Fliegende Bierbecher, überfüllte Sonderzüge, verregnete Away Days und irgendwo dazwischen immer wieder dieses unverkennbare Karomuster. Die Geschichte von Aquascutum spielt eben nicht nur zwischen Regent Street, britischem Hochadel und 175 Jahren Outerwear-Tradition. Ein nicht ganz unerhebliches Kapitel wurde auf den Terraces und in den Pubs rund um Englands Fußballstadien geschrieben.

Spätestens mit dem Aufkommen der Football Casuals wurde Aquascutum Teil jener eigentümlichen Verbindung aus Fußball und Mode, bei der es am Wochenende mindestens genauso wichtig war, was auf der Tribüne getragen wurde, wie das, was unten auf dem Rasen bzw. davor, während und danach passierte. Nicht unbedingt eine Verbindung, die man sich in irgendeiner Marketingabteilung ausgedacht hatte. Denn natürlich gehörten zu dieser Welt nicht nur perfekt kombinierte Jacken, Crewnecks und Trainer. Es ging um Rivalitäten, Firms, Polizeikessel und gelegentlich auch handfeste Auseinandersetzungen. Vor allem aber entwickelte sich rund um die britischen Terraces eine eigene Modekultur, deren Einfluss längst weit über den Fußball hinausreicht. Hinzu kommt der britische Schauspiel Geoff Bell (Green Street Hooligans, Mobland, etc.), der mittlerweile als das Gesicht der Marke gewonnen werden konnte.

Und mittendrin immer: Aquascutum mit dem Club Check. Ein Muster, das eigentlich nach britischer Gediegenheit aussieht, aber über die Jahrzehnte vermutlich mehr Auswärtsblöcke, Pubs, Bahnhöfe und eskalierte Derbytage gesehen hat, als seinen ursprünglichen Schöpfern lieb gewesen wäre.
Vielleicht liegt genau darin bis heute ein Teil des Reizes von Aquascutum. Das Zeug besitzt diese herrliche Ambivalenz zwischen britischem Establishment und Terrace Culture. Zwischen gepflegtem Mantel und fliegendem Pint. Zwischen „Good afternoon, Sir“ und „See you outside“.

Unter dem Namen Aquascutum-Active wird die sportlichere Seite des britischen Traditionshauses derzeit ziemlich konsequent weiterentwickelt. Und wenn eine Marke mit derart viel Fußballgeschichte dann auch noch eine Kollaboration mit dem schwedischen Erstligisten Djurgårdens IF und mit Ascoli Calcio in der Seria B eingeht, kann man zumindest behaupten: Der Weg zurück auf in die Kurve ist nicht besonders weit.
Passend dazu passiert bei Aquascutum Active gerade einiges. Vergangene Woche eröffnete die Sportswear-Linie ihren ersten Flagship Store in Rom – ein ziemlich passender Ort, schließlich wird Aquascutum Active vom ebenfalls in der italienischen Hauptstadt ansässigen Unternehmen Icons Srl in Lizenz geführt.

Doch ein neuer Laden allein macht noch keinen Frühling. Oder Winter. Oder AW26/27. Auch personell gab es nämlich einen ziemlich prominenten Neuzugang: Alessandro Pungetti wurde zum ersten Creative Director von der Marke ernannt. Wem der Name nichts sagt, dem sagen vermutlich seine bisherigen Stationen etwas: Stone Island, C.P. Company und Ten c.
Mit anderen Worten: Der Mann weiß ziemlich genau, wie man Jacken und Apparel baut, über die Männer mittleren Alters anschließend 45 Minuten lang sprechen können. Viel mehr italienischer Sportswear-Adel lässt sich eigentlich kaum in einem Lebenslauf unterbringen. Und Pungetti soll nicht nur die Menswear weiterentwickeln. Zukünftig ist auch eine eigene Damenkollektion geplant.

Zeit also, sich etwas genauer anzuschauen, wohin die Reise bei Aquascutum Active geht.

