Sapeur OSB im Gespräch: Riaz Khan, Buchautor und ex-Hooligan der Leicester Baby Squad

Wir sind sehr stolz darauf euch heute einen weiteren Wunschgesprächspartner auf dem Sapeur OSB Blog vorstellen zu dürfen.
Riaz Khan war Mitglied der berüchtigten Baby Squad von Leicester City FC und der ein oder andere von euch wird ihn vermutlich von der „Casuals“ Dokumentation her kennen.
Riaz ist Autor des Buches „Khan. Memoirs of an Asian Casual“, das von Ende September bis Anfang Oktober sogar als Theaterstück in seiner Heimatstadt Leicester aufgeführt wurde.
Wir haben uns mit ihm über seine Wurzeln, seinen Werdegang beim Fußball, über Ressentiments und natürlich auch über sein Buch unterhalten. Ähnlich wie bei unserem Gespräch mit Cass Pennant sind wir sehr glücklich darüber wie komplex unser Gespräch mit Riaz war.
Holt euch ein-zwei Bier aus dem Kühlschrank oder macht euch eine große Tasse Kaffee. Das Interview ist sehr lang, aber sehr lesenswert.

For our international follower: For the interview in English please scroll down.

© Simon Harsent Photography

Gude, Riaz! Freut mich sehr, dass Du uns Rede und Antwort stehst. Bitte stell Dich doch mal den Lesern vor, die dich noch nicht kennen.

Gerne! Geboren und aufgewachsen bin ich in Leicester. Derzeit arbeite ich als Dozent für Englisch als Fremdsprache, bin verheiratet und hab vier Kinder. Außerdem habe ich eine Dauerkarte für den Leicester City FC, bin ehemaliger Hooligan, Autor und Aktivist und trage immer noch gerne C.P. Company, Adidas, Fila und so weiter … 

Dein Vater kam 1958 nach England, Deine Mutter 1964; Du wurdest 1965 als ältestes von fünf Kindern in Leicester geboren, einer Stadt, die als eher multikulturell gilt. Wie war es für Dich, dort aufzuwachsen?

Das war schon hart. Der Rassismus war damals allgegenwärtig und ich musste mit zwei Kulturen klarkommen: Zuhause war ich der Pakistanijunge, da galten die entsprechenden Traditionen und Bräuche. In der Schule dagegen musste ich mich an die britischen Gepflogenheiten anpassen. Trotzdem wurde ich jeden Tag wegen meiner Hautfarbe rassistisch angemacht. Damals konnte ich nicht viel dagegen tun, weil es außer mir nur wenige gab, die auch einer ethnischen Minderheit angehörten. 99 Prozent der Schüler waren Weiße. Außerhalb der Schule mussten wir auch immer höllisch aufpassen, denn jederzeit konnte eine Wagenladung Naziskins über uns herfallen. Von Rassisten durch die Straßen gehetzt zu werden war an der Tagesordnung. Und die Politiker gaben ihnen mit ihren Reden im Parlament dazu auch noch freie Bahn. Eine der bekanntesten ist wohl die „Rivers of Blood“-Rede von Enoch Powell. Es war ein ständiger Kampf, Teil einer Gesellschaft zu werden, die dich zum Teil abgelehnt hat. Mit der National Front gab es eine politische Partei, die alle Einwanderer zurückschicken wollte, selbst diejenigen, die in England geboren sind. Ich war zwar zu jung, um an den Protesten und Kämpfen gegen die NF teilzunehmen — aber ich war nicht zu jung, um mich von ihnen jagen oder misshandeln zu lassen!

Die National Front hast Du ja schon angesprochen und auch Margaret Thatcher schürte die Angst, dass England „von Menschen anderer Kulturen überschwemmt werden könnte“. Im Stadion wurden schwarze Fußballer in den 80ern mit Bananen beworfen. Das war die Zeit, als Du zum ersten Mal zum LCFC gegangen bist. Wie hast Du die Fans an der Filbert Street erlebt?

Was die politische Einstellung angeht war das ziemlich gemischt. Die Rechten von der National Front wollten die Stehränge für sich vereinnahmen, stießen dabei aber auf Widerstand. Trotzdem gab es ständig Affenlaute und Gesänge wie „There’s no black in the Union Jack,send the bastards back!” Aber das war schon ein absterbender Teil der Stadionkultur, als ich anfing, an die Filbert Street zu gehen. Die LCFC-Fans wurden ethnischen Minderheiten gegenüber zunehmend toleranter. Zwar habe ich auch mal einen blöden Kommentar von den eigenen Leuten gedrückt bekommen, aber die meisten kamen von den Gästefans. Das kommt heute langsam wieder zurück, fürchte ich. Denk’ nur mal an den Bananenwurf neulich und die rassistischen Angriffe auf Raheem Sterling.

