Zurück in die Vergangenheit, als das zukünftige 2015 noch ein schöneres war als das gegenwärtige oder die Abrechnung für enttäuschte Kindheitsträume! 

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Zur berühmten „German Angst“ gehört es, die Zukunft in ein apokalyptisches Endzeitszenario zu tauchen und sich auf den Untergang der Welt vorzubereiten. Hingegen obliegt es Hollywood eine „Welt von Helden und Happy Ends“ zu generieren. Wie im echten Leben liegt die Wahrheit irgendwo in der Mitte.

Im Falle von „Zurück in die Zukunft II“ wurde eine langfristig aber absehbare Zukunft gezeichnet, in der technische Neuerungen zum Alltag gehören. Oder eben auch nicht, falls man blöderweise in der Realität lebt! Fortschritt ist die Verwirklichung von Utopien und eine Idee muss erst mal Wahrheit werden.

So, flux (huch, da lag ein Wortspiel auf dem Weg) noch den 21. Oktober 2015 abgewartet um valide zu berichten, was mir Hollywood vor langer langer Zeit zwar in Aussicht stellte aber dennoch nicht gehalten hat. Diese gottverdammte Illusionsschmiede! Ich bin ein Kind der Achtziger, kann mich noch an die Zeit des geteilten Deutschlands erinnern, ganz ohne Internet. Und der Ipod war ein Walkman! Und Kino war gesellschaftlicher Höhepunkt.

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Und jetzt stell dir also vor, du bist keine Zehn Jahre alt und siehst „Zurück in die Zukunft II“. Die zeigen dir fliegende Skateboards und sich selbst schließende Schuhe. Dir wird suggeriert, dass es das alles in einer fernen aber doch absehbaren Zukunft geben könnte. Deine grundschulhaften mathematischen Fähigkeiten, lassen dich zu dem Schluss kommen, in 2015 noch kein Opa zu sein. Demzufolge könnte das Skateboardfahren als smarter Mittdreißiger noch hinhauen. Das mit der Zeitmaschine war zu viel des guten aber das mit den selbstschließenden Schuhen, dass kriegen die doch hin bis 2015.

Mit zunehmendem Alter verschoben sich dann die Interessen: Fragwürdige Freizeitgestaltungen an noch fragwürdigeren Orten mit höchst fragwürdigen Menschen, lassen das fliegende Skatebaord in den Tiefen des Langzeitgedächtnisses versickern, neben ihnen gehen die selbstschließenden Schuhe in den alkoholgetränkten Windungen der Hirnmasse unter. Doch da brannten sich die Erinnerungen lötkolbenartig ein und würden jüngst wieder requiriert.

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Unnützes Wissen: Hätte es damals ein solches Schulfach, gegeben, hätte ich das anschließend studiert und wäre als einer der jüngsten Lehrstuhlinhaber ordentlicher Professor für unnützes Wissen an einer renommierten Universität. Aber so kam es nicht und die fliegenden Skateboards kamen auch nicht. Sei’s drum. Egal ob unnützes Wissen oder cineastische Kenntnisse, spätestens mit dem letztjährigen Jahreswechsel klingelte es dann doch bei 2015 wieder.

Im Film „Zurück in die Zukunft II“ reist Marty McFly aka Michael J. Fox in einer Zeitmaschine aka der schnittige DeLorean DMC-12 von 1985 in die Zukunft und landete am 21. Oktober 2015. Betrachten wir uns mal nachfolgend einige Gimmicks des Films. Gimmick, gibt es diesen Ausdruck überhaupt noch offiziell? Den Yps-Kennern rufe ich das Stichwort „Urheitkrebse“ zu, aber weiter im Text.

Das fliegende Skateboard

Im Film heißen die Dinger Hoverboards und die gibt es immer noch nicht. Die Skateboards ohne Räder, die über dem Boden schweben, bleiben eine Erfindung. Und auch diese ganze gefakte Internet-Video-Scheiße bringen mir leider auch kein Hoverboard unter die Füße. Warum gibt es Hovercrafts aber keine Hoverboards? Hat da schon mal jemand drüber nachgedacht? Nein! Und genau das ist ja das Problem!

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Es gibt die städtischen Legenden von bereits funktionierenden Prototypen, die Tony Hawk getestet haben soll aber andererseits sollen ja auch Alligatoren in der New Yorker Kanalisation leben.

