Bob Marley liebte das Spiel mit dem runden Leder – Football is Freedom!

Bob Marley gehört zu den herausragendsten Künstlern in der Musik und seine Werke sind zeitlose Klassiker, die bis heute noch überall im Alltag zu finden – oder besser gesagt zu hören sind. Neben der Musik bestimmte auch das runde Leder sein Leben und er hatte nicht nur einmal überlegt seine Karriere als Reggaemusiker an den Nagel zu hängen und stattdessen Fußballprofi zu werden. Wir stellen euch heute den „anderen“ Bob Marley mit seiner großen Liebe, dem Fußball vor.
Vielen Dank an Chris Salewicz und Eight by Eight-Magazine, dass wir den Artikel „ONE LOVE“ ins Deutsche übersetzen und euch vorstellen dürfen. 

Bob Marley balanciert einen Ball, hält ihn mit seinen Oberschenkeln in der Luft. Er dribbelt in irgendeinem dreckigen jamaikanischen Hinterhof, wirbelt Staub auf, nimmt den Ball mit seiner Brust an und hämmert ihn mit der Innenseite ins Netz. Es ist nicht das archetypische Bild der großen Reggae-Legende, aber trotzdem passt es.
Bob Marley liebte die Musik, Ganja und Rasta. Und er liebte den Fußball. Als Junge in Nine Mile, im jamaikanischen Hochland, kickte er immerzu eine alte vertrocknete Wassermelone als Fußball und jagte sie über eine schiefe Müllhalde über einen Berghang. Seine Leidenschaft für das Spiel blieb sein ganzes Leben lang. Tatsächlich dachte er ernsthaft darüber nach, als Musiker aufzuhören,um Fußballprofi zu werden.

Es war im Jahr 1969 als Marley, Peter Tosh und Bunny Livingston – die ursprünglichen Wailers – in der Regent Street in Kingston zusammenwohnten und damit begannen, ernsthaft Fußball zu spielen. In der Nähe ihrer Wohnung in der Innenstadt waren drei Fussballteams: „Railway“, das Nummer-Eins-Team, „Boystown“ und „George´s Kensington“. Railway war am Ende der Darling Street gelegen und war mit Jack Murphy, einem der größten Torhüter Jamaikas gesegnet. Aber er war auch ein ziemlich rau spielender Sportler. Aus Trainingsgründen wollten die Wailers sehr gerne mit solchen Topleuten zusammenspielen, gründeten aber schließlich mit den Soul Rebels ihr eigenes Team und Livingston war der Stürmer. Das Team hatte sehr hart umkämpfte Spiele gegen stärkere Mannschaften auszutragen und nahm an einer regionalen Spielrunde teil, die auch als „Black Shield“ bekannt ist.

Marley war nicht auf Anhieb als Fussballer in Kingston erfolgreich. Er wurde von den Gegenspielern als Landei verachtet und bekam von den taffen Jungs aus dem Ghetto aufgrund seiner Spielweise den beleidigenden Spitznamen „Miss Marley“ verpasst. Bob Marley war gezwungen, seine Fähigkeiten zu verbessern und seine Spielweise zu ändern, aber auch seinen Zorn zu zeigen, wenn es jemand wagte,ihn zu ärgern. Schließlich wurde die Diva wieder zu „Mister Marley“.
Zu dieser Zeit begegnete er zum ersten Mal Skill Cole, Jamaikas führendem Spieler und Mitglied der Nationalmannschaft. Cole wollte sich verschiedene Teams im Tuff-Gong Hauptquartier anschauen und bot an,  Marley bei seinem morgendlichen Sichtungstraining an der Küste zu begleiten. Cole, der vom Vater des großen englischen Nationalspielers John Barnes gemanagt wurde, trug Locken und war dem Rastafarianismus treu verbunden. Er und Bob wurden sehr enge Freunde und auch Marley wurde Rastafari.
Cole konnte ihn nicht von seinen Landgewohnheiten abbringen, denn Marley war es gewohnt, barfuß zu spielen und fühlte sich ohne Schuhe einfach wohler. Selbst wenn andere Spieler mit Fußballstiefeln spielten, grätschte er barfuß über den Platz,um ihnen den Ball abzuluchsen. Marley hatte den großen Zeh seines rechten Fußes einmal im Nine-Mile-Strom verletzt,und wenn der Zeh beim Spiel getroffen wurde, gequetscht oder ramponiert war, quoll manchmal Eiter heraus.