Lass uns mal über Leicesters Firm reden, Riaz. Wie bist Du mit dem Baby Squad in Berührung gekommen — und wo hat der eigentlich seinen Namen her?

Den hat uns die Polizei in Leicester verpasst. Einer der Ordnungshüter hat mal über eine Gruppe von Teenagern gesagt: „Was ist das denn für ein Haufen? Die Babyface Gang?“ — und der Name ist dann eben hängen geblieben. Zum ersten Mal gesehen hab ich den Baby Squad in einem Einkaufszentrum. Zehn von denen sind an mir vorbeigelaufen, angeführt von einem Typen afro-karibischer Abstammung. Wie die angezogen waren, das hat mich geflasht. Also hab ich mir auch so ähnliche Klamotten besorgt und bin dann von einem gewissen Mark Kelly gefragt worden, ob ich auch zu City gehe. Ich hab Nein gesagt. Damals hatte jede Subkultur ihren eigenen Stil. Und was ich anhatte, war eben „Trendy“ oder „Casual“ — das Outfit der Fußball-Hooligans. Also bin ich auch zu den Spielen gegangen. Zum ersten Mal in Aktion erlebt habe ich den Baby Squad 1983 auswärts gegen Birmingham.

Welche Hauereien sind Dir denn am meisten in Erinnerung geblieben?

Eine davon ist sicherlich die von 1984 bei uns zuhause gegen Arsenal. Da hat’s von morgens bis abends und auch während des Spiels ständig gescheppert. Der beste Mann unseres YTS hat ihren besten Mann geplättet. Coventry zuhause Mitte der 80er war auch ein ordentliches Match. Vor dem Spiel hat deren Firm The Legion unsere YTS auf einer Brücke zerlegt, aber danach hat der Kopf des Baby Squad einen perfekt ausgeführten Überfall aus dem Hinterhalt organisiert. 200 von uns hatten sich in einer Gasse auf die Lauer gelegt und am Ende wusste Coventry gar nicht mehr, wie ihnen geschah. Aston Villa auswärts war auch eine verrückte Sache. Früher in der Saison hatte uns ihre stärkste Firm, die C Crew,den ganzen Weg runter zum Stadion gejagt. 200 von uns sind dann zum Villa Park gefahren und nach dem Spiel haben sich 40 Leute abgesetzt. Auf dem Weg zum Heimblock haben wir ein paar Villa-Jungs weggehauen — und standen plötzlich einer ganzen Armee von denen gegenüber! Wir haben zwar alles versucht, um unseren Mann zu stehen, aber das war zwecklos und es gab richtig lange was auf die Glocke. Wenn uns die Polizei nicht rausgeholt hätte, wären wohl einige von uns da nicht mehr lebend rausgekommen!

Soweit ich weiß, mischen in allen englischen Firms auch Jungs mit dunkler Hautfarbe mit, während kaum einer einen indischen oder pakistanischen Background hat. Gab’s für Dich da Probleme oder musstet Du dich sogar noch mehr reinhängen als andere, um akzeptiert zu werden?

Wenn du zu einer ethnischen Minderheit gehörst, ist es am Anfang immer schwierig, von einem Mob akzeptiert zu werden. Bei Leicester gab es aber schon ein paar ältere Asiaten, deshalb war’s nicht ganz so schwer für mich, da reinzukommen, auch wenn es am Ende eine ganze Weile gedauert hat. Bei meiner Crew, dem YTS (Young Trendy Squad) gab es bereits einige asiatische Mitglieder. Ich war damals noch kein praktizierender Muslim, also war es recht einfach, mich anzupassen. Alle reden immer über Integration, aber damals musstest du dich anpassen, um überhaupt zu einer Kultur dazuzugehören.

Während sich die Jungs hier bei uns eher bedeckt halten, sind einige der ehemaligen Anführer englischer Firms heute fast schon kleine Berühmtheiten. Wie erklärst Du dir das?

Hm, bin mir nicht ganz sicher, ob man das schon berühmt nennen kann. Vielleicht eher berüchtigt! Die Engländer sind schon seit jeher fasziniert von Kriminellen wie den Kray-Brüdern aus dem Londoner East End. Die Öffentlichkeit will ihre Geschichten hören und deshalb erlangen die Typen dann auch einen gewissen Celebrity-Status.