„British tradition, contemporary engineering“ lautet die Marschrichtung für AW26/27. Das klingt zunächst natürlich nach einer dieser Formulierungen, die sich hervorragend in Pressemitteilungen machen. Bei Aquascutum steckt dahinter aber durchaus eine interessante Idee.Die mittlerweile 175-jährige britische Outerwear-Tradition soll nicht einfach aus dem Archiv gezogen, abgestaubt und mit einem neuen Preisschild versehen werden. Stattdessen versucht Aquascutum Active, die DNA der Marke mit modernen Materialien, modularen Konstruktionen und einer ordentlichen Portion Funktion ins Hier und Jetzt zu übersetzen.
Oder, um es mit dem eigenen Credo der Marke zu sagen: „Every Aquascutum Active garment starts with a fabric built to a spec, not a trend.“

Und Stoffe gibt es einige. Da wäre zum Beispiel COTYL-NC, eine Nylon-Baumwoll-Mischung mit leicht strukturierter Oberfläche. Nylon bringt Widerstandsfähigkeit und Stabilität mit, die Baumwolle sorgt dafür, dass sich das Ganze nicht nach einem Kleidungsstück für die nächste Marsmission anfühlt. Robust, atmungsaktiv und mit einer Haptik, die eher nach guter Jacke als nach Plastikplane schreit.

CRIMP-N setzt dagegen komplett auf Nylon und kommt mit einer unregelmäßigen, fast schon zerknitterten Oberflächenstruktur daher. Das Material ist wasser- und schmutzabweisend behandelt, winddicht und gleichzeitig atmungsaktiv. Also ziemlich genau das, was man von moderner Urban Outerwear erwartet, wenn der November mal wieder beschlossen hat, gleichzeitig Regen, Wind und schlechte Laune zu liefern.

Dann wäre da noch LAMINA-N. Hier wird es besonders interessant, denn das Material ist Teil eines Detachable Systems, mit dem sich ein Kleidungsstück in drei unterschiedlichen Varianten tragen lässt. Die leichte, abriebfeste Außenschicht wird mit einem gesteppten PrimaLoft®-Innenlayer kombiniert. Zusammen bekommt man Wärme und Wetterschutz, getrennt voneinander eine leichte Shell beziehungsweise einen isolierenden Midlayer.

Und damit sind wir noch lange nicht durch. Therma-S, Tri-Shield und weitere Materialtechnologien spielen ebenfalls eine Rolle. Bevor wir hier allerdings endgültig in einem Textiltechnik-Seminar landen: Schaut beim jeweiligen Piece einfach genauer hin. Es gibt einiges zu entdecken.

Kommen wir endlich zu den Klamotten.
Mein persönliches Highlight bei den Strickwaren ist der Cotton Knit FZ Sweater. Im Grunde ein Full-Zip-Strickpullover aus weicher Baumwolle – allerdings wäre „Strickjacke“ als Beschreibung ungefähr so präzise wie „Auto“ für einen Range Rover.
Aquascutum Active überträgt hier seine Outerwear-Sprache ziemlich gelungen auf Knitwear. Kragen und Taschen bestehen aus technischem Nylon, im Mock Neck versteckt sich eine abnehmbare, mit dem berühmten Club Check gefütterte Kapuze und vorne läuft ein durchgehender YKK-Zipper entlang. Dazu kommt eine aufgesetzte Bellows Pocket aus kontrastierendem Funktionsmaterial sowie eine kleine Reißverschlusstasche am Ärmel. Dort sitzt natürlich auch das Aquascutum Active Badge. Gerippte Bündchen und Saum halten das Ganze optisch angenehm sauber.

Gefällt mir leider ausgesprochen gut. Leider deshalb, weil der Preis nach meinem Argentinien-Trip noch ein bisschen mehr schmerzt als ohnehin schon. Aber Weihnachten kommt ja bekanntlich jedes Jahr. Mal schauen, was das Weihnachtsgeld dazu sagt.

Ebenfalls stark ist der Cotton Knit Crewneck Sweater. Raglanärmel, entspannter Fit, gerippter Kragen, Bündchen und Saum – zunächst einmal alles relativ klassisch.
Die Musik spielt hier am linken Ärmel. Dort sitzt eine kontrastierende technische Flap Pocket mit Drawcord und zwei Toggles. Am Rand lugt ein Stück Club Check hervor, auf der Tasche sitzen Badge und Aquascutum-Active-Schriftzug. Ein kleines Detail, das aus einem ansonsten ziemlich zurückhaltenden Crewneck genau das macht, was man von der Active-Linie erwartet.

Die Kollektion ist wirklich umfangreich. Sehr umfangreich sogar. Würden wir jedes einzelne Piece durchgehen, könntet ihr euch vermutlich zwischendurch Abendessen machen und danach weiterlesen. Deshalb nehmen wir die Abkürzung direkt zur Outerwear.
Und dort beginnen wir mit dem TRI-SHIELD 3-Way Parka. Der Parka gehört seit Generationen zum Aquascutum-Kosmos und wird für Aquascutum Active technisch ordentlich aufgerüstet. Das Prinzip ist schnell erklärt: drei Jacken in einer.

