Ja, wir sind zurück. Zurück mit einer Kategorie, die euch gefällt, uns gefällt und vermutlich auch eure Garderobe ziemlich gut findet. Für das erste Kapitel unserer Sapeur Summer Essentials widmen wir uns einem Kleidungsstück, das irgendwo zwischen „Ich habe mich angezogen“ und „Ich bin auf alles vorbereitet“ wohnt: dem Overshirt.

Denn so schön der Sommer auch ist, er hat diese eine kleine Gemeinheit eingebaut. Tagsüber lässt man die Jacke selbstbewusst zu Hause, abends sitzt man dann irgendwo draußen, das Getränk noch halbvoll, die Sonne schon weg, und plötzlich ist man sehr empfänglich für Textilien. Genau hier kommt das Overshirt ins Spiel. Kein richtiges Hemd, keine richtige Jacke, nichts Ganzes und nichts Halbes – und gerade deshalb so gut.

Overshirts, Hemdjacken, Shackets, nennt sie wie ihr wollt: Es gibt nur wenige Kleidungsstücke, die so elegant zwischen Kategorien und Jahreszeiten pendeln. Sie haben die klare Silhouette eines Hemdes, bringen aber Struktur, Schutz und ein bisschen Wärme mit. Also genau das, was man braucht, wenn das Wetter wieder nicht weiß, ob es jetzt mediterran oder mittelenglisch sein möchte.

Historisch betrachtet steckt in diesen Teilen einiges drin. Ein bisschen Militär, ein bisschen Workwear, ein bisschen Atelier, ein bisschen Bahnhof. Der kastenförmige Schnitt, der Reverskragen, die großen Taschen – all das hat seinen Ursprung in Kleidungsstücken, die nicht für Lookbooks, sondern für Arbeitstage gemacht wurden. Handwerker, Arbeiter, Künstler, französische Bahnarbeiter, britische Soldaten: Viele dürfen sich hier zumindest teilweise als stilistische Urheber fühlen.

Gefertigt wurden solche Hemdjacken traditionell aus robusten Stoffen wie Moleskin oder schwerer Baumwolle. Sie mussten schließlich etwas aushalten. Die großen Taschen waren nicht Deko, sondern gedacht für Werkzeug, Skizzen, Schrauben und vermutlich auch Zigaretten. Heute verstauen wir darin eher Smartphone, Sonnenbrille, Blättchen und das kleine Maß an Selbstzufriedenheit, das man verspürt, wenn man passend angezogen ist.

Seit Jahren haben sich natürlich auch die großen Marken unserer kleinen Subkultur und die üblichen Verdächtigen aus der italienischen Sportswear dieses Kleidungsstücks angenommen. Herausgekommen ist eine Mischung aus Funktion, Materialspielerei, Heritage und moderner Sommerabend-Tauglichkeit.
Wie immer folgt hier eine kleine Auswahl nach unserem Gusto. Einige Modelle gibt es selbstverständlich auch in anderen Farben. Aber das wisst ihr ja.

ST95 Ballute Overshirt in Mid Green – ca. 180 €

Fangen wir direkt technisch an. ST95 ist so eine Marke, bei der man allein schon wegen der Historie ein kleines Funkeln in den Augen bekommen darf. Ursprünglich von Massimo Osti erdacht – ja, genau der Massimo Osti von u.a. C.P. Company, Stone Island und Boneville – wurde das Label vor einigen Jahren vom britischen Designer Christopher Raeburn wiederbelebt. Ob er aktuell noch die Finger am Steuer hat, entzieht sich unserer sicheren Kenntnis, aber der Spirit ist hier auf jeden Fall noch zu spüren.

Das Ballute Overshirt verbindet technische Materialien mit einem sehr gegenwärtigen Utility-Look. Peached und beschichtetes Nylon sorgt für Strapazierfähigkeit und Komfort, stark beanspruchte Stellen wie Schultern und Reißverschlussbereiche werden mit Jacquard-Tape verstärkt. Dazu kommt eine große asymmetrische 3D-Brusttasche, die nicht nur praktisch ist, sondern dem Ganzen auch genau die richtige Portion Osti-DNA verpasst. Der Mid-Green-Farbton ist besonders gelungen – technisch, aber nicht laut. Wer es dezenter mag, findet natürlich auch ruhigere Varianten.

Belstaff Cargo Overshirt – ca. 250 €

Belstaff macht Belstaff-Dinge, und meistens ist das eine gute Nachricht. Das Cargo Overshirt in Himmelblau bringt militärisch inspirierte Utility-Taschen mit und verpackt das Ganze in eine moderne, fast schon sommerlich-elegante Form. Die Baumwoll-Nylon-Mischung wirkt weich, hat aber genug Struktur, damit man nicht aussieht, als hätte man sich gerade aus einem Campingstuhl geschält.