A propos Geschichten: Lass uns über dein 2012 erschienenes Buch reden, Riaz. Im Vorwort schreibst Du über deine Beweggründe zu dem Buch. Für alle, die es nicht kennen: Was hat Dich dazu bewogen, „Khan – Memoirs of an Asian Football Casual“ zu schreiben?

2009 hab ich mitbekommen, wie die Rechtsextreme EDL in den Stadien immer aktiver wurde und sah gleichzeitig, wie eine kleine Gruppe extremistischer Muslime Schlagzeilen machte. Mir schwante, dass es zwischen Hools und Muslimen einen riesigen Knall geben wird, weil die EDL alle Muslime hasst, nicht nur die radikalen. Also habe ich mich dazu entschieden, die Geschichten aus meiner damaligen Zeit als Hooligan und aus meinem heutigen Leben als Muslim aufzuschreiben. Das Buch wurde aber erst 2012 veröffentlicht, weil es kein Verlag haben wollte. Paul Hallam von Countdown Books hat dann zugesagt. Ich will die Kluft zwischen Hooligans und Muslimen überwinden, indem ich zeige, dass Leute miteinander klarkommen können, auch wenn sie aus unterschiedlichen Kulturen kommen.

Wie lange hast Du denn insgesamt an dem Buch gearbeitet? Und wie hat sich dieser Trip zurück in deine Jugend angefühlt?

Ich habe gut ein halbes Jahr gebraucht, um das Buch zu schreiben. Das war schon etwas surreal, in die Zeit meines jüngeren Ich zurückzureisen, mich an die Mode zu erinnern, an die Freundschaften und an die Hauereien mit anderen Firms. Das hat viele gute Geschichten wieder hochgebracht und mich an lustige Zeiten erinnert. Beim Betrachten alter Fotos wurden Erinnerungen wach an meine Tage als Junge und als junger Mann, an die Musik und die Klamotten, die damals in Mode waren. Ganz schöner Nostalgie-Trip!

Was Dein Buch für mich so besonders macht, ist, dass Du mit zwei Kulturen klar kommen musstest. Was hat Deine Familie gesagt, als das Buch rauskam und wie haben Deine alten Weggefährten, die Medien und die Fußballszene reagiert?

Meine Familie kam damit ganz gut klar, weil sie die Absicht dahinter erkannt hat, den Leuten was zu vermitteln. Meine Freunde lieben es, weil ihre Geschichten Einzug in das Buch gefunden haben. Und auch den Oldschool-Lads der Baby Squad gefällt es — nur ein oder zwei Personen haben (hintenrum) darüber gelästert. Aber wohl nur aus Neid. Sie behaupten, dass ich gar nicht dabei gewesen wäre. Dabei waren wir es, die auf der Suche nach gegnerischen Firms durch die Straßen gezogen sind, während die Typen sich im Pub an ihrem Bier festgehalten haben. Solche Hater hast du aber immer, du kannst es nicht jedem recht machen. Die lokalen Medien mochten das Buch übrigens auch und haben drüber berichtet.

Die Bühnenadaption des Buchs war vom 26. September bis 6. Oktober am Curve Theatre in Leicester zu sehen. Wie fühlt sich das an, plötzlich einer der großen Söhne deiner Heimatstadt zu sein?

Eigentlich bin ich ein sehr schüchterner Typ, der nicht gerne ins Rampenlicht geschubst wird. Aber da muss ich wohl durch, ob ich will oder nicht. Die Leute, die sich das Stück angeschaut haben, waren jedenfalls völlig begeistert und es hat auch in den großen Tageszeitungen großartige Kritiken bekommen. Das ist echt schräg und schon auch überwältigend. Seitdem war ich einige Male im Fernsehen und im Radio und in ein paar Tagen hoste ich eine TV-Dokumentation bei der BBC.

Zurück zu den smarten Dressern von der Tribüne. Wie wir alle wissen, behaupten ja die Jungs aus Liverpool, dass sie die ersten waren, die Marken wie Tacchini und Fila vom Festland in die Englischen Stadien gebracht haben. Denkst Du, damit haben sie recht? Wie beurteilst Du die Art und Weise, wie sich das Outfit der Fußballfans gewandelt hat?

