Sapeur OSB im Gespräch mit Mark und Neil von Hikerdelic

Neil Summers und Mark Smith aus Stockport kann man wohl getrost als zwei positiv Bekloppte bezeichnen, die mehr als nur die Leidenschaft für schicke Jacken, schniekes Schuhwerk und hochwertigen Schnickschnack vereint. Seit nunmehr 30 Ausgaben schreiben die beiden Nordengländer darüber auch in ihrem eigenen Magazin, dem Proper Mag – und haben vor einiger Zeit mit Hikerdelic auch ihr eigenes Label an den Start gebracht. Und auch hier kleckern die beiden nicht, sondern klotzen gleich ordentlich ran: Nach einer ersten Kollabo mit Topo Designs und einer ersten eigenen Kollektion an Shirts, Sweatern und Jacken haben sich die beiden für das nächste Projekt gleich mal keinen Geringeren als Barbour geschnappt. Wir haben uns mit Neil über Hikerdelic, Collabos und die typisch britische Vorliebe für Outdoor-Jacken unterhalten.

For the interview in English please scroll down.

Gude Neil! Viele unserer Leser kennen Mark und Dich vermutlich bereits als Macher des Proper-Magazins. Für alle anderen: Stellt euch und das Heft doch bitte mal kurz vor.

Mein Kumpel Mark und ich haben das Proper Magazine vor gut 15 Jahren als Fanzine ins Leben gerufen. Damals haben wir noch beide zusammen in einem ziemlich festgefahrenen Job gearbeitet, aus dem wir auch irgendwie raus wollten. Das Heft sollte zum einen unsere Antwort sein auf ein „Casual-Fanzine“, das wir uns mal gekauft hatten und das ehrlich gesagt ziemlich schlecht geschrieben war. Außerdem wollten wir den ganzen kommerziellen Lifestyle-Magazinen was entgegen setzen, in denen es nur um Uhren für 10.000 Pfund geht oder darum, wie man am besten einen Smoking trägt, sowas halt. Mark hat später angefangen, bei Oi Polloi zu arbeiten und ich hab einen Job beim Fernsehen bekommen, aber wir haben das Magazin weiterhin sporadisch rausgebracht. Vor vier Jahren haben wir uns dann entschlossen, Proper ebenso als Vollzeit-Job zu machen wie Foto-, Video- und Schreibarbeiten für die unterschiedlichsten Marken und Läden.

Wie kam’s dann dazu, dass ihr selbst von Menswear-Afficionados zu Klamotten-Designern geworden seid? Was war der Anlass, das Label Hikerdelic ins Leben zu rufen?

Weißt Du, es fühlte sich irgendwie logisch an, wenn man so viel Zeit damit verbringt, über Kleidung zu reden, auch irgendwann selbst welche zu machen. Wie beim Proper Magazine sind wir da mit genau der selben Einstellung rangegangen, nämlich was zu machen, das wir selbst mögen. Dass andere Leute da auch drauf abgehen, ist eigentlich nur ein massiver Bonus, nehme ich mal an…

Was bedeutet der Begriff „Hikerdelic“ eigentlich genau und wofür steht er? Irgend ein beabsichtigter Zusammenhang zwischen Wandern und Psychedelia?

Unterm Strich ist der Name eine Referenz an die ganze bunte Outdoor-Kleidung. Die war in unserem Leben immer eine wichtige Konstante – schließlich war es das, was wir überwiegend getragen haben, wenn wir zu Raves, Konzerten oder Fußballspielen gegangen sind.

Was denkst Du, warum Outdoor- und Wanderklamotten grade bei den Leuten aus dem Norden und Nordosten Englands so extrem beliebt sind?

Ich denke, dass etwas rebellisches in dem Aspekt drinsteckt, Sachen zu tragen, die eigentlich gar nicht für einen gemacht sind. Und zum anderen hat das ja auch noch einen ganz funktionalen Zweck – hier oben regnet’s einfach verdammt viel.

Du hast es ja schon kurz angesprochen, Neil: Was waren denn so die Sachen, die ihr selbst in eurer Jugend getragen habt? War dieses Outdoor-Ding damals schon so populär? Und wer hat das getragen?

Als ich aufgewachsen bin, hab ich so ziemlich alles getragen und hab auch viele unterschiedliche Phasen durchgemacht. Erst als 1988 die Acid-House-Welle losging hab ich aber auch erst so richtig damit angefangen, Outdoor-Marken zu tragen. Meine Favoriten waren damals Berghaus und Mountain Equipment. Die hatten einerseits verdammt nette Farbkombis und waren obendrein noch schön warm – nicht ganz unwichtig wenn du vorher zehn Stunden am Stück in nem alten Lagerhaus durchgetanzt hast.

