Sapeur-OSB im Gespräch mit Ansgar Brinkmann, dem „weißen Brasilianer“

Unser heutiger Gesprächspartner ist kein geringerer als der „weisse Brasilianer“ aus Ostwestfalen: Ansgar Brinkmann. Ein echter Typ von der Straße, der nicht nur in Frankfurt und seiner Heimat Bielefeld Spuren hinterlassen hat, sondern selbst von Menschen im Fußball Sympathien erntet, die ihn eigentlich nur als sportlichen Gegner erlebt haben. Eine echte Type, die gleich am Anfang des Interviews unverblümt zugibt, finanziell als Profi mit nichts gestartet zu sein und mit Minus auf dem Konto rausgegangen zu sein. Ein Typ, der frei von der Leber spricht und jeden Zuhörer mit seiner offenen Art in den Bann zieht. Seine Vita ist sehr bunt und unterhaltsam und er ist auch heute noch bestens im deutschen und internationalen Fußball vernetzt. Ansgar teilt zu unserer Überraschung unsere Faszination für die Marke mit den drei Streifen und war von unserer Hommage an den adidas Frankfurt begeistert.

Wir können (und wollen) gar nicht im Detail wiedergeben, wie ausführlich oder abschweifend unsere gestellten Fragen beantwortet wurden. Wir einigten uns im Vorfeld darauf, das Gespräch nicht mitzuschneiden, denn unser Handyakku hätte ohnehin vorher den Geist aufgegeben und zum anderen sind wir ganz froh darüber, einige Details schon wieder vergessen zu haben. Wir blicken jedenfalls mit einem Lächeln im Gesicht auf den unterhaltsamen Silvesternachmittag zurück und sind auch sehr gespannt darauf, ob der gute Ansgar Wort halten wird und wir ihm bei einem Streifzug durch den nächtlichen Großstadt-Dschungel die Krone aufsetzen können.

Abschließend nochmals vielen Dank für das unkomplizierte Gespräch, das wie unter alten Kumpels geführt wurde. Für uns war es einfach überragend, mit einem Idol aus Kindheitstagen knappe fünf Stunden in Ruhe babbeln zu können. Ansgar, bleib so wie du bist!

Gude Ansgar! Für unsere kleine Blogbühne ist es ein wahnsinniger Glücksfall, mit Dir dieses Gespräch führen zu dürfen. Was treibt Dich aktuell nach Frankfurt?

Hallo, ich komme gerade aus dem Urlaub aus Mauritius zurück und hänge noch ein paar Tage in Frankfurt dran um ein paar alte Freunde zu treffen.

Du warst während Deiner aktiven Zeit in der Bundesliga ein trickreicher Spieler und stets eine Säule im Team. Scheißegal, was Du in deiner Freizeit getan hast, Du hast auf dem Platz immer sauber abgeliefert. Verrate uns bitte das Geheimnis wie Du das geschafft hast!

Ich bin in einer sportbegeisterten Familie aufgewachsen, habe nie Zigaretten geraucht und Drogen kannte ich nur aus Miami Vice. Der Sport kam für mich immer an erster Stelle. Ich hatte auch immer am wenigsten getrunken. Fragt meine ehemaligen Trainer oder Mitspieler. Ich habe eigentlich nur drei- oder viermal im Jahr getrunken und das mit der bekannten Telefonansage: „Bin bis fünf Uhr früh in meiner Stammkneipe zu erreichen“, das stimmt natürlich auch. Wenn gefeiert wurde, dann halt richtig. Jetzt mal ehrlich, du fährst doch auch nicht zum Flughafen, checkst ein und hebst dann nicht ab.

Bei all dem weichgespülten Mist da draußen – denkst Du, einer von Deinem Schlag würde heute überhaupt noch in die Nähe eines Jugendleistungszentrums gelassen werden? Sind die Straßenfußballer und Freigeister wie Cantona, Brinkmann, Best, ausgestorben?

Erst einmal muss ich sagen, dass meine Karriere von der eines Cantona oder Best so weit weg ist, wie die Erde von der Sonne. Was mich aber so stark gemacht hatte, war, dass ich angstfrei war. Wenn der Trainer sagte: „Ansgar, du musst heute gegen Zé Roberto spielen“, dann sagte ich zu ihm, dass Zé Roberto heute nicht stattfindet. Der hat zwar 12 Mio. € gekostet, aber ich hatte keine Angst vor ihm. Ich durfte auch immer zu den Spielern gehören, die, wenn sie fit waren, auch gespielt haben.