Also die Scouser waren definitiv die ersten, etwas später zogen die Cockneys und die Mancs nach. In den 1980ern änderte sich die Mode monatlich oder gar von Woche zu Woche. Das ging zügig. In den frühen 80ern waren zum Beispiel Golf- und Tennisklamotten von Fila, Ellesse, Pringle, Lois Jeans und Sergio Tacchini angesagt. Dann waren es plötzlich britische Labels wie Burberry und Aquascutum und kurz darauf kam der Paninaro-Look auf mit Labels wie Best Company, Classic Nouveaux und Verte Valle. Die Mode änderte sich ständig und in diesem Bereich wollte ich den anderen immer voraus sein. Heute sehen alle gleich aus: Adidas-Trainer und Stone Island- oder C.P. Company-Oberteil. Langweilig, oder? Klar, auch ich zieh’ mich gerne mal so an, aber ich versuche, das immer mit etwas zu kombinieren, das zwar zu diesen Labels passt, aber auch was besonderes ist. Jedenfalls bin ich davon überzeugt, dass die Mode ohne die Casuals heute nicht das wäre, was sie ist.

Du sagst über dich, dass Du deine eigene Identität in den frühen 80er Jahren gefunden hast, als Du mit der Casual-Kultur in Berührung gekommen bist. Was hat Dich daran so fasziniert und was genau hat sich dadurch für Dich geändert?

In der Schule hab ich mich wegen des ganzen Rassismus nirgendwo richtig zugehörig gefühlt, auch nicht zu den Pakistani. Es gab kaum andere Paschtunen wie mich in Leicester. Also gehörte ich weder hier noch dort richtig dazu. Das sah in der Casual-Szene schon anders aus: Da habe ich mich gleich wohl gefühlt, weil den Jungs dein sozialer Status, deine Religion oder dein Glaube egal waren. Bei der Fußballrandale hat man zusammen- und füreinander eingestanden. Das war alles, worauf es ankam. Ethnische Minderheiten waren da keine ,Wogs’ oder ,black bastards’ mehr, sondern Teil des Mobs. Wie gesagt, ich hatte mich immer anpassen müssen, um akzeptiert zu werden, musste mich anziehen, so aussehen und so reden und handeln wie alle anderen, um soziale Anerkennung zu bekommen. Bei den Casuals haben mich die Klamotten und die Freundschaft fasziniert. Wir waren durch den Support für Leicester City miteinander verbunden. Wenn Du ein Teil davon warst, wurdest du in der Stadt erkannt. In der Schule gab’s keine Anerkennung von den anderen Jungs. Ich war nur der stille Junge, den niemand wahrgenommen hat, außer wenn wenn sie jemanden zum Beleidigen brauchten. Ein Casual zu sein war dagegen sowas wie ein Ehrenzeichen. Durch dein Auftreten und deine Kleidung wussten die Leute gleich, dass du zu diesem massiven Haufen gehörst. Es gab die Selbstvertrauen und ein Gefühl der Zugehörigkeit. Du konntest plötzlich jede Herausforderung angehen. Sowas prägt dich für dein ganzes Leben.

Welches waren die am besten angezogenen Firms damals?

Leicester und Arsenal.

Was sind die absoluten Highlights deiner eigenen Fußball-Garderobe?

Die Tracksuit-Tops von Cerruti 1881 und das Mark 2 Fila BJ Settantasind meine absoluten Favoriten. Ich hab auch einen fetten Stone Island Ghost-Pulli, den ich sehr liebe. Den ziehe ich aber nur selten an, weil er verdammt teuer war!! 

Gibt es Casual-Labels, die Du (immer noch) bevorzugst?

Stone Island trage ich immer noch gerne, aber eher die Shadow- und Ghost-Pieces. Die jüngste Collabo con C.P. Company und Adidas hat mir auch ganz gut gefallen. Da hab ich bei den Sambas, dem Sweatshirt und der Jacke zugeschlagen.

Und was sind deine Lieblings-Trainer?

Mein absoluter Favorit ist der Adidas Granada.

Wie hat sich Deiner Meinung nach die britische Casual-Szene in den vergangenen 20 bis 30 Jahren verändert? Ist der Wille, den anderen immer eine Nasenlänge voraus zu sein, noch da?

