Sapeur OSB – Gentlemens Tour nach Manchester


Aus dem Reisetagebuch von und mit bobo van dalen

„Still crazy after all these years“  um es mal mit Paul Simon zu sagen und den diesjährigen Tripp kurz zu umreißen. Aber der Reihe nach…

Freitag

Von mehreren deutschen Flughäfen machte sich eine illustre Reisegruppe auf, um dem diesjährigen Sapeur-Wochenende beizuwohnen. Wie den Verbrecher, den es bekanntlich wieder an seinen Tatort zieht, zog es uns mal wieder nach Manchester.

Mit der Bahn ging es vom Flughafen zur Piccadilly Manchester Station , von wo wir fußläufig unser Hotel im Northern Quarter erreichten. Vermutlich ahnten die Jungs an der Rezeption mit welchem Klientel sie es zu tun hatten, und gaben uns behindertengerechte barrierefreie Zimmer. Wäre es mal ganz eng geworden, hätten wir mittels Zugseil neben Bett und Toilette ein Notrufsignal absetzen können. Safety first…

Das Abendessen nahmen wir in unserem mittlerweile zum Stammrestaurant gewordenen „Bluu“ ein, dass sich auf der Hauptstraße des Northern Quarters, der Thomas Street befindet. Das Bluu ist aus mehreren Gründen großartig: Der für uns reservierte Tisch war mit einem DIN-A4-Aufsteller „Mr. Sapeur & Friends“ gekennzeichnet. Die Bier- und Ciderkarte lässt sich hoch und runter trinken, die Chili & Caramel Chicken Wings sind köstlich wie auch der Blauschimmel-Cheese-Burger, aber wirklich richtig großartig ist das Konzept: Vorne ist der Laden ein Club und im hinteren Bereich ein Restaurant. Oder anders formuliert: Wenn man nach dem Essen sein fünftes Pint verinnerlicht hat und aufgrund der anwesenden Weiblichkeit das Tanzbein juckt, muss man eigentlich nur aufstehen und befindet sich gewissermaßen auf dem Dancefloor, der wiederum von der Theke flankiert wird. Einfach großartig mitgedacht!

Apropos Damenwelt: Es gibt ja diese albernen infantilen Dauersaufspiele wie etwa Buffalo. Da wir ja auf wundersame Art sowas wie Gentlemen im fortgeschrittenen Alter sind und stressfrei trinken wollten, hatten wir uns kurzerhand was anderes überlegt. Denn neben unserer Funktion als Gentlemen sind wir Hobbyfeministen und um dies zum Ausdruck zu bringen, applaudierten wir jeder Frau mit tollem offenherzigen Charakter. Wenn uns also eine Dame tief blicken ließ, erhielt sie ehrlichen respektvollen Applaus. Wenn sich unsere Reisegruppe auf dem Weg von A nach B etwas auseinanderzog kam es des Öfteren vor, dass man zeitversetzten Applaus hören konnte.

 

Nach dem Essen trennten sich die Wege: Die Partyhasen zog es ins Printworks angeschlossene Wetherspoons Pub, wo weiter fleißig getrunken und applaudiert wurde. Aufgrund arbeitsbedingter Anzeichen für ein Erschöpfungssyndrom zog ich das Entspannungsprogramm vor und wir gingen zu viert ins Crown & Kettle Pub. Auf dem Weg konnten wir eine filmreife Szene erleben, als ein Polizist aus voller Fahrt anhielt, seinen Wagen verließ und zu Fuß einen Rollerfahrer verfolgte. Als die Staatsgewalt ihn tatsächlich an der Jacke zu fassen bekam, schleuderte er ihn gegen ein anderes Auto, das daraufhin schleunigst die Flucht ergriff. Auf die Aufregung erstmal ein Bier!

Die Geschmäcker sind verschieden (und meiner ist scheinbar sehr eigen) aber wer auf schwere kaffeekaramellmalzige Stouts steht, kommt in diesem Pub voll auf seine Kosten. Als kleiner Abendspazierung vor der Nachtruhe gingen wir noch zu der einzigen Adidas SPZL Reklametafel in ganz England (und ich vermute auch weltweit), freuten uns des Lebens, machten ein Foto und gingen zurück ins Hotel. Bereits nach zehn Pints war an diesem Abend Schluss für mich als mein Körper mich zwang das zeitliche zu segnen und mich zur Ruhe zu legen. Nach einem guten tiefen Schlaf sollte ich am nächsten Tag taufrisch und voller Tatendrang erwachen….

