Sapeur OSB im Gespräch: Steffen Andritzke, Kulturstadtbanause


Lust auf eine „Geschichtsstunde“ der anderen Art? Über die DDR, die Stasi, Hooligans und einem Plädoyer für die Freiheit? Na dann, Antennen auf Empfang! Steffen Andritzke hat sich mit uns über sein Buch Kulturstadtbanause und den Geschichten dahinter unterhalten. Mit seinem Werk hat er ein großartiges Zeitzeugnis geschaffen, dass sich mit seinem Leben und Tun in der DDR, dem Fußball in Jena, seiner Heimatstadt Weimar, Borussia Mönchengladbach als Freiheitssymbol seiner Jugend und dem Hooliganismus in beiden Teilen Deutschlands beschäftigt.

Wer uns kennt weiß, dass wir unseren Interviewpartnern Löcher in den Bauch fragen könnten und so ist dieses Gespräch auch mal wieder etwas länger geworden. Aber hey, was verpasst ihr denn im TV? Wer eine Rose überreicht bekommt, wer welchen Song am trällert oder welche Zicke doch kein Top Model wird?! Richtig, macht euch mal ein Bier oder gerne auch zwei auf, nehmt euch die Zeit und lest was uns der gute Steffen zu erzählen hatte.

Herzlichen Dank nochmals, Steffen, dass du dir für uns Zeit genommen hast. Wir sind schon sehr auf deine neue Projekte gespannt.

Gude Steffen, wir freuen uns sehr darüber, dass du mit uns das Interview machst. Du hast mit dem Buch „Kulturstadtbanause“ einen persönlichen Rückblick verfasst, der von deiner Vita und dem Hooliganismus in der DDR handelt. Ein beeindruckendes Zeitzeugnis. Stell dich bitte einmal selbst kurz vor, bevor wir tiefer ins Thema einsteigen.

Moin moin. Zuerst einmal vielen Dank das ich mich in so einem illusterem Kreis zu Wort melden darf. Es ist mir eine Ehre……….. 😉 !

Tja, wo soll ich anfangen ……. ich bin seit meiner frühesten Kindheit Fan von Borussia Mönchengladbach. Das ist zwar von der Sache her nicht wirklich spektakulär – bei mir war es jedoch so, das ich ein ostzonales Zonenkind bin und mir es somit verwehrt war, einmal auf den Bökelberg zu pilgern. Die SED- Schergen hatten nämlich zwischen mir und meiner Borussia eine Mauer gebaut und jeder, der meinte er müsse einmal den anderen Teil Deutschlands besuchen, wurde an der Mauer hinterrücks erschossen. Peng. Einfach so.

Als ich dann 13 Jahre alt war überredete mich ein Kumpel mal mit zum FC Carl Zeiss Jena zu fahren. Ich tat es. Und das veränderte mein Leben schlagartig.

Wie bist du eigentlich zu der Idee zu „Kulturstadtbanause“ gekommen und wie war die Reaktion in deiner Familie und Freundeskreis als du ihnen davon erzählt hattest?

Hm, das ist aber eine hübsche Frage welche nur etwas umständlich zu beantworten ist. Eigentlich wollte ich nie ein Buch schreiben. Ich hatte auch keinen bock ein Buch zu schreiben. Nur wurde ich eben mehrmals mit der Nase darauf gestoßen. Als erstes hatte ich mich einmal mit einem Menschen unterhalten, der selber Bücher über seinen Lieblingsverein geschrieben hatte. Sein Verein war zwar nicht die heilige Borussia aber trotzdem verstanden wir uns sehr gut. Während dieser Unterhaltung erzählte ich ihm so ein paar Sachen die in der DDR so vorgefallen sind. Mehrfach sagte er in diesem Gespräch, ich müsse dies doch einmal aufschreiben und der Nachwelt hinterlassen. Ich fand das blöd. Nicht, weil die Idee an sich doof war, sondern weil ich von haus aus eine faule Sau bin (ich selbst hatte ja 1977 in einem Hinterzimmer einer Kneipe in Weimar zusammen mit einem Freund die Faulheit erst erfunden!). Ein paar Monate nach diesem Gespräch wurde ich von Frank Willmann für sein Buch „Stadionpartisanen nachgeladen“ interviewt. Ich verstand mich auf Anhieb sehr gut mit Frank und so kam es, dass wir dann auch etwas länger plauderten. Als er mir den Entwurf unseres Interviews vorlegte, standen da auch ein paar Dinge mit drin, die ich einfach „nur so“ erzählt hatte und von denen ich dachte es wäre nicht so gut wenn das veröffentlicht werden würde. Ich rief ihn an und bat ihn diese zwei Sachen wieder raus zunehmen. „Ach, du willst wohl selber ein Buch schreiben“, war seine Reaktion. Aufgrund es vorhergehenden Gespräches mit dem anderen Autor gab mir das dann wirklich zu denken. „Nee ……“, hab ich dann am Telefon so ein bisschen unschlüssig rumgeeiert……, „ich hab sowas noch nie gemacht. Wenn „ja“ bräuchte ich Hilfe“. Frank sagte daraufhin: „Wenn du Fragen hast – frag ruhig. Ich helfe dir.“ Und so bin ich mit einem Fragenkatalog zu ihm gefahren. Wir unterhielten uns sehr lange und er war wirklich sehr hilfsbereit. Aber mitten im Gespräch sagte er aus heiterem Himmel zu mir: „übrigens, falls du das Buch wirklich schreiben möchtest habe ich schon einen Verlag für dich der sich für das Buch interessiert“. Da war ich baff. Ich hatte noch nichtmal den Entschluss gefasst ……. und schon hatte ich einen Verlag. Naja, so ein Angebot konnte ich dann nicht mehr ausschlagen………….!

