Als ich vor vielen Jahren zum ersten Mal über die Kleidung von MA.STRUM gestolpert bin, war es sofort um mich geschehen. Vor allem die Jacken hatten es mir angetan. Diese Mischung aus technischer Raffinesse, militärischer Funktionalität und einem Design, das nie laut sein musste, um aufzufallen. Und das Beste daran? Viele dieser Teile hängen heute noch in meinem Kleiderschrank und werden hoffentlich bald wieder ausgeführt.
Gegründet wurde MA.STRUM 2008 im englischen Essex. Von Beginn an schwebte dabei ein Name über der Marke, der in der Welt funktionaler Sportswear beinahe mythischen Status besitzt: Massimo Osti. Die Arbeiten des italienischen Visionärs dienten als Inspiration, und während der Zusammenarbeit mit dem Massimo Osti Archive hatte MA.STRUM tatsächlich das Potenzial, genau jene Lücke zu schließen, die irgendwo zwischen C.P. Company und Stone Island entstanden war.

Selbst der Name der Marke erzählt diese Geschichte. „MA“ steht als Abkürzung für Master of Arts, während „Strum“ den Rhythmus symbolisiert. Mode trifft Musik. Form trifft Funktion. Oder anders gesagt: Kleidung mit Taktgefühl.
2014 kam es dann allerdings zum Bruch mit dem Massimo Osti Archive. Für viele Marken wäre das ein schwerer Schlag gewesen. MA.STRUM entschied sich jedoch für den eigenen Weg. Unter der Führung von Eigentümer John Sharp wurde die Marke neu ausgerichtet. Sein Leitgedanke: „Product First“.
Ein Ansatz, der auf dem Papier simpel klingt, aber in der Praxis oft verloren geht. Der Fokus lag fortan auf Form, Material und Funktion. Jedes Kleidungsstück sollte einen klaren Zweck erfüllen. Keine überflüssigen Spielereien, keine Design-Experimente um ihrer selbst willen. Stattdessen ehrliche Bekleidung mit technischem Anspruch und einem Auge für Details.
Trotzdem hatte man in den vergangenen Jahren das Gefühl, dass etwas fehlte. Es kursierten Gerüchte über einen möglichen Verkauf der Marke, und auch der einst so markante Charakter schien etwas verblasst zu sein. Der Spirit, der MA.STRUM einst von vielen Mitbewerbern abhob, wirkte verloren gegangen.

Doch mit der aktuellen Frühjahr-/Sommer-Kollektion scheint sich etwas zu bewegen. Vielleicht ist es Zufall. Vielleicht aber auch nicht, dass ausgerechnet das charakteristische Grün wieder stärker in Erscheinung tritt. Jenes Grün, das viele noch mit den frühen Jahren und der Zusammenarbeit mit dem Massimo Osti Archive verbinden. Es fühlt sich jedenfalls an wie ein bewusster Blick zurück, um den Weg nach vorne zu finden.
Die neue Kollektion steht für die Designsprache von MA.STRUM: technisch, präzise und konsequent auf Form, Material und Funktion ausgerichtet. Natürlich habe ich mir auch direkt ein paar Favoriten herausgesucht.
Den Anfang macht das Isotope Overshirt. Gefertigt aus robustem Cotton Gaberdine Twill, ausgestattet mit zwei großzügigen Fronttaschen, militärischen Schulterklappen, Kupfernieten und emaillierten Druckknöpfen. Genau die Art von Overshirt, die man morgens anzieht und erst abends wieder auszieht.
Nicht weniger spannend präsentiert sich die Cetane Utility Jacket. 100 Prozent Nylon, Zwei-Wege-Metallreißverschluss, versteckte Notfallkapuze, Balgtasche auf der Brust und eine wasserabweisende DWR-Beschichtung. Eine Jacke, die aussieht, als wäre sie für spontane Abenteuer entwickelt worden – selbst wenn der gefährlichste Teil des Tages nur der Weg zum Lieblingscafé ist.
Den Abschluss bildet die Kalium Cargo Short. Ebenfalls aus Cotton Gaberdine gefertigt, mit Kordelzugbund und dem mittlerweile ikonischen, abnehmbaren fluoreszierenden Kompass-Badge an der Gesäßtasche. Ein kleines Detail, das sofort Erinnerungen an die goldenen Jahre der Marke weckt.

Was leider geblieben ist: Die Verfügbarkeit. Schon früher war MA.STRUM eine Marke, die man eher suchen musste, als dass man über sie stolperte. Auch heute ist das Angebot im stationären Handel überschaubar. Wer sich selbst ein Bild von der neuen Kollektion machen möchte, wird in Deutschland allerdings bei The Smart Dresser fündig.
Und genau deshalb beobachte ich die kommenden Monate mit großer Spannung. Die aktuelle Kollektion vermittelt durchaus wieder ein Stück von dem Gefühl, das MA.STRUM früher einmal ausgezeichnet hat. Die vertraute Farbwelt, der stärkere Fokus auf funktionale Details und einige wirklich gelungene Produkte erinnern an die Zeit, in der die Marke für viele Fans von Technical Sportswear besonders interessant war.
Gleichzeitig wäre es wohl verfrüht, bereits von einer großen Rückkehr zu sprechen. Dafür ist in den vergangenen Jahren einfach zu viel von dem verloren gegangen, was MA.STRUM einst so besonders gemacht hat. Die neue Kollektion wirkt eher wie ein erster Schritt zurück zu den eigenen Wurzeln als die endgültige Wiederentdeckung der alten Stärke.
Ob daraus langfristig mehr entsteht, werden die kommenden Saisons zeigen müssen. Das Potenzial ist zweifellos vorhanden. Jetzt geht es darum, dieses Potenzial wieder konsequent auf die Straße zu bringen.








Source: MA.STRUM