Samstag

…. und überlegte bereits das britische Frühstück mit einem fruchtigen Ale zu flankieren. Gedacht und im TROFS umgesetzt, das sich schräg gegenüber des BLUU in der Thomas Street befindet. Ohne Termine und leicht einen sitzend ging es dann die Straße runter in den Shop mit dem klangvollen Namen „Oi Polloi“, wo wir die aktuellen SPZL Klamotten und Schuhe in Augenschein nahmen. Die Atlanta ließen von der Qualitätsanmutung etwas zu wünschen übrig und die die Track Tops rangieren preislich jenseits von Gut und Böse. Beschlossene Sache, wir warten auf den Sale. Weiter ging es um die Ecke in den Second Hand Shop „Bags of Flavor“, wo einige Kindheitserinnerungen aufkamen, als wir die vielen alten Schuhe und Pullover sahen. Wer kein Geld zu wenig hat und ein Faible für klassische Parkas und Cagoules kommt hier auf seine Kosten und so wechselte eine Jacke seinen Besitzer. Das musste begossen werden und Gott sei’s gedankt befand sich gegenüber der nächste Pub.

 

Weiter ging es zum nächsten Second Hand Shop „Bionic Seven“. Auch gegenüber dieses Ladens befand sich ein Pub, vor dem eine illustre Anzahl an Herren mittleren Alters in szentypischen Markenklamotten die Sonne und ihr Bier genossen. Bionic Seven hat einen wahrgenommen Schwerpunkt auf gebrauchte Barbour-Jacken allen Art, die zu gefühlten Neupreisen verkauft werden. Daher fiel fette Beute aus und wir verließen den Laden. Vor dem nächsten Pub standen ähnliche Herrschaften wie eben, wobei die SI-Badge-Dichte hier bei guten 80% lag. Als investigative Hobby-Journalisten konnten wir in Erfahrungen bringen, dass die gut und gerne Hundert Mann, verteilt auf zwei Straßen, der harte Kern von Sheffield United waren, die sich auf Ihrem Weg zum Auswärtsspiel in Oldham befanden und kurz nochmal in Manchester einkehrten.

Oi Polloi

 

Nach einiger Diskussion, ob wir in die Museen der Stadt oder zum Fußball fahren, entfiel die Entscheidung letztlich einstimmig fürs Stadion aus. Ich gebe offen zu, dass ich eigentlich das Museum of Science and Industry oder das Imperial War Museum einem Sechstligakick vorgezogen hätte, doch dann hätte ich gehörig was verpasst. So machten wir uns via Taxi zum Broadhurst Park, der Spielstätte des F.C. United of Manchester.

Dort erlebten wir einen Tag Fußball wie er sein sollte: Vor dem Stadion stand ein Imbisswagen, der neben Burgern und Würstchen auch Brötchen mit gefühlt 200g knusprigem Bacon verkaufte. Da lacht das Männerherz und der Cholesterinspiegel. Die Insel ist ja bekanntlich in allen Belangen etwas teurer als hierzulande, da überraschte der Eintrittspreis von 9 Pfund bei freier Platzwahl doch sehr positiv. Architektonisch kommt das Stadion ein wenig daher wie so ein Viertligaclub mit Ambition, wie etwa Ahlen oder Sonnenhof-Grosasbach, nur halt mit Herz und Seele. Das beginnt bei den vermutlich ehrenamtlichen Ordnern, Merchandise- und Getränke-Verkäufern, geht über die Farbgebung in Vereinsfarben und endet auf der komplett Fahnenbehängten Gegentribüne; die Exemplare „Making Friends not Millionairs“ und (mit der deutschen Aufschrift) „Brot & Biere“ hatten es mir dabei besonders angetan. Stichwort Tribünen: Wie bei den Profiklubs gibt es auf der Haupttribüne Essen und Trinken in der Vereinsgaststätte mit Blick auf das Spielfeld, nur kann hier jeder hingehen. Eine Zapfhahnbatterie wie im Pub und Steak-Pasteten für jeweils unter 3 Pfund das Pint bzw. Stück fordern zum Konsumieren auf.

Dann entdeckten wir eine weitere Theke unterhalb der Heimtribüne. Ach was Theke, wir entdeckten eine Working-Class-Lounge. Die Bar war prallgefüllt mit diversen Bier- und Cidersorten, Sitzecken waren mit Tischen, Sesseln und Sofas ausgestattet. Die Wände waren mit Schals, Wimpeln, Plakaten, Trikots und einem handsignierten Exemplar von Eric Cantona verziert. Sehr zu unserer Freude dröhnten neben den Arctic Monkeys auch eine der besten Platten aller Zeiten The Clash – London Calling aus den Boxen, was dann zur Halbzeit im kollektiven Singsang der Fans unterging. Nennt mich romantisch aber inmitten singender englischer Fußball-Lads zu stehen und mit ihnen zu pokulieren sorgt für Ganzkörpergänsehaut. Ungeachtet der Tatsache, dass dies hier kein Pub im klassischen Sinne ist, war es das großartigste Pub des Wochenendes. Oder macht etwa ein anderes noch den Rang streitig? Dazu mehr im Anschluss.

