Sapeur OSB im Gespräch: Richard Illingworth | Hawkwood Mercantile

Wohl die wenigsten jungen Marken können mit einem ihrer ersten Designs gleich in die erste Reihe durchmarschieren und sich unter den Inkunabeln des Casual-Styles einreihen. Dem ursprünglich aus dem nordenglischen Peterlee stammenden Richard Illingworth ist das mit seinem Tryfan-Anorak gelungen. Das Ding schlug unter Jacken-Afficionados granatenmäßig ein und der Name seines Labels Hawkwood Mercantile machte fortan in einschlägigen Kreisen die Runde. Seine deutlich von alten Armeeklamotten beeinflussten Entwürfe präsentiert er regelmäßig in liebevoll fotografierten Lookbooks und über Instagram. Gut sechs Jahre nach dem Startschuss macht Mastermind und Militaria-Sammler Richard noch immer sein Ding und entwickelt jedes einzelne Kleidungsstück zusammen mit seiner Kundschaft, lässt es anfertigen und verschickt das Ganze am Ende höchstselbst und schick verpackt in handbestempelten Stoffbeuteln. Keine Frage: Der Mann macht, was er liebt und liebt, was er macht – und ist nebenbei auch noch einer der nettesten Kerle, die man sich vorstellen kann.

Gerade hat er das Lookbook mit seinen aktuellen Designs für Herbst/Winter 2019 fertiggestellt. Anlass genug, uns mal mit Richard zu unterhalten über Indien, den Brexit und natürlich über seine Arbeit.

For the interview in English please scroll down.

Rich

Gude, Richard! Ist ja schon ein paar Tage her, dass wir uns über Hawkwood Mercantile unterhalten haben. Du bist nach ein paar Jahren in Indien inzwischen wieder zurück in London, richtig? Wie kam’s dazu?

Genau. Wir haben sechs Jahre in Indien gelebt und es war eine verdammt gute Erfahrung. Indien ist ein großartiges Land, wenn man ein Geschäft aufbauen will. Aber am Ende mussten wir uns im Sinne unserer Kinder was überlegen. Die Umwelt- und Luftverschmutzung dort ist einfach zu schlimm. Außerdem haben wir London vermisst. Und Hawkwood Mercantile war als Label inzwischen auch so weit etabliert, dass ich das aus der Ferne betreiben kann.

Wenn Du die Arbeit als unabhängiger Designer in Indien und England vergleichst – was ist denn dabei der größte Unterschied für dich?

Der größte Unterschied ist es für mich sicherlich, dass mein Studio nicht mehr direkt über der Werkstatt liegt und ich an der täglichen Produktion nicht mehr so nah dran bin. Aber ich checke immer noch jedes einzelne Teil und stemple die Labels per Hand rein, bevor ich sie verschicke. So kann ich weiterhin die Qualität im Auge behalten.

Knu smock

Was vermisst Du denn am meisten in London?

Dass ich für ein Design innerhalb von 24 Stunden aus einem Entwurf ein Sample produzieren kann. Seit ich wieder hier in London bin, habe ich einige größere Labels beraten – das dauert manchmal Monate, bis ein Sample zurückkommt.

Deine Sachen sind seit einiger Zeit auch in einigen ausgewählten Läden in England, Europa und Asien zu kriegen (leider -noch- nicht in Deutschland). Warum hast Du dich dazu entschieden, neben dem bisherigen „made to order“-Prinzip auch tragfertige Designs anzubieten?

Wir haben das für Europa gerade wieder eingestellt und bieten die Sachen so jetzt nur noch in Japan an. Alles andere ist wieder – beziehungsweise weiterhin – „made to order”. Vielleicht machen wir das in einem Jahr oder so nochmal, aber im Moment bin ich ganz zufrieden damit, wie es so läuft. Hawkwood Mercantile soll ja nicht die größte Marke der Welt werden, nur damit wir weiterhin cooles Zeug machen können.

Glyder

Produzierst Du deine Kleidung noch in Indien? Wie regelt man denn das dann aus so großer Distanz?

Ja, das entsteht alles noch in unserer Werkstatt in Indien. Alles wird weiterhin jeweils von einem Schneider zugeschnitten und genäht – und nicht in einer Produktionsstraße, in der jeder Schneider nur eine bestimmte Arbeit macht und das Kleidungsstück dann an jemand anderes weiterreicht.

