Sapeur OSB Winter Special – Fette Jacken Basics

„Alle reden vom Wetter. Wir nicht!“ — behauptete 1966 die Deutsche Bahn. Zwei Jahre später recycelte der Sozialistische Deutsche Studentenbund SDS den Werbeslogan, ergänzte ihn um die Konterfeis von Marx, Engels und Lenin und schuf so ein ikonisches Poster der 68er-Bewegung, das wiederum 50 Jahre danach das britische Label 6876 als T-Shirt-Motiv erneut aufgriff. Was das jetzt alles mit einem Sapeur-Themenspecial über dicke Winterjacken zu tun hat? Alles und nichts. Denn wir reden schließlich auch nicht groß über das Wetter, sondern greifen je nach Witterung einfach zum richtigen Kleidungsstück, bevor wir draußen unseren Freizeitaktivitäten nachgehen. Und das ist derzeit eben die Winterjacke. Wir haben uns daher mal durch die aktuellen Herbst/Winter-Kollektionen einiger unserer Lieblingsmarken gewühlt und sind auf eine — natürlich streng subjektive — Rundreise durch die Welt der wetterfesten Herrenoberbekleidung für stilbewusste Casualisten gegangen. Schließlich gilt: „Jacke geht immer!“. Also ab dafür.

Norse Projects Fyn Down Jacket

Den Auftakt macht mit der Fyn von Norse Projects schon ein kleiner Klassiker, dem die Dänen in dieser Saison allerdings ein aufwendiges Material-Update verpasst haben. Angelehnt an den klassischen Mountain Parka kommt die Fyn jetzt als etwas kürzere Daunenjacke mit einem Oberstoff aus GORE-TEX® und einem zusätzlichen DWR-Coating. Das steht für „durable water repellent“ und soll dafür sorgen, dass Wasser und andere Flüssigkeiten einfach an der Oberfläche abperlen. Die Innenseite wurde dazu noch mit einer dünnen Carbonschicht überzogen, um die Jacke winddicht und atmungsaktiv zu halten.

Wie man es von Norse Projects gewohnt ist, besticht auch die Fyn durch ihr sagenhaft cleanes, reduziertes Design, das aber dennoch ein gerüttelt Maß an Funktonalität bietet, unter anderem mit verschweißten Nähten, einem hohen Kragen, der gefütterten Kapuze, dem stabilen Zipper sowie den drei Außen- und mehreren Innentaschen. Viel mehr kann eine Jacke eigentlich nicht bieten.


Welter Shelter Terror Weather Parka

Welter … was? Das Label aus Amsterdam haben bislang wohl noch nicht allzu viele von euch auf dem Schirm, aber das könnte — beziehungsweise sollte — sich bald ändern. Denn was die Holländer so raushauen, kann sich durchaus sehen und tragen lassen. Wie der Terror Weather Parka, der ja schon vom Namen her ordentlich Ansage macht. Auf den ersten Blick sieht er dabei noch nicht mal wie eine besonders warme Winterjacke aus, sondern eher wie ein leichter Übergangsmantel für den Herbst. Gerade das ist aber auch der Clou daran. Gefüttert ist die Jacke nämlich mit einem Material aus dem patentierten MEIDA Insulation Program. Es besteht aus hochverdichtet gewobenen Polypropylenfasern, ist atmungsaktiv und gilt als das derzeit dünnste, leichteste und wärmste Isoliermaterial auf dem Markt, weshalb es unter anderem auch für die Kleidung der Dänischen Armee eingesetzt wird.