Von meiner Mentalität her hätte ich keine zwei Wochen in so einem Jugendleistungszentrum überlebt. Ich kann nicht gut mit Hierarchien, weder mit dem Trainer noch mit der Mannschaft. Zu meiner Zeit hat sich allerdings in solchen Zentren auch keiner wirklich um dich gekümmert. Du bist nach dem Training auf dich alleine gestellt gewesen, in der fremden neuen Stadt und dann sind auch schon mal Dummheiten passiert.

Meine Spielweise passt auch in keine Schablone. Die Taktiken sollen sie sich alle mal schön an der Wand einrahmen. Ich hatte meine eigene. Ich bin ein Straßenfußballer, der in der Lage ist, in der allerletzten Sekunde umzustellen, zu revidieren und auch mal was Überraschendes zu machen, das keiner erwarten konnte. Eine Stärke, die heute den Spielern aus diesen Leistungszentren komplett verloren geht. Ich war ein Spieler für diese gewissen 1:1-Situationen. Das war meine Stärke.

Wir wollen Dir nicht allzu viele Fragen über Deine Karriere stellen. Dafür gibt es diverse Medien, die Dir wahrscheinlich Löcher in den Bauch gefragt haben. Aber eines würde uns dann doch interessieren: Wenn Du heute noch mal als Spieler von vorne anfangen könntest, würdest Du etwas anders machen oder bist Du cool mit dem, wie es gelaufen ist?

20 Jahre Abstiegskampf ist schon extrem hart. Ich hätte schon mal ganz gerne bei einem Topklub und um die Plätze 1 bis 3 gespielt. Einfach nur mal, um die Situation zu erleben. Bei Arminia hattest du beispielsweise im Spiel nur ein bis drei Mal die Möglichkeit, zu zeigen, was du kannst. Bei so einem Topklub bekommst du diese Möglichkeiten sechs bis siebenmal pro Halbzeit, um dich zu beweisen. Da hast du einfach eine ganz andere Qualität um dich herum.
Bayern München kannst du als unterlegener Gegner nicht komplett ausschalten. Hast du einen Spieler bekämpft, waren eben neun andere Spieler am Zuge. Bist du dagegen der einzige starke Spieler im Team gewesen, war dir schon vorher klar, dass der Gegner besonders dich 90 Minuten bekämpfen wird.

Mir machte es natürlich immer sehr viel Spaß, mit starken Leuten an der Seite zu spielen. Ich erinnere mich dabei gerne an Bernd Schneider oder Uwe Bein. Ein Uwe Bein hat Dir den Ball punktgenau zugespielt. Da musst Du nur noch in den freien Raum starten und abschließen.

Die Frage nach dem Sinn des Lebens hast Du mal beantwortet mit „Fußball, Alkohol, Musik, Frauen, durchs Leben cruisen“ – ganz abgesehen davon, dass diese Antwort absolut grandios ist: Zu welcher Musik „cruist“ Ansgar Brinkmann am liebsten durchs Leben?

Tracy Chapman, U2, Bruce Springsteen und einfach querbeet was gefällt. Es gibt auch jede Menge neue gute Musik und gerne auch Hip-Hop. Durch meine Tätigkeit bei Einslive war ich in den letzten Jahren auch immer Stammgast bei der „Krone“. Da gab es dann auch immer sehr gute Auftritte und man kam auch mal mit dem ein oder anderen Künstler ins Gespräch. Musik ist einfach ein wesentlicher Bestandteil in meinem Leben. Frauen und Alkohol aber auch.

Du bist ein ehrlicher und vor allem authentischer Typ. Und das ist es auch, was Dich neben deinen Fähigkeiten als Fußballer stets zum Publikumsliebling avancieren ließ. In welchen Situationen hatten diese Eigenschaften Dir aber eher geschadet?

