Sapeur OSB stellt vor: Henri Lloyd

Gude Sapeuristen,

heute wollen wir euch eine weitere Marke vorstellen, welche die Symbiose aus funktionaler Segelbekleidung und dezenter Eleganz verkörpert. Eine Symbiose, welche nicht nur in der segelnden High-Society ihre Freunde gefunden hat, sondern auch den gut gekleideten Szene der britischen Fußballkurven.

Die Marke Henri Lloyd wurde 1963 in der nordenglischen Großstadt Manchester gegründet, welche zwar über keinen Segelhafen, aber mindestens zwei große Fußballvereine verfügt. Der Markenname ist dabei eine Kombination aus den beiden Namen der Gründer von Henri Lloyd. Zum einen der Brite Angus Lloyd und zum anderen der bereits verstorbene Henryk „Henri“ Strzelecki, welcher in Polen geboren wurde und später ebenfalls britischer Staatsbürger wurde.

Während das Leben von Angus Lloyd als Geschäftsmann und Designer eher unspektakulär verlaufen ist, wenn man der vorliegenden Literatur Glauben schenken möchte, so hätte Henryk „Henri“ Strzelecki sicherlich die ein oder andere Geschichte aus dem Köcher holen können. Geboren in Polen (1925) machte er mit Ausbruch des 2. Weltkrieges einen schmalen Fuß und floh ins britische Königreich. Dort setzte er sich allerdings nicht in den Luftschutzbunker sondern schloss sich dem britischen Militär an und war u.a. an der Schlacht zur Befreiung von Bologna beteiligt. Sein Engagement im Krieg wurde von britischer und polnischer Seite mit einigen Auszeichnungen bedacht, eine Rückkehr nach Polen kam für ihn allerdings nicht mehr in Frage, weil die Kommunisten die Herrschaft übernahmen. Danach widmete sich Henri seinem Studium als Designer und seiner beruflichen Vita, welche ihm 1985 die Auszeichnung zum Mitglied des Ordens des britischen Empire einbrachte. Eine Auszeichnung, welche durch die Queen persönlich vergeben wurde. Fünf Jahre später zog sein Geburtsland Polen ebenfalls mit einer ähnlich bedeutenden Auszeichnung nach. Im Unternehmen wurde Henri bis zuletzt von seiner Tochter und seinen beiden Söhnen unterstützt. Er starb am 2. Weihnachtsfeiertag 2012 im Alter von 87 Jahren.

 

Im Jahre 1963 fanden die beiden Designer Henri und Lloyd zusammen und gründeten ihr Label Henri Lloyd. Der Schwerpunkt ihrer Arbeit war dabei die Entwicklung von Outdoor-Bekleidung, welche sich vorzugsweise an einen Personenkreis aus Golfern und Seglern richtete. Also ein Personenkreis, welcher Funktionalität und Qualität zu schätzen weiß, aber auch eine schlichte Eleganz einfordert und dafür bereit ist auch mal etwas tiefer in die Geldbörse zu greifen. Ein Umstand welcher dazu führte, dass beiden Designer auch mit Materialen arbeiteten, welche bereits in der unverarbeiteten Anschaffung eine deutlich höhere Wertigkeit hatten (z.B. Fiberfasern) als die üblichen Materialen von der Stange. Aber eben auch ein Umstand welcher dazu führte, dass die Marke Henri Lloyd eines der ersten Labels gewesen ist, welches mit Materialen wie Velcro oder Gore-Tex gearbeitet hat, diese in ihre Produkte einfließen ließ und somit auch einen nicht unbedeutenden Anteil an der damit verbunden technologischen Entwicklung hatte. Die Produkte fanden dabei besonders im Bereich der Segler einen treuen Kundenkreis und nicht wenige Starter bei der olympischen Regatta schwören bis heute auf diese Marke. Sein besonders Arrangement bei der Entwicklung von wasserfester Funktionskleidung brachte Henri Strzelecki deswegen auch den Spitznamen „Waterproof Henri“ ein.