Was die Reaktionen meines Umfeldes betrifft – die haben gedacht ich sei jetzt völlig bekloppt geworden. Malen nach Zahlen hätten sie mir ja noch zugetraut ……. aber ein Buch………. naja, mach ma …….. 😉

Du konntest mit TROLSEN einen Partner für dein Buch gewinnen, der bereits andere Bücher aus der Fußball Subkultur verlegte. Wie gestaltete sich allgemein die Suche nach einem Verlag und war Trolsen dein Favorit und erster Ansprechpartner gewesen?

Na das ist der nächste „komische Zufall“. Also: ich habe einen guten Freund in der Fanszene des HSV. Der hat dort etwas zu sagen und hat deshalb auch diverse Kontakte zu diesem und jenem. Als ich ihm einmal erzählte das ich mit meinem Geschmiere angefangen habe, sagte er mir, dass er sehr gute Kontakte zum TROLSEN- Verlag habe. Er riet mir doch einmal mein Manuskript zu diesem Verlag zu schicken. Ich dachte mir das ich ja schließlich nichts dabei verlieren könne und innerhalb kürzester Zeit kam die Rückmeldung des Verlages das sie mein Buch sehr gerne nehmen würden. Plumps – auf einmal hatte ich zwei Verlage. Mal ganz davon abgesehen das ich mich da schon ein bisschen gebauchpinselt fühlte – wer hat schon zwei Verlage die sich um sein „Werk“ bemühen – habe ich mich dann schließlich für den Verlag entschieden, von dem ich dachte er hat die besseren Distributionswege. Das wars. Weiter nüscht.

Das Phänomen bei Büchern aus den Subkulturen ist, daß sie recht regelmäßig von den Medien hofiert werden. Ist da vielleicht eine Doppelmoral in der Medienlandschaft festzustellen, wenn in den 12 Uhr Nachrichten noch von „sogenannten Fans“ und der stetig wachsenden „Spirale der Gewalt“ gesprochen wird und du dann kurz darauf in der Nachmittagsshow dem Moderator aus deinem Buch und Leben erzählst?

Natürlich gibt es diese Doppelmoral. Das liegt doch schon in der Natur der Sache. Die wollen „verkaufen“. Die wollen Einschaltquoten. Am Nachmittag kriegen sie die Einschaltquoten so – und am Abend eben so. Bestes Beispiel ist doch als ich als Talkgast bei „Menschen bei Maischberger“ war. Am nächsten Tag nach der Ausstrahlung der Sendung hat mich dann ein sogenannter „Reporter“ eines der größten Nachrichtenmagazine ausgeschmiert. Was am Abend noch ein „Ex- Hooligan war, der es geschafft hatte von Drogen wegzukommen“ war am nächsten Tag bei der online- Ausgabe nur noch ein „fetter Skinhead, der etwas von Kameradschaft faselte“. Man dreht es eben so wie man es gerade braucht. Ohne Rücksicht darauf ob man durch Rufmord ein Leben zerstören würde. Diese Doppelmoral mancher Medien ist zwar ekelhaft und abstoßend – aber als ich den Schmierfinken mal gegoogelt habe (und gesehen habe wie der aussieht) wusste ich auch warum das so ist. Wenn mit mir früher die Jungs auf dem Schulhof auch nicht gespielt hätten , hätte ich wohl auch eine solche Abneigung gegen die entwickelt, die Freundschaften unter richtigen Jungs hatten 😉 Aber eigentlich ist mir das auch völlig wurrscht. Soll er doch seinen Selbsthass und seinen Hass auf alles maskuline mit ins Grab nehmen. Ich befürchte nur wenn er andere auch so ausschmiert wird er eines Tages wohl doch einmal Besuch bekommen. Ich glaube nicht jeder ist so nachsichtig und tolerant wie ich es mittlerweile bin 😉

Ein gebürtiger Weimarer, der ein leidenschaftlicher FC Carl-Zeiss Jena Fan ist. Wie bist du damals zum Fußball gekommen und wie würdest du den Werdegang deiner Fankarriere beschreiben wollen?

Zum FCC bin ich eigentlich nur „durch Zufall“ gekommen. Ein Freund aus meiner Trainingsgruppe hat mich mitgenommen. Sehr schnell fand ich im Ernst -Abbe- Sportfeld super coole Freunde auf die man sich verlassen konnte und die auch – ähnlich wie ich – die Fesseln des realexistierenden Sozialismus spürten. Ich fühlte mich dort zuhause und so kam es, dass ich eben seit Mitte der 70er mit dem FCC durch die ostzonale Ostzone fuhr. Gleich bei meinem ersten Auswärtsspiel hab ich von mehreren Halle- Fans kassiert und die, mit denen ich damals nach Halle gefahren bin, haben sich verpisst. Irgendwie fand ich das relativ unsexy und ich habe dann auch ziemlich zeitig damit angefangen mir Leute zu suchen, die eben nicht gleich wegrennen, wenn ihr 13- jähriger „Freund“ von großen, fetten, erwachsenen Hallensern auf den Kopf kriegt. Diese Leute fand ich dann tatsächlich im EAS. Erst bin ich denen immer hinterhergedackelt. Später dann ergab es sich wie „von selbst“ das es auch Leute in meinem Alter gab, die ein klein wenig lieber austeilen als kassieren.