Ach ja, Fußball wurde auch gespielt. 3.100 Zuschauer sahen eine 0:3 Heimpleite gegen den FC Halifax Town, die übrigens auch eine kleine aber feinen Schar an Schlachtenbummlern mitbrachten. Im Nachhinein ist mir erst aufgefallen, dass keine Polizei zu gegen war. Nicht, dass ich etwas vermisst hätte, vielleicht aber auch ein Grund, warum das alles so harmonisch und stressfrei ablief. Vielleicht aber auch der besonderen Situation beim FCUM geschuldet. Wer weiß.

Nach dem Spiel nahmen wir noch ein paar Pints im Stadionpub auf der Haupttribüne und hatten gute Gespräche mit den Einheimischen. Selten so unbekannte gastfreundliche Fußballleute erlebt, die interessiert Fragen stellten und ihrerseits auch gerne Fragen beantworteten und unser Gruppenfoto auf der Tribüne knipsten.

Anschließend ging es mit drei Taxen und einem Makkapitza retour ins Hotel. Kurz frisch machen, Garderobe wechseln und auf eine lange Nacht einstellen. Die Grundlage hierfür legten wir wie tags zuvor im Bluu. Hier waren wir mit unserem Kumpel Neil und seinem Kumpel Chris (führt als „Iamdeadstock“ einen SI, CP Webshop) verabredet, die schon auf uns warteten.

Später kamen dann noch drei Garys dazu. Einer von ihnen war Gary Watson, der alle adidas SPZL Logos entworfen hat. Die Jungs trugen allesamt Teile der neuen SPZL Kollektion und Watson dazu noch den adidas Garwen SPZL „Noel Gallagher“ an den Füßen. Während des Essens wurde Watson von unserem Mister Camouflage so lange bequatscht, bis er einen Schuh auszog und ihn einem „Qualitätscheck“ überließ. Welch skurriles Bild das für die anderen Gäste abgegeben haben muss.

Neil und die Garys schlugen uns vor, die Szenerie zu wechseln. Es ging in die „Dry Bar“ in der Oldham Street, die vom Designer der berühmten Hacienda (Anfang der 1990er einer der international bekanntesten Rave Clubs in Manchester) entworfen wurde. Wer die Hacienda kennt, wird hier das ein oder andere Detail wiederkennen. Wer sich allerdings einen persönlichen Eindruck machen möchte sollte sich beeilen, denn die Bar schließt demnächst, weil das Haus verkauft wurde. Leider gab es hier keine tollen Charaktere zu beklatschen und so luden uns die Garys ein, mit ihnen in ihr „Headquarter“ zu gehen. Bis heute hält sich bei einem unter uns hartnäckig das Gerücht, dass wir im Headquarter genannten Wheatsheaf Pub auf andere Schuhsammler (lt. Mark) trafen. Alle anderen von uns waren allerdings der festen Überzeugung: Die rund 30 englischen und schottischen Casuals zwischen 30 und 50 brachten es fußballbedingt zusammen gut und gerne auf 100 Jahre Zuchthaus und Geldstrafen im hohen fünfstelligen Bereich. Soviel zu den Gästen.

Was das Ambiente betraf, erinnert der Laden an das Frankfurter Moseleck vor der Gentrifizierung des Bahnhofsviertels. Garniert wurde das mit einer bling-bling-bunten Weihnachtslichterkette, dem schlechtesten DJ des Universums, Thekenpersonal aus der Rocky-Horror-Picture-Show und einem durchschnittlichen Blutalkoholgehalt von Tausend Promille. Endlich normale Leute! Da konnte man voll und ganz Mensch sein und Menschen beim Mensch sein zuschauen. Beispielsweise als einer der „Schuhsammler“ mit seinem Bier in der Hand zwei- dreimal aus der Tür rauskotzt, um anschließend gemütlich weiterzusaufen. Mehrfach wurden wir „Lads from Germany“ von dem DJ begrüßt und mehrfach kam das Thekenpersonal mit dem Ausschänken nicht nach. Leider, leider hat alles ein Ende und so schloss der Laden gegen gefühlt zwei Uhr. Die Schweine von der Zeitpolizei hatten uns ja durch die Uhrumstellung eh eine Stunde der Nacht geklaut.

