Manchmal braucht es nur ein paar Sekunden — ein Beat, eine Zeile, ein Tonfall — und man weiß: Hier passiert gerade etwas. EV, das musikalische Alter Ego von Evan Scase, ist genau so ein Moment. Einer dieser Künstler, die wirken, als hätten sie ihre Geschichten nicht geschrieben, sondern direkt aus dem echten Leben heraus destilliert. Roh, ehrlich und mit einem Augenzwinkern, das irgendwo zwischen Pub Toilette und Morgendämmerung liegt.

Der Soundtrack dazu? Eine liebevolle Kollision aus 90s-Rave-Euphorie, UK-Rap-Attitüde, Alternative-Melancholie und elektronischer Club-Energie. Musik, die gleichzeitig nach verschwitztem Dancefloor, nächtlicher Busfahrt und dem ersten Kaffee am Sonntagmorgen klingt. EV erzählt vom britischen Alltag — nicht als Beobachter, sondern als jemand, der mittendrin steckt. Seine melodischen Rap-Parts und sozial geerdeten Geschichten erinnern an jene Künstler, die Pop-Sensibilität mit Working-Class-Realismus verbinden.

EV

Dass diese Mischung so selbstverständlich wirkt, kommt nicht von ungefähr. Die musikalische DNA wurde früh gelegt: Breakbeat, Drum’n’Bass und Jungle liefen auf Autofahrten mit dem Vater, während der ältere Bruder UK-Rap von The Streets bis Skepta ins Kinderzimmer brachte. Eine klassische Sozialisation irgendwo zwischen Bassline und Beton.

Der Weg zum eigenen Sound führte allerdings nicht direkt ins Studio, sondern zunächst in eine Werkstatt. Anfang zwanzig, Lastwagenmechaniker, 60-Stunden-Wochen — und danach trotzdem noch Tracks produzieren. Leidenschaft als Feierabendprogramm, Eskapismus als Notwendigkeit. Musik war nie Hobby, sondern Rückzugsort.

Und genau das hört man. EV schreibt über Wochenendkultur, über das Ausbrechen aus Routinen, über das Suchen nach kleinen Momenten von Freiheit. Seine Songs tragen diese besondere Mischung aus Melancholie und Energie, die entsteht, wenn Realität und Rave aufeinandertreffen. Sozialkritisch, ohne schwer zu wirken. Tanzbar, ohne oberflächlich zu sein.

Interessant wird es jetzt. Während wir — und auch die Jungs von We Are Dotore — fast zeitgleich neugierig auf EV geworden sind, kündigt sich bereits der nächste Schritt an: eine Pub-Tour durch Sheffield, Manchester, Brighton, Bristol und London. Genau die Orte also, an denen solche Geschichten hingehören. Nah an den Menschen, nah am Tresen, nah am echten Leben.

Der Teaser zur Tour zeigt schon ziemlich deutlich, wohin die Reise gehen könnte. Da steht jemand auf der Bühne, der nicht versucht, cool zu wirken — sondern es einfach ist, weil er etwas zu erzählen hat. Ein Talent aus der Working Class, das das Zeug haben könnte, in größere Fußstapfen zu treten.

Und während die Lyrics oft unbequem ehrlich sind, macht die Musik vor allem eines: Spaß. Vielleicht ist das das eigentliche Versprechen von EV — Realität erzählen, ohne die Leichtigkeit zu verlieren.
Wir behalten ihn im Blick. Und warten auf die nächsten Tracks, die irgendwo zwischen Heimweg, Hoffnung und Kickdrum entstehen.

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