Interview Gabriel Uchida in Deutsch | (Bad) English

Seine Bilder gehen um die Welt. Gabriel Uchida ist vielleicht vergleichbar mit dem „Daywalker“ in dem Hollywood Film „Blade“. Er ist in der Welt der Torcidas zu Hause, von allen Szenen respektiert und willkommen. Er begleitete sie auf ihren Auswärtsfahrten, besuchte sie in ihren Kurven und Treffpunkten.

Gabriel ist für seine einzigarten Fotoserien aus den Straßen und Stadien Brasiliens bekannt und seine Bilder faszinieren die Menschen weltweit. Seine Homepage FOTOTORCIDA.com.br hat teilweise 600.000(!) Klicks an einem Tag. 

Gabriel Uchida fotografierte und portraitierte die schweren Jungs aus der Kurve. Atemberaubende Aufnahmen mit einer großen Liebe zum Detail und einem besonderen Auge. Authentische Bilder von Menschen in extremen Situationen.

Per Zufall haben wir erfahren, dass Gabriel aktuell Frankfurt am Main besucht und wir bedanken uns recht herzlich bei Dominik D. für den Kontakt.

Wir kannten bisher nur seine Fotografien durch das „11Freunde“ Magazin und so war es uns ein persönliches Anliegen euch auch den Mann hinter der Fotokamera vorzustellen.

Muitíssimo obrigado, Gabriel Uchida!

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Es ist uns eine besondere Freude mit dir ein Interview führen zu können. Deine Bilder gehen um die Welt. Gabriel Uchida, der Macher von FotoTorcida.br, herzlichen Willkommen in Frankfurt. Gabriel, stell dich bitte unseren Lesern vor.

Ich bin ein 28 jähriger Fotograf aus Brasilien. Wie für alle Brasilianer, füllt der Fußball schon immer ein Großteil meines Lebens aus. Ich lebte quasi direkt vor einem kleinen Platz, mein Onkel war ein Profifußballer gewesen und ich spielte für die Jugendmannschaft meiner Heimatstadt. Dann irgendwann im Jahr 2009 fing ich an Fotos von Fußballfans zu schießen.

Wie wir wissen kommst du aus Sao Paolo, der Mega Metropole in Brasilien. Schildere uns doch einmal etwas zum Leben in diesem Moloch. Aus welchem Viertel stammst du und wie ist es dort zu leben?

Eigentlich bin ich in einer kleinen Stadt auf dem Land mit dem Namen Cosmópolis aufgewachsen. Die Stadt hat gerade mal 40.000 Einwohner. Aber mit 18 bin ich dann mit meiner Familie nach Santos, in eine größere Stadt gezogen. Später, mit 21 Jahren, bin ich nach Sao Paolo gegangen. Die Stadt ist wirklich gigantisch und sehr chaotisch. Ich liebe und hasse sie zugleich. Sao Paolo hat 11 Millionen Einwohner und ist sehr reich an Kultur, aber auch an Gewalt, die hier allgegenwärtig ist. Ich sage, die Lage in der Stadt ist ein nicht offizielles Kriegsgebiet. Du musst ständig wachsam sein, vor der Mafia, der Polizei, den Gangs, einfachen wegen allem. Es ist total krank was da abgeht und wie viele Leute umgebracht werden oder in Kontakt mit der Gewalt geraten. Aber das ist leider die Realität in Sao Paolo. Besonders wenn du in den ganz armen Teile der Stadt bist.

Gabriel, du hast auf deinem Arm eine auffällige Tättowierung: einen Zahlencode, Anker und darunter eine AK47. Möchtest du uns etwas zum Hintergrund des Körperschmucks verraten?

Das sind zwei verschiedene Dinge. Als ich jünger war, war ich Mitglied einer Pixo Crew (Pixo ist eine Art brasil. Graffiti) und wir verwendeten den Zahlencode „129“, der für den Polizeicode für „Aggressives Verhalten“ steht. Wir wählten diesen Code aus zwei Gründen aus. Zum einen ist Pixo mehr als nur Vandalismus, Dreck oder Rebellion und zum anderen hatte ein Großteil der Mitglieder unserer Crew den Eintrag in ihrer Polizeiakte. Wenn dich die Polizei zum Beispiel bei einem Straßenkampf aufgreift, bekommst du diesen Eintrag in deine Akte. Der Anker steht für die Treue zu unserer Crew. Leider existiert sie nicht mehr, aber es ist eine schöne Erinnerung an vergangene Tage.

