LE BEAU JEU Teil 1 Schumacher vs Battiston


Ja, die Rasselbande von Sapeur OSB bringt schon diese Woche ein neues Shirt raus. Wir wissen natürlich, dass ihr wie wir finanziell nicht auf Rosen gebetet seid, aber aufgrund der bevorstehenden Europameisterschaft in Frongraisch geht es nun Schlag auf Schlag.

Unser Shirt ist kein „Turniermotiv“ im eigentlichen Sinne, aber wir widmen es ganz dem Namen des Turnierspielballes „Beau Jeu“, dem schönen Spiel. Da wir wie immer die Dinge mit einem kleinen Twist betrachten, zeigen wir auf dem T-Shirt Spielszenen von Länderspielen, die bestimmt nicht in dieser heilen Uefa Welt in irgendeinem Abspann auftauchen oder im Turnier Fotoalbum zu sehen sind. Wir zeigen euch die Rampensäue, Männer mit Ecken und Kanten, echte Haudegen, (Anti)Helden und keine weichgespülten Jungprofis.

Wie damals bei unserem CASUALUTION T-Shirt werden wir euch bis zum Release jeden Tag eine Szene und die dazugehörigen Protagonisten vorstellen. Den Anfang machen wir heute mit den Herren Toni Schumacher und Patrick Battiston.

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Meine erste Weltmeisterschaft, die ich vor dem Röhrenfernseher verfolgte, war das Turnier in Spanien von 1982. Es gibt drei Dinge an die ich mich noch erinnern kann. Pierre Littbarski im Team der deutschen Nationalmannschaft war mein absoluter Lieblingsspieler und er trug die zu der Zeit sehr gefragten Schweißbänder von adidas, die ich dann natürlich auch unbedingt haben wollte.

Dann war da noch dieser unheimlich langweilige Kick zwischen Deutschland und Österreich in der Gruppenphase, der später als die „Schande von Gijon“ bekannt werden sollte. Ich war zu jung und verstand nicht, was da passierte. Ich wunderte mich nur, warum keinerlei Bewegung auf dem Platz war und sich die Mannschaften die Kugel sinnlos hin und her schiebten.

Die dritte Sache war die unheimlich spannende Halbfinalpartie in Sevilla zwischen Deutschland und Frankreich. Ich war mit meinen Eltern zu der Zeit im Sommerurlaub in Rumänien. Richtig gelesen, schön mit Neckermann an die Schwarzmeerküste in einen Hotelbunker in Mamaia. Da habe ich dann auch zum ersten Mal Männer mit Maschinenpistolen gesehen. Neben der sozialistischen Architektur ein kleiner Kulturschock für mich kleinen Bub. Aber kommen wir wieder zum runden Leder. Mein Vater und ich gesellten uns an jenem Abend in die prallgefüllte Hotellobby und sicherten uns noch Plätze, um das Spiel verfolgen zu können. Das später sogenannte „Jahrhundertspiel“ ging fulminant los und Littbarski erzielte bereits früh die Führung für die deutsche Auswahl, der jedoch kurz darauf von Platini mit dem 1:1 egalisiert wurde. Lasst uns aber mal direkt zur 57. Spielminute vorspulen und zu einem von uns gewählten Motiv kommen.

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Michel Platini schlägt einen Steilpass auf den gerade erst eingewechselten Patrick Battiston, der am Strafraum den Ball an den herausstürmenden Toni Schumacher vorbei legt. Der deutsche Torwart hatte keine Chance mehr an den Ball zu kommen, dreht sich in der Luft so, dass er Battiston mit der rechten Hüfte und mit angewinkelten Ellenbogen im Gesicht trifft, dass dieser bewusstlos am Boden liegen blieb und mit angebrochenen Halswirbel und einer Gehirnerschütterung ausgewechselt und ins Krankenhaus gefahren werden musste. Oh je, ich sitze als in dieser Hotellobby und die ganzen Fußballexperten fingen lauthals an zu diskutieren. „Das war nix!“ „Das hat der doch mit Absicht gemacht“

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Schlimmer noch als die Tat waren damals die Reaktionen Schumachers. Während sich die Betreuer um den schwerverletzten Battiston kümmern, steht er Kaugummi kauend am Fünfmeterraum, jongliert mit dem Ball, macht Dehnübungen und wartet offensichtlich ungerührt auf die Fortsetzung des Spiels. Der Ball verfehlte übrigens knapp das Tor und der Schiedsrichter entschied sehr zur Empörung der Franzosen nicht mal auf ein Foulspiel, sondern ließ die Partie nach einer langen Behandlungspause mit einem Abstoß fortsetzen.

Das Drama und die Empörung fand auch noch nach Abpfiff der Partie seine Fortsetzung. Schumacher wurden von den Journalisten natürlich nach dem Spiel befragt, wie er denn nachhinein die Situation einschätzt und bekam auch zugerufen, das Battiston durch das Foul drei Zähne verloren hatte. Und was sagt der deutsche Nationaltorhüter in einer Zeit weit vor Interviewtrainings und Rhetorikschulungen? „Dann zahl´ ich seine Jacketkronen“ Ein Aufschrei ging durch die Medien aufgrund dieser Reaktionlosigkeit Schumachers. Vor allem die französische Journaille war wegen der lapidaren Äußerung zu Battistons Gesundheitszustand so empört, dass nach dem Spiel alte Ressentiments ausgekramt wurden. Die französische Sportzeitschrift „L´Equipe“ schrieb auf der Titelseite „Toni Schumacher, Beruf Unmensch“ und der deutsche Bundeskanzler Helmut Schmidt und französische President Francois Mitterrand sahen sich zu einer gemeinsamen Presseerklärung genötigt.

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Das packende Spiel gewann die deutsche Auswahl 5:4 nach Elfmeterschießen und war das erste Spiel bei einer Weltmeisterschaft, das im Elfermeterschießen entschieden wurde.

Jetzt mal ehrlich, was interessiert mich die Trulla von Mats Hummels, die auf dem Rasen von Rio erst einmal ihren Instagram oder Twitter Status aktualisiert, wenn ich solche Szenen habe, die auf beiden Seiten das Blut zum Kochen bringen?! Es gibt Spiele, von denen nichts im Gedächtnis haften bleibt als das Resultat. Andere beschäftigen uns noch nach Jahrzehnten, weil sie menschliche und unmenschliche Geschichten erzählen von Triumph und Tragödie, von Recht und Unrecht. Der WM-Halbfinal 1982 zwischen Deutschland und Frankreich gehört zu diesen unvergesslichen Spielen und ist für uns deshalb bei unserem neuen Shirt Le beau Jeu zu sehen.