STARS OF CCTV Teil 1: Green Street Hooligans


Es ist mal wieder so weit und wir präsentieren in Kürze unser neues T-Shirtmotiv mit dem Projektnamen STARSofCCTV. Um die Vorfreude auf das neue Shirt bei euch etwas zu befeuern, stellen wir in fast schon guter Sapeur OSB Tradition anhand einer kleinen Serie die Filme vor, die wir für das Design ausgewählt haben.

Die britischen sogenannten Hoolie Movies sind wahrscheinlich bestens bei euch bekannt und wir werden ihnen nach unserer Art eine Hommage widmen. Die Filme haben vermutlich die neue Generation der deutschen Casual massgeblich beeinflusst, den Look und Lebensgefühl zwischen Badge, Nova Check und weißen Turnschuhen von England auf die Mattscheibe und dann in euren Kleiderschrank transportiert.

Den Anfang dieser Reihe macht Green Street Hooligans. Na na na, was soll das Gestöhne? Sicherlich ist es bei den Stadiongängern nicht gerade das beliebteste Machwerk, aber durch die Ausstrahlung im Free TV war er für die breite Masse vielleicht so etwas wie die „Einstiegsdroge“. Wir wünschen euch viel Spaß mit der Filmvorstellung und haltet uns die kommenden Tage besser mal im Auge. Der ein oder andere Teaser wird verraten, wann der Release von „STARSofCCTV“ sein wird.

Eine Filmbesprechung von bobo van dalen

Zwei Jahre nachdem er als Frodo in „Herr der Ringe“ Mittelerde rettete, schlüpfte Elijah Wood im Jahr 2005 in sportlich elegante Straßenkleidung, um sich durch Fußball-England zu prügeln. Regie führte die aus Mannheim stammende Lexi Alexander, der gewisse Einblicke in die kurpfälzische Fußballszene nachgesagt werden. Zudem hat sie auf internationalem Niveau Karate und Kickboxen betrieben; es gibt denkbar schlechtere Voraussetzungen um einen Hooligan-Film zu drehen. Wer behauptet, den Film seiner Zeit im Kino gesehen zu haben lügt, da er im Herbst 2005 ausschließlich auf DVD veröffentlicht wurde.

Ausgehend von der Annahme, dass der überwiegende Teil der hoch geschätzten Leserschaft den Film sehr oft gesehen hat und in Folge dessen jeden Dialog simultan mitsprechen kann, werden die zwischenmenschlichen Zwistigkeiten sowie detaillierte Beschreibungen von Prügeleien einfach mal ausgeblendet. Vielmehr sollen die beiden Hauptcharaktere und der grobe Handlungsstrang im Fokus stehen. Ein Film ist ein Film und sollte daher in seiner originären Form betrachtet werden. Wer den Film nicht kennen sollte, dem sei geraten, sofort die Arbeit niederzulegen, die DVD oder Bluray im nächsten Elektrofachmarkt zu besorgen und ihn unverzüglich anzuschauen.

Zur Story. Es war einmal in den Vereinigten Staaten: Kurz vor seinem Uniabschluss in Journalismus fliegt Matt Buckner von der Harvard-Universität, da er den Drogenbesitz eines Kommilitonen aus feinem Hause auf seine Kappe nimmt.Er nutzt die gewonnene Freizeit um seine Schwester Shannon (Claire Forlani) und deren Mann Steve (Marc Warren) in London zu besuchen. Steve bietet jedoch seinem Bruder Pete hundert Pfund, wenn er Matt zum Fußball mitnimmt, da er mit seiner Frau Shannon einen romantischen Abend verbringen will. Nach einigen Diskussionen nimmt Pete den Gast „aus den Kolonien“ mit und sie treffen sich mit den Jungs in einem Pub zum Bier, bevor es zum Heimspiel gegen Birmingham geht. Auf dem Weg zum Pub klärt Pete den Yankee (und die Zuschauer vor dem Fernseher) über die Verhältnisse beim englischen Fußball auf und er erhält einen ersten Eindruck mit wem er es hier zu tun hat.

Nach dem Spiel trennt sich Matt von der Gruppe und macht sich alleine auf den Heimweg. Hierbei wird er von einer Gruppe „Zulus“, der Firma aus Birmingham – angegriffen, die ihm ein Lächeln in Form eines „Chelsea Smile“ ins Gesicht zaubern wollen. Die GSE bekam jedoch hiervon Wind und es kommt zur Auseinandersetzung. Matt schlägt sich hierbei nicht schlecht und wächst zunehmend in die GSE hinein. Anfangs noch geschockt, entwickelt Matt eine Leidenschaft für Fußballgewalt. Zunehmend entwickelt er Selbstsicherheit, was sich in seiner Körperhaltung, seinem Gesichtsausdruck und seinem gesamten Auftreten widerspiegelt. Als „der Yankee“ erlangt er zunehmende Berühmtheit unter den West Ham Anhängern. Aufgrund seines Journalismusstudiums notiert er seine Erlebnisse in Form eines Tagebuchs auf seinem PC. Dies darf die GSE allerdings nicht erfahren, da sie Journalisten ähnlich gut leiden kann wie die Polizei.