Ich erinnere mich noch gern an die Zeit als ich als kleiner Wanst immer den „Alten“ hinterher- und später dann mitgelaufen bin. Ich muss wohl so um die 14 oder 15 gewesen sein als ich mit den Neustädtern vom Chemieheim (einer Kneipe nahe dem EAS) ins Stadion gegangen bin. Damals gab es noch keine Blocktrennung und wir sind hinter den Magdeburgern in Richtung unseres Stammplatzes gegangen. Als wir direkt hinter den FCM- Fans waren, schnappte mich einer der Neustädter, schrie mir ins Ohr: „ach, übrigens, es geht jetzt los“ und schmiss mich zwischen die Magdeburger. Und, er hatte recht. Dann ging es wirklich richtig los! 😉 Als ich dann so um die 18 war hatte sich in Weimar ein drolliger, kleiner Haufen herauskristallisiert die alle so in meinem Alter waren und die unter dem Punkt „Hobby“ wohl fast alle hingeschrieben hätten: „Gästefans unsere Ansicht über Fußball aufdrängeln“. Das waren dann die, aus denen später die „Weimarer Jungs“ hervor gingen. Wirklich ein putziger, kleiner Zusammenschluss junger Männer.

Welche Probleme zogen deine Aktivitäten rund um die Spiele von Carl-Zeiss in deinem Alltag nach sich? Stichwort Stress mit den Eltern, der Volkspolizei, Stasi.

Als ich noch bei meinen Eltern wohnte gab es natürlich Stress. Auch wenn ich immer die Vorladungen aus dem Briefkasten angelte und versuchte so viel wie möglich zu verschweigen, bekamen die schon so in etwa mit, was wir da so getrieben haben. Das ging von tagelangem Schweigen bis hin zum Rausschmiss. Ich erinnere mich noch als ich mir mal die Schuhe angezogen habe um zum Thüringenderby zu fahren. Mein Vater guckte mir nur kurz ins Gesicht und sagte dann zu mir: „schade, das sich deine Mutter so viel Mühe gegeben hat um deine Zähne so schön machen zu lassen!“ Wie gesagt: THÜRINGENDERBY!“

Naja, Polizei uns Stasi – das war Dauerstress. Ich habe ja in meinem Buch deutlich beschrieben was die Stasi mit „zersetzen“ meinte. Das haben sie dann halt auch bei mir gemacht. Und dann halt noch die fiesen Schikanen, die sie sich so „zwischendurch“ einfallen ließen. Einmal hat die Stasi meinen Chef am Sonntag Nachmittag zuhause abgeholt und ihn wegen mir verhört. Jeder kann sich vorstellen was dann los war als ich Montag auf Arbeit kam. Die Stasi hat mich auch auf der Baustelle mit Handschellen abführen lassen nur um mich vor der Kundschaft unmöglich zu machen. Die sind in alle Lebensbereich eingedrungen. Es gab auch „Freunde“ die schlagartig mit der Wende nichts mehr mit mir zu tun haben wollten. Einfach so. Ohne Grund. Im Nachhinein sieht das so aus, als ob sie dann einfach „keinen Auftrag“ mehr hatten mit mir „befreundet“ zu sein. Oder das Thema: „Verleumdungen“. Das Thema zieht sich bis jetzt in die „Neuzeit“ durch. Ich hatte auch Anfang der 90er Einsicht in meine Stasi -Unterlagen beantragt. Irgendwann bekam ich dann einen leeren Ordner zugeschickt und in der Mitteilung dazu stand „……das es der Behörde leid tun würde aber sie wüssten garnicht wo der Inhalt des Ordners geblieben ist“. Vor kurzem habe ich nochmal Einsicht in meine Akten beantragt und ich bekam ein Schreiben in welchem stand das der Antrag nun noch einmal bearbeitet wird. Das bedeutet wohl das nun doch wieder etwas aufgetaucht ist. Na, da sind wir doch alle mal gespannt wer sich nun doch noch als Stasi- Mann entpuppt ..!

Du schreibst in deinem Buch, dass die Weimarer Jungs zu der Zeit den Hauptmob von Jena stellten. Wie waren die Verhältnisse in Weimar mit Fangruppen anderer Vereine und wie habt ihr euch am Spieltag organisiert?

„Wie waren die Verhältnisse in Weimar mit Fangruppen anderer Vereine“ – ich denke mal das damit gemeint ist das Weimar eigentlich genau in der Mitte zwischen Jena und Erfurt liegt. Daher gab es natürlich auch immer RWE- Fans. Obwohl es damals auch gelegentlich dazu kam, das ein paar Backpfeiffen mit denen getauscht wurden, war es größtenteils jedoch sehr ruhig. Wenn ich fair sein will, muss ich natürlich auch zugeben das die auch coole Leute hatten. Mit einen von den Hools von denen war ich sehr gut befreundet und so kam es, das ich auch ein paar Mal mit denen auswärts gefahren bin. Manche von denen kannten mich als „DAS Zeiss- Schwein“. So wie die das damals immer betont haben war das für mich ein Kompliment. Wir haben auch mal etwas mit denen zusammen gemacht. Das war bei einem Pokalspiel Weimar gegen Dynamo Dresden in den 80ern. Mit Spielanpfiff haben wir gemeinsam die Sachsen aus dem Stadion „gebeten“ und dann durch die ganze Stadt gejagd. Die Dresdener haben noch viele Jahre danach über die „Rache von Weimar“ geredet.