Seit du alle Labels einfach so online kriegen kannst, ist dieser Spirit des one-upmanship definitiv weg. Damals musstest du rausgehen und dich auf die Jagd nach dem einen speziellen Teil machen, das noch keiner hat. Wenn die Arbeiterklasse-Kids Designerlabels trugen, haben sie damit signalisiert, dass sie was draufhaben, dass sie sich was leisten konnten. Heute ist das was anderes. Wir wollten damit zeigen, dass wir gegen das Establishment sind. Schließlich war die Arbeitslosenquote sehr hoch und die Tories haben ein Jugendzentrum nach dem anderen dicht gemacht. Wir hatten kein Geld, aber viel Zeit für Langeweile. Bei der Fußballrandale konnten wir unseren Frust und unsere Wut auf die Gesellschaft rauslassen, konnten zeigen: Schaut her, hier sind wir! Heute dagegen ist die Szene tot. Einige versuchen zwar, den alten Geist wieder aufleben zu lassen, aber die Top Boys sind raus. Du siehst heute nur noch Typen, die gerne dabei gewesen wären oder in den 80ern höchstens Mitläufer waren. Von den Jungs heute kenne ich keinen mehr. Schon ein bisschen traurig…

Riaz, Du engagierst dich gegen Rassismus und Islamismus, gibst Interviews im Fernsehen und in der Zeitung, gibst Unterricht und bist längst Vater geworden. Was treibt Dich an und welche Ziele hast Du dir gesteckt?

Was mich heute antreibt? Meine Kinder! Wenn ich den ganzen Scheiß in den Sozialen Medien und in der Gesellschaft allgemein sehe, diesen Hass … das macht mir Angst. Soll so die Zukunft meiner Kinder aussehen? Werden sie Jobs kriegen? Werden sie ausgegrenzt? Werden sie flüchten und irgendwo um Asyl bitten müssen?  Ich hab’ das Gefühl, dass ich was tun muss, um Brücken zu bauen zwischen den Communities, dass jemand den Leuten zeigen muss: Wir können zusammenleben, auch wenn wir alle unterschiedlich sind.

Guter Punkt! Denn auch, wenn sich in den Köpfen vieler Fußballfans was getan hat, werden ja Spieler anderer Hautfarbe  oder Ethnie immer nochangegriffen. Schwedens Jimmy Durmaz bei der letzten Weltmeisterschaft zum Beispiel. Denkst Du man kann Fußball und Politik trennen?

Fußball war immer ein Sport der Arbeiterklasse und die Politikfuzzis haben immer versucht, die Fans zu manipulieren. Das wird nie aufhören. Politische Gruppen suchen immer die Unterstützung von Fußballfans, weil man die schnell auf die Straße bringen kann. Schau Dir nur mal die ganzen obskuren Gruppen gerade an, die vorgeben, was für die Arbeiterklasse zu tun, während sie eigentlich nur Leute suchen, die sie für ihre eigenen politischen Ziele einspannen können. Rassisten wird’s immer geben. Früher agierten die eher im Hintergrund, aber seit Typen wie Trump an den Machthebeln sitzen, trauen sie sich aus ihren Löchern. Zum Glück gibt es aber auch immer jemanden, der sich den Rassisten und Faschisten stellt. Gruppen wie FLAF (Football Lads Against Fascism), die dem Hass auf den Tribünen was entgegen setzen. Also lautet meine Antwort auf Deine Frage: Nein.

An welche Sache hättest Du wohl dein Leben verschwendet wenn es nicht der Fußball geworden wäre?

Gute Frage! Wahrscheinlich hätte ich meine Energie in Bildung investiert, weil das der Schlüssel zu einer guten Zukunft ist. Das hab’ ich aber wohl erst etwas zu spät gemerkt.

Dein Buch, das gerade neu aufgelegt wurde, das Theater, deine Arbeit als Dozent — anscheinend wird’s Dir nie langweilig, oder? Woran arbeitest du aktuell?

Ich verhandle gerade mit einem großen TV-Sender über die Verfilmung meines Buchs. Aber darüber kann ich im Moment noch nicht allzu viel verraten.

Danke Dir für das Interview, Riaz. Als Sohn eines palästinensisch-syrischen Vaters und einer deutschen Mutter konnte ich einige Passagen deines Buchs natürlich bestens nachvollziehen. Freue mich schon drauf, was wir künftig noch alles von dir hören werden. Wie immer gehören die letzten Worte Dir. Sag, was Du noch loswerden willst.

Seid nett zueinander. Es gehört echt nicht viel dazu, den Schwächeren oder Bedürftigen etwas Freundlichkeit entgegenzubringen. Wir sind nur für kurze Zeit hier, also sei nicht derjenige, der von allen gehasst wird, sondern sei derjenige, an den sich alle als den netten Typen erinnern werden.

Riaz Khan | Memoirs of an Asian Casual
Link zum Buch hier

 

——- The Interview in English starts here ——-

We are proud to introduce you today to desired interlocutor on our Sapeur OSB blog.
Riaz Khan was member of Leicester City FC notorious Baby Squad and you may know him from the „CASUALS“ documentary.
Riaz ist he author of the book „Khan. Memoirs of an Asian casual“ which was even performed in autumn in a theatre in his hometown Leicester.
We talked to him about this roots, his matchday „career“, racism and of course about his book. Similar to our conversation with Cass Pennant we are very happy how complex our interview with Riaz was.
Get one or two beers out of the fridge or make yourself a big cup of tea. The interview is very long, but very worth reading.