Fußball war für Bob Marley nicht einfach nur eine Leidenschaft oder ein Zeitvertreib, es war auch eine Zuflucht in Zeiten der Gefahr. Vor dem „One-Love-Peace“ Konzert im April 1978 verbrachte er beispielsweise seine Zeit damit, im Gebiet der berüchtigten Hope Road vor den Augen rivalisierender Banden gegen den Ball zu treten. So konnte er abschalten und die Dinge an sich vorbeiziehen lassen.
Wahrscheinlich waren es sogar genau die Männer, die beim Anschlag auf sein Leben im Dezember 1976 involviert waren. Er floh damals nach dem Attentat mit einer Kugel im Arm nach London, wo er auch direkt wieder die Nähe zu einem Fußballplatz suchte. Er und die Wailers mieteten ein Haus in Chelsea in der Nähe der Zufahrtsstraße zum Battersea Park und seinen Spielfeldern an. In London sollte Marley später auch die beiden Studioalben aufnehmen, die später als „Exodus“ und „Kaya“ bekannt wurden.

Die Veröffentlichung des „Exodus“-Albums wurde durch eine Europa-Tour promoted und der erste Spielort sollte am 10. Mai 1977 Paris sein. Am Tag vor dem Konzert kickte Bob Marley mit einigen französischen Journalisten auf einem Spielfeld in der Nähe des berühmten Eiffelturms. Das gegnerische Team bestand aus Veteranen des französischen Showbusiness wie z. B. Francis Borelli, der später Präsident von Paris Saint Germain werden sollte. Während des Spiels wurde Bob hart attackiert und sein Nagel am großen Zeh wurde rausgerissen. Dieser Zeh wurde noch ein weiteres Mal schwer in Mitleidenschaft gezogen, als er von einer rostigen Stolle schwer getroffen wurde. Diese Wunde sollte nie mehr vollständig heilen und Marleys Tochter Cedella kümmerte sich am Abend um die Verletzung.
Ein Pariser Arzt entfernte dann später noch den Nagel und sagte zu Marley, dass er den Fuß keinesfalls belasten darf. Er missachtete jedoch den ärztlichen Rat und trat am Abend in Sandalen in Paris auf, die seinen verbundenen Fuß zeigen sollten. Auch spielte er weiterhin jeden Tag Fußball und zuckte immer innerlich zusammen, wenn sein Fuß den Ball berührte. Gilly, sein „Bredren“ (rastafari für „Kumpel“) und Koch, erinnerte sich an die Verletzung: „Für ein paar Jahre hatte er einen blutunterlaufenen Zehennagel, um den er sich aber nie gekümmert hat. Er humpelte auch nie, bis ein Typ ihm beim Fußball in Paris drauftrat und es dadurch verschlimmerte. Bob tourte sechs Wochen lang und sie gaben ihm eine Mütze, um sie über den Fuß zu ziehen, wenn er kicken sollte. So wie eine Art Schwamm. Und er hat weiterhin hart gespielt“.

Die Ärzte sagten Bob Marley, dass die Zehverletzung ein darunter liegendes Melanom enthüllt habe. Ein Mediziner riet ihm zu einer Hauttransplantation, andere empfahlen, den Zeh amputieren zu lassen. Unter Berufung auf religiöse Gründe lehnte er aber derartige Operationen ab.
Marleys Leben war eine nahtlose Verbindung von Musik, Spiritualität und Fußball. So kommt auch der Name seines Sohnes Ziggy vom jamaikanischen Ausdruck für Dribbling.
Endlose Spiele waren Bestandteil seines Tagesplans. Er bevorzugte die lateinamerikanische Spielweise, bei der der Ball dem Spieler am Fuß zu kleben scheint, verbunden mit flüssigen, ja fast schon melodischen Spielbewegungen. Die raue europäische Spielweise mit harten Tacklings war nicht sein Ding. Seine Lieblingsmannschaft war Santos aus Brasilien und 1978 flog er nach Südamerika, wo er Paulo César, den brasilianischen Spielführer, traf.