An den Heimspieltagen haben wir Weimarer Jungs uns immer schon um 9:00 Uhr morgens am Bahnhof getroffen. Wir haben dann in der Bahnhofsgaststätte diverse alkoholhaltige Getränke ausgetrunken und geschaut was der Tag so bringt. Aus heutiger Sicht klingt das vielleicht einen Hauch asozial – aber damals war das wie ein Abenteuer. Wenn Erfurt auswärts gespielt hat mussten die mit dem Zug durch Weimar fahren, und wenn die ein Heimspiel hatten mussten deren Gäste mit dem Zug durch Weimar fahren. Oder umsteigen. Da war manchmal allerhand los. Das soll aber keinesfalls heißen das wir immer alles gewonnen haben. Das heißt nur, das es jedes Wochenende ein kleines – meist aber sehr lustiges – Abenteuer in Weimar gab. Gegen 11 Uhr sind wir dann nach Jena mit dem Zug gefahren und haben dort „mal geguckt ob dort keiner guckt“. Irgendwas war immer los. Entweder ein kleines Handgemenge mit den Gästefans oder Unsinn mit anderen Fcc- Fans austüfteln.

Naja, und sind wir auswärts gefahren kam es halt darauf an wohin wir gefahren sind. Von Mitte der 80er an hatten wir ein paar sehr gute Freunde beim BFC. Die sind immer zu uns gekommen wenn sie in EF oder in Jena gespielt haben und wenn wir dort oben irgendwo gespielt haben, sind wir dann zu denen gefahren. Das war einfach herrlich. Jedes Wochenende ein kleines Abenteuer. Gerne sind wir auch schon Freitag nach Leipzig gefahren und haben dort auf dem Bahnhof rumgelungert. Oder einen Tag vor dem Spiel in den jeweiligen Städten ein Hotel genommen. Man(n) war das eine geile Zeit!

Wer war in der DDR euer großer Rivale und auf welche Spiele habt ihr euch immer besonders gefreut? Gab es auch bei anderen Gegnern eine besondere Brisanz?

Unser großer Rivale war und ist natürlich Erfurt. Aber wir aus Weimar haben uns auch immer auf Dynamo Dresden gefreut. Wir haben uns auch alle immer auf Halle und die Leipziger gefreut. Weil wir aber nie so viele waren wie die, konnte es schon auch mal sein das wir den Arsch voll gekriegt haben. Das war uns allerdings egal. Hauptsache wir haben uns gezeigt und gerade gemacht. Hauptsache spannend. Hauptsache Abenteuer. Hauptsache Flucht aus dem realexistierenden Sozialismus.

Wie hattet ihr euch für die Auswärtsspiele zu Zeiten der DDR organisiert und gab es auch Strafen wie Stadionverbote?

Allergeilstes Auswärtsspiel war Hansa Rostock. Das lag einfach daran, dass das das (dreimal hintereinander „das“ ist schon etwas süffisant, oder?) weiteste Auswärtsspiel für uns war. Wir sind dann jedes Mal schon Freitag Abend nach Leipzig gefahren und haben dort ein klein wenig Unfrieden gestiftet. Dann kamen nach und nach die Leute aus Jena und dann die aus Gera und dann sind wir alle um 0 Uhr nochwas nach Rostock gefahren. Das waren die geilsten Fahrten.

Strafen hatte ich mehr wie es Sandkörner an der Ostsee gibt. Als ich 1984 den Ausreiseantrag gestellt hatte, gab es dann für mich die fiesesten „Strafen“. Eine davon war „Berlinverbot“. Die hatten einfach Angst davor das ich dann in Berlin mit den Touristen aus dem Westen Kontakt aufnehmen könnte und da irgend etwas ausplaudern oder in die Wege leiten könnte. Die westliche Presse war ja damals sehr daran interessiert wie solche Leute wie ich vom SED- Unrechtsstaat behandelt wurden. Einmal war Mitte der 80er das ZDF in Weimar und hat vom Volksfest „Zwiebelmarkt“ berichtet. Da stand am Abend vorher die Stasi bei mir zuhause und hat mir ein „Zwiebelmarktverbot“ ausgesprochen. In Dresden hatte ich eine zeitlang nicht nur Stadionverbot sondern gleich „Dresdenverbot“ weil ich einen Hilfspolizisten weggeschossen habe. Eigentlich hätten die mich dafür auch gerne für viele Jahre weggesperrt. Aber der Typ hat bei der Gegenüberstellung gesagt er hätte mich noch nie gesehen. Eine sehr skurrile Situation. Der stand mit blauem Auge im Verhörraum mit mehreren Polizisten die wie wild auf ihn einredeten, er möge doch endlich zugeben das ich es war, der ihm eine geballert hat. Aber der Typ ist vollkommen ruhig geblieben und hat immer wieder gesagt: „Nö, der war das nicht!“ Natürlich hat er mich wieder erkannt. Das konnte ich an seinen Augen (bzw an dem Auge., welches nicht geschwollen war) sehen. Das war ganz großer Sport. Dem bin ich heute noch dankbar. Die hätten mich damals für viele Jahre weggesperrt!