Many thanks to our Sapeur OSB crew mate Andreas Zwingmann for the translation. 

© Simon Harsent Photography

It´s my big pleasure to have you with us. Please introduce yourself to our readers in the case they should don´t know you, Riaz.

I was born and bred in Leicester: I am currently an ESOL lecturer, married with 4 children. An LCFC season ticket holder, an ex hooligan, an author and an activist. I still like wearing Casual clothes like CP, Adidas, Fila etc.

Riaz, your father arrived in Britain in 1958 and your mother in 1964. You were born in 1965 as the oldest of five. Leicester is known as a multicultural city. But please tell us how it was to grow up there.

Leicester was tough growing up because of the racism that was prevalent around that time. I was torn between 2 cultures. At home I was a Pakistani boy following certain traditions and customs. Whilst at school I had to adapt to the indigenous population. Every day, at school, I was racially abused because of the colour of my skin. Yet, I could not do much about it as there were only a handful of ethnic minorities in a school that had a 99% majority of white pupils. Away from school we would be constantly looking over our shoulders just in case a van or a car full of skinheads jumped out on us. Being chased by racists was the norm in those days. Politicians in those days gave the Far Right the green light to be racist because of the speeches that were made in parliament. One of the most famous was Enoch Powell’s ‘Rivers of Blood’ speech. So it was a constant battle of trying to be a part of British society whilst being rejected by certain elements within it. The National Front were a political party who wanted to send back all immigrants including those born in the UK. Constant street marches and pitched battles occurred against this party but I was too young to be involved in this. However, I wasn’t too young to be abused or chased by them!!

The 1980s in the UK. Black footballers had bananas chucked at them, the National Front was on the rise and Margaret Thatcher had warned Britain could be „swamped by people with a different culture “. It should be that time you visited your first Leicester City match. How would you describe the mentality of the fans at old Leicester´s Ground Filbert Street?

Filbert Street at that time had a mixed bunch of people in terms of politics. You had the Right Wing supporters of the National Front that tried to rule the terraces but this was met with opposition. Monkey chants at the players was a common occurrence as was songs like “There’s no black in the Union Jack send the bastards back!” However, this was on the dying ends of terrace culture when I first frequented Filbert Street. The home fans were becoming more tolerant towards ethnic minorities. I did get the odd comment from home fans but more so from the away supporters. However, to add to this I feel that it may be slowly coming back as we have seen in the last 2 weeks or so involving the banana throwing incident and the racial abuse towards Rahim Sterling.

Riaz, let´s speak about Leicester’s firm. How did you get in contact with the ‘Baby Squad’ and where does the name originate?

The name originates from the Leicester Police. One copper commented on a group of teenagers “Who are these lot? It’s the Babyface Gang!” and the name stuck. The first time I saw the Baby Squad was in a shopping mall. Ten of them walked past me led by an Afro Caribbean lad and the way they were dressed had me in awe. I started dressing in a similar way and was noticed by a lad called Mark Kelly who asked if I went down the City (Leicester’s football ground) and I replied “No”. In those days every subculture had a ‘uniform’ or a style and the way I dressed belonged to the ‘Trendy’ or ‘Casual’, the uniform of a football hooligan. So I decided to attend the matches and the first time I saw the Baby Squad in full force was Birmingham away in 1983.

What were the most memorable battles you were involved in?

One of the most memorable was Arsenal at Leicester’s ground way back in 1984. There were battles from early in the morning throughout the game and into the evening. Their top boy got done by our main lad in the YTS. Also Coventry at home during the mid 80’s was a great one. Before the game we (the YTS) got done by The Legion on a bridge but after the game our top boy of the Baby Squad organised an ambush and it was enacted perfectly. 200 of us hid in a back street lying in wait and they did not know what hit them! Villa away was a crazy one as well. In the same season we got ran by the C Crew all the way to the ground, this was their main firm. 200 of us went to Villa Park and after the game about 40 of us broke away from the main escort. We headed towards their end of the ground where we ran some Villa lads only to be confronted by an army of them! We tried our best to stand but it was futile and we got ran for a very very long time. If it wasn’t for the police we would have ended up dead by cardiac arrest or battered to death!