Welter Shelter verwendet für seine Jacken eine MEIDA-Version von 150 Gramm pro Quadratmeter Stoff, was dem wärmenden Effekt von vier übereinandergezogenen Wollpullovern entsprechen soll, dabei aber nur 0,8 Zentimeter dick ist. Damit soll man dann auch Temperaturen bis -15 Grad unbeschadet überstehen können. Wer das ausprobieren will, kann das gerne tun. Uns reicht erst mal die Tatsache, dass wir es hier mit einem wetterfesten Fishtail-Parka zu tun haben, der in einem extrem unaufgeregten Style daherkommt und trotzdem alle Features bietet, die man so braucht: fester Kapuzenkragen, Doppelreißverschluss mit Branding, ausreichend Taschen und robustes Obermaterial aus Polyester und Canvas. Weiterer Bonuspunkt: Alle Kleidungsstücke von Welter Shelter werden in Europa produziert. Also merken, den Namen!


Snow Peak Takibi Down Jacket

Verlassen wir mal kurz Europa und schauen nach Asien. Dort beglückt uns das japanische Label Snow Peak ja seit einiger Zeit nicht nur mit allem möglichen Zubehör für das Outdoorleben wie Campinggeschirr und Rucksäcken, sondern eben auch mit der entsprechenden Bekleidung. Die Takibi-Daunenjacke macht dabei aber nicht nur am Lagerfeuer eine gute Figur, sondern erweist sich auch bei allerlei urbanen Aktivitäten als äußerst kleidsam. Das mit dem Lagerfeuer ist in diesem Zusammenhang aber gar nicht mal so abwegig, denn die Jacke besteht zu 98 Prozent aus Aramidfasern, einem feuerfesten Gewebe, das bei uns auch unter dem Markennamen Kevlar bekannt ist und auch bei der Herstellung von Schutzanzügen für die Feuerwehr verwendet wird. Das macht die Takibi nicht nur ziemlich resistent gegen Hitze und Feuer, sondern auch gegen alle möglichen sonstigen Belastungen des Alltags. Die Faser, die Snow Peak zusammen mit den Materialexperten der Teijin Frontier Group entwickelt hat, kommt daher auch bei anderen Teilen der aktuellen Kollektion wie Westen und Hosen zum Einsatz.

Entsprechend ihrer Bestimmung als Outdoorjacke bietet die Takibi massig Features wie eine größenverstellbare Kapuze, verdeckte Kordelzüge am Saum und auf Hüfthöhe, dickes Daunenfutter sowie eine Unmenge an Taschen. Und trotz allem sieht man damit weder aus wie Bibendum, das Michelinmännchen, noch wie jemand, der gleich auf das Matterhorn steigen will. Eher wie jemand, der eine verdammt gute Jacke zu schätzen weiß.


Eastlogue Utility Shield Parka

Wer mehr auf die klassische Daunenjacken-Optik steht und sich an einer unfassbar großen Zahl an Detaillösungen erfreuen kann, dem sei der Utility Shield Parka von Eastlogue ans Herz gelegt. Bei der mit einer Daunen-Feder-Mischung im Verhältnis von 90:10 gefütterten Jacke hat das 2011 gegründete Label aus Südkorea nämlich nicht gekleckert, sondern mal so richtig rangeklotzt. Hornknöpfe, gewachste Kordeln, mit Cord gefütterte Innentaschen, Ärmelbündchen aus 100% Wolle, abnehmbarer Windschutz für den Kapuzenkragen … wo man auch hinschaut wird deutlich: Hier hat sich jemand reichlich Gedanken darüber gemacht, wie man einen an sich eher praktisch orientierten Jackentyp auf ein neues Level heben könnte. Ob man das alles tatsächlich braucht, sei mal dahingestellt, aber wer ein Faible für solche Features hat, der bekommt hier die volle Ladung geboten.

Aus praktischer Sicht kommt die Utility Shield darüber hinaus noch mit einem Obermaterial aus Pertex daher, einem windabweisenden, Feuchtigkeit transportierenden und atmungsaktiven Gewebe, das unter anderem auch bei Schlafsäcken Verwendung findet. (Bonusinfo für Nerds: Entwickelt wurde Pertex ursprünglich in der Weberei von Perseverance Mills Ltd. in Manchester — daher auch der Name). Unterm Strich liefern Eastlogue hier jedenfalls ein zeitlos gediegenes Brett von einer Winterjacke ab, das in einer ganz eigenen Liga spielt. Wem das hier gezeigte Gelb nicht so liegt: den Utility Shield Parka gibt’s auch in dezenterem Schwarz und Oliv.