Kommen wir doch zur Modefrage. Gab es zu Zeiten der DDR bestimmte Klamotten, die nur ihr getragen hattet und wie veränderte sich euer Erscheinungsbild nach der Wiedervereinigung? Favorisierte Turnschuhe und Marken oder hattet ihr hierfür keinen Faible?

Naja, zu DDR- Zeiten konntest du ja nicht in den Laden gehen und die Turnschuhe und andere Klamotten aus dem Westen kaufen. Da gab es ja – bis auf wenige Ausnahmen – nur DDR- Schuhe. Wir aus Weimar hatten aber seit Anfang der 80er eine Vorliebe für weiße Turnschuhe von Nike, Adidas oder Puma. Die haben wir uns dann immer irgendwie „besorgt“. Und als ich mir 1984 meine Popper- Frisur abgeschoren habe, waren dann sowieso nur noch B-Jacken von Alpha „Mode“. Das war dann allerdings nicht nur bei mir so. Mehrere Jungs aus Weimar haben sich dann die Haare abgeschoren und Turnschuhe der besagten Marken und Alpha- Jacken getragen. Die hat man sich dann auch immer irgendwie „besorgt“. Bei manchen Auswärtsspielen waren die Heimfans manchmal sehr gastfreundlich ………… und haben uns Präsente überreicht ……….. Meine erste Alpha- Jacke habe ich jedoch gegen ein Album von den Scorpions und 50 Westmark getauscht.

Vor dem Ende der DDR hattest du noch die zweifelhafte Ehre, dass du Bausoldat wurdest. Erzähl doch bitte einmal den jüngeren Lesern was du da machen musstest und wie deine Gefühlswelt aussah?

Boah – scheiß Thema. Ich war 15 Monate in einer Art Arbeitslager. Bei Temperaturen unter dem Gefrierpunkt mussten wir in gefrorener Erde mit Schaufel und Hacke Gräben schachten. Dazu dann immer die hinterfotzigen Kommentare der Stasi- Offiziere: „Sie haben diesen Weg selber gewählt“. Ekelhaft. Tja, wie sieht denn dann deine Gefühlswelt aus? Hass. Nochmal Hass. Und eigentlich noch viel mehr Hass. Darunter habe ich noch viele Jahre danach gelitten. Ich bin dann nach Hamburg gezogen und jedes Mal, wenn wir nachts auf dem Kiez waren, hatte ich Gewaltphantasien. Ich dachte immer das ja schließlich jeder gerne mal auf die Reeperbahn kommen würde – auch die Genossen. In meinem Kopf habe ich mir ausgemalt wie ich die Affen aus dem Rennen schieße und einen von denen dann an seinen Beinen auf der Reeperbahn in den fließenden Verkehr ziehe. Dann einfach auf der Straße liegen lassen. So unter dem Motto: „Ihr habt mir mein Leben versaut ……… da kann ich ja dann auch eures versauen“. Angestauter Hass. Es gab auch Situationen, da konnte ich in einer Kneipe sitzen und nach außen völlig friedlich wirken. Wenn mich dann jemand genervt hat, musste ich in mir viele tausend Kämpfe kämpfen um nicht meinem Gegenüber einfach so eine Gabel in den Hals zu stechen. Das war furchtbar was sich da in mir über Jahrzehnte angestaut hatte. Dazu kamen dann ja auch noch in den 90ern solche Drogen wir Koks und Speed. Aus heutiger Sicht eine gefährliche Mischung. Ich glaube wenn ich nicht die Meditationsübungen aus dem Falun Gong gelernt hätte ……. Dadurch hat sich alles in mir entspannt …… und nach und nach wurde es immer ruhiger in mir ……. und nun ist keine Wut und kein Hass mehr da. Völlig entspannt. Tiefenentspannt. „Fernöstliche Gelassenheit“. Ein sehr cooles Gefühl. Innere Ruhe. Manchmal fühlt es sich so an wie ein stiller Teich – nichts ist darin. Keine Aufregung mehr. So wie sich der Dalai Lama nicht aus der Ruhe bringen lässt – so entspannt fühle ich mich jetzt auch. Hätte ich nicht diese innere Ruhe „gefunden“, würde ich jetzt wahrscheinlich lebenslang irgendwo weggesperrt sein. Uff – Schwein gehabt!

Du schilderst in deinem Buch sehr eindrucksvoll wie du dir als Kind von deinem Vater einen Stadionbesuch in Mönchengladbach wünschst und in der Schule „Borussia Mönchengladbach“ auf dein Mäppchen geschrieben hast. Erzähl doch bitte den Lesern wie du als Kind realisiert hast, dass ein Stadionbesuch nicht möglich war und welche Konsequenzen der Schriftzug hatte.

