Die meisten von uns tragen irgendeine leicht verklärt-romantische Version der Küste mit sich herum. Vielleicht ist es ein leerer Strand, auf dem nur die eigenen Fußspuren im Sand zurückbleiben. Vielleicht eher blinkende Spielautomaten, Möwen auf Beutezug und das Geräusch von Kleingeld, das irgendwo auf einem windigen Pier verschwindet. So oder so: Das Meer steht meistens für Flucht. Für Urlaub. Für dieses ganz bestimmte Gefühl, den Kopf endlich mal auszuschalten und die Realität für ein paar Tage im Hotelsafe einzuschließen.

Für die neue Kollektion steuert Stone Island Marina in erster Linie nicht die Postkartenmotive an, sondern direkt den arbeitenden Yachthafen. Fotografiert entlang der ligurischen Küstenlinie, zwischen Segelbooten, sonnengebleichten Stegen und diesen Orten, an denen ständig irgendetwas klappert, rostet oder repariert wird. Salz liegt in der Luft, Taue ziehen sich schwer übers Holz und Metall wird den ganzen Tag von Sonne und Meer bearbeitet. Denn für manche Menschen ist das Wasser eben kein Sehnsuchtsort, sondern Arbeitsplatz.
Menschen arbeiten hier zu Uhrzeiten, zu denen die meisten noch versuchen, ihren ersten Kaffee zu finden. In Marinas, Häfen und Docks wird festgemacht, verladen, geschliffen und repariert — bei Wind, Regen oder gleißender Sonne. Genau dort setzt Stone Island Marina an. Nicht als nautisches Styling-Spiel, sondern als funktionelle Hommage an jene, die sich auf ihre Kleidung verlassen müssen, ohne groß über sie nachzudenken.

Und genau deshalb funktioniert die Kollektion so gut. Sie schaut nicht romantisiert aufs maritime Leben, sondern geht näher ran. Direkt an die Quelle. Ausgehend vom nautischen Erbe der Marke greift Stone Island Marina ikonische Archive-Pieces auf und übersetzt sie für 2026 neu — mit modernen Materialien, technischen Veredelungen und jener obsessiven Materialforschung, die man von Stone Island inzwischen fast erwartet. Überall tauchen Details klassischer Yachting-Kleidung auf, ergänzt durch das markante Marina-Branding, das aussieht, als hätte es schon ein paar Jahrzehnte Salzwasser hinter sich.

Stone Island Marina erschien erstmals 1983 — gerade einmal ein Jahr nach der Gründung von Stone Island selbst. Damit gehört die Linie zu den frühesten und ehrlichsten Ausdrucksformen dessen, wofür die Marke ursprünglich einmal stand: funktionelle Kleidung, entstanden aus echter Obsession für Material, Bewegung und Zweck. Gleichzeitig erzählt Marina auch viel über die große Leidenschaft von Gründer Massimo Osti selbst. Seine Faszination für das Meer, nautische Uniformen und technische Arbeitsbekleidung zieht sich bis heute durch die DNA der Kollektion — nicht nostalgisch, sondern mit dieser typisch italienischen Mischung aus Forschung, Funktion und unterschwelliger Coolness.

Besonders stark ist die Rückkehr einer klassischen Sailing Jacket aus den frühen Achtzigern. Faltbare Kapuze, gummierte Verschlüsse und Holzdetails, die wirken, als kämen sie direkt aus einer alten Bootswerkstatt irgendwo am Hafenbecken. Daneben steht ein Coach Jacket aus 2/2 Cotton Twill mit Batavia-Webung — griffig, strukturiert und angenehm ehrlich. Beide Pieces bestehen aus garment-dyed Nyco, einer Nylon-Baumwoll-Mischung, die den Farben diese typische Stone-Island-Tiefe verleiht. Wie ausgebleichte Signalflaggen, sonnenverbrannte Persenninge oder Stoffe, die schon mehrere Sommer auf Deck erlebt haben.

Und vielleicht ist genau diese Atmosphäre das eigentliche Highlight der Kollektion. Zwischen Betonplatten wachsen plötzlich Blumen, Seile liegen schwer auf warmem Holz und das Abendlicht nimmt dem kalten Stahl jede Härte. Die Marina wird hier nicht als Luxuskulisse inszeniert, sondern als lebendiger Ort voller Routinen, Gebrauchsspuren und Geschichten.

Stone Island Marina versteht maritime Kleidung eben nicht als Kostüm für einen Aperitivo am Hafen, sondern als etwas, das Vertrauen schaffen muss. Kleidung, die Wind aushält. Kleidung, die funktioniert. Kleidung, über die man gar nicht erst nachdenken will, wenn draußen das Wetter umschlägt und die Arbeit längst begonnen hat. Aber am Ende immer noch verdammt gut aussieht.

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Source: Stone Island