Mods vs Rockers – When two Tribes go to War


Aus der Kategorie „so etwas hat es früher nicht gegeben“.

Heute werfen wir auf unserer Blogbühne einen Blick auf die legendären Schlachten in den britischen Küstenstädten der 1960er Jahre zwischen den beiden ewigen Rivalen: Mods vs. Rocker. Speziell an den Wochenenden trafen in Bournemouth, Brighton, Margate und anderswo riesige Mobs aufeinander, die die Strände, Straßen und Pubs in Kriegszonen verwandelten. Wenn man die Bilder so betrachtet, wird einem erst bewusst in welcher Mannstärke beide Seiten an die Küsten zogen, um dort „einfach mal Mensch zu sein“. Charakteristisches Bild an den Stränden waren die stundenlangen Aufeinandertreffen bei denen die gestreiften Liegestühle die Seiten hin und her wechselten und Polizisten, die scheinbar hilflos bemüht waren die Situation wieder in den Griff zu bekommen.

Die Modernists, kurz: Mods. Die Subkultur hat ihren Ursprung in der britischen Arbeiterklasse und das Fortbewegungsmittel der Wahl waren ihre Roller von Lambretta und Vespa. Sie trugen meist Anzüge in Verbindung mit einem Parka und den Soundtrack bestimmten Bands wie The Who, The Jam, aber auch Northern Soul und Ska.
Die Rocker. Sie galten mehr oder weniger als Nachfahren der Teddy Boys und zumindest in den musikalischen Vorlieben war dies identisch: Rock´n´Roll & Rockabilly. Dresscode numero uno war die schwarze Lederjacke. Friseurtechnisch stylten sie ihre Harre zu Entenschwanzfrisuren und Elvistollen. Die Rocker fuhren an den Wochenenden mit ihren Motorrädern an die Küste.

Die Mods und die Rocker waren somit gegensätzliche britische Jugendsubkulturen der frühen 1960er Jahre. Eigentlich waren die britischen Küstenstädte an den Wochenenden und Bankfeiertagen von den Familien aus den Großstädten wegen ihrer Ruhe und zum Entschleunigen des Alltags sehr beliebt, aber sie lockten auch die Jugend an, die hier fern von den Eltern Party machen und Mädchen kennenlernen wollten. Meist endeten ihre Besuche in den Küstenstädten in Südengland im Chaos, denn hier war niemand auf diesen Ansturm vorbereitet gewesen.

Der erste Konflikt entbrannte in Clacton während des Osterwochenendes. Das zweite große Aufeinandertreffen spielte sich an der Südküste ab, wo vor allem Londoner die Badeorte ansteuerten. Über das Pfingswochenende (18.-19. Mai 1964) zog es tausende Mods nach Margate, Broadstairs und Brighton, wo sie eine nicht minder große Gruppe Rocker antrafen, die die gleiche Idee hatten das Wochenende dort zu verbringen. In kürzester Zeit kämpften marodierende Gruppen von Mods und Rocker gegeneinander bei der die für die britischen Küstenorte so charakteristischen gestreiften Deskchairs hin und her geschleudert wurden.

Die schlimmsten Auseinandersetzungen fanden jedoch in Brighton statt. Die Kämpfe erstreckten sich über zwei volle Tage und die ganze Küste entlang bis nach Hastings (und wieder zurück!). Hier war absoluter Ausnahmezustand. Eine kleine Gruppe von Rocker war von der Hauptgruppe isoliert und die Polizei umkreiste sie, um sie so vor den heranstürmenden Mods zu schützen. Diese Hilfeleistung sollte jedoch nicht lange standhalten und Mods hatten sie überwältigt.
Irgendwann sollte die Polizei dank eiligst angeforderter Verstärkung die Situation wieder in den Griff bekommen, verhaftete Hunderte auf jeder Seite und verurteilte sie in großangelegten Gerichtsverhandlungen, bei denen die Angeklagten teilweise in Gruppen und in Käfigen herangekarrt wurden. Die Nachrichten betitelten die Auseinandersetzungen als „desaströse Zustände“ und nannte die Mods und die Rocker „Lümmel“ und „Ungeziefer“. Eine große englische Tageszeitung schürte die Hysterie in dem sie von „internen Feinden“ sprach, die das Ziel haben „den Charakter Englands zu zersetzen“. Das Police Magazine argumentierte, dass die Mods und Rocker durch ihren mangelnden Respekt für Recht und Ordnung eine Gewalt entfesselt haben, die eine Überschwemmung oder einem verheerenden Waldbrand gleichkam.

Neben den hier abgebildeten Fotos aus den Küstenstädten Südenglands hat vor allem der Kultfilm Quadrophenia die Sicht aus den Mods, deren Lebensgefühl, ihre Kleidung und Musik und natürlich auch die Auseinandersetzungen mit den Rocker filmisch festgehalten. Wir hatten ihn euch bereits vorstellen können und wenn ihr euch für ihn interessieren solltet, findet ihr ihn hier. Viel Spaß beim Eintauchen in die Zeit, die eine großartige Musik, Mode und Marken wie zum Beispiel Ben Sherman hervorgebracht hat.