Bei einem „5 gegen 5“-Showturnier in Brasilien schlug das Team unter Bob Marleys Führung alle gegnerischen Teams. Für die „Wailers“ spielten der Drummer der englischen Band „Traffic“,Jim Capaldi, der zu dieser Zeit in Rio lebte, wie auch sein Roadie, Wailers-Gitarrist Junior Marvin, und der Sänger Jacob Miller. „Bob sagte immer, ich glaube,ich hätte Fußballspieler werden sollen“, erzählte Marvin.
Aber nicht alle Bandmitglieder der Wailers teilten Bobs Begeisterung für das Spiel, denn niemand hatte seine Fähigkeiten oder das Talent. „In der Band selbst waren keine guten Fußballer“, sagte Neville Garrick, Art Director der Band. Dementsprechend bestand das Team für eine Reihe von „five-a-side-matches“ in der englischen Hauptstadt aus Bob Marley, dem Wailers-Perkussionisten Seeco, Gilly, Cole und Garrick.

Im Juni 1977 stieß Rob Partridge als Leiter der Öffentlichkeitsarbeit zu Island Records. „Das erste, was ich erledigen musste, war Spielzeiten für Bob Marley zu organisieren. So traf ich ihn dann auch zum ersten Mal auf einem Fußballplatz“, sagte Rob. Das Spiel war ein Kick im Battersea Park und die gegnerische Mannschaft bestand aus Angestellten von Island Records. „Bob hat überall gespielt“, erinnert sich Trevor Wyatt, ein A&R Mann des Labels. „Bob war einfach fantastisch, genau wie Gilly. Er hatte ein tolles Ballgefühl. Wir hatten nie eine Chance,an den Ball zu kommen und konnten nur zuschauen,wie sie den Ball herumreichten. Die waren einfach so gut, weil sie die ganze Zeit gespielt hatten. Sie wurden zum Fußballspielen geboren.“

Als Liebhaber des südamerikanischen Fußballstils war Marley ein großer Fan des Argentiniers Ossie Ardiles, der nach London verkauft wurde und für Tottenham Hotspur spielte. Partridge kaufte Bob ein Spurs-Trikot, das er sehr oft trug. „Ich musste immer das Spiel des Tages beiBBC TV aufnehmen, wenn Tottenham spielte und schickte es Bob. Im Jahr 1978 war er während der WM in Großbritannien und nahm jedes Spiel des Turniers in Argentinien auf. Wir mussten sogar alle Interviews um die Spiele herum legen.“

Am Ende der „Tuff Gong Uprising Tour“ im Sommer 1980 entschied sich Bob Marley, überhaupt keine Interviews mehr zugeben. Er spielte einfach gegen verschiedene Mannschaften von Medienvertretern Fußball. Die Spiele fanden in West London statt und gespielt wurde wieder „Fünf gegen Fünf“. Eines der Fünfer-Teams war das von Ice Records, das von niemand geringerem als dem guyanischen Star Eddie Grant auf den Platz geführt wurde.
Auf dieser Tour sollte Bob Marley übrigens vor dem größten Publikum in seiner Karriere auftreten. Der Veranstaltungsort hätte nicht passender gewählt werden können, denn um ihn zu sehen strömten 120.000 Zuschauer ins San Siro Stadion, die Heimstätte von Inter und AC Mailand.

Nicht lange danach, zum Start der US Tour, joggte Bob Marley am 20. September 1980 mit Cole im New Yorker Central Park, als er plötzlich zusammenbrach. Der Krebs, der zuerst im rechten großen Zeh nach dem harten Foul in Paris drei Jahre zuvor entdeckt wurde, hatte Metastasen gebildet. Er ging nach Bayern, genauer gesagt nach Rottach-Egern und unterzog sich einer umstrittenen Krebstherapie. Aber ohne Erfolg. Das Melanom hatte seine Lungen und sein Gehirn bereits befallen und er starb am 11. Mai 1981 in Miami.

Football is a whole skill to itself. A whole world. A whole universe to itself. Me love it because you have to be skilful to play it! Freedom! Football is freedom.