Das wasserabweisende Finish ist der kleine praktische Bonus für alle, die auch im Sommer nicht so tun möchten, als gäbe es keine Wolken. Himmelblau ist außerdem eine schöne Farbe für ein Kleidungsstück, das ursprünglich eher aus Werkstatt, Kasernenhof und Lagerhalle stammt. Ein bisschen Utility, ein bisschen Riviera. Kann man machen.

Trickett Durber Shirt – ca. 190 €

Natürlich hat Iain Trickett auch ein Overshirt gezaubert. Und natürlich liest sich die Produktbeschreibung ungefähr so, als hätte jemand eine Bachelorarbeit über britische Fertigung, Melton-Wolle und emotionale Reißverschlüsse geschrieben. Aber genau das ist ja der Charme.

Das Durber Shirt wird komplett in Großbritannien gefertigt. Und mit komplett ist hier wirklich komplett gemeint: sogar der Faden stammt aus dem Vereinigten Königreich. Der Stoff ist 100 % Melton-Wolle, schwerer als so mancher Mantel im Schrank, dabei aber weich im Griff und robust im Auftreten. Die Knöpfe stammen aus altem Vintage-Bestand, die Reißverschlüsse werden in Leicester von Hand gefertigt, zusammengesetzt wird das gute Stück schließlich in Bolton.

Das Ergebnis ist ein Overshirt für Menschen, die bei Kleidung gerne wissen, woher jedes Detail kommt. Für warme Sommertage vielleicht eher der Kandidat für später am Abend, wenn der Grill langsam ausgeht und jemand sagt: „Es wird frisch, oder?“ Für Herbst und Winter dann ein hervorragendes Layering-Teil. Ein bisschen kauzig, sehr ehrlich, ziemlich wunderbar.

Weekend Offender Southbank Overshirt – ca. 105 €

Weiter geht es mit einem Youngtimer aus dem Hause Weekend Offender. Das Southbank Overshirt ist leicht, technisch und unkompliziert. Gefertigt aus einem fein gewebten 2-Way-Stretch-Material aus Nylon und Elasthan, bringt es genau das mit, was man an warmen Tagen gebrauchen kann: Beweglichkeit, geringes Gewicht und genug Taschen, damit man nicht doch wieder zur Jacke greifen muss.

Die schräge Brusttasche mit gebrandeten Druckknöpfen und die seitlichen Eingrifftaschen geben dem Ganzen einen sportlich-funktionalen Look. Kein Schnickschnack, kein Heritage-Monolog, sondern ein tragbares Teil für Menschen, die gerne rausgehen und dabei nicht aussehen möchten, als hätten sie gerade eine Wander-App gestartet.

Fred Perry Ripstop Overshirt – ca. 200 €

Fred Perry liefert hier ein inzwischen fast klassisches Design. Das Ripstop Overshirt besteht aus recyceltem Polyamid, ist leicht, robust und kommt mit durchgehendem Reißverschluss. Zwei große aufgesetzte Brusttaschen und zwei Außentaschen sorgen für ausreichend Stauraum, ohne dass das Teil gleich nach Expeditionsausrüstung aussieht.

Besonders schön: Es gibt das Modell direkt in mehreren Farbrichtungen. Das Lorbeerkranzgrün trifft ziemlich genau die richtige Stelle zwischen sportlich, casual und „ich weiß, was ich tue“. Das hellere Seegras ist ebenfalls nicht zu verachten. Fred Perry macht hier nichts Revolutionäres, aber manchmal reicht es völlig, wenn ein Kleidungsstück einfach gut sitzt, gut aussieht und zuverlässig funktioniert.

C.P. Company Chrome-R Zipped Lens Overshirt – ca. 395 €

Wer sich mit Overshirts beschäftigt, kommt an C.P. Company kaum vorbei. Die Italiener haben diese Kategorie über Jahre hinweg immer wieder neu interpretiert und ihr eine technische, fast futuristische Note gegeben. Für alle, die in diese Welt einsteigen wollen, ist das Chrome-R Zipped Lens Overshirt ein ziemlich passender Kandidat.

Chrome-R ist ein glänzendes, zu 100 % recyceltes Multifilament-Nylon, hergestellt aus regenerierten Produktionsabfällen und nach Global Recycled Standard zertifiziert. Klingt technisch, sieht auch technisch aus, bleibt aber tragbar. Klassischer Kragen, verdeckter Zwei-Wege-Reißverschluss mit Druckknopfleiste, Brustklappentasche, verstellbare Manschetten, Mesh-Futter und natürlich die ikonische Linse auf der Ärmeltasche.