Das AK47 ist aber eine komplett andere Geschichte. Kurz bevor ich nach Frankfurt kam, war ich für 33 Tage in Havanna, Kuba und arbeitete an einer Fotoserie über Tätowierungen. Nach getaner Arbeit war ich alleine im Studio gewesen und so kam mir die Idee nach einem neuen Körperschmuck. Als der Tätowierer wieder da war, fragte ich ihn, ob er mir nicht ein traditionell kubanisches Motiv zeichnen könnte. Und er zeichnete dann das Maschinengewehr, das die Lieblingswaffe der kubanischen Kämpfer war.

Ich habe übrigens auch eine A.C.A.B. Tätowierung auf meinem Bein, die von einem sehr guten Freund, dem Vize-Präsidenten von Mancha Verde (der Torcida von Palmeiras), gestochen worden ist. Falls du „The Real Football Factories“ gesehen haben solltest, er ist derjenige, der beinahe bei einem Auswärtsspiel erschossen wurde.

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Du bist Anhänger des FC Santos. Ich glaube jeder kennt den Verein, durch dessen größten Sohn Pelé. Erzähle uns doch etwas zum Verhältnis des Vereins zur Stadt. Kann man sagen, dass gewisse Stadtteile eindeutig zu den Fans von einem jeweiligen Verein zuzuordnen sind? Welcher Verein ist euer größter Rivale und wie ist das Verhältnis unter der Woche, falls sich die Fangruppen zufällig auf der Straße treffen? Geht es dann immer direkt zur Sache oder existiert ein Gentlemen Agreement, dass es nur am Spieltag selbst „rund geht“?

Santos ist ein sehr großer Klub mit einer ebenso großen Geschichte. Aber er kommt von einer anderen Stadt außerhalb Sao Paolos. Die großen Drei sind Palmeiras, FC Sao Paolo und Corinthians, die von sich sagen, dass sie der einzige große Klub in dem Bundestaat sind….aber das ist ein Witz!. Viele Fans kommen natürlich aus der Stadt Santos selbst, aber wir haben aktuell auch mehr Fans in der Bundeshauptstadt Sao Paolo.

Der größte Rivale ist meist die Mannschaft, die aktuell am besten aufgestellt ist, aber generell kann man sagen, dass es Corinthians ist. Aber die sagen wiederum, dass deren größter Feind Palmeiras ist.

Es gibt in Brasilien unterhalb der Fußballfans keinerlei Gentlemen Agreements. Nach meiner Einschätzung ist die Situation mit der Gewalt im brasilianischen Fußball so schlimm wie noch nie. Es finden dauernd Angriffe aus dem Hinterhalt statt, es werden viele unterschiedliche Waffen verwendet und es gibt auch jeden Monat Tote zu beklagen. Keine schöne Situation.

Kommen wir zur WM bzw. dem Drumherum. Warst du zu der Zeit im Lande und falls ja, wie waren die Proteste organisiert und waren hieran auch die Torcidas in irgendeiner Form beteiligt gewesen? Kannst du bitte auch unseren Lesern noch einmal genau reflektieren gegen was alles sich der Protest der Bevölkerung richtete?

Der große Protest startete rund ein Jahr vor der WM und formierte sich durch eine Gruppe mit dem Namen „Movimento Passe Livre“. Das erste Ziel war es die Preise für den ÖPNV zu senken (speziell die Buspreise) und für Studenten kostenlose Fahrten zu ermöglichen. Dann begann die Protestbewegung immer größer zu werden. Millionen gingen auf die Straßen in Brasilien und auch die Protestthemen wurden immer breitgefächerter. Zu der Zeit fanden jede Woche riesige Demonstrationen in sehr vielen Städten statt.

Aufgrund meines Europaaufenthalts laufe ich aktuell keine Gefahr in die Fangarme der brasilianischen Polizei zu geraten und kann nun sagen, das ich selbst an vielen Treffen und Events zum Aufbau des Protests teilgenommen hatte. Zu der Zeit war ich besorgt, wie wir es schaffen können, daß die Torcidas gemeinsam Seite an Seite kämpfen würden. Die Studenten und viele Aktivisten hatten keinerlei Erfahrungen mit den Repressionen und Aggressionen durch die Polizei. Ich hatte es mir durch meine Kontakte in alle Szenen zur Aufgabe gemacht, die Gruppen zu einem gemeinsamen Kampf zu überzeugen.