Ich habe durch mein offenes Visier leider oft verloren. Wenn ich dem Trainer sagte: „Nein, nicht mit mir“, dann hat mich das natürlich ausgebremst. Das beste Beispiel ist vielleicht das Spiel von Arminia in Mainz, als mich mein damaliger Trainer Benno Möhlmann zur Halbzeit auswechseln wollte. Ich hatte während meiner Zeit in Mainz mit Kloppo ein Zimmer geteilt, der zu dem Zeitpunkt Trainer beim FSV war und ich wollte natürlich auf dem Platz bleiben. Daraufhin mischte sich Detlev Dammeier ein und meinte, dass ich nicht so mit dem Trainer sprechen könne und nur dieser zu entscheiden hat, was gemacht wird. Ich habe ihm dann erst einmal mitgeteilt: Wenn ich nicht zum Trainer gesagt hätte, er solle ihn aufstellen, hätte er vermutlich gar nicht im Kader gestanden. Der Coach gab klein bei und sagte dann zu Dirk van der Veen, dass er raus müsse. Er war sichtlich sauer, zog sich das Trikot aus und pfefferte es in die Mitte der Kabine. Kurz nach Anpfiff der zweiten Halbzeit trottete ich in Kabine und van der Veen fragte mich: „Na, hat er dich doch noch ausgewechselt?“ „Nein, Rot.“

Das Leben nach dem Fußball: Kneipe aufmachen, Weltreise und Studium. Trainerschein machen oder Sportdirektor werden. Du hast einen anderen Weg eingeschlagen: Zwei Bücher herausgegeben und einen Podcast mit Einslive gestartet. Ehrlich, lustig und direkt wie immer. Wie ist es zu den Projekten gekommen und inwiefern konntest Du dich darin verwirklichen?

Nach 20 Jahren Fußball hatte ich erst einmal ein Jahr Pause von allem gemacht. Dann habe ich mit Reiner Calmund zusammen auch als Sky-Experte gearbeitet. Ich wollte nicht direkt eine Biographie schreiben, und erst nach rund 10 Jahren Abstand hatte mich Calli soweit und ich sagte: „Ok, lass uns das Buch machen.“ Die Arbeit hat sehr viel Spaß gemacht und es war eine rundum coole Sache. Plötzlich waren es so viele kuriose Geschichten, die erzählt werden wollten und natürlich auch das „Wo komme ich her?“, „Wo bin ich jetzt?“. Das Buch ist übrigens zum Großteil während eines Segeltörns entstanden…
Irgendwann hatte mich Calli sauer angerufen. Er hatte ja bereits zwei Biographien geschrieben und maulte durchs Telefon, er könne es nicht fassen, dass es ausgerechnet mein Buch in die Spiegel-Bestsellerliste geschafft hat. Mit keinem seiner beiden Bücher war er so erfolgreich gewesen – und jetzt komm ich! Ich, der eigentlich gar nicht wollte und von ihm quasi erst zum Glück gezwungen wurde.

Beim zweiten Buch muss ich mich bei Peter Schultz recht herzlich bedanken. Er brachte quasi meine Radiokolumne bei Einslive ins Buch. In den Folgen sieht man, dass ich eine Empathie für gewisse Dinge habe.
Es ist schon ein wenig verrückt. In meiner Heimatstadt habe ich im Kindesalter damals den Klassiker von Bud Spencer „Sie nannten ihn Mücke“ gesehen. Heute fülle ich bei den Leseveranstaltungen das Kino, um Geschichten aus meinem Leben zu erzählen.

Ansonsten nutze ich mein großes Netzwerk, berate Spieler, aber ich sammle keine Spieler. Zum Beispiel hatte mich Lukas Podolski gebeten, nach einem neuen Verein Ausschau zu halten nachdem es in der Türkei ein wenig unruhiger wurde. Zufälligerweise hatte ich einen guten Kontakt nach Japan und konnte ihn davon überzeugen, dass das die bessere Wahl ist als China oder die MLS. So habe ich ihn dann nach Japan vermittelt, wo er einen hervorragend dotierten Vertrag in Höhe von 17,6 Mio. Euro erhalten hat. Japan ist neben einem sportlichen auch ein menschliches Abenteuer, zu dem ich ihm geraten hatte.

Deine sportliche Vita bei der Auswahl Deiner Vereine erscheint ziemlich interessant. Sicherlich war nie der ganz große Verein dabei, aber viele Deiner Vereine zeichnen sich dadurch aus, dass sie eine starke Fankultur hatten bzw. haben. Und Du hast dich sehr schnell in ihre Herzen gespielt. Welche besonderen Erlebnisse verbindest Du mit der Fankurve bei deinen Stationen?