Als die Kneipenbesatzung rausgekehrt wurde, trennten sich die Wege. Wir verabschiedeten uns von Neil und den Garys. Ein Drittel von uns ging ins Hotel, ein Drittel direkt in einen Club und (m)ein Drittel wollte vorm clubben noch was leichtes Essen, Fish’n’Chips. Nach dem der Snack verspeist und einige tolle Charaktere gewürdigt waren, gingen wir richtig Club. Es handelte sich dabei um den „Manchester Bierkeller“, sicher wollten die Jungs das Niveau des Wheatsheaf Pub halten, hust.

Als wir den Laden errreichten kam der Strich in unserer Rechnung in Persona des Türstehers, der uns den Eintritt verweigerte. Begründung: No trainer! Wir teilten den „Insassen“ kurz mit, dass wir nicht reinkommen und bekamen zum Trost Bilder ihrer knallbunten ZX 8000 Aqua und von Charakterfrauen geschickt. Nachdem ich mir mittels Audionachricht kurz Luft gemacht hatte, machten wir uns ohne Club und mit Trainers auf die Suche nach dem nächsten Pub. Dort ließen wir dann bei einigen Pints und den Klängen der Stone Roses den Abend auspendeln. Zufälligerweise trafen wir unsere Clubgänger dann doch noch in der Hotellobby, machten uns über deren Cider-Vorräte her und gingen dann in die Horizontale.

Sonntag

Ungewöhnlich für England hatten wir auch sonntags schönes sonniges Frühlingswetter und so schlenderten wir um die Mittagszeit Richtung Market Street, um den Tag wieder mit Frühstück und Bier zu beginnen. Danach wurden im Arndale Shopping-Center die üblichen Verdächtigen Namens Scotts, Sportsdirect, size?, Aspecto und in unmittelbarer Nähe The R Store und Barbour abgedackelt. Auch hier könnten man ja was verpassen, war aber nicht immer so.

The R Store

Man kann uns ja nachsagen was man will und das tut man auch. Ich konter dies für gewöhnlich damit, dass anständige Bürger wie ich auf verleumderische Weise kriminalisiert werden aber das ist ein anderes Thema. Unbestritten ist jedoch, dass wir in Sachen Kleidung ganz feine Herren sind, die – auf ihre Weise – mindestens genauso viel Getue um Schuhe und Klamotten machen, wie die Models von der Klum. Entsetzte Augenpaare starten mich an, orchestriert von Schnappatmung, als ich erzählte nur ein Paar Schuhe dabei zu haben (Im Nachhinein auch egal, selbst mit einem zweiten Paar wäre ich nicht in den Club gekommen). Daher verwundert Dich, lieber Leser, sich nicht was da bei unserem Besuch des Barbour Store in der St. Anns Square geschossen wurde. Jacken, haben die da, schöne Schals, Wachs und Taschen. Haben wir alles schon. Was aber noch zum Glück fehlte war ein gewachster Barbour Hundemantel für den feinen Boston Terrier, des noch feineren Mister Carmouflage. Einen Moment lang schaute ich mir das Geschehen an. Als dann aber der Weltuntergang nahte, weil S zu klein und M zu groß, verließ ich den Laden in der Hoffnung auf tolle Charakter. Und wenn ich Dir, lieber Leser, jetzt noch verrate, dass der dann in S gekaufte Hundemantel dann im Flieger vergessen wurden, war der Tag gelaufen…..

„Still crazy after all these years“ um es nochmal mit Paul Simon zu sagen und den diesjährigen Tripp kurz zu umreißen. Mit gutgekleideten trinkfesten Jungs dünnschisslabernd durch Manchster zu fallen, Fußball wie er sein sollte zu erleben und dann noch mit den top old Boys durch die Kneipen zu ziehen ist unbezahlbar. Was aber aus der Platinum Card die Centurion macht, ist die Tatsache, dass wenn uns eine Gruppe zum Tänzchen gebeten hätte, mal richtig Tango getanzt worden wäre. Dies gilt natürlich auch für die Damenwelt.

Danke Jungs für den Tripp, das war Balsam für meine Seele. Schönen Gruß von meiner Leber, hoffentlich sehen wir uns nie mehr wieder!

Nachtrag. Resümee eines Exkursionsteilnehmer am Montagabend:

„Grad laufen gewesen. Die Leistung war ja wie nach einem Höhentrainingslager! Mir ist eingefallen, dass ich auf dem Trip kein alkoholfreies Getränk gekauft habe. Nicht mal als Beistellwasser am Bett! Dafür zoll ich mir selbst mal Respekt!“ Word.