminazione sociale, il riscatto erano un obbiettivo primario. E differenti sono state le pratiche affinché queste cose si potessero realizzare: dalle occupazioni delle fabbriche, delle scuole, delle università, delle case abbandonate. La nascita di una scena musicale e controculturale alternativa al sistema di massa, la lotta alla repressione della polizia e dello Stato, il bisogno di crearsi spazi fisici in cui esprimersi liberamente. Non è stato facile, alcune volte è stato drammatico e triste con molti compagni arrestati, uccisi e perseguitati. Con sconfitte e depressioni. Con tradimenti e fughe. Ma è stato tutto anche molto bello, romantico, commovente, creativo. Mi ha permesso di fare esperienze uniche, conoscere persone incredibili che hanno contribuito alla mia crescita umana, culturale e sentimentale.

3) Tu sei Torinese con radice nella Calabria. Come mai sei divenuto tifoso della Viola da Firenze? Tutto il mondo sa che a Torino non c’è solo la dominante Juve ma anche un’altra squadra, il Toro con una tifoseria molto rispettata.

Come raccontavo prima, io sono un figlio dell’emigrazione. Mio padre e mia madre partirono dalla Calabria nel sud dell’Italia alla fine degli anni 60 per giungere a Torino e lavorare nella fabbrica dei padroni: la Fiat. Questo ha sicuramente segnato la mia vita e mi ha insegnato che per ottenere ciò che ci spetta, i nostri diritti, la nostra felicità individuale e collettiva è necessario lottare, non arrendersi, ribellarsi ai soprusi e alle ingiustizie. Il motivo per cui sono diventato tifoso e ultras della Fiorentina è legato all’amore che nutriva mio padre per quella squadra. Poiché mio padre da ragazzo viveva in un piccolo villaggio della Calabria, in cui tutti i suoi amici facevano il tifo per le grandi squadre del Nord (Juve, Milan e Inter) lui volle differenziarsi dagli altri e scelse una squadra giovane, attraente, simpatica e simbolo della città più bella del mondo: e allora scelse la Fiorentina. Io ho ereditato questo grande amore e grande passione. Poi fortunatamente a Torino ESISTE il Grande Toro – che è la vera squadra di Torino, quegli altri sono ospiti ed espressione di un tifo esteso in tutta Italia e quindi non identitario di una città sola – ed io ho imparato ad amare il Toro, la sua Storia e la sua tifoseria di cui mi onoro di appartenere, di avere amici fra gli Ultras Granata e di aver continuato e rafforzato un gemellaggio fra il Toro e la Fiorentina che dura di 40 anni e durerà per sempre. Contro la Juve e il suo potere.

4) Primo che mi ho occupato col movimento ultras dell’Italia ho conosciuto già due grandi gruppi: L’una era il Colletivo Autonomo Viola 1978 della Fiorentina. Coreografie spettacolose, cantate emotive, ma non solo nella Fiesole le partite della Viola erano grandi spettacoli. Mi puoi descrivere il tempo del tuo primo contatto col C.A.V.? Che cosa ti ha affascinato che tui sapevi che questo non era una visita unica ma un parte importante della tua vita?

Il Collettivo Autonomo Viola 1978 è stato uno dei più grandi e rispettati gruppi ultras italiani degli anni 80 e 90. Hanno ereditato la tradizione e la gloria degli Ultras Viola 1973, fondati dal mitico Pompa e che hanno, insieme ad altri grandi gruppi italiani ( Fossa dei Leoni e BRN Milan, Ultras Granata Torino, CUCS e Fedayn Roma, Fossa dei Grifoni Genoa, Ultras Tito Sampdoria, Brigate Gialloblù Verona, Brigate Nerazzurre Atalanta, Ultras Brescia, Boys SAN Inter, Forever Ultras Bologna, Eagles Lazio, Fedayn Napoli etc) costruito il mito del movimento ultras italiano in Europa e nel mondo. Io da ragazzino andavo alla partita ed ero interessato più alla zona centrale della curva, quella dove si agitavano, cantavano, sventolavano bandiere e accendevano fumogeni e suonavano i tamburi gli ultras che a quello che succedeva in campo. Il CAV era un sogno inarrivabile. Guardare quei ragazzi in piedi sulla balaustra, che con un cenno facevano cantare migliaia di persone era molto emozionante. Quando iniziai ad andare alla partita da solo, intorno ai 13/14 anni iniziai a frequentare la zona degli Ultras Granata quando ero a Torino e poi quando iniziai a seguire la Fiorentina in casa e in trasferta a posizionarmi, con molto rispetto, vicino al Collettivo e agli Alcool Campi (una sezione molto violenta e rispettata del CAV) e da lì imparare molte cose sul portamento ultras. Io crescevo e con me cresceva anche la Fiesole e il Collettivo che negli anni 90- grazie anche alla splendida Fiorentina di Batistuta e Rui Costa e a quella sfortunata di Baggio del 1990 che arrivò in finale di Coppa Uefa con la maledetta Juventus- raggiunse il suo massimo splendore. Coreografie straordinarie in tutta la curva e lo stadio (contro la Juventus nel 1991 disegnammo lo skyline di Firenze con diecimila cartoncini in Fiesole e colorammo di viola tutto il resto del stadio con ventimila cartoncini e diecimila bandierine con il Giglio di Firenze, ma ne facemmo decine di altre bellissime, imitate ed indimenticabili), cori, canzoni, bandieroni, fumogeni, scontri in tutta Italia ed Europa, affermando anche una piccola città come Firenze come una delle più rispettate a livello ultras in Italia e in Europa. Una volta le grandi tifoserie come Milan e Roma incutevano paura e timore e solo andare in trasferta in quelle città – così come nel sud Italia o a Bergamo e Brescia – era molto pericoloso. Noi riuscimmo ad organizzare molte trasferte in quelle città, esporre i nostri striscioni e bandiere e rispondere a provocazioni e violenze facendoci rispettare ovunque. Portavamo dalle 100 persone ( Bari, Lecce, Palermo) alle 20mila (Finale di Coppa Uefa ad Avellino contro la Juve) persone in trasferta. Un periodo magico. Io nel frattempo da semplice militante, guerriero anonimo dietro la mia sciarpa e passamontagna, iniziai a crescere nell’organizzazione del gruppo. I ragazzi di Firenze iniziarono a vedermi sempre presente da Torino a Firenze, nelle trasferte, negli scontri, nell’organizzazione del tifo e iniziarono a darmi ruoli e compiti. Nacquero amicizie personali indistruttibili, Firenze era la mia seconda casa. Ogni volta che andavo a Firenze -ancora oggi succede- tutti volevano ospitarmi e inviarmi a cena. Ero a casa mia. All’inizio degli anni 2000 la Fiorentina subì una grave crisi a causa della dirigenza del presidente Vittorio Cecchi Gori e nel 2002 fallì e fu retrocessa in terza serie. Ma gli ultras non mollarono. In una inutile partita estiva nell’agosto del 2002 a Firenze contro il Pisa (un derby toscano molto sentito) con una squadra formata da giovani sconosciuti riempimmo lo stadio con 30000 persone e ci scontrammo per ore con i pisani. Io ero già membro del direttivo del CAV ed ero uno dei lanciacori della curva. In più mi occupavo con altri fratelli della fanzine del CAV e dei comunicati ufficiali. Facemmo una grande stagione in C2, vincemmo il campionato e tornammo in serie A. Ed il Cav era un gran gruppo. Però alcune cose a molti di noi, i più giovani e ribelli, non piacevano più. Forse il CAV e alcuni suoi vecchi militanti avevano fatto delle scelte che non condividevamo e così decidemmo di uscire dal club, con grande dolore, e con molte discussioni anche violente (fra ultras si discute ma ci si scontra anche) e fondammo alcuni gruppi d’azione più violenti ed indipendenti rispetto al CAV: ACAB Firenze 1926, DIFFIDATI FIRENZE, Firenze Ultras, Parterre, Noi Non Tesserati e infine la realtà odierna in Curva Fiesole, retta da molti giovani e volenterosi, con noi vecchi a dare una mano: 1926 – Curva Fiesole. Il CAV ha cambiato la mia vita. Sono stati anni belli, violenti, romantici ed indimenticabili. Ed io sulla mia pelle, fra i mille tatuaggi che la ricoprono, porto ancora con orgoglio e onore il simbolo dell’Indiano del Collettivo.