„Ansgar Brinkmann Fußballgott“, ist der allerschärfste Schlachtruf den es gibt. Sympathie kann man nicht kaufen.

Auf der anderen Seite gehört es auch dazu, eine gewisse Loyalität zu beweisen. Natürlich wollen die Leute in Osnabrück hören, dass die Münsteraner komisch sind, aber das ist nicht Ansgar Brinkmann. Ich stehe zu allen Fans, die mein Trikot getragen haben, und so kann ich mich heute nicht auf einmal von ihnen abwenden oder sie schlechtmachen. Neulich war ich auf der Dortmunder Süd zu Gast und mir wurde ein Schal überreicht. Ich habe den Schal zwar angenommen, aber auch erklärt, dass ich diesen nicht tragen könne. Ich habe nie für Dortmund gespielt und bin auch kein BVB-Fan.
Meine Vereine sind Frankfurt, Dresden, Osnabrück, Münster, Bielefeld! Am Anfang waren die Dortmunder erst etwas komisch, aber dann haben sie schnell verstanden, was ich meine, und fanden es gut.

Vor Deinem ersten Spiel für die SGE soll dich Trainer Horst Ehrmantraut im Spielertunnel zur Seite genommen und darauf hingewiesen haben, dass die Fans der Eintracht etwas Besonderes seien. Du hättest gedacht, das sei das übliche Blabla („wir haben die besten Fans“), aber nach dem Spiel wärst Du von der Stimmung geflasht gewesen? Nur ein Mythos oder stimmt das wirklich so?

Nein, das stimmt nicht. Aber wenn du nach 90 Minuten an den Zaun kommst und in die Gesichter, in die Augen der Fans siehst und das Funkeln erkennst, dann weißt du, dass das etwas ganz Besonderes ist. Viele Spieler bekommen das gar nicht mit. Die wissen gar nicht, welche Strapazen die Fans für ein Spiel in Kauf nehmen.

Kommen wir auf Deine Zeit bei der Eintracht in Frankfurt zu sprechen. Als Fußballprofi hat man nicht gerade eine 40-Stunden-Woche und es galt vermutlich, möglichst kreativ die Zeit totzuschlagen. In welchen Clubs oder Bars warst Du hier unterwegs?

Es gab zu meiner Zeit bei der Eintracht keinen anderen Spieler, der mehr durch Frankfurt gecruist ist als ich. Schnell mal zur Tanke, eine eiskalte Coke (oder Jackie-Cola) holen…

Durch meine Spielweise und Art habe ich mir auch manche Freunde unter den Rotlichtgrößen gemacht. Die Jungs waren sehr fair zu mir und natürlich „Straße“. Zu einer Feier hatten sie mich in Preungesheim, wo ich wohnte, mit einer Limousine abgeholt. Ich hatte zwar keine Angst, aber ich wusste auch nicht, worauf ich mich da eingelassen hatte. Als die lange weiße Limousine vorfuhr und ich die Tür öffnete, hörte ich nur „Hallo Ansgar“ und ein ehemaliger Eintracht-Torhüter, ein Vorbild von mir, saß drin. Bei der Feier lernte ich dann noch zwei junge ukrainische Boxer kennen, die ihren Weg auch noch gehen sollten. Ansonsten war ich damals wie heute ein ganz normaler Typ in Jeans und T-Shirt – und unter der Woche kannst Du mich bis heute im Waschsalon treffen.

Was verbindet Dich heute noch mit der Stadt und dem Verein?

Wenn ich in Richtung Frankfurt unterwegs bin, habe ich immer gute Laune. Ich habe heute immer noch ein sehr gutes Verhältnis zum Verein und habe viele Freunde hier.

Vor ein paar Jahren war ich in der Stadt unterwegs, als ich beinahe von einem Auto angefahren worden wäre. Ich hörte nur: „Ansgar, Ansgar bist du es?“. Ich schaute in den Wagen und drinnen saßen Jan-Age Fjörtoft und Thomas Sobotzik mit ihren Frauen und hatten vor Lachen Tränen in den Augen. Wie groß ist denn die Wahrscheinlichkeit, von den beiden nach so vielen Jahren beinahe angefahren zu werden?