Ich arbeite in meinem Studio in London eigentlich genau so, wie in dem in Indien. So macht es eigentlich keinen Unterschied, wo ich gerade bin.

Du hast jetzt auch so eine Art Showroom, oder? Was hat es denn damit auf sich?

Wir haben keinen Showroom im eigentlichen Sinn, sondern nur ein Studio. Leute können dort Termine vereinbaren und reinkommen, um sich Samples anzuschauen oder ihre Maße nehmen zu lassen, falls sie sicher gehen wollen, dass auch alles perfekt ist, bevor sie es bestellen. Ursprünglich hab ich von zuhause gearbeitet, aber mit acht Jahre alten Zwillingen ist das ein Ding der Unmöglichkeit.

Sherpa Type 3 and Recce shorts

Als jemand, der ein kleines unabhängiges Label hat und, wenn ich das mal so sagen darf, eine klare politische Meinung hat: Was denkst Du über diese ganze Brexit-Geschichte? 

Persönlich denke ich, dass es ein Akt der nationalen Selbstverstümmelung war, für den Brexit zu stimmen. So, wie das Land dabei agiert, macht es sich doch lächerlich. Vom geschäftlichen Aspekt her ist es so, dass wir rund 25 Prozent unserer Sachen in Europa verkaufen. So gesehen schaden mir jegliche Handelsgrenzen.

Was erwartest Du – positiv wie negativ – von diesem ganzen Verhandlungs-Hickhack?

Ich wünsche mir, dass die Britische Regierung die Verhandlungen dermaßen vermasselt, dass wir in neues Referendum bekommen – und dann gegen den Artikel 50 stimmen und in der EU bleiben können. Obwohl ich da wenig Hoffnung habe…

Unnamed bag

Zurück zu deinem Label: Wie würdest Du die Entwicklung beschreiben, die Hawkwood Mercantile seit den Anfangstagen gemacht hat?

Die aktuelle Kollektion ist nicht mehr so eindeutig von Vintage-Stücken inspiriert, sondern eher eine Weiterentwicklung unserer eigenen Sachen. Schließlich werdeich als Designer auch immer selbstsicherer.

Geht es nur mir so, oder scheint heutzutage fast jede Marke auch ihre  Parkas und Anoraks mit Quadrillonen an Taschen drauf zu produzieren? Wie siehst Du das?

Ha, ja, das ist ein guter Punkt und ich fühle mich deswegen auch schuldig. Aber ich liebe halt nun mal Taschen. Künftige Kollektionen werden sich vielleicht etwas mehr an dem Credo von Industriedesigner-Legende Dieter Rams orientieren: Weniger, aber besser.

Canoeist smock

A propos Überangebot – Kollaborationen sind ja weiterhin recht beliebt. Gibt es eine bestimmte Marke, mit der Du gerne mal zusammenarbeiten würdest?

Die Zusammenarbeit mit anderen Marken oder Designern interessiert mich eigentlich nicht besonders. Ich mache aber einige Stücke für das Imperial War Museum – vor allem natürlich, weil ich dieses ganze Militärzeug liebe, wie Du ja weißt. So hatte ich die Möglichkeit, mich im Archiv des Museum umzuschauen. Das war ziemlich aufregend.

Was können wir denn in Zukunft von Hawkwood Mercantile erwarten? Neue Materialien? Neue Schnitte? Neue Einflüsse?

Das weiß ich selbst noch nicht so, weil ich ja nicht wie andere Designer und Labels ein Jahr im Voraus entwerfe. Vielleicht wird’s also von allem etwas.

Sling pouch

Das war’s, Richard, danke für das Interview. Wie immer hast Du das letzte Wort. Sag, was Du sagen willst oder was von deiner Warte aus noch gesagt werden muss.

Danke Dir, war mir wie immer eine Freude!