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 5) „Giovani, sforzati di loro condizioni di vita, di luogi dove sono crescuti, di esperienze che hanno fatti di essere „sulla falsa faccia della vita“ come Berhtold Brecht vorrei dire. Perché all’altra faccia della vita ci sono già gli altri.“ Un bel confronto di te. Mi puoi spiegare questo?

Gli Ultras sono il simbolo di un’epoca. Sono tutto ed il contrario di tutto. Amore, odio, lealtà, infamia, violenza e coraggio, generosità e cose terribili, morti violente ed assurde, agguati e scontri leali, solidarietà. Nel mondo ultras possiamo trovare tutti gli aspetti dell’animo e della natura dell’uomo. Quindi ritengo che bisogna osservare, studiare, conoscere e comprendere i comportamenti e le modalità. Senza accusare se non si cerca di capire. Gli ultras sono forse uno di movimenti giovanili e di massa più importanti e significativi degli ultimi 40 anni ed io nel mio piccolo ho voluto e voglio contribuire alla conoscenza di questo fenomeno, al suo studio, alla sua analisi e alla sua comprensione affinché non si ripetano gli stessi errori del passato.

6)  Che cosa simboleggia ultrà nei tuoi occhi? Èd una contracultrura alla civilità italiana o una sottocultura, crescuta negli stadi italiani?

Il concetto di controcultura e di sottocultura secondo me ha finito per confondersi e mescolarsi negli ultimi anni. Tutto ciò che nasce underground con il tempo è destinato o a farsi ingoiare dal sistema, normalizzandosi, oppure a diventare qualche cosa in contrasto con il sistema stesso. Quella ultras è stata una sottocultura tipicamente italiana, nata alla fine degli anni 60, in un momento storico importante per l’Italia, dove politica, violenza sociale, passione calcistica e identità locale si sono fuse tra di loro creando qualche cosa di unico e senza precedenti. Ultras secondo me ha significato prima di tutto amare in maniera profonda e senza discussione i propri colori, la propria città, il proprio gruppo e i tuoi fratelli. Essere disposti a qualunque sacrificio per sostenere la squadra e far si che il tuo gruppo e la tua gente sia sempre in prima fila, vincente e mai sottomessa. Vuol dire rinunciare alle comodità, spendere soldi, tempo, affetti per seguire la squadra. Essere leali, non fare business con la fede e la passione degli altri, lottare contro le ingiustizie, contro il sistema e la repressione, rivendicare i propri diritti di cittadini e uomini e non essere discriminati e criminalizzati in quanto ultras. Vuol dire passione, divertimento, gioia, felicità in una coreografia che lascia tutti a bocca aperta, in un coro nuovo che si diffonde nel cielo, nei bandieroni che sventolano e i fumogeni che si consumano. Ultras è anche lo scontro con il nemico per difendere la propria identità e il territorio. Odiare ed essere odiati ed esserne fieri. Ultras sono le amicizie radicate nel tempo, nella tua curva, in quella dei gemellati ma anche con vecchi ultras avversari che hai imparato a conoscere e rispettare. Io ad esempio ho amici fraterni in tutte le curve avversarie della Fiorentina: bresciani, bergamaschi, napoletani, milanisti, interisti, gobbi, genoani, sampdoriani etc e con loro mi sento, mi incontro, trascorro del tempo piacevole al di là dello stadio e del calcio. Essere ultras è anche la solidarietà con chi è più sfortunato o è sto colpito da un dramma o da una tragedia. Ma essere ultras è anche non essere ipocriti, credere nei propri valori e non accettare compromessi con lo Stato, la polizia e la società di calcio.

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 7)  Tu eri per due anni il capo del C.A.V. 1978. Quale sentimento era questo per te? E come capo non sei restuto un anonimo. Hai abitato in questo tempo ancora a Torino e se si, come ti hai difeso dei aggressioni degli ultras della Juve? 