Nanamica x Woolrich SUBW800 Arctic Parka

Nun noch zu was ganz Feinem aus Japan: Nanamica hat sich mal wieder mit Woolrich zusammengetan und aus der nunmehr vierten Collabo dieser beiden Labels ist eine Capsule-Collection aus insgesamt vier Teilen entstanden, die Klassiker aus dem Archiv der US-Outdoormarke neu interpretiert. Der wohl unumstrittene König dieser Kollektion ist dabei der Arctic Parka. Diese Jacke hat Woolrich in den 1970er Jahren für die Arbeiter entwickelt, die seinerzeit die Gas-Pipeline zwischen Alaska und dem amerikanischen Festland verlegt haben. Damit dürfte prinzipiell schon mal gesichert sein, dass einem mit diesem Parka auch in unserem vergleichbar milden, mitteleuropäischen Winter nicht so schnell kalt wird.

 

Die Neuauflage haben Nanamica und Woolrich mit einem etwas weiteren, bequemen Schnitt und einer wasserdichten doppelten Lage GORE-TEX® ausgestattet. Auch beim Innenleben macht man keine Kompromisse und setzt auf eine Füllung aus Daunen und KODENSHI®-Fasern, die besonders gut isolieren soll. Den Kontrast zum wahlweise beigen oder dunkelblauen Upper setzen das schneeweiße Innenfutter und der ebenfalls weiße Zipper, der übrigens aus der Produktion der US-Reißverschlussfirma IDEAL stammt. Den Ärmel ziert dazu noch ein abnehmbarer rot-weißer Patch mit den Labels von Nanamica und Woolrich. In Japan ist der Arctic Parka bereits erhältlich (und auch schon wieder so gut wie ausverkauft …), dort lag der Preis bei umgerechnet rund 800 Euro. Ob und wann das Teil in Europa zu kriegen ist und was er dann letztlich hier kosten wird, steht derzeit leider noch nicht fest. Für den Hardcore-Jackenfetischisten dürfte der Arctic Parka aber wohl locker den Gral-Status erreichen. Wen interessiert da schon der Preis…


Krakatau QM177/2 Short Down Jacket

Auf dem Rückweg unserer Jackenweltreise machen wir kurz Station in Russland, wo seit einigen Jahren Labels wie Riot Division oder Krakatau mit innovativer Techwear für Aufsehen sorgen. Wer beim Gassigehen oder im Supermarkt aber nicht aussehen will, als käme er gerade frisch aus dem Sechstagekrieg oder von einer Partie Gotcha in der Zukunft zurück, der sollte dabei eher auf die Kollektionen von Krakatau aus St. Petersburg zurückgreifen. Damit wir uns nicht falsch verstehen: Auch die kurze Daunenjacke QM177/2 hat so einige High-Tech-Gimmicks zu bieten wie die extrem tiefe Kapuze, magnetische Taschenverschlüsse, reflektierende Applikationen und zwei eingenähte Riemen, mit denen sich die Jacke über der Schulter tragen lässt. Aber das ganze wirkt hier nicht wie bloße Effekthascherei, sondern kommt als schlüssiges, alltagstaugliches Gesamtkonzept rüber.

Der asymmetrische Schnitt der mit einer Daunen-Federn-Mischung im Verhältnis von 70/30 gefütterten Jacke sorgt für ausreichend Bewegungsfreiheit und in den insgesamt acht Taschen lässt sich so einiges verstauen. Innen ist die QM177/2 zum Schutz vor Feuchtigkeit mit Polyurethan beschichtet, das Obermaterial hat dagegen eine baumwollähnliche Gewebestruktur. Und weil es in St.Petersburg schon mal richtig, richtig kalt werden kann, ist die Jacke laut Krakatau auf Temperaturen bis -30 Grad ausgelegt. Damit dürfte unsereins also selbst im zugigsten Stadion nicht nur hervorragend gekleidet, sondern auch für alle Eventualitäten gerüstet sein. 


