Zwölf Jahre adidas SPZL – und irgendwie fühlt es sich an, als wäre die Linie schon immer da gewesen. Vielleicht, weil sie nie versucht hat, sich in den Vordergrund zu drängen. SPZL war nie laut, nie aufdringlich, nie trendgetrieben. Stattdessen: ein kontinuierlicher Dialog zwischen Vergangenheit Football, Music, Clothes.
Was damals als fast schon nerdiges Nebenprojekt begann, hat sich längst als feste Größe im adidas-Kosmos etabliert. Nicht als Mainstream-Linie, sondern als DANN und kultureller Gegenpol dazu. Kuratiert von Gary Aspden, dessen Ansatz weniger im klassischen Designprozess liegt, sondern vielmehr im Verstehen und Übersetzen von Archiv und Subkultur.

Nach dem großen Zehnjährigen in 2024 geht es mit der S/S 26 Kollektion nun spürbar nach vorne – allerdings ohne das Vergangene abzuschütteln. SPZL bleibt sich treu und bewegt sich genau dort, wo es am stärksten ist: im feinen Spannungsfeld zwischen Referenz und Weiterentwicklung.

Ein zentraler Gedanke, der sich durch jede SPZL-Saison zieht: Respekt vor dem Ursprung, ohne daran zu erstarren. Schon in der ersten Kollektion wurde dieses Prinzip deutlich, etwa durch Modelle wie den Topanga SPZL, der im Kern eine Neuinterpretation des adidas California war. Zusammen mit Silhouetten wie dem Ardwick oder dem Lotherton legte man damals das Fundament – nicht als bloße Reissues, sondern als Weiterentwicklungen mit eigener Identität.
Dieses Prinzip wird auch in der aktuellen Kollektion konsequent weitergeführt. Der Mendocino SPZL etwa steht exemplarisch für diese Herangehensweise. Auf den ersten Blick ein klassischer, flacher Wildleder-Sneaker, reduziert und unaufgeregt. Doch genau darin liegt die Herausforderung: innerhalb eines so vertrauten Rahmens etwas Eigenständiges zu schaffen, ohne die ursprüngliche Ästhetik zu verfälschen.

Ähnlich verhält es sich beim Burnden II SPZL. Die Basis bildet ein zeitloser, weißer Ledersneaker – inspiriert von Modellen wie dem Powerphase und den Entwürfen des legendären adidas-Designers Jacques Chassaing. SPZL belässt es jedoch nicht bei einer Hommage. Durch Details wie die charakteristische, wellenförmige Ösenleiste, die aus japanischen Archivmodellen entlehnt ist, entsteht eine subtile, aber klare Differenzierung. Es sind genau diese kleinen Eingriffe, die SPZL definieren.

Mit dem Longridge SPZL wird der Blick stärker in Richtung Running-Ästhetik gelenkt. Die Referenz zum adidas Madison von 1987 ist dabei deutlich spürbar, insbesondere in der Konstruktion des Uppers. Dennoch handelt es sich nicht um ein klassisches Retro-Modell, sondern vielmehr um einen Hybrid, der die Formsprache der Mid-80s aufgreift und in ein modernes Gesamtbild überführt.

Am deutlichsten zeigt sich der Wille zur Weiterentwicklung jedoch beim Gralfy SPZL. Gerade im Bereich der klassischen T-Toe-Silhouetten ist es schwierig, neue Impulse zu setzen, ohne in Beliebigkeit zu verfallen. Aspden begegnet dieser Herausforderung mit einer überarbeiteten Konstruktion, bei der das T-Toe-Element aufgebrochen und neu gedacht wird. Ergänzt durch einen umlaufenden Zehenschutz und eine markante Streifenführung entsteht ein Modell, das vertraut wirkt, sich aber bewusst von früheren Iterationen abgrenzt.

Ein weiteres zentrales Element der Kollektion ist der Punstock SPZL, der in seiner neuen Cargo-Suede-Ausführung besonders nah an der ursprünglichen SPZL-Idee bleibt. Bereits bei seiner ersten Veröffentlichung im Jahr 2018 verstand sich das Modell als Hybrid – inspiriert von der klassischen adidas „Freizeit“-Linie, jedoch mit einem zeitgemäßen Twist versehen.

Der Samoa II SPZL verfolgt einen leicht anderen Ansatz. Nachdem in der vorherigen Saison bewusst eine neue, vom Original abweichende Farbwelt gewählt wurde, nähert man sich nun wieder stärker den historischen Vorbildern an. Diese bewusste Bewegung zwischen Eigenständigkeit und Referenz verdeutlicht einmal mehr, wie SPZL mit seinem eigenen Archiv arbeitet: nicht statisch, sondern dynamisch.

Auch abseits der Footwear bleibt sich SPZL treu. Die zwölfteilige Apparel-Kollektion setzt auf bekannte Silhouetten, die behutsam weiterentwickelt wurden. Funktionalität steht im Vordergrund, wird jedoch durch hochwertige Materialien und eine präzise Verarbeitung ergänzt. Accessoires wie die Parbold SPZL Overnight Bag oder das Mod Trefoil Handtuch unterstreichen diesen Ansatz. Sie verbinden alltägliche Nutzbarkeit mit einer visuellen Sprache, die stark im adidas-Archiv verwurzelt ist – eine Collage aus Logos und Referenzen, übersetzt in die Gegenwart.

Begleitet wird die Kollektion von einer Kampagne, die einmal mehr auf Atmosphäre statt Inszenierung setzt. Weite Landschaften, ein Gefühl von Aufbruch und gleichzeitig eine gewisse Ruhe prägen die Bildwelt. Mit Anson Boon als Protagonisten – bekannt aus Produktionen wie 1917, MobLand oder Good Boy – wird dieser Ansatz zusätzlich unterstrichen. Seine Präsenz fügt sich nahtlos in die SPZL-Erzählung ein, die seit jeher von britischer Subkultur, Heritage und moderner Identität geprägt ist.

Unser Fazit
Und dann ist da noch die persönliche Ebene. Früher war ein SPZL-Release oft mit einer gewissen Aufgeregtheit verbunden – dieses Gefühl, unbedingt schnell sein zu müssen, nichts verpassen zu dürfen. Eine Art leise Sucht. Heute ist diese Intensität ein Stück weit abgeflacht. Vielleicht, weil sich der Blick verändert hat. Vielleicht, weil sich auch der Markt verändert hat. Vielleicht aber auch, weil zu viele Modelle immer mal wieder eine Neuauflage erhalten.

Die aktuelle Footwear-Range löst bei mir diesmal keine unmittelbare „Must-have“-Reaktion aus. Der Longridge SPZL hat definitiv Potenzial, braucht aber für eine endgültige Bewertung den Blick auf den tatsächlichen Colorway. Auch Gralfy SPZL und Mendocino SPZL wirken spannend, vor allem im Detail.
Im Apparel-Bereich sticht insbesondere das Wingrove II SPZL Overshirt hervor, das mit seiner Detailtiefe genau das verkörpert, was SPZL ausmacht. Hier ist die Kollektion insgesamt viel interessanter geworden, wenn ich auch die Fittings der Shorts und T-Shirts nicht verstehe.

Der Release der adidas SPZL Kollektion erfolgt diese Woche am Donnerstag, den 24. April. Wir machen heute eine kleine Umfrage in Instagram wie ihr die neuen Sachen so findet. Lasst gerne mal von euch hören. Cheers!