Io non sono mai stato capo del CAV 1978, anche perché capi non ce ne erano – a parte il presidente dell’epoca in cui militavo io che si chiama Stefano „Passarella“ e che ricopriva la carica di presidente del CAV. Gli altri eravamo più che altro leader, chi per carisma, chi per forza fisica, chi per intelligenza. Diciamo che io e molti altri eravamo fra i più attivi ed in vista del gruppo e pertanto prendevamo sia le cose positive della cosa ma anche quelle negative – diffide, arresti, polemiche, persecuzioni etc- Essere membro del CAV ed essere sempre interpellato anche a distanza sulle decisioni del gruppo era per me un grande onore. Anche perché dovete sapere che i fiorentini sono molto orgogliosi della loro identità, e per un non fiorentino di nascita è molto più difficile essere accettato e considerato in quella città. Io ci sono riuscito e questo per me è un grande merito e orgoglio. Io vivo e ho vissuto sempre a Torino. Ho molti amici fra gli ultras del Toro, ma anche molte amicizie e rispetto con alcuni vecchi ultras della Juve. Non ho mai avuto nessun problema, usciamo di sera insieme, frequentiamo gli stessi locali e palestre, nessuno mi ha mai minacciato o aggredito. C’è un grande rispetto reciproco. Pensa che uno dei miei migliori amici e collaboratori con il quale ho scritto libri e amministrato un blog ultras è un ultras della Juve!!! Poi allo stadio è tutta un’altra storia…

 8) Tanti anni fa io ho visto una partita tra Juventus e Fiorentina al vecchio stadio Delle Alpi. Era un spettacolo! I tifosi fiorentini hanno riempiato tre anelli del settore ospiti e prima, durante e dopo la partita avete presentato tutti le faccette ultrà. Chi erano i vostri nemici piu grandi? Chi erano i vostri amici a parte delle Brigate Gialloblu e gli Ultras del Toro?

Probabilmente hai assistito ad uno Juve-Fiorentina del 6 gennaio del 2001 in cui eravamo più di 4000 ultras! Fu una serata indimenticabile di tifo e di scontri. Quello era ancora un periodo interessante per gli ultras italiani. C’era già parecchia repressione ma non c’erano tessere del tifoso, tornelli, gabbie, biglietti nominali e tutte quelle porcherie attuali. Gli ultras della Fiorentina hanno sempre avuto grandi rivalità ma anche grandi amicizie, nel rispetto di quello che è il mondo ultras da sempre. Alcune vecchie amicizie si sono trasformate in forti rivalità e viceversa. Ad esempio negli anni 70 e 80 eravamo molto amici con i romanisti (fino al 1979), i sampdoriani, gli interisti e i bergamaschi, poi per diversi motivi si sono trasformate in rivalità, sopratutto con i romani, i bergamaschi e gli interisti. O al contrario, inizialmente, nel 1973 ci furono scontri a Verona fra ultras viola e BGB, ostilità che poi si trasformò in una grande fratellanza. La mia memoria mi ricorda che siamo stati e siamo amici con gli Ultras del Toro, le Brigate di Verona, gli Ultras del Catanzaro, gli Ultras dello Sporting Lisbona, quelli dello Ujpest Budapest, i lads del Millwall London. I nostri principali nemici sono ovviamente la Juventus, La Roma, l’Atalanta, il Brescia, il Milan, l’Inter, il Genoa, Il Bologna, il Napoli,la Lazio, il Pisa, il Catania, la Sampdoria, la Salernitana, il Perugia, il Siena, il Bari ed in generale tutte le tifoserie con le quali non abbiamo rapporti di amicizia e il cui incontro senza polizia o casuale può causare scontri ed incidenti.

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 9)  Pensando ai vecchi tempi primo del caso Raciti. Quale stagione era la più importante? Uguale per la società, per gli Ultras o per te personalmente?

Io come ti dicevo ho incominciato ad andare allo stadio all’inizio degli anni 80 ed allora era tutto molto diverso. Meno controllo di polizia, più violenza reale e meno mediatica (nel senso che gli scontri allora erano sicuri ad ogni partita, non esistevano i settori ospiti e le scorte di polizia erano scarse, quindi il contatto fra ultras, ma anche con semplici tifosi non ultras era molto frequente se non inevitabile. Inoltre non esisteva Internet, Facebook e tutte queste calzate da ultras moderno). Ricordo per esempio che a San Siro, contro Milan e Inter, era comune che gli ultras milanesi facessero il giro del secondo anello che non aveva barriere, per raggiungere gli ospiti e scontrarsi per ore. Oppure a Roma e Napoli era un incessante essere bersagliati da sassi, bottiglie, sacchi pieni di urina, per non parlare quelle del profondo sud (Palermo, Catania, Bari, Cosenza, Licata, Acireale, Andria etc) dove pochi coraggiosi seguivano la squadra in trasferta a proprio rischio e pericolo. Però di contro vi era uno spirito collettivo molto bello, romantico, intrigante. Andare in trasferta tutti uniti, inventare nuovi modi di fare tifo, ideare le coreografie, mettersi in contatto con ultras di altre città per conoscersi e confrontarsi anche da nemici era una cosa unica, nuova, stimolante. La violenza c’era, ma non era quasi mai preorganizzata: nasceva dal contatto, dalle antipatie del momento, dal risultato. Non ci si faceva molti scrupoli, un avversario era un avversario. Sicuramente si è anche esagerato alcune volte e ciò ha causato episodi spiacevoli e vergognosi ( i morti: Paparelli, De Falchi, Spagnolo, Fonghessi, Filippini, Currò, Bagnaresi, le molotov contro i bolognesi da parte dei fiorentini, i ragazzi del treno di Salerno, agguati, coltellate, atti di vandalismo, vittime innocenti coinvolte senza colpa) ma anche molti ultras uccisi dalla polizia (Di Maio, Furlan, Colombi, Plaitano, Ercolano, Sandri) e questo ha finito per imporre gli ultras solo come dei delinquenti facendo passare in secondo piano tutte le cose positive che ci contraddistinguevano. Gli ultras sono schizofrenici: capaci di azioni bellissime, leali, generose ma anche di infamie e viltà. Come tutti gli uomini d’altra parte. Per quanto mi riguarda quindi tutto il periodo che va dagli anni 80 all’inizio del 2000 sono stati anni epici, eroici, indimenticabili. Non saprei indicarne uno. Per esempio, la Fiorentina in quegli anni, tranne rare eccezioni all’inizio degli anni 80 e a metà degli anni 90, ha sempre faticato molto ad emergere, eppure per me quelli erano anni indimenticabili. Potrei dirti che il 1990 con la Finale di Uefa contro la Juve, le trasferte europee a Madrid, Sochaux, Auxerre, Kiev, Brema fu indimenticabile. Ma anche gli anni 80, quando partivo da solo da Torino per raggiungere gli altri di Firenze in casa o in trasferta mi hanno insegnato a guardarmi le spalle da solo e capire quanto è importante il tuo gruppo, i tuoi amici, i tuoi fratelli. Ma è stata indimenticabile anche la stagione in cui fallimmo e fummo retrocessi in serie C2 (quarta divisione) e giocammo contro squadre sconosciute su campi di periferia eppure riempivamo il Franchi con 35000 persone e andavamo in trasferta in 5000! Quindi ti rispondo che se la squadra vinceva e faceva un buon campionato noi eravamo felici ed entusiasti, ma molte volte alcune stagioni oscure della squadra corrispondevano a grandi stagioni ultras, a episodi che ci rendevano orgogliosi, forti e sicuri di noi stessi. Quindi in trent’anni di curva li ricordo tutti con passione, entusiasmo e nostalgia.