Der Parka lässt sich komplett mit eingezippter Innenjacke tragen, die äußere Shell funktioniert solo und auch die herausnehmbare Innenjacke kann eigenständig getragen werden. Das Detachable System verbindet beide Teile über einen umlaufenden Reißverschluss samt Druckknöpfen.
Die äußere Jacke besteht aus Tri-Shield, einem dreilagigen Polyestergewebe mit hoher Wasser- und Windbeständigkeit bei gleichzeitiger Atmungsaktivität. Dazu gibt es einen durchgehenden YKK-Zipper unter einer Druckknopf-Sturmleiste, Kapuze, Hüfttaschen und natürlich das Active Badge am Ärmel.

Innen wird es fast noch interessanter: Technical Knit, verschweißte Seam Tapes mit Aquascutum-Active-Branding, Club Check und Crest Label. Hier hat sich jemand offensichtlich Gedanken darüber gemacht, wie eine Jacke auch dann aussehen soll, wenn man sie gerade nicht trägt.
Die herausnehmbare Innenjacke besteht wiederum aus Flex-N, einer Nylon-Elastan-Mischung mit Stretch, und ist mit PrimaLoft® Gold isoliert. Horizontale Steppkammern, eigene Kapuze, YKK-Zipper, Reißverschlusstaschen und Club Check am Stehkragen machen sie auch solo absolut tragbar.
Das ist Modularität, die tatsächlich Sinn ergibt und nicht nur deshalb existiert, damit irgendwo „3-in-1“ auf einem Hangtag stehen kann.

Für diejenigen unter euch, die grundsätzlich der Meinung sind, dass man eigentlich nie genug Club Check besitzen kann, wird es jetzt interessant. Die COTYL-CN Reversible Jacket ist nämlich eine echte Wendejacke.
Auf der einen Seite bleibt alles relativ dezent. Navy beziehungsweise Black, zurückhaltend und absolut spieltagtauglich. Einmal auf links gedreht, kommt dagegen der komplette Club Check zum Vorschein – inklusive Diamond Quilting über die gesamte Jacke.

Zwei ziemlich unterschiedliche Looks in einem Piece. Am Spieltag also lieber bedeckt halten, danach in der Kneipe einmal umdrehen. Check mate.
Die Jacke besteht aus dem namensgebenden COTYL-CN, einer leichten Mischung aus 68 Prozent Baumwolle und 32 Prozent Nylon. Das Double-Face-Konzept ist dabei nicht bloß ein netter Partytrick: Beide Seiten wirken tatsächlich wie eigenständige Jacken und nicht wie Außenjacke plus Innenfutter, das man aus irgendeinem Grund nach außen gekehrt hat.

Auch bei den Accessoires lässt Aquascutum-Active für AW26/27 nicht locker. Die Headwear-Auswahl wurde deutlich ausgebaut und umfasst unter anderem verschiedene Caps und Bucket Hats. Wer sich die Karos nicht gleich als komplette Jacke überziehen möchte, bekommt diverse Schals mit unterschiedlichen Interpretationen des ikonischen Musters. Vermutlich die etwas risikoärmere Einstiegsdroge in die Aquascutum-Welt.

Das hier war tatsächlich nur ein kleiner Ausschnitt aus der neuen Kollektion. Aquascutum Active fährt für AW26/27 ordentlich auf und versucht dabei, die eigene Geschichte nicht zum Selbstzweck werden zu lassen. Und genau das macht die Sache interessant.

Club Check und britische Outerwear-Tradition sind weiterhin deutlich sichtbar, treffen inzwischen aber auf PrimaLoft, modulare Systeme, technische Stoffe und einen Designansatz, der sich stärker mit moderner Sports- und Urbanwear beschäftigt als mit dem bloßen Verwalten eines 175 Jahre alten Archivs. Mit Alessandro Pungetti als Creative Director dürfte es ohnehin spannend werden zu sehen, wohin sich Aquascutum-Active in den kommenden Saisons entwickelt.

Wer jetzt neugierig geworden ist, sollte sich am besten selbst einmal durch die neue Kollektion klicken. Es gibt dort definitiv mehr zu entdecken, als ich euch an dieser Stelle zumuten wollte. Eigentlich hätte ich euch Aquascutum Active gerne noch etwas ausführlicher und im Rahmen eines Interviews vorgestellt. Aber was nicht ist, kann ja noch werden.

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Source: Aquascutum-Active