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—– Interview in English starts here —–

Probably the fewest young brands can march straight into the front row with one of their first designs and join the incunables of the casual style. The originally from the northern English Peterlee originating Richard Illingworth has succeeded with his Tryfan Anorak. His designs, which are clearly influenced by old army uniforms, are regularly presented in stunning photographed look books and on Instagram. More than six years after the start of Hawkwood Mercantile, Mastermind and Militaria collector Richard is still doing his thing and developing every single piece of clothing together with his clientele, has it finished and sends it all in the end and packed in hand-stamped cloth bags. No question: The man does what he loves and loves, what he does – and by the way is also one of the nicest guys you can imagine.

He has just completed the lookbook with his current designs for fall / winter 2019. Reason enough to talk to Richard about India, Brexit and, of course, about his work.

Rich

Hi Richard, it’s been a few months now since we had a chat. After a few years of living and doing business in New Delhi, you are now back in London again, right? How come?

Yeah, we did 6 years out in India & it was an amazing experience & a great place to set up a business, but in the end we had young kids to think about & the pollution was just too bad, plus we missed London. Also, the brand was established enough to be able to work remotely.

What do you consider to be the biggest difference in working as an independent designer in England and India?

The biggest difference for me is not being in my studio above the workshop & being very hands on with the day to day production. But I still check each piece & stamp the labels myself before I ship them, so I can keep a close eye on quality.

Knu smock

What aspects of Delhi do you miss the most over here?

Being able to turn a design from a sketch into a sample within 24 hours. I’ve done some consultancy for bigger brands since I’ve been back & getting samples back can take months. 

Your gear is available in a few stores in England, Europe and Asia (sadly not in Germany yet… ?) now. What made you add a more wholesale-orientated “ready to wear”-aspect to your initial concept of doing stuff made to order?

Actually we’ve just stopped doing wholesale in the UK & now only do it for Japan. Everything else is made to order. We might do it again in a year or so, but I’m happy with the way things are for now. I don’t want Hawkwood to be the biggest brand in the world, just to keep on making cool stuff.

Glyder

Do you still produce your garments in India? How do you manage the whole process from abroad then? 

Yes, we still make everything in our workshop in India. It’s all cut & sewn once piece at a time, from start to finish by one tailor, not on a factory production line where each tailor only does one bit then passes it on to someone else.

I work in pretty much the same way whether I’m in the studio in London, or the one in India, so it really doesn’t make much difference where I am.

You now have some kind of showroom, right? Can you tell us a bit about the idea behind it?

We don’t have a showroom as such, just a studio, but people are welcome to make appointments to come in & look at samples or get measured if they want to make sure of exactly what they want before ordering. I was working from home, but we have 8 year old twins, so that was impossible.

Sherpa Type 3 and Recce shorts

As a person that runs a small independent business and that is also known to be very aware of current politics (if I may say so): how does the whole “Brexit”-thing affect you?

On a personal level, I think voting for Brexit was an act of national self-harm & the way it has been handled has made Britain look ridiculous. From a business point of view, we sell around 25% of our stuff in Europe, so any barriers to trade are a bad thing for me. 

What do you think about the situation personally and what are your hopes and fears concerning the negotiations?

I hope that the British government will make such a mess of negotiations that we have to have another referendum & vote to withdraw Article 50 & stay in the EU, although I fear that won’t happen. 

Unnamed bag

Back to the brand: How would you say Hawkwood Mercantile has developed since the beginning?

The new collection is much less directly influenced by vintage pieces & more by the gradual evolution of our own stuff as I get more confident as a designer.

Is it just me or does almost every brand and its brother seem to produce smocks and parkas and jackets with gazillions of pockets applied now? What do you think about that? 

Ha, yes, that’s a good point & I’m certainly guilty, but I do love a good pocket. I think our future collections might take some advice from Dieter Rams: Less But Better.

Canoeist smock

Is there a certain other brand or designer you’d like to collaborate with in the future? 

I’m not really interested in collaborations with other brands / designers, but I am doing some pieces for the Imperial War Museum, mostly because, as you know, I love military gear & wanted to have a look around their archives, which was really exciting. 

What can we expect from HM next? New materials? New cuts? New influences?

I’m not really sure, because I don’t work a year in advance like bigger labels, but probably all of the above I would think.

Sling pouch

That’s it, Richard, thanks for the chat. As always on this blog, the last one is yours – just say what you want to say or you think needs to be said.

Thanks you, always a pleasure!

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