Zwischen den endlosen Arkaden, Espressobars und ockerfarbenen Fassaden von Bologna liegt einer der wichtigsten Orte italienischer Sportswear-Kultur verborgen: das Massimo Osti Archive. Unser Freund Demis machte sich dafür aus Trieste auf den knapp 300 Kilometer langen Weg in die Emilia-Romagna — nicht für Pasta al Ragù oder Fußball, sondern um den Arbeiten von Massimo Osti näherzukommen. Und wer sich auch nur ansatzweise für Garment Dyeing, technische Stoffe, Casual Culture oder italienische Sportswear interessiert, versteht schnell, warum sich diese Reise lohnt.

Massimo Osti gilt bis heute als einer der prägendsten Innovatoren moderner Herrenmode. Mit einem beinahe obsessiven Forschungsdrang verband er Military Wear, Workwear und Sportswear zu einer völlig neuen ästhetischen Sprache. Besonders sein revolutionärer Umgang mit dem sogenannten Garment Dyeing — dem Färben fertiger Kleidungsstücke — veränderte die Branche nachhaltig. Plötzlich wirkten Jacken, Sweats und Outerwear lebendig, getragen und technisch zugleich. Farben bekamen Tiefe, Materialien Charakter. Was heute selbstverständlich erscheint, war Anfang der Achtziger radikal neu. Marken wie Stone Island oder C.P. Company wurden dadurch zum Synonym für italienische Sportswear schlechthin.

Montag, 11. Mai. 9:30 Uhr. Demis verlässt seine Unterkunft im Viertel Pratello und läuft etwa zwanzig Minuten durch die morgendlichen Straßen von Bologna, vorbei an den typischen Arkaden, bis zur Via Castelfidardo. Dort befindet sich das Massimo Osti Archive. Die Führung beginnt um 10:30 Uhr und konnte nach vorheriger Online-Registrierung kostenlos besucht werden. Die Touren finden in der Regel einmal im Monat statt — montags auf Italienisch, dienstags auf Englisch.

Während der rund neunzigminütigen Führung wurde die Gruppe durch die wichtigsten Stationen von Ostis Karriere geführt: seine Arbeitsweise, textile Innovationen und ikonische Entwürfe. Besonders eindrucksvoll waren die Geschichten und Anekdoten von Massimos langjähriger Partnerin, mittlerweile über achtzig Jahre alt, die einen sehr persönlichen Blick auf seine Arbeit vermittelte. Entsprechend groß war das Interesse der rund zwanzig Besucher, die die Führung mit Fragen beinahe durchgehend begleiteten.

Das Archiv selbst umfasst mehr als 2600 Kleidungsstücke aus den von Osti entworfenen Kollektionen, dazu Accessoires, Drucke, Bücher, Stoffmuster und originale Prototypen. Es ist weniger Museum als vielmehr physischer Beweis eines kompromisslosen Forschungsprozesses. Über drei Jahrzehnte hinweg experimentierte Osti mit Materialien, Färbetechniken und Konstruktionen — von frühen Chester Perry-Entwürfen aus den Siebzigern bis zu den unzähligen „Tinto in Capo“-Stoffmustern späterer Jahre. Der chronologische Weg durch die Marken Chester Perry, C.P. Company, Stone Island, Left Hand und Massimo Osti Production zeigt eindrucksvoll, wie stark seine Ideen die heutige Sportswear geprägt haben.

Zum Abschluss verabschiedete sich Lorenzo Osti persönlich von den Besuchern. Und als wäre das allein nicht schon genug gewesen, durfte jeder Teilnehmer noch eines von vier speziell dem Designer gewidmeten Postern mit nach Hause nehmen. Manche Reisen enden eben nicht mit Souvenirs, sondern mit noch mehr Respekt vor einer Idee.

Text und Bilder by @rascal_lad – Grazie mille D.!