Ein Grund für dieses Interview mit Dir war, dass Du dich nicht nur in deinem Podcast mit fanpolitischen Themen auseinandergesetzt hast. Dies führt uns unweigerlich direkt zum heißen Eisen der 50+1 Regel. Es scheint nur noch eine Frage der Zeit zu sein, bis diese ausgehebelt wird und Vereine, die daraufhin arbeiten, ihre Pläne aus den Schubladen holen. Wie siehst Du die Entwicklung in der Bundesliga?

Es gibt hier zwei Seiten zu betrachten. Der Vorteil bei einem Fall der 50+1-Regel wäre, dass dann jeder sportlich aufrüsten kann. So kann verhindert werden, dass der Konkurrenzkampf nicht nur noch einseitig ausfällt. Auf der anderen Seite darf es aber auch nicht sein, dass der Verein von einem Scheich oder einem anderen aus der Forbes-Liste übernommen wird. Um es vorweg zu nehmen: Ich habe keine allwissende Lösung für das Problem. Vielleicht sollte man für die Vereine eine Art Limit ausgeben, was aber sehr utopisch und für mich auch sehr komplex ist.

Auf der anderen Seite will die Bundesliga immer so solidarisch sein. Keine Frage, die Einnahmen aus den europäischen Wettbewerben sollen auch bei den Vereinen bleiben, die dort auch spielen. Aber warum wird das nationale Fernsehgeld gestaffelt? Wäre es nicht fairer, wenn alle den gleichen Anteil bekommen und somit alle die gleiche Ausgangssituation hätten? Warum müssen die schon finanziell stark aufgestellten Bayern auch noch das meiste Fernsehgeld bekommen? Man darf aber nicht die Farben oder das Logo ändern, nur weil man in die Champions League will. Vielleicht sollte man alles so um die 50 Mio. Euro pro Team als Obergrenze reglementieren, denn ich will doch nicht nur die CL gewinnen, weil mir jemand 300 Mio. gibt. Das sind doch einfach nicht mehr wir. Das dürfen die Fans, das dürfen wir einfach nicht zulassen.

Im Anschluss noch einmal hierzu nachgefragt. Denkst Du, dass sich ein Jungprofi von heute überhaupt einen Kopf über solche Dinge macht oder nicht eher den verlockenderen Weg „Geld vor Tradition“ gehen wird?

Sind wir doch mal ehrlich: Die Spieler sind zu jung für so was, sie sind nicht sensibel genug für solche Dinge. Keine Empathie. Erfahrung schlägt doch am Ende immer die Intelligenz. Bei einigen kommt vielleicht im Alter die Einsicht.

„Die Straße holt sich irgendwann den Fußball zurück. Und irgendwann ist manchmal gar nicht so weit weg“ – Deine Worte zu dem Pfeifkonzert und dem Anti-DFB Wechselgesang beim DFB-Pokal-Endspiel 2017. Du sagst weiter richtig: „Die Fans haben den Fußball groß gemacht“. Dies scheint in der Event- und Gelddruckmaschinerie vollkommen vergessen worden zu sein. Statt dessen eine weitere Zersplitterung des Spieltages in der Bundesliga, mehr Pay-TV… Kann sich die Straße den Fußball überhaupt noch zurückholen?

Natürlich kann sich die Straße gegen die Willkür wehren. Viele sagen, dass man den Markt nicht ändern kann. Sie leben aber auch sehr gut davon. Notfalls musst du eben Feuer mit Feuer bekämpfen. Erst sind die Vereine eine GmbH, dann eine AG. Ich kann dann die SGE kaufen, ihr neue Farben verpassen und irgendwann trägt sie ihre Heimspiele in Oldenburg aus. Die Tradition wird verloren gehen, aber die Identifikation darf einfach nicht verloren gehen.
Die Instanzen sagen einem, was man darf oder nicht. Man muss aufstehen und überlegen, wie man unseren Standpunkt deutlicher machen kann, um sich der Willkür entgegen zu stellen.

Ansgar, da wir heute Abend alle noch Silvester feiern möchten, müssen wir leider zum Schluss kommen. Vielen Dank dafür, dass du dir für uns zeitgenommen hast. Es hat uns unheimlich Spaß gemacht. Die letzten Worte gehören wie immer unserem Gesprächspartner. Sag, was du sagen möchtest.

Was soll einer sagen, der erst seit drei Monaten krankenversichert ist?! 🙂