Alles könnte so schön sein – die Prügeleien Zuhause in London, Auswärts in Manchester, die Pubkultur, die schicken Klamotten – wäre da nicht das zerrüttete Verhältnis zu seinem Vater, der ebenfalls Journalist und in seiner Kindheit berufsbedingt mehr weg als da war. Überdies macht Shannon die Freizeitgestaltung von Matt und Pete zunehmend Sorge, was sich unmittelbar auch auf Steve auswirkt. Und dann ist da noch Bovver. Er ist gewissermaßen die Nummer Zwei nach Pete und sowas wie die Diva der Firma. Er blickt Eifersüchtig auf den Emporkömmling Matt, den er von Anfang an nicht leiden kann. Mehr wollen wir euch an dieser Stelle aber nicht verraten, niemand mag Spoiler und wir wollen allen unter euch, die „Green Street Hooligans“ doch nicht kennen sollten, nicht den „Aha“- Effekt nehmen.

„WIR HABEN UNS VORGENOMMEN IM LEBEN ZU NICHTS ZU KOMMEN, WAS UNS AUCH GOTT SEI DANK BISHER GELANG. TRINKFEST UND ARBEITSSCHEU SIND WIR UNITED TREU. SO LEBEN WIR, JA WIR. SO LEBEN WIR. UNITED!!! UNITED!!!“

Die Filmkritiken zu „Green Street Hooligan“ fallen allesamt nicht sehr euphorisch aus und es wäre ein leichtes den Film in Sachen Authentizität und Co. kaputt zu reden. So ist beispielsweise die deutsche Synchronisierung der Cockney-Wortspiele genauso unterirdisch wie die sinnfreien Übersetzungen der Fangesänge. Und obwohl die Regisseurin Alexander kampfsporterfahren ist, wirken die Kampfszenen teilweise wie von Bud Spencer´s Schwester choreographiert. Und so könnte man in epischer Folge die immer gleichen Schmähkritiken fortsetzen, die ihr so oder so ähnlich bestimmt schon des Öfteren gehört habt. Man könnte zur Abwechslung aber auch mal genau das Gegenteil machen und die positiven Aspekte hervorheben.

Zunächst werte Herrschaften, handelt es sich um einen Hollywood-Film, der eine fiktive Geschichte erzählt. Und die Hollywood-Film-Macher wollen in erster Linie ein massentaugliches Produkt erschaffen und damit Geld verdienen. Würde im Umkehrschluss der allwissende und diplomierter Lehrbuch-Hooligan einen Film drehen, wäre er sicher ganz nah an der Realität und käme von der handwerklichen Machart qualitativ wie die meisten einschlägigen Youtube-Videos daher. Davon abgesehen haben die Hüter der reinen Lehre immer etwas zu meckern, weil sie die Weisheit mit der Schneeschippe gefressen oder nasal konsumiert haben. Zwischenfazit: Irgendwas ist immer.

Obwohl der Film keine wahre Geschichte erzählt, finden sich bei der GSE starke Parallelen zur legendären Inter City Firm (ICF) von West Ham. Die Garderobe der Schauspieler ist zwar nach heutigen Gesichtspunkten nicht der Geheimtipp in Sachen neuestem fancy Shit, aber mit nem Windrosen-Ärmelpatch hier, etwas Nova Check dort und allerorts weißen Trainers mit drei Streifen trifft das doch ganz gut den Fußball-Schick der Nullerjahre, wie ich finde. Apropos Fußball-Schick: Vermutlich decken sich unsere Meinungen dahingehend, dass „Football Factory“ der bessere Film ist. Er ist aber auch der unbekanntere, zumindest für Leute ohne Fußballbezug. So ein Max Mustermann würde diesen Film vermutlich ungesehen lassen, wenn da nicht „Frodo“ auf Hooligan machen würde und nicht im Free TV läuft. Auf diese Weise hat der Film die etwas andere Fußballkultur mit ihren Ritualen, ihrem Slang und ihren Klamottenmarken im Mainstream der omnipräsenten 08/15-Modemarken bekannt gemacht. Meines Erachtens hat „Hooligans“ und nicht etwa „Football Factory“ die Marke mit der Windrose bei einem breiten Publikum auf dem europäischen Festland einen zweiten oder dritten Frühling verschafft und eine neue Casual-Lawine im Allgemeinen und der italienischen Edelmarke im Besonderen losgetreten. Der Legende nach soll sogar der beige Mantel von Pete so heiß begehrt gewesen sein, dass dieses Modell im ganz großen Sil plagiiert wurde. Die Kehrseite der Medaille….