10)  Il cambiamento era molto brutale per gli ultras italiani dopo il morto non chiarito del poliziotto Raciti. In una fase di 10 o 11 mesi avete ricevuto tutti gli repressioni e divieti che hanno ricevuto per esempio gli ultras in Germania in una fase di tanti anni. Come era questo tempo di cambiamento per te?

il 2007 è stato l’annus horribilis del movimento ultras italiano. Si apre con la morte di Raciti a Catania il 2 febbraio e si chiude con l’assassinio di Gabriele Sandri l’11 novembre. Due episodi che sono molto oscuri e mai chiariti del tutto. O meglio, sulla morte di Gabbo non ci sono dubbi: lo sbirro ha sparato da un lato all’altro dell’autostrada – da folle- è ha ammazzato un ragazzo che poi dopo si è scoperto essere un ultras. Ma poteva essere chiunque, un bambino, una donna, un anziano e lo sbirro ha sparato. Una follia. Per la quale chi ha sparato non ha pagato realmente per la sua colpa. Il caso Raciti invece è tutt’ora irrisolto. Sono stati accusati due ragazzi di Catania ( Speziale e Micale) che ormai da sette anni sono in galera, accusati ingiustamente di una morte che invece dovrebbe essere imputata alla stessa polizia italiana. Pare accertato, o comunque vi sono molti indizi, prove e testimonianze .- anche di poliziotti – che mettono in dubbio l’accusa ai due ultras catanesi per favorire invece la tesi che l’Ispettore Raciti sia vittima di „fuoco amico“ ovvero travolto e ferito mortalmente da un blindato Defender della stessa polizia in manovra di retromarcia e che lo sbirro che guidava non si fosse accorto della presenza di Raciti investendolo ed uccidendolo. Ma è chiaro che è più semplice accusare gli ultras di aver ucciso uno sbirro per poter scatenare la repressione durissima che si scatenò con il sostegno dei mass media e del governo. Anche la morte di Gabbo, ucciso da uno sbirro e che provocò la dura reazione di molte curve italiane che quel giorno chiesero la sospensione del campionato per rispetto del ragazzo ucciso (in particolare Bergamo e Taranto dove gli ultras riuscirono a sospendere la partita o a Roma dove nella notte dell’assassinio gli ultras di Roma e Lazio assaltarono le caserme dei carabinieri), fu usata paradossalmente per colpire gli ultras con una repressione durissima. Le leggi che furono introdotte alla fine di quell’anno sono state, secondo me, determinanti per uccidere il movimento ultras italiano – comunque già da qualche anno si stava suicidando da solo a causa di business, infiltrazioni politiche, biglietti nominali, violenza gratuita, uccisioni e ferimenti- e per condurci all’assurda situazione attuale dove anziché andare alla partita sembra di muoversi in un enorme libro di Orwell. Ipercontrollati, filmati, diffidati, arrestati per reati inesistenti e assurdi, come entrare in campo per festeggiare la squadra o contestare, accendere un innocuo fumogeno, lanciare un coro o uno striscione offensivo. Proibire tamburi, torce e striscioni. Chiudere le curve per cori e incidenti, penalizzare la passione e uccidere l’anima del tifo. Hanno fatto questo, secondo una precisa regia, anche per sovvenzionare e sostenere il più possibile gli interessi delle Pay Tv, delle società più potenti e dei governi che hanno fatto campagna elettorale sulla pelle degli ultras. Io ho ovviamente vissuto malissimo questo periodo: non aveva più senso andare allo stadio secondo quello che ti ordinavano di fare, senza essere liberi di esprimerci e anche di sbagliare. Io credo, come diceva Montesquieu, che Le leggi inutili indeboliscono le leggi necessarie, cioè le leggi ci sono già, se io sbaglio pago, ma inventarsi delle leggi ad hoc per gli ultras ha significato voler colpevolizzare migliaia di giovani e allontanarli dalla vita dei gruppi e dalla militanza, perché questo per il potere è un pericolo che non si può correre. Per il potere dobbiamo essere tutti uguali, senza pensieri, senza anima, senza libertà. E gli ultras, nel bene e nel male, hanno sempre cercato di essere liberi.

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11)  Tantissimi gruppi o curve hanno deciso di non seguire più le loro squadre con la tessera del tifoso ed il articolo 9. Come era la situazione a Firenze, che cammina avete preso?