Eigentlich gab es da nicht „das“ Erlebnis welches mich realisieren ließ das ich nicht auf den heiligen Bökelberg durfte. Das von dir angesprochene Gespräch mit meinem Vater war nur der Punkt, in welchem meine Bockigkeit und Wut zum Ausdruck kam. Wenn man in der Zone groß geworden ist, merkt man ja von Kind an das da etwas nicht stimmt mit den „zwei Deutschlands“. In der Schule sollte man immer gebetsmühlenartig auswendig aufsagen wie toll doch der SED- Staat angeblich sei, und zuhause hat man immer Westfernsehen geschaut und sich die Nase am Bildschirm platt gedrückt. Hatte man dann wirklich einmal etwas aus dem Westen hat man festgestellt, das diese Produkt meistens von viel besserer Qualität waren. Natürlich hast du als Kind gemerkt das die Westschokolade besser schmeckt. Das ist ein ständig andauerndes, beschissenes und verlogenes Schauspiel. Eigentlich willst du auch Westprodukte kaufen; eigentlich willst du auch mal nach Italien oder England fahren – aber du kannst es nicht und du darfst es auch nicht. Trotzdem musst du in der Schule immer aufsagen das der SED- Staat der beste ist. Das war völlig krank. Aber so ist man damals halt aufgewachsen. Irgendwann habe ich dann tatsächlich auf mein Federmäppchen eine aufgehende Sonne gemalt und Borussia Mönchengladbach darüber geschrieben. Das hatte zur Konsequenz das mich die Lehrer genervt, verhört und belehrt haben. „In der DDR gibt es doch auch gute Vereine wie zum Beispiel Dynamo Dresden“. Total bescheuert. Wie größenwahnsinnig und arrogant muss man denn sein, dass man sich einbildet man müsse kleinen Jungs vorschreiben welchen Verein sie gut finden müssen. Aber der Staat wollte eben alles vorschreiben und alles kontrollieren. Sogar die Gedanken. Noch heute schüttelt es mich wenn ich an die ständige Indoktrination denke. Aber mit zunehmendem Gelaber der roten Leerkörper wurde ich immer sturer und bockiger. Ich hatte immer das latente Gefühl wenn ich die Borussia „aufgeben“ würde, würde ich auch meine Ideale und meine Eigenständigkeit und mein selbstständiges Denken aufgeben. Vielleicht sogar mich selbst verraten. Ganz komisch irgendwie und sehr subtil. Aber ich wollte nicht ums Verrecken meine Borussia aufgeben. Im Laufe der Zeit führte das dann dazu, dass mich die Lehrer als „unbelehrbar“ eingestuft haben. Es wurde mir dann auch ganz deutlich gesagt das meine Uneinsichtigkeit zur Konsequenz hat, dass ich später einmal nicht studieren darf und es überhaupt auch vergessen könne eine hochwertige Ausbildung machen zu können. Auch solche Aussagen haben natürlich Konsequenzen. Bei mir war es dann so, dass ich für mich schon als Kind bzw. Jugendlicher keine Zukunft mehr gesehen habe. Für mich stand somit eigentlich schon ziemlich zeitig fest, das aus mir später einmal nichts wird. Aber nicht weil ich ein total verblödetes, rasseldummes Pförtnerkind war, sondern weil ich es ganz einfach nicht durfte. Das hatte wiederum zur Folge das ich mich ziemlich zeitig in den Alkohol flüchtete. Und es macht Frust. Und es macht Wut. Diese ständige Gängelei; dieses ständige in mein Leben reingelaber der Genossen war einfach nur ekelhaft und abstoßend. Man stelle sich nur einmal vor, dass heutzutage ein Vertreter von irgendeiner Partei zu einem kommt und dir sagt du kannst nicht studieren weil du einen Fußballverein cool findest. Ist nicht schon allein der Gedanke daran abstoßend?

Du bist neben Carl Zeiss ein glühender Fan vom Vfl geworden und Borussia Mönchengladbach wurde für dich ein Symbol der Freiheit. Kannst du uns das bitte beschreiben?  

Ja, kann ich. Sogar in ganz wenigen Worten kann ich das beschreiben denn ich wusste, wenn ich das erste Mal auf dem Bökelberg bin dann bin ich frei. Dieses Wissen, dieses „Empfinden“ hat sich dann in meinem Unterbewusstsein zu einem subjektiven „Gefühlsmischmasch“ verwoben und am Ende war dieses „Gefühlsdingsbums“ tatsächlich soweit ausgeprägt, dass die Borussia für mich wirklich ein Symbol der Freiheit war. Mit ihr hatte das ganze Theater ja schließlich auch in der Schule angefangen ……. bis zu dem Punkt, an dem ich einfach nur noch weg wollte.

„Kurz nach dem Mauerfall kam die Crème de la Crème in den Osten. Versicherungsbetrüger, Grundstücksmakler, Nazis und Drogenhändler.“ Auf wen bist du reingefallen?

Ich persönlich auf keinen. Wir hatten ja direkt nach dem Mauerfall sehr gute Kontakte (und dann Freunde) in MG. Da habe ich mir dann auch mal einen Rat geholt. Und auf die Drogenhändler bin ich in dem Sinne dann auch nicht reingefallen. Das Zeug wollte ich ja wirklich selber konsumieren. Da musste mich auch keiner „reinlegen“ oder überreden. Damals wollte ich das so. Und jetzt bin ich heilfroh das ich davon weg bin.