Intelligente Kleidung

Dein Telefon klingelt, Du erwachst voll wie ein Amtmann und gehst ran. Aufgrund des nächtlichen Konsums hast du die Abfahrtszeit für das Auswärtsspiel in einer deutschen Provinzstadt verpennt und wirst von deinem anrufenden Kumpel aus dem Telefon heraus angebrüllt, dass du in wenigen Minuten aus dem Bett, auf die Straße und in ein Auto verfrachtet wirst, um presto presto auf den Highway zu kommen.

Barfuß bis an den Hals weißt Du, dass es jetzt zeitlich und konstitutionell ganz eng wird. Hach, wäre da schön, wenn man einfach einen Knopf drücken könnte und angezogen wäre. Die leidige Qual der Wahl der Garderobe und der Anziehvorgang zusammengefasst in einem Wimpernschlag. Zack, in die Schuhe rein gestolpert und zack sind die Dinger zu. Kein Kreislaufzusammenbruch naht, weil man versucht die Schuhe zu binden und dabei den Oberkörper zu weit nach vorne beugt.

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Im Auto wird man dann mit dem ersten Bier des Tages konfrontiert. Aufgrund der zeitlich misslichen Lage beschleunigt und bremsen der Autolenker nach Leibeskräften. Die körperreiche Koordinationsfähigkeit ist noch im Sack und so landet das halbe Bier auf den Klamotten. Ne wat schön wäre es, jetzt ein Jacke zu haben, die sich selbst wieder trocknet. Doch diese Jacke ist nicht in Sichtweite, nicht einmal bei Stone Island! Schuhe, die sich selber binden, auch nicht. Nike shoes Schweißfuß blablablaplant schon gaaaaaanz lange die Schuhe am 21. Oktober 2015 auf den Markt zu bringen. Gähn! Dafür gibt es Schuhe, die mit dem Mobiltelefonen kommunizieren. Aber mal abwarten was sich diese Woche, diesen Monat oder dieses Jahr bei Nike noch tun wird. Denn wir erinnern uns, das Nike bereits 2011 den Nike „Mag“ auf den Markt brachte, den Marty McFly im Film trug. Leider ohne Power Laces (wie sich der automatische Verschluss nannte), die sich aber Nike schon früher direkt mal rechtlich sichern liess und der Release war nur auf 1.500 Paare limitiert. Der erzielte Verkaufserlös ging vollständig an die Michael J. Fox Foundation for Parkinson´s Research.

Lebensmittel-Hydrator

«Junge Junge, Mum, du weißt wirklich, wie man eine Pizza hydriert!» Bis wir unserer Mama oder mittlerweile eher der werten Gattin dieses Kompliment machen können, vergeht wohl noch ein Weilchen. Bis jetzt ist (leider?) kein Gerät in Sicht, welches fähig ist, eine Pizza in Sekundenschnelle zuzubereiten und diese zugleich von Apéro-Grösse auf Familien-Pizza-Dimensionen anwachsen zu lassen. Zu dumm. Dann müssen wir halt noch eine Weile selber kochen oder kochen lassen.

Fliegende Autos

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Beim Anblick des fliegenden DeLorean schlagen auch heute noch viele Männerherzen schneller. Zusammen mit K.I.T.T. und dem Batmobil ist der DeLorean wohl eines der geilsten Vehikel, das je über einen Bildschirm gerast ist. Im fiktiven Jahr 2015 rüstet Doc Brown seine Zeitmaschine mit Technologie aus, die es ermöglicht den Wagen auf den Stand der Zukunft zu bringen:

«Straßen? Wo wir hingehen, brauchen wir keine Straßen!», sagte Doc Brown im ersten Teil. Doch leider brauchen wir in unserem 2015 noch Straßen und haben auch keine fliegenden Autos.

Flux-Komenpensator

Ungeachtet technischer Details, ist der Fluxkompensator quasi der Motor der Zeitmaschine. Flux ist ein lateinisches Wort und bedeutet so viel wie Fluss. Den Fluxkompensator haben wir in 2015 leider nicht, dafür ZX Flux. Was die allerdings mit Fluss, Originals, Stil oder Schuhkultur zu tun haben, weiß allerdings keiner. Und im Gegensatz zu einem Hoaverbard hat die Flux-Reihe wirklich niemand vermisst oder erwartet.

Illustration by Duckas

Duckas

Fazit

Einen dicken Bären schickt man nicht zum Pferderennen oder anders gesagt, irgendeinen Tod werden wir sterben müssen. So ist halt das Showgeschäft. Sie sind jetzt entlassen! Was das wiederum zu bedeuten hat, wird am 21. Oktober 2045 aufgeklärt. Die Nerds wissen Bescheid.