L’invenzione della Tessera del Tifoso non è stato altro che un ulteriore modo di dividere il fronte comune degli ultras italiani, aprendo una polemica interna al movimento se fosse giusto o meno farla, piuttosto che lottare insieme contro di essa. La tessera non è assolutamente uno strumento che lotta contro la violenza, bensì uno strumento di controllo sociale e di business per gli enormi interessi economici delle aziende, delle società di calcio, le banche e le lobby che la gestiscono. Purtroppo in Italia molti hanno dapprima manifestato l’idea di non aderire (penso sopratutto alle grandi tifoserie come Milan, Inter e Juve) quando in realtà di nascosto lo avevano già fatto accettando uno status quo dal quale non si poteva più tornare indietro. Poi si diffuse un movimento d’opinione decisamente contrario che legò per un certo periodo molte curve dalla serie A alle serie minori, che lottavano insieme contro la tessera, rifiutandosi di farla, disertando le trasferte proibite o meglio andando lo stesso in trasferta sapendo che poi sarebbero stati bloccati dalla polizia ed in alcuni casi anche diffidati. Poi c’era il nodo cruciale dell’articolo 9, un vero e proprio abominio legale, che discrimina il tifoso ultras diffidato. Cioè quello che vale per ogni cittadino, che una volta scontata la sua pena, torna ad essere un cittadino uguale agli altri, non vale per un ultras che se diffidato e scontata la diffida si vede proibito ugualmente di andare in trasferta per il suo passato e non per il suo presente ed è questa la cosa veramente grave. Poi molte tifoserie, coerentemente con l’amore per la squadra, hanno scelto di fare la tessera ed in alcuni casi ottenendo che non fosse considerato dalle società l’articolo 9. Così sono state inventate delle away card che permettono di andare in trasferta senza la tessera del tifoso ma con un’altra tessera, quindi punto a capo. Questo come dicevo ha messo l’una contro l’altra le tifoserie, chi tesserata accusata di essere ultras di stato, chi non tesserata accusata di trovare una scusa per non andare in trasferta, sopratutto quelle pericolose. Divide et impera, come dicevano i latini, dividili così continuerai a governare. Noi a Firenze ci dividemmo quasi subito in due fazioni: il CAV e altri club storici decisero di fare la tessera, noi ex- CAV, ACAB 1926, DIFFIDATI FIRENZE, FIRENZE ULTRAS, MANIACS, ex- VECCHIA GUARDIA, CURVA FERROVIA e altri ci riunimmo nel PARTERRE, la parte in basso della Fiesole, e decidemmo di non fare la tessera, facendo cortei, comunicati, adesivi, volantini, sciarpe, magliette, manifestazioni e raduni contro la tessera del tifoso e andando in trasferta lo stesso con biglietti di altri settori dello stadio non ospiti. In alcuni casi riuscimmo ad entrare lo stesso senza tessera, come a Lecce, Bari, Genova (grazie anche alla collaborazione con alcuni ultras genoani), Parma, Milano, altre volte con la polizia che ci bloccava e ci faceva entrare per forza nel settore ospiti senza tessera, altre volte lasciandoci fuori e diffidandoci. Questo creò una profonda divisione fra noi e i tesserati, penalizzando l’unità e la bellezza del nostro tifo. Poi con il tempo, aderendo all’away card, ci siamo rimessi tutti insieme per il bene della Fiesole e della Fiorentina, abbiamo preso il comando della curva, anche dopo lo scioglimento del CAV, chiamandoci 1926 e oggi seguiamo la Fiorentina ovunque anche se per principio rimaniamo contrari alla tessera e alla repressione. Molti ci hanno accusato di aver tradito la lotta alla tessera, anche se ognuno dovrebbe guardarsi i cazzi suoi, ma le centinaia di diffide che negli ultimi due anni hanno colpito gli ultras viola (sopratutto i più giovani o i più attivi) testimoniano che a Firenze gli ultras ci sono, sono ancora vivi e ci saranno per sempre.

12)  Male lingue dicono che il movimento ultrà dell’Italia era troppo lungo sull’olimpo. Avete perso le cose le più importante con il „ticketing“, la vendita del materiale ultras o tariffi di parcheggio fuori dello stadio. Puoi ricostruire questa critica o è solo bla-bla di invidosi?

Tutto vero. Lo sottoscrivo e lo penso anche io e l’ho sempre detto e scritto, nei miei libri, nei miei articoli nei miei documentari. Il male principale del movimento ultras italiano è stato ad un certo punto aver capito, da parte di alcune tifoserie, non di tutte, o meglio ancora da parte di alcuni gruppi in particolare – non faccio i nomi perché non sono un infame, ma chi conosce gli ultras italiani so di chi sto parlando – hanno capito che fare l’ultras poteva essere un mestiere per fare soldi e business. Raccogliere i soldi con la vendita del materiale, dei biglietti, delle tessere e delle trasferte – che in origine era l’unico modo di autosovvenzionare – crowfounding lo chiameremmo oggi – i gruppi si è ingrandito fino a far guadagnare molti soldi a pochi capi ultras sulle spalle della fede di molti ragazzi. Quindi si è perso lo spirito delle origini, quello in cui la cassa serviva solo per pagare le spese del tifo, fare le coreografie, permettere ai ragazzi meno ricchi di venire in trasferta, pagare gli avvocati, i processi e le multe si è trasformata in uno stipendio per molti. In più la violenza insensata, la repressione, la politica e la moda hanno fatto il resto.

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13) Noi sappiamo tutti che non ci sarà mai come era. Ma pensi che ci sono cose che si cambiano di nuovo? Forse una giornata possiamo seguire le trasferte senza tessera del tifoso?