Was in Nordamerika der Wilde Westen war in der Wendezeit der „Wilde Osten“. Wie veränderten sich die Verhältnisse am Spieltag und wie waren die ersten Erlebnisse mit den Spielgefährten in Westdeutschland? Gab es hier besondere Rivalitäten zu Westvereinen?

Gleich nach der Wende gab es im Osten einen rechtsfreien Raum. Jedenfalls wurde das von uns so empfunden. Die Polizei wusste nun überhaupt nicht mehr so richtig was sie machen durfte und was nicht und wie nun die Gesetzeslage war und überhaupt ……. und das man sich jetzt auch per Anwalt gegen die wehren konnte war ja auch neu für die. Da hat irgendwie keiner mehr so richtig durchgesehen. Dazu kam dann noch das wir nun im Gefühl der völligen Freiheit auch völlig durchgedreht sind. Jahrzehntelang geknechtet und unterdrückt – und dann wurde plötzlich über Nacht der Deckel weggenommen und auf einmal kochte alles über. Und dann der ganze Frust der sich bei vielen durch den Unrechtsstaat angestaut hatte – der brach dann einfach hervor.

Was die Westvereine betraf war es dann so, das wir alle die nicht leiden konnten, die Gladbach auch nicht leiden konnte. Was den FCC betrifft hatten wir ziemlich intensive Ausschreitungen gegen Mannheim. Auswärts. Aber die kamen dann auch beim nächsten Spiel mit den Magdeburgern zu uns und dann haben wir die Retourkutsche gekriegt. Das war eine wilde Zeit. Ein Wunder das es da kaum Schwerverletzte mit bleibenden Schäden gab.

Am 24. Februar 1990 war es dann endlich so weit, dein erster Besuch auf dem Bökelberg. Der Tag an dem dein Kindheitswunsch in Erfüllung ging. Wie war es?

Das kann man nicht beschreiben. Ich hatte schon Mühe diese Gefühle in meinem Buch zu beschreiben. Wenn du Jahrzehnte eingesperrt bist und dann auf einmal frei gelassen wirst und dann noch deinen großen Traum verwirklichen kannst und zur Borussia gehen kannst die für mich ja im Laufe der Zeit so eine Art Freiheitssymbol geworden war…wie kann man so etwas beschreiben? Ganz schwierig. Hm, ich war an dem Tag einfach völlig durch den Wind. Angenommen du sitzt Jahrzehntelang im Knast und wirst dann entlassen, du fährst als erstes zu deiner Freundin und die fasst dich nur einmal an… 😉

Gab es gegenüber euch eine gewisse Scheu oder seid ihr direkt ein Teil der Fanfamilie vom Bökelberg geworden?

Nee, es gab überhaupt keine Scheu. Einige kannte ich ja auch schon von den Europacupspielen im Ostblock. Irgendwie war das wie nachhause kommen.

Im gleichen Jahr hast du die Weltmeisterschaft 1990 in Italien bereist. Was war das für ein Gefühl plötzlich die Welt bereisen zu können und auch noch das adrenalinreiche Treiben rund um dem Mailänder Dom zu erleben?

Das waren die gleichen überwältigenden Gefühle wie die, als ich das erste Mal auf dem Bökelberg war. Ich hatte diese Gefühle noch ziemlich lange. Vielleicht sogar ein halbes, dreiviertel Jahr lang. Immer wieder gab es Glücksgefühle das ich nun auch hierhin und dorthin fahren konnte. Immer war es Neuland und immer irgendwie spannend. Ich konnte mich noch sehr lange über die neue (Reise-) Freiheit freuen.

Die Derbies gegen Erfurt. Das „Aufstiegsspiel“ gegen Sachsen Leipzig. Die legendären Spiele der Borussia gegen Feyenoord Rotterdam. Die WM 1990. Welche Begegnungen waren deine persönlichen Highlights?

Eigentlich hast du die Highlights schon genannt. Aber auch das Spiel gegen Düsseldorf auf dem Bökelberg Anfang der 90er war der Knaller. Das saßen wir alle auf der Haupttribüne und haben dann das Spielfeld gestürmt während das Spiel noch lief. Wir sind dann direkt vor die Gästekurve und auch die Düsseldorfer sind über den Zaun geklettert….all diese Spiele waren schon ziemlich erlebnisorientiert.

Die 1990er waren auch Höhepunkt der Rave Nation. Überall gab es Tunnel Raves und Pillen mit eingestanzten Smilies. Ich glaube, fast jeder war zu der Zeit (nicht nur) am Wochenende feiern und auch eifrig am experimentieren. Hatte dich das Techno „Fieber“ auch gepackt und wo wurde gefeiert?

Ja, mich hatte das Techno- Fieber auch gepackt. Mit allem drum und dran. Damals habe ich noch in der Freien- und Hansestadt Hamburg gewohnt. Da bin ich natürlich ins Unit, in den Tunnel, ins Palladium gegangen. Ich war auch bei der besagten „Crusade“ von Sven Väth in einer Hamburger Kirche mit dabei. Diese Veranstaltungsreihe wurde aber schon nach dem ersten Mal in HH abgebrochen. Die Begründung war, dass es zu viele Drogen in der Kirche gegeben hätte. Na sowas. Die Schlagzeile in der Hamburger Mopo war damals: „Gotteshaus eine Drogenhölle“. Ich bin aber auch gern mal nach Weimar gefahren um dann mit den Gestörten in die Muna in der Nähe nach Leipzig zu fahren. Ich war auch ab und zu mal in Ffm im Omen oder beim Tunnelrave, Loveparade, Reincarnation…Tor 3…and so on…

Steffen, Du hast in deinem Buch sehr viele Zitate eingearbeitet. Welche Bedeutung haben sie für dich und nach welchen Kriterien hattest du entschieden was unbedingt rein soll?

