Es kommt irgendwann der Moment, an dem man feststellt, dass man vielleicht nicht für den Rest seines Lebens aussehen möchte, als wäre man gerade auf dem Weg zum Skatepark. Das heißt natürlich nicht, dass plötzlich Sakko, rahmengenähte Schuhe und eine erschreckend umfangreiche Sammlung an Einstecktüchern Einzug in den Kleiderschrank halten müssen. Man kann schließlich erwachsen werden, ohne dabei alt auszusehen.
Und genau an dieser Stelle kommt Kestin ins Spiel.

Die schottische Menswear-Marke verbindet traditionelle britische Einflüsse mit funktionaler Outdoor-Bekleidung und einem angenehm zeitgemäßen Design. Oder anders gesagt: Kleidung für Menschen, die sich morgens vernünftig anziehen möchten, ohne anschließend auszusehen, als hätten sie einen wichtigen Termin bei der Bank.
Gegründet wurde Kestin von Designer Kestin Hare in Edinburgh. Die Inspiration liegt entsprechend ziemlich direkt vor der Haustür: Schottlands Landschaften, seine Sport- und Outdoor-Kultur und natürlich die ausgesprochen reiche Textilgeschichte des Landes.
Entsprechend finden sich in den Kollektionen immer wieder Anleihen bei klassischer britischer Outdoor-, Military- und Sportswear. Feldjacken, Overshirts, Strickwaren und traditionelle Stoffe werden dabei nicht einfach reproduziert, sondern vorsichtig ins Hier und Jetzt übersetzt. Die Silhouetten sind aufgeräumt, die Farben häufig angenehm zurückhaltend und die Details funktional, ohne gleich nach Survival-Wochenende auszusehen.
Besonders stark ist Kestin traditionell beim Thema Outerwear. Jacken und Mäntel orientieren sich an klassischen Field Jackets, Militäruniformen und britischer Outdoor-Bekleidung, werden aber durch moderne Schnitte und Materialien deutlich alltagstauglicher gemacht. Dazu kommen Hemden, Overshirts, Hosen und Knitwear – darunter natürlich auch Strick, der sich unverkennbar bei traditionellen Fair-Isle-Mustern bedient.
Das Ergebnis sitzt irgendwo zwischen Edinburgh, Highlands und zeitgenössischer Menswear. Und genau dort gefällt es uns ziemlich gut. Denn eine schottische Marke wäre vermutlich nur bedingt glaubwürdig, wenn sie beim ersten ordentlichen Regenschauer kapitulieren würde.

Mit Outdoor Garments betreibt Kestin deshalb ein fortlaufendes Projekt, das sich speziell technischer Outerwear widmet. Die Idee dahinter ist denkbar einfach: Kleidungsstücke zu entwickeln, die mit dem notorisch unberechenbaren schottischen Wetter zurechtkommen – dabei aber weiterhin so aussehen, dass man sie auch tragen möchte, wenn gerade kein horizontaler Regen durchs Gesicht peitscht.
Ein gutes Beispiel dafür ist die Cuillin Down Jacket. Außenmaterial und Futter bestehen aus 100 Prozent recyceltem Nylon-Ripstop, ergänzt durch eine PFC-freie DWR-Behandlung für zusätzlichen Wetterschutz. Ihre charakteristische, zwiebelförmige Steppung hält eine RDS-zertifizierte Daunenfüllung mit 600 Fill Power an Ort und Stelle.
Das Resultat ist warm, leicht und atmungsaktiv – also ziemlich genau das, was man von einer Winterjacke erwartet. Nur eben ohne den Look eines wandelnden Schlafsacks.
Noch eine Stufe wetterfester wird es mit dem Gullane Storm Parka. Der verbindet Isolation mit echtem Wetterschutz und ist damit für jene etwas unangenehme Jahreszeit gedacht, die irgendwo bei „eigentlich reicht eine Jacke“ beginnt und bei „warum wohne ich nicht in Süditalien?“ endet.
Seine Außenschicht besteht aus 100 Prozent recyceltem Nylon in einem zweilagigen Canvas-Gewebe. Vollständig versiegelte Nähte und eine C0-DWR-Behandlung sollen Regen draußen halten, während auch das glatte Innenfutter aus recyceltem Nylon gefertigt wird. Ein ziemlich technisches Paket, das erfreulicherweise nicht danach aussieht.

Überhaupt sind Materialien ein wichtiger Teil der Kestin-DNA. Wolle, Baumwolle, Cord, Fleece und technische Gewebe ziehen sich durch die Kollektionen. Dabei geht es weniger um spektakuläre Stoffe fürs Etikett als um Haptik, Haltbarkeit und Funktion. Die Sachen sollen getragen werden. Oft. Und möglichst lange.
Vielleicht ist das letztlich auch der interessanteste Punkt an Kestin: Die Marke versucht nicht, britische Tradition als Kostüm zu verkaufen. Stattdessen nimmt sie Dinge, die sich seit Jahrzehnten bewährt haben, und fragt, wie sie heute aussehen und funktionieren sollten.



Source: Kestin
Kestin | Menswear aus Schottland