Come ti dicevo la Tessera del Tifoso fa comodo a molti. Ai politici italiani (penso alla Lega Nord, a Maroni, a Berlusconi, ai fascisti, ma anche a Renzi) che hanno usato quello della lotta alla violenza negli stadi e alla tessera del tifoso come uno slogan importante per raccogliere voti e consensi fra gli italiani spaventati dalla violenza ultras. Fa comodo alle banche che rilasciano le tessere dietro pagamento di almeno 10/15 euro (moltiplica questo guadagno per migliaia e migliaia di tifosi costretti a fare la tessera anche se vanno una volta sola all’anno allo stadio e capirai quanto ci guadagnano), addirittura molte banche italiane sottoscrivevano obbligatoriamente la tessera del tifoso a gente normale che chiedeva mutui, prestiti e finanziamenti anche se non avevano nulla a che fare con lo stadio, giusto per guadagnare più soldi e dimostrare che migliaia di persone avevano aderito alla tessera. Fa comodo alle lobby economiche che controllano i circuiti di vendita dei ticket e delle cards (ticketone, etc.), alla polizia che crede di poter controllare e punire tutti e che può vietare le trasferte anche a coloro che hanno la tessera nel caso ritengano la partita pericolosa (vedi il caso Napoli-Roma ed altri). In molti abbiamo cercato di spiegare quanto questa tessera sia inutile e dannosa, poiché allontana la gente – non solo gli ultras, ma che le famiglie, i giovani, le donne – dallo stadio, crea disagi, non sempre funziona, con i tornelli in tilt e difficoltà a comprare lo stesso i ticket. Una merda. Eppure nonostante questo la tessera in Italia continua ad esserci. I politici continuano a dichiarare che è stata ridotta la violenza negli stadi, che c’è bisogno di pene più severe, che bisogna allungare il daspo a 5 anni e in alcuni casi a vita. Bugie e menzogne di propaganda. Oggi allo stadio in Italia regna l’abolizione dei diritti fondamentali, delle libertà individuali elementari come la libera circolazione degli individui (libertà garantita dal Trattato di Schengen in tutta l’Unione Europea e che invece nel caso delle trasferte proibite non viene rispettata), il diritto alla difesa (un Daspo viene emesso in seguito alla semplice comunicazione di un funzionario di polizia, senza prove reali, e diventa subito esecutivo, quindi il tifoso vien diffidato poi in un secondo momento si può discutere, portare prove a discolpa, visionare filmati e fotografie etc ma nel frattempo il tifoso, anche se innocente, rimane fuori dagli stadi e il tempo passato e i soldi spesi in avvocati e multe non vengono quasi mai restituiti). L’arresto in differita, cioè un tifoso può essere arrestato anche diverse settimane, se non mesi, in seguito ad un atto violento del quale si presume sia stato il responsabile, abbattendo il principio della flagranza di reato, cioè di essere colto sul fatto mentre si delinque. Inoltre in Italia si può essere arrestati e diffidati per la semplice accensione di un fumogeno o per aver insultato un avversario o esposto uno striscione o perché sei antipatico al responsabile della DIGOS (la polizia politica che si occupa anche degli ultras). Atteggiamenti degni di un regime dittatoriale e non di una moderna democrazia che dovrebbe essere in grado di educare i propri cittadini e difenderli. Ma il nostro è il Paese dove la polizia uccide nelle caserme, nelle scuole, nelle strade, allo stadio e nessuno mai fra i poliziotti viene imprigionato e condannato. E‘ il Paese dove Silvio Berlusconi continua ad essere un libero cittadino o quasi nonostante condanne e inchieste. Dove politici razzisti e xenofobi aizzano all’odio contro gli stranieri e prendono tanti voti. Dove gli sbirri massacrano non uno, ma cento ragazzi in una scuola mentre dormono o in una cella durante un fermo per pochi grammi di hashish e la passano liscia. Anzi vengono promossi. Speriamo solo che un giorno qualche politico illuminato comprenda tutto ciò, che gli avvocati ( in particolare il bravo avvocato romano Lorenzo Contucci, l’avvocato ultras che tanto fa da anni per difendere i diritti degli ultras in galera o in daspo) e i ragazzi delle curve riescano a vincere questa battaglia. E sogno Che tutti potremo tornare a seguire la nostra fede come cazzo vogliamo ovunque, senza limiti, senza polizia, senza tessere. Nel nome della libertà degli individui.

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14)  Nel tuo libro tu hai scritto tanto sulla stagione col la Viola nella Serie C2. Ti manchi qualcosa di questa fase, comparato colla situazione attuale nella Serie A? Forse una cosa come la trasferta a Forli con 5000 persone?

Quella della C2 è stata un’esperienza drammatica perché segnò il fallimento della Gloriosa ACF Fiorentina 1926, per altro anche lì fummo penalizzati dal potere che mai ha visto bene la Fiorentina. Fummo fatti fallire per pochi miliardi di debiti, quando oggi molte società fra le principali italiane hanno molti più debiti di noi allora, ma continuano a giocare in serie A e a ricevere aiuti e sostegno dalla FIGC (la federazione italiana). Fu uno shock. Ricordo ancora dove mi trovavo, cosa facevo e come mi sentì il giorno (2 agosto del 2002) in cui arrivò la notizia che la Fiorentina era fallita. E‘ come quando ti arriva la notizia che un tuo amico o un tuo caro è morto in un incidente stradale. Piangemmo per giorni, di rabbia e di dolore. Eppure in quei giorni ci sentivamo forti, uniti come non mai. Feriti ma non morti. La Fiorentina eravamo noi, non Cecchi Gori. La Fiorentina era i suoi Ultras e la sua magnifica città. La Fiorentina era una storia che non poteva finire fino a quando un solo fiorentino fosse rimasto vivo. Ci riunimmo, ci contammo, decidemmo che non era cambiato nulla. La nostra gloriosa storia doveva continuare, ovunque la Fiorentina giocasse. Rinacque qualche giorno dopo, acquistata dall’industriale Della Valle, con un nome di merda FLORENTIA VIOLA, che era il nome latino della città. Ma per noi era sempre e comunque l’ACF Fiorentina 1926. Ci dissero che dovevamo giocare in quarta serie (C2), contro squadre sconosciute di piccoli villaggi. Non ci interessava. Noi eravamo Firenze e Firenze sarebbe tornata nel calcio che conta. Il 21 agosto del 2002 giocammo contro il Pisa la prima partita allo stadio Artemio Franchi con il nome Florentia Viola, una maglia bianca con un giglio rosso sul petto e senza sponsor e 11 giocatori semisconosciuti. Ma allo stadio c’erano 25000 spettatori. Ad agosto, per una gara di coppa nazionale dilettanti! Ci furono anche pesanti scontri con i pisani venuti a Firenze per celebrare il funerale della Fiorentina e che tornarono a casa con qualche testa rotta in più. Ecco, per me quella sera significa tutto il nostro amore per la nostra maglia e per la nostra città. Quello che successe nei mesi successivi, con la Florentia che vinse quel campionato, con lo stadio sempre pieno ( la media era 30000 tifosi a a partita, cose che nemmeno le squadre di seria A avevano. Con il Savona festeggiammo 25 anni del CAV con una coreografia fantastica) e migliaia di fiorentini in trasferta (Gubbio, Casteldisangro, Forlì, Arezzo, Siena, Poggibonsi, Fano, Savona, Imola), scontri con la polizia che in alcuni casi costarono diffide, arresti e feriti (un nostro compagno C. perse un occhio a Imola colpito, a pochi centimetri da me, in faccia da un razzo lacrimogeno sparato dalla polizia: la nostra vendetta fu terribile. Attaccammo i poliziotti con bastoni, torce e cinture e li costringemmo alla fuga, mentre portavamo via il nostro fratello ferito) e un club il CAV, a cui ancora all’epoca appartenevo, che divenne un bellissimo gruppo di amici e di ultras.