Diese Zitate passen immer inhaltlich genau zu dem Thema welches ich da gerade beschrieben habe. Von daher war das Kriterium das es auch gerade da passen muss.

Weiter fällt auf das im Buch keine Fotos zur Illustration enthalten sind. Ist das auf fehlende Zeitzeugnisse zurückzuführen oder wolltest du so die Personen aus deinen Geschichten vor der Öffentlichkeit schützen?

Nee, die Gründe sind viel simpler. Zum einen wollte der Verlag keine Bilder mit rein nehmen und zum anderen gibt es einfach kaum verwertbare Bilder aus der Vorwendezeit.

Wie war die Resonanz als dein Buch „Kulturstadtbanause“ in den Verkauf kam? Was sagten, denn die „Protagonisten“, sprich deine Freunde und Familie zu deinem fertigen Werk?

Als das Buch gerade in den Verkauf kam war ich zu der Zeit gerade in New York City. Das war dann schon recht eigenartig. Viele Leute schrieben mir dann das sie es schon in den Händen hielten – und ich selber hatte noch keins. Das fühlte sich sehr komisch an. Auch der Flieger ist dann zurück nach Deutschland viel zu langsam geflogen. Viele meiner Freunde haben sich dann über das „fertige Werk“ gefreut. Wer nur ein paar unserer Leute kennt, wird sich vorstellen können wie die ersten Lesungen in Weimar und in MG gelaufen sind. Die haben da jedes Mal ein Fest draus gemacht. Meine Familie wusste ja schon was mit dem Buch auf sie zu kam. Äußerst interessant waren jedoch die Reaktionen aus anderen Städten. So haben mir zum Beispiel Alt-Hools von Vereinen, die Borussia oder den FCC überhaupt nicht leiden können, geschrieben, dass sie uns (als jeweilige Fanszene) zwar zum kotzen finden – aber das ich unserer Szene mit dem Buch ein beeindruckendes Denkmal gesetzt hätte. Das hat mich wirklich gefreut von unseren „Gegnern“ von früher anerkennende und lobende Worte zu hören. Viele im Osten haben sich auch bei mir bedankt weil ich aufgeschrieben habe, wie die Verhältnisse damals in der DDR waren. Manche hatten vieles davon schon vergessen oder verdrängt.

Wie wichtig war das Buch für dich? Wolltest du vielleicht mit einer Sache endgültig abzuschließen oder ein persönliches Zeitzeugnis?

Es ist schon ein persönliches Zeitzeugnis. Und irgendwie auch eine Aufarbeitung des Erlebten. Vielleicht sogar ein bisschen wie eine Therapie. Auf jeden Fall ist es aber meine Lebensgeschichte. Mehr nicht. Aber auch nicht weniger.

Besuchst du eigentlich heute noch Spiele der Borussia und Jena, oder hast du dich komplett vom Fußball verabschiedet?

Na klar gehe ich noch in den Borussiapark und ins Ernst- Abbe- Sportfeld. Das sind doch meine Lieblingsvereine. Da ist doch meine Heimat. Dort habe ich doch viele Freunde. Die kann ich doch nicht alleine lassen.

Ist nun alles gesagt oder arbeitest du bereits an neuen Projekten?

Ja, ich arbeite zur Zeit wieder an einem neuen Buch. Es soll im ersten Quartal 2018 erscheinen und beschäftigt sich mit der Borussia und seiner Fanszene. Das Teil wird dann wahrscheinlich „Borussiafiebel“ o.ä. heißen.

Steffen, wir hätten dir wirklich Löcher in den Bauch fragen können, aber irgendwann ist Schluß und wir müssen leider zum Ende kommen. Wir möchten uns rechtherzlich noch einmal für deine Zeit bedanken und wünschen dir für die Zukunft alles Gute! Die letzten Worte gehören dir….

Es gibt immer Hoffnung. Bis zum Schluss. Und wenn man sich Mühe gibt kann man vieles schaffen. Schau in dir selbst; hör in dich hinein – dann kannst du vieles finden. Frage dich: „Warum ist das bei mir so?“. Dann wirst du viele überraschende Antworten finden, die dir im Leben wirklich weiterhelfen können. Die Wahrheit ist in dir drin.

Und wenn du in der Welt (oder in der Gesellschaft) etwas siehst was du nicht verstehst, musst du die richtigen Fragen stellen. Lass dich nicht von ihrem Gelaber verwirren. Richtige Fragen wären zum Beispiel: 1.) „Wer hat einen Nutzen davon“, und 2.) „wer hat die Macht, das zu tun“? Ich sage dir du wirst durch diese Fragestellungen zu erschreckenden Erkenntnissen kommen!

Lass dir außerdem nicht einreden das du nichts wert bist nur weil dein Leben mal eine zeitlang etwas „ungeordnet„ war. Sie wollen dich nur klein halten.

Steh auf und nimm dein Leben selber in die Hand – in jedem steckt ein kleiner Held!