Auf die Bühne der „Fashion-Welt“ schaffte es Henri Lloyd dank des Umstandes, dass das Label auch ein Teil der italienischen „Paninaro“ wurde. Der aufmerksame Leser unseres Blogs wird sich nun an die Vorstellung der Marke „Best Company“ erinnern, welche ebenfalls auf den Straßen von Milano ihre großen Durchbruch erlebte und auf den Tribünen die die Welt bedeuten. Beide Marken verdanken dies dem großen Maestro Olmes Carretti, der nach seinem Weggang von „Best Company“ von 1985 bis 1989 maßgeblich mit seinen Designs an dem Erfolg von Henri Lloyd beitrug. Mitte der 90er Jahre platzierte Henri Lloyd zudem sein Black Label am Markt, welches sich am italienischen Modestil orientierte. Der ganz große Verkaufsschlager in den britischen und auch skandinavischen Kurven sollte jedoch neben den Jacken der Alton Halfzip und Alton Crewneck werden. Hier wurde der Union Jack über den Verlauf der gesamten Schulter eingewebt. Die Alton Knitwear gab es in diversen Farben, war trotz Nachbestellungen immer direkt ausverkauft und dementsprechend omnipräsent gewesen. Nach einer sehr gelungenen Kooperation mit dem Shop „Oi Polloi“ aus Manchester („Viking Anorak“ und „Consort Round the World“ Jacket) 2010, folgte im Jahr 2012 dann das große Comeback von Olmes Carretti, der vor allem mit der „Henri Lloyd x Olmes Carretti Consort Jacket“ Akzente zu setzen wusste. Gerade durch die angesprochene Colabo und der Kreativtät Carretti´s war die Marke spätestens jetzt wieder wortwörtlich auf die Tribüne zurückgekehrt.

 

 

Kommen wir auf die aktuellen Sachen bzw. die Herbst-|Winterkollektion 2017 zu sprechen. Ein Steckenpferd der Briten ist natürlich ganz klar die Outerwear, die euch bei Regen trocken und in der Kälte warm hält. Ein Modell aus dem Hause Henri Lloyd wollen wir euch dabei ganz besonders ans Herz legen, nämlich die Consort Jacket. Die Jacke wurde 1965 persönlich von „Mr. Henri“ designt und war eine der führenden Allwetterjacke ihrer Zeit. Natürlich wasserfest und somit ganz im Kontext zum Spitznamen ihres Designers. Ihre ersten ultimativen Härtetest erlebte die Jacke auf der Solo-Weltumsegelung von Sir Francis Chichester, welcher die Jacke in einem Grünton getragen hat. Eine Farbkombination, welche bei Seeleuten eigentlich eher unbeliebt ist. Sir Francis Chichester störte sich daran nicht und bot der Jacke somit eine ideale Plattform ihre Funktionalität unter Beweis zu stellen und der Öffentlichkeit bekannt zu werden. Nun 50 Jahre später greift das Team hinter der Marke Henri Lloyd dieses Thema wieder auf und hat sich fünf Designer aus Großbritannien und Italien ins Haus geholt, welche die „Jacken-Ikone“ aus dem Hause Henri Lloyd auf Herz und Nieren prüften, aktualisierten und dabei dreizehn(!) neue Modellausführungen entwarfen. Aktuell kann die Jacke noch nicht käuflich auf der Homepage von Henri Lloyd erworben werden, aber ihr könnt davon ausgehen, dass dies pünktlich zur kalten Jahreszeit passieren wird. Spötter könnten nun natürlich sagen, dass diese Jahreszeit in diesem deutschen Sommer durchgehend ist. Preislich wird die günstigste Variante der Consort Jacke mit 289 Pfund (330 Euro) laut Homepage zu Buche schlagen. Sicherlich kein Schnäppchen, aber auch keine Unsumme für eine gute Allwetterjacke, um trocken ins Stadion seiner Wahl zu kommen oder um ganz klassisch und stilecht mit der Freundin über den Ententeich zu segeln.

 

Der offzielle Henri Lloyd Webstore scheint noch nicht vollständig mit der kommenden Ware aufgefüllt worden zu sein, denn es wird zwar im „Journal“ auf den ein oder anderen Hingucker verwiesen, der aber dann im Shop selbst noch nicht vorhanden ist. So bleibt uns ein kleiner Hinweis auf die schicke Strickware, Sweats und Hemden, die bereits verfügbar sind.

Während wir an unserem Artikel gearbeitet haben, konnten wir im Netz mitverfolgen, das Henri Lloyd auch bei deutschen Casual Outfittern wie z.B. 80s Casual Classics-Deutschland oder The Smart Dresser geführt wird bzw. aktuell ins Markenportfolio aufgenommen wurde. Die Marke rückte in den 1990ern in der Football Casualszene in den Vordergrund als die britischen und skandinavischen Fußballfans sich mehr und mehr nach stilvollen Marken umschauten, die ihren Wurzeln in anderen Sportarten hatten. Nun ist es also auch endlich in Deutschland so weit und die Marke wird zukünftig einer neuen Kundschaft präsentiert werden. Wir sind schon sehr darauf gespannt wie Henri Lloyd aufgenommen werden wird. Wir von Sapeur – One Step Beyond überlassen es aber wie immer euch, ob es euer „cup of tea“ ist. Wir sind gespannt.

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Autor: vilbelmaggus

photo source: Henri Lloyd