Indimenticabile. E oggi che andiamo a vincere a Londra, Salonicco, Roma, Milano e Torino contro la Juve, ogni volta alzo gli occhi al cielo e mi ricordo di quanto abbiamo fatto per non mollare mai e per tornare ad essere La Fiorentina, la Curva Fiesole e i suoi Ultras. Ma un ricordo va anche, sempre, ai nostri fratelli che non ci sono più. Quelli che sono morti in questi anni, quelli che non possono più venire allo stadio. La Fiesole è per loro.

15) Sei rimasto fino alla fine attivo nel C.A.V.?

No. Nell’estate del 2003, con la promozione della Fiorentina in Serie C1 e la promozione d’ufficio in serie B in molti lasciammo il CAV perché non eravamo più d’accordo con la linea intrapresa dal club. Alcuni volevano ammorbidire la linea ultras del CAV, renderlo meno violento ed estremo. Non dico prendendo accordi con la polizia, questo no, e nemmeno fare business estremo come molti dissero, però noi pensavamo che essere ultras voleva dire fare a modo nostro, senza compromessi e senza padroni, e così con grande dolore e non senza discussioni anche violente, uscimmo dal CAV. Eravamo fra i più giovani e carismatici, ed anche, più violenti. Fondammo un gruppo che si chiamava ACAB FIRENZE 1926 e fummo subito repressi dalla polizia e dalla Fiorentina Calcio. Facemmo comunque una grande stagione ultras in serie B, andando ovunque e scontrandoci con bergamaschi, napoletani, ternani e molte volte con gli sbirri che ci vietavano di esporre lo striscione ACAB. Il nostro nome e materiale fu messo fuori legge e per far passare sciarpe e cappelli con la scritta ACAB dovevamo farlo di nascosto. Vincemmo lo spareggio contro il Perugia e tornammo in serie A in due partite con tanti scontri con la polizia sia a Perugia che a Firenze e migliaia di fiorentini in trasferta a Perugia. Poi dopo ACAB, che fu spazzato via dalla polizia, fondammo FIRENZE ULTRAS un bellissimo gruppo che riuniva tutti gli ultras viola ex-CAV, Vecchia Guardia, i‘ Branco, ACAB ed altri gruppi, ma poiché eravamo molto indipendenti e violenti fummo repressi duramente dalla polizia costringendoci a scioglierci per associazione a delinquere (che in Italia è una cosa molto simile alla Mafia o al terrorismo!!!). Poi alcuni anni di clandestinità, fino a quando fondammo PARTERRE e poi 1926 che sono i ragazzi che guidano oggi la Fiesole.

16)  Quale era l’evoluzione della Curva Fiesole dopo il scoglimento del C.A.V nel’anno 2011?

Oggi conviviamo pacificamente tutti i tifosi viola in Curva, senza differenze e rivalità, per il bene della Fiorentina e del suo tifo. Ognuno naturalmente rimane con le sue amicizie, i suoi ricordi, le sue esperienze, ma uniti siamo 1926!

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17)  Domenico, hai fatto un attestato geniale del movimento ultras in Italia. Come era la reazione della tua familia et dei tuoi amici quando hai detto di scrivere un libro su questa tema molto caldo e polarizzato?

Io sono quello che sembro. Senza finzioni e ipocrisie. Sono un ultras, ma anche un insegnante, uno scrittore, un ribelle ed un musicista. La mia vita è sempre stata limpida. Tutti quelli che mi conoscono sanno chi sono, cosa faccio e come penso e agisco. Nessuno si è stupito per aver scritto dei libri sugli ultras, nessuno mi ha disprezzato. Anzi, sono sempre stato sostenuto ed apprezzato, dai miei famigliari, dai miei amici, dai miei avversari.

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18)  Che cosa era la reazione della pubblicità sui tuo libro? Erano grandi discussioni nella stampa condizionata di Berlusconi?

