Hamburg hat Zuwachs bekommen. Fred Perry eröffnete an einer Stelle, an der die Gegenkultur auf die Subkultur trifft, einen neuen Store. Den folgenden Artikel haben wir dankenswerterweise zur Verfügung gestellt bekommen, der im englischen Original von Birgit Reuter geschrieben wurde.

Anlässlich der Eröffnung von Fred Perrys neuem Store in Hamburg, schlendert das Label mit uns durch seine neue Nachbarschaft, dem Schanzenviertel, und erkundet dessen subkulturelle Bedeutung. 

Hamburg. Musikliebhabern kommen bei diesem Namen als erstes die Beatles, der Star-Club und St. Pauli in den Sinn. Doch nur einen Katzensprung vom berühmten Nachtleben und dem Hafenviertel entfernt, gibt es ein Viertel, das eine lebendige Mischung aus Subkultur, Lifestyle, Shopping, Kulinarik und natürlich der Musikszene beherbergt.

Im Schanzenviertel, kurz „Schanze“ genannt, ist immer ein gewisses Grummeln zu spüren. Protestkultur trifft auf den nächsten Hype. Und das Partyvolk von auswärts bevölkert die Straßen ebenso wie die vielen kreativen Künstler, die in diesem Viertel leben. Der raue Charme des ehemaligen Industrie- und Arbeiterviertels ist noch an vielen Ecken zu spüren.

Doch die Schanze hat sich in den letzten Jahrzehnten stark verändert, das Viertel ist politisch und hedonistisch, polyglott und kontrovers, spröde und schick. Die kontrastreiche Atmosphäre des Schanzenviertels ist am besten auf dem Schulterblatt zu spüren. Auf der einen Seite dieser Straße erhebt sich die Rote Flora wie eine alternative Festung. Auf der anderen Seite versammeln sich urbane Flaneure in und vor den Cafés und Bars, um zu sehen und gesehen zu werden. 
Die Rote Flora – einst Varieté und Kino, heute ein linksautonomes Zentrum – beherbergt im Park hinter dem Haus auch ein ganz besonderes Gebäude, die Kilimanschanzo. Dieser Hochbunker ist seit den 1980er Jahren ein Treffpunkt für Künstler der Graffiti-Szene, deren Arbeit den Stadtteil bis heute prägt. Crews und Künstler wie Oz, getting-up, Davis One und Push belegen eindrucksvoll, wie sich die Subkultur den urbanen Raum immer wieder neu aneignet. Mit der Vielfalt der Street Art, die von kantig bis subtil reicht, aber auch mit all den unterschiedlichen Streetstyles der Passanten, ist die Schanze eine eigene Outdoor-Galerie, die irritiert, amüsiert und inspiriert.

Vor allem die Musik war und ist essentiell für die DNA des Viertels. Konzerte und DJ-Sets, Nerd-Hotspots und Szene-Treffpunkte finden sich an jeder Ecke. Die sogenannten Sternbrückenclubs – Astra Stube, Fundbureau und Waagenbau – unter einer Bahnlinie gelegen, bringen seltene und innovative Tunes von Hip-Hop über Indie-Rock bis Elektro in ihr Raumlabyrinth. Diese drei Veranstaltungsorte haben sich kürzlich zum Schroedinger am Schanzenpark zusammengeschlossen, einem malerischen Außenbereich für Live-Musik im Schatten des alten Fernsehturms, der tagsüber auch eine Essensausgabe für Obdachlose bietet. Und während das Haus 73 am Schulterblatt als eine Art popkultureller Multifunktionsspielplatz zwischen Partys, Kino und Craft-Bier-Verkostungen fungiert, diskutieren die Künstler in der verrauchten Musikbar Mutter über das Leben, die Musik und alles dazwischen.

Die Verschiebung von der Arbeits- zur Kulturschicht im Schanzenviertel wird besonders gegenüber der U-Bahn-Station Feldstraße deutlich. In einem ehemaligen Schlachthof befindet sich seit 2003 das Knust, ein Musikclub mit starker Anbindung an die lokale Szene – von Punk bis Folk; Rock bis Soul; Elektronik bis Hip-Hop. Auf dem Holzplatz vor der Backsteinhalle sind regelmäßig „You’ll Never Walk Alone“-Sprechchöre zu hören, wenn die Spiele des nahe gelegenen Fußballvereins FC St. Pauli übertragen werden. Die Gegend um das Knust ist ein wahrer Schmelztiegel der Hamburger Pop- und Subkulturszene. Labels, Produzenten, Künstler, Booking- und Promotion-Agenturen arbeiten im Karostar Musikhaus auf der anderen Seite des Hofes. Ein paar Schritte weiter bieten die Plattenläden Hanseplatte, Zardoz und Groove City ihre erlesene Auswahl und fachkundige Beratung an. Und im nahen und unübersehbaren Hochbunker können Nachtschwärmer mit dem Aufzug zum Musikclub Uebel & Gefährlich fahren – für Konzerte von Avantgarde bis Pop.

Wer nach all den Erkundungen im heutigen Schanzenviertel noch nostalgisch ist, kann am Hotel Pacific vorbeischlendern – die Beatles wohnten dort in den 60er Jahren, wenn sie in Hamburg spielten. Viele andere Musiker wohnten an der nahegelegenen Adresse Neuer Pferdemarkt, wie zum Beispiel eine der ersten reinen Frauen-Rock’n’Roll-Bands, die Liverbirds.

Von der aufkeimenden Kunstszene bis hin zu Underground-Musiklokalen war und ist Hamburg ein Brut- und Tummelplatz der Subkultur.

Fred Perry, Schanzenstraße 46, 20357 Hamburg

Source: fredperry.com