Es war das erste Mal, daß man einige Torcida Führer und andere wichtige Männer aus den Kurven, Seite an Seite hat kämpfen hat sehen. Natürlich kannten sich die Jungs auch vorher, aber zu der Zeit respektierte man sich gegenseitig und gerade in Sao Paolo hatte die Polizei so richtig Probleme mit den Ultras in der Frontlinie, die den Straßenkampf kannten und anführten.

Ich glaube, die Proteste waren so groß, weil es alle einfach satt hatten: die Korruption, die Armut, die Polizeigewalt, etc. Und so gingen einfach alle auf die Straße und kämpften für etwas.

Da gibt es übrigens noch eine lustige Sache. In einer sehr populären brasilianischen Live TV Show gab es eine Umfrage zu den Protesten und die Mehrheit war mit dem Vandalismus und den Szenen auf der Straße einverstanden. Umgekehrt hieß das einfacher gesagt, daß das ganze Land müde davon war, ein Opfer der Polizei und der Regierung zu sein.

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Es ist immer schwer als Fotograf sich in den Reihen der Kurven zu bewegen und Kontakte zu anderen Szenen aufzubauen. Gerade in Südamerika, so schätze ich es ein, wird es noch schwieriger sein, sich ein Netzwerk aufzubauen. Du bist seit 2009 als Fotoreporter mit den „Fans und Hooligans“ unterwegs. Erzähle uns doch einmal bitte wie alles anfing, woher deine Leidenschaft kommt und wie du dich zu einem zuverlässigen Kontakt für die brasilianischen Torcidas entwickelt hast.

Ich begann mit der Idee ein anderes, authentisches und echtes Bild der Ultras und Hooligans zu zeigen. Wenn du wie wir zum Fußball fährst, weißt du, dass du keinem Journalisten zu Hundertprozent trauen kannst. Besonders in Brasilien haben wir sehr träge und konservative Leute, die als Sportjournalisten arbeiten. Mit meiner Lebenserfahrung kann ich sagen, ich traue einem brasilianischen Hooligan mit der längsten Strafakte mehr als irgendeinem Pressefuzzi. Natürlich gibt es hier auch Ausnahmen. Es sind aber wirklich nur sehr wenige. Mauro Cezar Pereira, Leandro Iamin und Daniel Cassol zum Beispiel.

Seit dem ich begann Fotos inmitten der Fans zu machen, verstand ich diese Kultur immer besser und wie man die ihre Gefühle teilt. Natürlich sind die Tribünen hierzu weitaus besser geeignet als irgendwelche Media Rooms und auch weil ich selbst ein Teil davon bin. Am Anfang redete ich aber vielmehr mit den Jungs als das ich Fotos machte. Ich war von Anfang an immer ehrlich und verheimlichte auch nicht, dass ich von Santos bin. Selbst als mein eigenes Team bei ihnen spielte und ich inmitten der gegnerischen Fans stand. Glücklicherweise verstanden alle Gruppen mein Projekt und in einer kurzen Zeit hatte ich eine gute Beziehung zu ihnen. Wenig später bin ich sogar zu nicht öffentlichen Gruppentreffen, zu Auswärtsfahrten eingeladen worden und sie verrieten mir sogar im Vorfeld welche Aktionen im Vorfeld einer Partie geplant waren.

Hier ein Beispiel für so ein außerordentliches Verhältnis. Als Corinthians im Finale der Libertadores spielte, dem wichtigen Spiel der Klubgeschichte, lehnte der Klub meine Presseakkreditierung ab. Als die Torcida hiervon hörte, erhielt ich durch sie eine kostenlose Eintrittskarte. Alle Eintrittskarten waren vorher natürlich sehr schnell ausverkauft gewesen und einige Tickets wurden für mehr als €1.000 auf den Straßen verkauft. Das ist natürlich eine Preiskategorie, die nur von den Superreichen in Brasilien bezahlt werden kann. Ich lehnte natürlich das großzügige Angebot der Freikarte ab, denn ich wollte niemanden aus der Kurve das wichtigste Spiel seines Lebens nehmen.

Es gibt noch weitere lustige Geschichten wie zum Beispiel als ein sehr stark angetrunken Fan mich beim Derby angreifen wollte. In nur wenigen Sekunden wurde er von einigen Hools gestoppt und auf den Boden komplimentiert. Am Ende musste er sich auch noch bei mir entschuldigen.

Natürlich realisierte ich nun auch meine Rolle in der Fanszene, auch wenn ich nicht ein Ultra oder Mitglied einer Gruppe war. Als das Projekt mit FotoTorcida begann (teilweise 600.000 Klicks an einem Tag!), nutzte ich auch die Gelegenheit über Repressionen durch die Polizei, die üblichen Presselügen zu widerlegen oder auch gegen den modernen Fußball zu schreiben.

