Ben Sherman war eine der ersten Marken, die Anfang der 90er ganz selbstverständlich in meinen Kleiderschrank rutschten. Damals ging es um Fußball, Musik – und um diesen ersten intensiven Kontakt mit einer Subkultur, die bis heute nachwirkt. Ben Sherman fühlte sich anders an: der Look, die leicht anrüchige Werbung, die enge Verbindung zu Mods, später zu den Skinheads, Punks und der britischen Fußballkultur. Authentizität war hier kein Marketingbegriff, sondern gelebte Realität. Viele Marken versuchen bis heute, genau das zu sein, was Ben Sherman damals ganz natürlich verkörperte.

Gerade die Verbindung zur Mod-Bewegung hätte enger kaum sein können. Die britische Jugendkultur nahm das Ben Sherman-Hemd begeistert an – wegen der Qualität, der schmalen Silhouette, der Farben und der unverwechselbaren Details. Das Hemd war revolutionär, genauso wie die Mods selbst. Mode und Musik machten London wieder cool, die Swinging Sixties waren auf ihrem Höhepunkt, die Stimmung euphorisch. Und an den Stränden ging es die Rockers auf die Nuss.
Dann der harte Schnitt. Im Zeitraffer verlor Ben Sherman seine klare Identität. Neue Eigentümer, austauschbare Kollektionen, wenig Haltung. Leider ein Zustand, der sich bis heute zieht. Seit einigen Jahren scheint es auf der Insel fast Pflicht zu sein, sich mit mehr oder weniger relevanten musikalischen Newcomern zu schmücken. Kampagnen nach Baukastenprinzip: mindestens zwei Bandmitglieder, ein Instrument, viel Pose – wenig Substanz. Die Mode wirkt dabei oft genauso beliebig wie die Idee dahinter. Schwierig. Sehr schwierig.
Und trotzdem: Ganz abschreiben kann man Ben Sherman nicht. Denn die Klassiker funktionieren nach wie vor. Oder wie man heute sagt: die „Icons“. Die Harrington Jacket. Piqué-Polos. Oxford Shirts. Das legendäre House-Check-Hemd. Und natürlich das Mod-Target-T-Shirt. Teile, die nicht erklären müssen, warum sie relevant sind.

Mit der aktuellen Autumn/Winter ’25 Signature Collection schlägt Ben Sherman nun ein neues Kapitel auf – oder zumindest ein bekanntes in neuem Setting. Highland Escape führt stilistisch in die schottischen Highlands, wo Ivy-League-Einflüsse auf raue Natur, erdige Farben und traditionelle Muster treffen. British Heritage wird hier mit zeitgemäßer Zurückhaltung kombiniert.
Im Fokus steht Outerwear: eine Harrington Jacket aus Sateen, Highland-inspirierte Check-Jackets und Overshirts, die sich gut mit Layering-Pieces kombinieren lassen. Dazu kommen strukturierte Cardigans, gestrickte Teile mit Charakter, twisted-yarn Shirts und gestreifte Fair-Isle-Sweater. Alles wirkt ok, aber so mir fehlt immer noch das Besondere.
Die AW25 Signature Collection ist ohne Frage ganz gut gemacht. Sie ist stimmig, tragbar und respektiert das Erbe der Marke. Und trotzdem bleibt ein Wunsch offen: weniger Lagerfeuer-Romantik, mehr Gegenkultur. Weniger Anpassung, mehr Haltung. Ben Sherman war einmal ein Statement – nicht nur Kleidung.
Für die Zukunft wünsche ich mir, dass die Marke diesen Gedanken wieder ernster nimmt und ihr eigenes Ding durchzieht, statt im Gleichklang mit anderen Brands zu verschwimmen. Fingers crossed.
Ben Sherman Homepage · Instagram




Source: Ben Sherman
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