Lass uns mal über Eure Collabo mit Barbour reden. Wie kam’s dazu? Haben die euch einfach so kontaktiert? Und wie war es, mit diesen Outdoor-Urgesteinen zu arbeiten?

Ich hatte vor ungefähr einem Jahr das Glück, Ian Bergin interviewen zu können, den Leiter der Menswear-Abteilung bei Barbour. Vor dem Gespräch hab ich ihm ein Paar Hikerdelic-Socken in die Hand gedrückt. Er schien beeindruckt und schlug vor, dass wir mal was zusammen machen sollten. Anfangs dachte ich noch, dass er einfach nur höflich sein wollte, aber wir haben noch lange nach dem eigentlichen Interview darüber gesprochen. Es gab dann einige Treffen mit Ian und Chefdesigner Gary Janes – und jetzt passiert das Ganze wirklich!

Und was kam dann dabei rum? Was erwartet uns bei der Hikerdelic x Barbour-Kollektion?

Es gibt zwei Jacken, die „Pitt“ und die „Whitworth“, einen Bucket Hat aus Cord, eine Tasche namens Tarras und zwei Schals.

Als ich in den 80ern meine erste „Beaufort“ bekam, war Barbour hier in Deutschland noch eher eine Marke für Besserverdiener und Snobs mittleren Alters. Heute ziehen sie auch eine deutlich jüngere Kundschaft an. Wie denkst Du schafft es eine Marke, glaubhaft ihrer Geschichte treu zu bleiben und zugleich hip und angesagt zu werden?

Ich denke, dass Barbour zu jenen Marken gehört, die einfach so gute Sachen machen, dass sie früher oder später jeder tragen will. Unabhängig von Trends und Modeströmungen ist die Wachsjacke von Barbour einfach ein essenzielles Kleidungsstück. Klassisch und klassenlos zugleich – also ganz anders als das letzte Jahrhundert. (Der letzte Satz verliert etwas in der Übersetzung. Überhaupt bestechen Neil und Mark ja durch grandiose Schreibe und reichlich Wortwitz, die aber meistens nur im Original funktionieren. Deshalb einfach mal ne Propermag-Ausgabe lesen, dann wisst Ihr, was ich meine… – Anm. des Übersetzers)

Barbour ist ja bekannt für seine Qualität und seinen Reparaturservice. Wie viel Aufwand habt ihr in die Entwicklung der gemeinsamen Kollektion gesteckt, etwa bei der Wahl der Materialien und der Details?

Um ehrlich zu sein ging unser Input direkt über den Tisch an Gary, den Designer, dem wir erklärt haben, wofür Hikerdelic steht. Er hat dann versucht, das in verschiedene Barbour-Stücke umzusetzen. Es gab ein paar Sample-Runden, aber wir mussten da nur noch wenig dran verändern, weil Gary von vorneherein ganz gut verstanden hat, worauf wir hinauswollen. Zu behaupten, dass wir mit dem Resultat zufrieden sind, wäre aber wohl die Untertreibung des Jahrhunderts. Das Resultat übertrifft definitiv unsere wildesten Jackenträume!

Auf eurem Instagram-Account sind inzwischen Bilder einer weiteren Collabo von euch aufgetaucht. Kannst Du uns schon was darüber erzählen? Ist ein Schuh, oder?

Ja, wir haben drei Hikerdelic-Versionen vom Kickers „Kick Hi“ gemacht. Das ist ein ziemlich bedeutendes Modell, was britische Jugendkultur angeht. Eine weitere Collabo, über die wir uns verdammt freuen und eigentlich gar nicht so richtig glauben können, dass das tatsächlich passiert.

Okay, Neil, letzte Frage: Wenn Du einen perfekten Soundtrack für einen Hikerdelic-Trip zusammenstellen würdest – welche Songs wären dabei?

Big Rock Candy Mountain – Harry McClintock
Windy Day – Greasy Bear
I Like Birds – Eels
Getaway – Blossoms
The Mountain Will Fall – DJ Shadow
River Man – Nick Drake
It’s Raining – The Detroit Cobras
Wandering Star – Bomb the Bass
Electric Mountain – Jane Weaver
Gimme Shelter – Merry Clayton

Grandiose Zusammenstellung, Neil! Vielen Dank für Deine Zeit und „Keep on Tripping“!

