A love letter to New Balance 1500

Mein lieber Einsfünfer,

Du wirst dich sicherlich wundern, dass dieser Brief ausgerechnet von einem kommt, auf dessen Grail-Liste in Sachen New Balance ganz oben bislang eher Namen standen wie „Kakkerlak“, „Estates“ oder „Centenary Audrey Stewart“. Allesamt Versionen also deines Bruders, des 577ers, der wie Du 1989 das Licht der Turnschuhwelt in Flimby/UK erblickt hat. Jetzt, zu Deinem 30. Geburtstag, ist es aber an der Zeit, Dir doch mal meine heimliche Turnschuhliebe zu gestehen. Insgeheim hatte ich irgendwie schon immer ein Auge auf Dich geworfen, aber so richtig zusammengekommen sind wir trotzdem nur sporadisch. Das liegt zum einen daran, dass mir spontan keiner deiner Auftritte, sprich: Colourways, einfällt, der nicht auf seine Art grandios gewesen wäre und zum anderen, weil Grails aus Deiner Serie fast noch schwerer zu kriegen sind als die des 577ers — ich sage nur „Provider“, „Purple Devil“ und „Nazar Eye“. Hätte ich mich so richtig auf Dich eingelassen, ich wäre längst bettelarm und/oder kriminell geworden, um all Deine granatösen Varianten mein Eigen nennen zu können. Also musste ich dich meist notgedrungen ignorieren. Auch, wenn es oft verdammt schwer fiel.

New Balance M1500 Flimby 35th Anniversary

Doch inzwischen ist es um den 577 leider sehr ruhig geworden. Zu Ruhig für meinen Geschmack, während Deine „Eltern“ aus den USA den aktuellen „Dad-Schuh“-Trend reiten bis zum Umfallen. Hier ein Hybrid, da ein Modell-Upgrade — und ein Paar klobiger als das andere. Schön und gut und aus marktwirtschaftlichen Gründen nachvollziehbar, aber für Muttis Sohn ist das alles nix. Ich mag meine New Balance clean und klassisch stromlinienförmig, komponiert aus Mesh und butterweichem Leder, kombiniert mit einer leichten, sanft dämpfenden Mittelsohle und zusammengebaut in England oder den USA. Eben ganz so, wie bei Dir.

NB M1500BY & M1500CK

Schließlich wollte dein Designer Steven Smith — der Mann, der für New Balance unter anderem auch die Modelle 574 und 997 entworfen hat — mit dir den „Rolls Royce unter den Turnschuhen“ erschaffen. Und das ist ihm auch verdammt nochmal gelungen! Denn genau wie die urbritische Upperclass-Karosse kommst Du zwar erst einmal ziemlich wuchtig daher, lässt aber alle Skeptiker durch deine klare Linienführung und deine Komfort-Features wie die butterweiche Federung vor Ehrfurcht erblassen. Was dein Upper betrifft, setzte Smith neben allerlei High-End-Material auch auf die Verwendung von Schweinsleder, weil er das als Äquivalent zum Connolly-Leder versteht, also dem Edelsten, mit dem Autohersteller wie Rolls Royce oder Bentley die Interieurs ihrer Luxusschleudern auskleiden können. Genau diese DNA macht für mich Deinen ganz speziellen Charme aus: Das Beste vom Besten, gemacht für die Straße. Oder anders gesagt: Verdammt viel Turnschuh für auch entsprechend viel Geld.

NB M1500NO & M1500BR

Aber zurück zu Deinem Jubiläum, zu dem die Herrschaften aus dem Nordosten Englands wohl Großes mit Dir vorhaben. Denn seit einiger Zeit und verstärkt seit Jahresbeginn kommen aus der Fabrik in Flimby immer mehr 1500er als Neuauflagen klassischer Colourways. Erstes deutliches Anzeichen für die Reissue-Welle waren 2016 der 1500BY und der 1500CK („Chianti“) sowie der 1500NO und der 1500WR. Im vergangenen Herbst folgte dann das Doppelpack aus „Robin Hood“ und „Vision“ — allesamt Rückgriffe auf äußerst beliebte bzw. gesuchte Modelle des Jahres 2006.

NB M1500GT

Das neue Jahr knüpfte da mit dem TBT und dem TGG nahtlos an die Reihe der 2006er-Reissues an. Und jetzt bringt uns der Februar schon wieder zwei sagenhafte Varianten: zum Einen einen überwiegend weißen Schuh mit dezenten Navy-Elementen als 1:1-Remake eines der ersten überhaupt in Flimby hergestellten 1500ers. Und als ob das nicht schon heftig genug wäre, kommt nun Ende Februar wohl auch noch Deine OG-Variante in Navy und Grau zurück, die schon auf der einen oder anderen Social-Media-Seite geleaked wurde. Reichlich Gelegenheit also für jemanden wie mich, Versäumtes nachzuholen und Dir endlich den gebührenden Platz in meiner Sammlung einzuräumen!

NB 1500WWN

Ach ja, eines noch: Ich habe keine Ahnung, was sich New Balance dabei gedacht hat, Dir die Buffalomäßige Brikettsohle des 990v3 untendran zu löten und dich „1500.9“ zu nennen. Sieht scheiße aus. Das nur mal so als Hinweis. Dabei wissen die doch genau, wie das mit der Weiterentwicklung eines Modells geht. Das sieht man am „1530“, der Ende Januar frisch rausgekommen ist: Mit dem Einsatz von weichem Micro-Mesh, eines mehrteilig konstruierten Mudguards anstelle des einteiligen, perforiertem Leder an der Ferse, Vario-Ösen am oberen Rist und einer superleichten, schlichten „Revlite“-Mittelsohle ist das Modell ein absolut logisches und gelungenes Upgrade, der Deine ohnehin schon guten Gene weitergibt. Peace out!

NB M1530SE

Photo Source: Asphaltgold, Hanon-Shop