Dazu kommt die Stückfärbung, die bei C.P. Company immer wieder für diese besondere Farbtiefe sorgt. Du willst C.P.? Du bekommst C.P. Company. Punkt.

Baracuta Canvas GD Overshirt – ca. 249 €

Baracuta geht den klassischen Weg. Das Canvas GD Overshirt wirkt so, als hätte es problemlos auch in einem Atelier, einer Werkstatt oder auf einem Marktstand hängen können – nur eben in der etwas schöneren Version. Der Canvas-Stoff wurde behandelt, um einen Used-Look zu erzeugen, der nicht nach Verkleidung aussieht, sondern nach Charakter.

Das ist kein lautes Teil, sondern eines, das über Material, Schnitt und Haltung kommt. Klassisch, bequem, angenehm unaufgeregt. Wer Overshirts eher von der Workwear-Seite her denkt und weniger von der technischen Sportswear-Ecke, sollte hier genauer hinschauen.

Universal Works Travail Overshirt – ca. 200 €

Universal Works baut moderne Menswear auf der Grundlage zeitloser Workwear. Das klingt nach Pressetext, stimmt aber einfach. Das Label aus Nottingham ist gut darin, funktionale Silhouetten so zu aktualisieren, dass sie weder verkleidet noch langweilig wirken. Alles wirkt tragbar, entspannt, praktisch und trotzdem eigenständig.

Das Travail Overshirt ist von einer Jacke inspiriert, die auf einem Pariser Markt gefunden wurde. Es hat einen geschwungenen, hemdartigen Saum, ungewöhnliche Abnäher, funktionierende Manschetten und tief sitzende aufgesetzte Taschen. Also genau die kleinen Details, die man erst beim zweiten Blick bemerkt und dann umso mehr schätzt. Ein sehr gutes Teil für alle, die gerne so aussehen, als hätten sie Geschmack, aber keine Lust, darüber zu sprechen.

Barbour International Arlo Overshirt – ca. 139 €

Das Arlo Overshirt von Barbour International ist die smarte, reduzierte Variante in dieser Runde. Gefertigt aus atmungsaktiver Baumwolle, mit aufgesetzten Brusttaschen, klassischen geknöpften Manschetten und Logoemblem am Ärmel, bewegt es sich irgendwo zwischen Casual Friday, Sonntagsausflug und spätem Biergarten.

Minimalistisch, sauber, unkompliziert. Kein Kleidungsstück, das sich in den Vordergrund drängt, aber eines, das man wahrscheinlich häufiger anzieht, als man beim Kauf denkt. Und das ist am Ende oft das größere Kompliment.

Stone Island 1200013 Stretch Organic Cotton Twill Overshirt – ca. 435 €

Zum Abschluss natürlich Stone Island. Die Marke, die über Jahrzehnte eng mit Casual Culture, Materialforschung und diesem ganz speziellen Gefühl von „Ich erkenne dich, du erkennst mich“ verbunden war. Wenn wir richtig liegen, handelt es sich bei diesem Modell um eine Art Einstiegspunkt in die aktuelle SS26-Kollektion.

Das Overshirt besteht aus elastischem Bio-Baumwolltwill und ist selbstverständlich stückgefärbt. Mehr muss man bei Stone Island manchmal gar nicht sagen. Der Stoff, die Färbung, der Schnitt, das Badge – das System funktioniert. Nicht günstig, aber das war hier ja selten der Punkt.

Das war unsere kleine Übersicht zu den Overshirts für Frühling und Sommer 2026. Vielleicht konnten wir ja ein bisschen Interesse wecken. Vielleicht stöbert ihr jetzt beim Dealer eures Vertrauens, klickt euch durch Farbrichtungen, prüft Größen, vergleicht Taschenformen und redet euch ein, dass ein weiteres Overshirt absolut vernünftig wäre.
Und ehrlich gesagt: Ganz falsch liegt ihr damit nicht. Denn kaum ein Kleidungsstück ist so dankbar, wenn der Tag warm beginnt, der Abend kühl endet und man zwischendurch trotzdem gut aussehen möchte.

Wenn alles klappt, folgt diese Woche noch ein-zwei weitere Teile unserer Summer Essentials. Sollten aktuellere Themen dazwischenfunken, ziehen wir diese wie gewohnt vor. Danach geht es hier auf dem Blog mit unserer Serie weiter.