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——- The Interview in English starts here ——-

A chat with Mark and Neil from Hikerdelic

Many of our readers may know you as the men behind Proper magazine. For those who dont: who are you and what made you start the mag?

Proper Magazine started off over 15 years ago as a fanzine created by myself and my mate Mark when we were working in a dead end job together. We created it as a reaction to a ‘casual fanzine’ we’d bought that we thought was pretty poorly written and also as an antidote to all the commercial magazines out there that were just talking about £10k watches and how to wear a tuxedo. Mark went on to work at Oi Polloi and I got a job in television but continued to do the magazine sporadically until four years ago when we started to do the magazine full time as well as doing lots of photo/video/writing work for various menswear brands and retailers.

Then, what made you change from admirers of the finest gear to designing your own? What made you want to start the label Hikerdelic?

It felt like a logical thing to do if you spend lots of time talking about clothing to actually make some yourself. Like the magazine we made it from a selfish point of view in that it was just something that we ourselves really like. The fact that other people are really into it is just a massive bonus I suppose.

What does the term Hikerdelicmen and what does it mean to you? Is there a link between hiking and the lifestyle that goes along with it and psychedelia?

In essence it’s a reference to the colourful ‘out there’ outdoor clothing that’s been a constant in our lives, predominantly worn when attending raves or gigs or football matches.

Why do you think the people in the North / North West of the UK in particular is so obsessed with outdoor and hiking gear?

I think there’s an element of rebellion in that we like to wear stuff that we’re not really supposed to, matched up with a very functional aspect i.e it rains loads here.

What sort of stuff did you mainly wear yourself when growing up? Was the outdoor thing already popular then? Who wore it?

Growing up I wore everything and went through lots of different phases but I guess when acid house arrived in 1988 that’s when I started wearing outdoor brands. Berghaus and Mountain Equipment were my go to brand back then as they used really nice colours and were great at keeping you warm after dancing for 10 hours all night in a warehouse.

Let’s talk about your collab with Barbour: How did this happen? Did they get in touch with you? And how was working with the guys?

I was lucky enough to interview their head of menswear Ian Bergin just over a year ago and before the interview I gave him a pair of Hikerdelic socks. He was instantly impressed and suggested we should do something together. Initially I thought he was just being polite but the conversation continued long after the interview and we had several further meetings both with Ian and the head designer Gary Janes and now it’s actually happening!

What will the Hikerdelic x Barbour collection consist of?

There are two jackets (Pitt & Whitworth), a cord bucket hat, a tarras bag and two scarves.

When I got my first Beaufort Jacket in the 80s, Barbour over here in Germany was still considered to be a brand solely for the middle-aged upper class/bourgeois kind of lot. Nowadays they also attract a very young and trendy crowd. Do you think it is possible (and important?) for a brand to keep its heritage and attract the in-crowdat the same time?

I think Barbour are one of those brands that make such good products that sooner or later everybody is going to want to wear it. Regardless of trends and fashion I think the Barbour Wax jacket will always be a wardrobe staple, unlike the last century it’s classic and class-less.

Barbour is well known for high quality gear and maintenance services. How much effort have you put into the construction of the Hikerdelic x Barbour gear, you know, like choosing fabrics, detailing and stuff?

To be honest all of our input was done over a table with Gary the designer as we explained what Hikerdelic was all about and he managed to encapsulate that into several Barbour products. There were a couple of sampling stages but we made very few changes as he’d Gary understood us from the outset. To say we were happy with the end result is the understatement of the century, it’s beyond our wildest jacket making dreams!

There were some pictures of another collab popping up on your IG account recently. Can you tell us a bit about that? Its a shoe, right?

Yes, we’ve done three Hikerdelic versions of the Kickers ‘Kick Hi’ shoe which is a very special shoe in terms of British youth culture. Again it’s another collab that we’re incredibly pleased with and can’t quite believe is happening.

Last one: Which songs would you name as the perfect soundtrack for taking a hike?

Big Rock Candy Mountain – Harry McClintock
Windy Day – Greasy Bear
I Like Birds – Eels
Getaway – Blossoms
The Mountain Will Fall – DJ Shadow
River Man – Nick Drake
It’s Raining – The Detroit Cobras
Wandering Star – Bomb the Bass
Electric Mountain – Jane Weaver
Gimme Shelter – Merry Clayton

Fantastic compilation, Neil! Thanks for your time and „keep on tripping“!

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