I miei libri sono sempre stati libri sovversivi, ribelli, antagonisti. Pubblicati per piccole e coraggiose case editrici indipendenti, fuori dal mainstream della comunicazione di massa e della vendita. Eppure sono riuscito ad arrivare a molti ragazzi, grazie al passaparola, al mio sacrificio, alle presentazioni, ai viaggi fatti in tutta Italia ed Europa per pubblicizzarlo e farlo conoscere. Grazie a tutti quei ragazzi che si sono impegnati per farlo conoscere, ai giornalisti liberi che mi hanno fatto interviste e ne hanno parlato bene. Questo anche se Berlusconi e i suoi schiavi non hanno mai parlato bene dei miei libri e dei libri di molti bravi scrittori ultras italiani come me (penso a Vincenzo Abbatantuono, Valerio Marchi, Giovanni Francesio, Marco Romelli, Francesco Berlingieri, Lorenzo Giudici e tanti altri) perché sono libri pericolosi, che cercano di dire la verità e la verità è pericolosa per chi comanda. Pensa che Sport Week, il magazine del più importante quotidiano sportivo italiano La Gazzetta dello Sport, mi ha definito il John King italiano e il mio primo romanzo „Sensomutanti“ il „fedeli alla tribù“ italiano. Eppure per i media io non esistevo. Nonostante vendessi migliaia di copie nel circuito indipendente. Ora non credo di essere il John King italiano, ma un minimo di considerazione in più sarebbe stata logica. Ma non me ne fotte un cazzo: sono felice così. Del rispetto e della credibilità che ritengo di avere da tutti quelli che mi conoscono, dagli ultras italiani ed europei, dai ribelli.

19)  Hai scritto tantissimi dettagli della Curva e hai anche chiamato qualche protagonisti della Fiesole. Come era la reazione dei tuoi vecchi compagni? Ci erano anche risentimenti contro il tuo lavoro?

No. Anzi i miei fratelli erano felici ed orgogliosi che io raccontassi le nostre storie in un libro, senza bugie e senza finzioni. Ma erano felici perché ero io a scrivere, non un giornalista o uno sbirro. In quel caso non lo avremmo accettato. Io potevo farlo perché ero uno di loro. E lo sono ancora. e lo sarò per sempre. Un ultras che sa scrivere e raccontare. Io ho solo pensato che le storie degli ultras erano storie di persone e che quindi si poteva e doveva scrivere un romanzo. Come scrivere un romanzo d’amore, di guerra o d’azione. Dove ci sono persone, cuori, cervelli, storie da raccontare lì ci deve essere qualcuno, onesto e conoscitore delle vicende, in grado di raccontarle per fare in modo che il mondo conosca e possa capire.

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20)  Nella fine tu eri nella Svizzera nel’esilio. Come era per te questo tempo e quanto tempo ci sei stato e perche?

Quella era solo una finzione per concludere il libro e far capire che un giorno, se le cose fossero continuate in quella direzione, la repressione ci avrebbe costretto a fuggire dall’Italia. Una metafora, che però ha avuto un senso molto forte e che ha anticipato i tempi. Oggi in Italia essere un ultras è quasi un reato e molte volte siamo costretti a nasconderci e fuggire sul serio all’estero. Come dicono quelli bravi, un escamotage letterario. Ma abbiamo scritto anche altri libri sugli ultras: Noi Odiamo Tutti con V. Abbatantuono e Gabriele Viganò che racconta degli striscioni offensivi, The Final – con V. Abbatantuono e Luca Tomaselli che racconta di un nostro viaggio qualche anno fa in Scozia a vedere il Rangers in finale di Scottish Cup contro il Falkirk e raccontare cosa ne pensavamo del calcio britannico e del modello inglese, Stadio Italia una raccolta di testi con Lorenzo Giudici che affronta la repressione e gli aspetti sociali ed economici del calcio moderno. Scrivere per documentare, scrivere per vivere.

In Svizzera non ci sono mai stato se non per vedere qualche concerto, fumare tanta buona marijuana e vedere la Fiorentina a Zurigo contro il Grassophers e scontrarmi con la Polizia elvetica che ci sparò addosso idranti e proiettili di gomma.

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21)  Il tuo libro attuale si chiama „Macelleria Diaz“, apparso alla fine 2013, putroppo non c’è una tradizione in tedesco per il momento. Che cosa puoi dire su questo libro?

E‘ la storia di un libro sfortunato. Doveva essere pubblicato nel 2011, ma poi per problemi dell’editore non è più uscito. Sto cercando di farlo uscire da anni e spero a breve di riuscire a trovare un editore coraggioso da pubblicarlo. E‘ un libro di racconti che descrive il G8 di Genova nel 2001 dalla parte dei ragazzi che sono andati a Genova e hanno subito le violenze della polizia e hanno partecipato agli scontri. Si parte dalle torture all’interno della Scuola Diaz dove sono stati massacrati dalla polizia italiana più di 90 ragazzi- tra i quali molte ragazze e ragazzi tedeschi – che avevano solo la colpa di dormire nel media center che fu vittima dell’assalto degli sbirri. Per poi proseguire con storie sparse di ragazzi di tutto il mondo che si sono trovati sulle strade di Genova a combattere per la libertà. Racconto l’assassinio di Carlo Giuliani e le torture di migliaia di compagni – alcuni dei quali miei amici intimi – subiti dalla polizia italiana. Racconto la mia esperienza di quei giorni al G8. Racconto che tutti quegli assassini in divisa l’hanno passata liscia e non sono stati condannati. Tutti i racconti hanno una colonna sonora, cioè una canzone rock che ispira il testo e viceversa. Spero di pubblicarlo a breve e di farlo tradurre anche in tedesco. E‘ una voce che vuole ricordare quei giorni, anche perché i ragzzi più giovani nulla sanno di quello che successe in Italia, paese democratico ed appartenente agli 8 Grandi della Terra, nel luglio del 2001 e non nel 1943…

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22)   Adesso parola aperta per lte alla fine!

Ringrazio te e il tuo blog per lo spazio che mi avete regalato. Per me è molto importante comunicare, confrontarmi, conoscere e farmi conoscere da molte persone. Il mio scopo è cercare di aiutare a comprendere, a capire a conoscere la verità che non è mai una sola, ma dipende dalla prospettiva con cui si osservano le cose. Invito tutti i ragazzi ultras tedeschi a continuare nella loro lotta di libertà e di conoscenza. Infine mi auguro di ritornare presto in Germania per presentare nuovi libri e parlare con tutti voi. La Storia non deve sempre essere scritta dai vincitori. Perché è ancora possibile gridare con tutta la voce che ci pulsa nelle tempie. Che ci incendia la gola. Perché è l’unica cosa che alcuni sanno fare per sentirsi vivi. Oggi, come allora. Per Sempre.

Lunga vita agli Ultras!

Domenico Mungo