As I know mainly all UK firms have black members. But members from India or Pakistan are very rare. Did you have any problems because you´re a Muslim or did you have to be tougher than others to have be accepted?

It is always difficult for ethnic minorities to accepted into any firm initially. But Leicester’s firm had a couple of Asian members (who were much older) so it wasn’t that difficult but it did take time to get in with them. My crew were known as the YTS (Young Trendy Squad) which had Asian members in. At that time, I wasn’t a practising Muslim so it was easy to assimilate into this culture. People talk about integration but in those days you had to assimilate to be a part of any culture.

Top lads of British firms advanced to be celebrities. It´s bit strange as in Germany is everybody hiding their faces. How do you would explain this phenomenon?

Not sure if they are classed as celebrities, but more infamous than famous! British society has always had this fascination with criminal elements (like with the Krays) the general public want to hear their stories. So they get elevated to this ‘celebrity’ status. 

Let´s speak about your book, mate. It was first published in 2012 and your forward is an eye-opener. It shows that beside all the good also the bad will always come back. For the people who don´t know the book please describe in your own words what drove you to write “Khan – Memoirs of an Asian Football Casual “?

In 2009 I saw the rise of the Far Right on the terraces (EDL) and at the same time I saw a small group of Muslim extremists hitting the tabloid headlines. I could see a clash between football hooligans and Muslims in general because the EDL hated ALL Muslims not just the extremists. So I decided there and then to write a memoir about my time as a football hooligan and now as a Muslim. The book was written but was not released until 2012 as no publisher wanted it. Only Paul Hallam from Countdown Books took on the book.  I wanted to bridge a gap between hooligans and Muslims to show that people can live together although being from differing cultures by coming together on commonality.

How long did you work on it and how was the backlash to your youth?

It took me 6 months to write the book and it was surreal going back to my younger days. Recalling the fashions, the friendships and the battles with opposing firms. There wasn’t any backlash but it did bring back a lot of good memories and fun times. Reminiscing on my days as a youth/young man, looking at old photos, music and clothing that was in fashion around that era, very nostalgic! 

For me your book is so special as you torn between two cultures. It´s a story of a modern society. How did react your family, old companions, the football scene and the media after your book was promoted and published?

My family were okay with it because my intent was to educate people. My friends love it as their stories are in the book. The old school Baby Squad lads like it as well but there are 1 or 2 individuals who have said things (not to me) about the book but this is down to jealousy. They lay claim that I wasn’t there, well while they were sitting in the pub drinking beer, we were walking around the streets looking for opposing firms! You will always get haters, you cannot please everyone. The local Media liked the book and promoted it in the local newspapers and radio.

Your book is played at Curve theatre in Leicester from 26th September to 6th October. How does it feel for you to be one of the big sons of your city?

I am shy person and did not want to be thrown into the public domain. But I have had to embrace it out of no choice. The audience that came to watch the play absolutely loved it and it has had great reviews from the major newspapers. It is surreal and overwhelming. I have appeared on television and radio several times now and in a few days I will be hosting a documentary on the BBC.

Let´s speak about the smart dress lads from the terrace. As we all know, Liverpool-Fans claim that they have been the first ones to bring European casual brands like Tacchini, Fila et.al. to England’s terraces. Do you think this is true? How did you see the change in the way football fans dress over the years (from patches and scarfs to designer brands)?

The Scousers were definitely the first, then the Cockneys and Mancs came a little while after. In the 80’s the fashions changed week in week out, or monthly. It was dynamic. For example, in the early 80’s it was golfing gear and tennis gear like Fila, Ellesse, Pringle, Lois jeans and Sergio Tachinni. Then it changed into classic British labels like Burberry and Aquascutum. Then it changed to the Italian Paninaro look with labels like Best Company, Classic Nouveaux and Verte Valle. The fashions would always be changing and I always wanted to be ahead of everyone else in that field but nowadays everyone looks the same. Adidas trainers worn with either Stone Island or CP Company tops. Pretty boring to be honest. I still dress like this although I do try and mix it up a little by wearing something a little different that goes along with these labels. If it wasn’t for the Casuals I think fashion wouldn’t be as it stands today.

You´re saying about yourself you had found your identity in the early 80s when you´ve adopted football´s casual culture. Please tell us more about it. What did you fascinate and what have changed for you then?