Rains Puffer Jacket

Konsequent skandinavisch. Mehr muss man zu den Jacken von Rains gar nicht sagen. Die Firma aus Aarhus/Dänemark setzt seit 2012 auf den typisch nordeuropäischen Designminimalismus, den man auch von ihren Landsleuten von Norse Projects kennt, und zieht dieses Prinzip auch bei ihren wasserdichten Winterjacken straight durch: Das Puffer Jacket ist dementsprechend von den Nähten über die Logoapplikation auf dem Ärmel und den Reißverschluss monochrom bis ins Detail. Und weil sich der Skandinavier an sich nicht nur mit gutem Design, sondern auch mit schlechtem Wetter auskennt, hat die Jacke aus atmungsaktivem und zugleich wasserfestem Stoff ein Futter aus 3M™ Thinsulate™ Featherless Insulation, ist also keine typische Daunenjacke, obwohl sie auf den ersten Blick ganz danach aussieht.

Material-Nerds dürfen sich noch notieren, dass der Oberstoff wie alle Rains-Regenjacken mit mattem Polyurethan beschichtet ist und eine Wasserdampfdurchlässigkeit von 4000 Gramm pro Quadratmeter aufweist. Außerdem sind die Nähte der Jacke nicht nur einfach, sondern doppelt ultraschallverschweißt. Keine Ahnung, was das jetzt alles genau bedeutet, aber es klingt atmungsaktiv und stabil zugleich. In die beiden großen Eingrifftaschen vorne passen entweder behandschuhte Hände oder reichlich Krimskrams rein, was die Puffer nicht nur zu einem äußerst schicken und wärmenden, sondern auch zu einem recht praktischen Kleidungsstück macht. Dafür ist dann auch der aufgerufene Preis von 340 Euro äußerst moderat.


Barbour International Carbo

Okay, ganz ohne die Klassiker-Marken geht so ein Jackenspecial natürlich nicht. Schon gar nicht, wenn man in dieser Saison solch eine Granate raushaut, wie es Barbour mit der Carbo macht. Also geht’s zum Abschluss unserer Rundreise noch mal schnell auf die britische Insel: Die tiefschwarze Wachsjacke ist ein Teil aus der „Carbon Project“-Premiumkollektion, die unter dem „Barbour International“-Label erscheint. Das steht normalerweise eher für sportliche Biker-Jacken, bringt mit dem neuen Ansatz aber einen gehörigen Schuss Tech-Style mit rein. Ein warmes Steppfutter und die fixierte Kapuze schützen vor Wind und Wetter, der Barbourtypische 2-Wege-Reißverschluss wird ergänzt durch Details wie die schräg aufgesetzte Brusttasche und eine darüber liegende zusätzliche Reißverschlusstasche und zwei weitere Taschen am unteren Rücken.

Ein schwarzes, reflektierendes Logo auf dem linken Ärmel und der Nylonbesatz an der Kapuze setzen dezent optische Akzente an der ansonsten komplett einfarbigen Jacke. Mich persönlich hat bei der International-Kollektion ja das auffällig grelle Gelb des Schriftzugs immer etwas gestört — umso besser, dass man hier jetzt auf mehr Understatement setzt und die Qualität für sich sprechen lässt. Dass Regen, Wind und Schnee einer gewachsten Barbour nichts anhaben können, muss man an dieser Stelle wohl eh’ nicht extra erwähnen. Schon eher dagegen, das die Carbo im Barbour-Webshop grade relativ günstig im Sale zu schießen ist… 😉

 

Photo Source: Norse Projects, Welter Shelter, Snow Peak, Eastlogue, Nanamica, Krakatau, Rains, Barbour International