At school I never had a sense of belonging because of racism, even with the Pakistani community I never had that either. Being Pathans, there were not that many of us and we didn’t really have a community in Leicester. So, I was neither here or there. With the Casual scene I felt I actually belonged because the lads did not look at your social status or your religion or your creed, football violence was an avenue for young lads to identify with each other. It was all about whether you could fit in. Ethnic minorities were no longer ‘Wogs’ or ‘black bastards’ but we were part of a firm. Like I mentioned earlier I had to assimilate to be accepted. I had to dress, walk, talk, do the same things as everyone else to be socially accepted. The clothes and the friendships fascinated me, the bond we all had through the support of Leicester City. We were all Leicester.  Being part of this meant people recognised you in town, in school the kids wouldn’t really acknowledge you, I was just a quiet boy whom no one really paid attention to unless they were dishing out the verbal abuse. But being a Casual gave you this honourary badge, people knew you belonged to this massive gang because of the way you dressed and the way you held yourself. It gave you confidence and a sense of identity. You could take on any challenge that came your way. And that never leaves you.

Who were the best dressed firm back in the days?

Leicester and Arsenal.

What are for you the masterpieces in your football casual wardrobe?

Cerruti 1881 tracksuit top is probably my favourite piece alongside my Mark 2 Fila BJ Settanta. I also have a thick Stone Island Ghost jumper which I love but hardly wear because it was not cheap!!

Are there some casual brands you (still) like most?

I still like wearing Stone Island although I am more inclined towards the Shadow and Ghost products. I like the recent CP Adidas collaboration where I have purchased the trainers (Samba), sweatshirt and jacket.

And your all-time favourite trainers?

My all-time favourites are………Adidas Granada.

How do you think the British casual and hooligan scene has changed over the last 20-30 years? Did the scene lost today this special one-upmanship spirit?

The one upmanship is gone, as all the labels you can now buy online and is easy to acquire. In the old days you had to go out of town to acquire that special top or be the first to wear an item of clothing. Wearing designer labels was like saying the working class youths were doing well because we could afford the expensive garments. Nowadays, it is not the same. In those days we had a kind of purpose, we were anti-establishment because there wasn’t much for us to do. Unemployment was high and Thatcher (Tories) was closing down youth clubs, money was short and life in general was boring. Football violence gave us that release, we could vent out our frustrations and anger at society in general, basically telling the government that we are here and making a statement. Going back to today, the scene is dead, some are trying to revive it but you don’t see the original top boys doing it now but only those who craved to be at the top or those who were on the fringes in the 80’s. It’s sad really as nearly all the lads I knew have moved on and now all I see are guys whom I don’t recognise.

Riaz, you´re engaged against racism and Islamism and being interviewed by TV and newspapers. And if it´s correct you teach at University and you´re a father. What drives you and how do you set your goals?

What drives me now are my children. Seeing all the hatred on social media and society in general scares me. I fear for my children and what will it be like for them in the future. It scares me that there will be so much hatred out there. Will they get jobs? Will they be marginalised? Will they become refugees or asylum seekers? I feel I have to do something now to build bridges between communities, showing that we can live together although we are different.

There has been a huge changing in the mind of many a football supporter, but today players of other skin colour and/or ethnics are still being offended (e.g. Sweden’s Jimmy Durmaz lately during the World Cup) – do you think politics and football can be strictly separated?

Football has always been a working class sport and the terraces have been manipulated by political factions, this will never stop. Political groups want the support of football fans because football fans can easily mobilise onto the streets, like in recent times with these new obscure groups who claim to be fighting for the working classes when in reality they are being duped by individuals to muster support for their own political gains. There will always be racists, in my times they went underground but with the rise of figures like Trump, racists are becoming more confident but there are good people who will always challenge the fascists and racists. Groups like the FLAF (Football Lads Against Fascism) who have formed to counter balance this undercurrent of hate on the terraces. So the answer to your question is no.

Looking back – if it hadn’t been for football, is there anything you’d rather had your life wasted on? 😉

That is a good question. I think I would have wasted my life in education as education is the key to your future and I learnt this a little late!

Your Book (which is re-printed and again available now), theatre, work as a consultant – it seems it´s never be boring in your life. On which projects you´re currently working?

I am currently in talks with a major TV company to produce the book into production but I cannot say too much to this moment. 

I wish you all the best for the future, Riaz. Your book wasn´t not only a good read as I have a Palestine/Syrian father and a German mother. So I could feel in few passage of your book what you´ve exactly want to say. I´m already excited to hear from you in the near future. The last words are you. Say what you want to say.

Be good to people, it doesn’t cost much to show kindness to those whom are weaker or in need. We are on this earth for a short period, don’t be the one that everyone hated, be the one that everyone will remember as a good person.

Riaz Khan | Memoirs of an Asian Casual
Link to the book here