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Kommen wir auf deine Entwicklung als Fotojournalist zu sprechen. Als ich im März dieses Jahres so im Fußballmagazin 11Freunde blätterte, fesselte mich direkt eine Fotoreihe über brasilianische Torcidas. Sehr starke und eindrucksvolle Bilder von Mitglieder verschiedener Szenen. Wie bist du auf die Idee zu dieser Fotoserie gekommen und wie schwer war es, die Jungs zu einer Mitarbeit bewegen zu können?

Die Arbeit bestand hauptsächlich über Fußballtätowierungen. Aber ich wollte nicht bloß irgendeine schnöde Ultras Tattoo Gallerie anlegen. Ich beschloß die schweren Jungs, die härtesten Männer aus der Fußballszene Sao Paolos zu portraitieren. Es sind die wichtigen Kerle, einige Führer oder ehemaligen Capos aller Klubs, alle mit einer guten Geschichte und nicht nur irgendwelchen Tattoos, die zur Schau gestellt werden.

Übrigens bin ich am überlegen so eine Serie auch in Europa zu starten, aber das wird noch etwas dauern.

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Wir Europäer haben immer das Bild im Kopf, dass in einer Toricda immer nur die schweren Jungs aus den Favelas organisiert sind und den Ton abgeben. Zugegeben, vielleicht ein sehr verklärtes Bild. Aber erzähle uns doch einmal bitte mehr zur Struktur und Organisation einer Torcida. Aus welchen sozialen Schichten stammen die Mitglieder, wie wird sich organisiert, wie läuft ein Spieltag ab, dürft ihr Auswärtspiele besuchen, gibt es eine Zusammenarbeit mit den Vereinen und bist du selbst in einer Torcida aktiv?

Historisch betrachtet kommen die meisten Mitglieder einer Torcida aus der Unterschicht. Viele von ihnen kommen aus den Favelas oder noch ärmeren Nachbarschaften. Aber es gibt auch Mitglieder mit Geld.

Wie ein Spieltag abläuft, ist natürlich davon abhängig, wer denn der aktuelle Gegner ist. Wenn es ein Derby oder ein wichtiges Spiel ist, treffen sich die Gruppen meist bereits um 6h morgens. Die Uhrzeit des Anpfiffs ist hierbei irrelevant. Jede Gruppe hat eine eigene Crew, die für die Fahnen und Banner verantwortlich ist. Die Jungs kümmern sich um den Transport und die Organisation des gesamten Gruppenmateriale.

Gästefans sind in den brasilianischen Ligen erlaubt. Aber ein Besuch eines Auswärtsspiels kann schon mal aufgrund von im Vorfeld einzuschätzenden Ausschreitungen verboten sein. Aber es gibt auch weitere Methoden um rivalisierende Fans auseinander zu halten. Senkung des Gästekontingents oder die Kartenpreise werden angehoben (€70 für die günstigste Kategorie!). Manchmal werden die Karten auch nur am Stadion unter der Woche verkauft. So müssen die Jungs vor dem Kassenhäuschen übernachten und fehlen einen Tag auf der Arbeit.

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Lass uns nun auf das Thema Gewalt zu sprechen kommen. Waffen scheinen kein Tabu zu sein und die Gewalt im Fußball scheint ebenfalls allgegenwärtig zu sein. Wie würdest du die Situation in Brasilien beschreiben wollen?

Vor ein paar Jahren gab es so etwas wie ein Agreement in Sao Paolo zwischen Corinthians und Palmeiras, daß nur mit den Fäusten und auch nur an Spieltagen gekämpft wird. Dieses Abkommen hielt zwei Jahre bis zu dem Tag als ein Junge getötet und die Einigung aufgehoben worden war.

Die Situation im ganzen Land ist sehr chaotisch. Es werden Eisenstangen, kleine Bomben und Waffen aller Art verwendet. Es gab sogar einmal den Fall, dass Fans einen gegnerischen Bus mit Handgranaten vom Militär jagten, aber bevor diese zum Einsatz kamen, wurden sie von der Polizei gestoppt und verhaftet.

Unglücklicherweise gibt es heute sehr viele Tote und das ganze Drama wird aufgrund neuer Racheaktionen nicht zu Ende gehen.

Bist du vielleicht schon einmal selbst in einer beschissenen Situation gewesen als du als Fan oder Fotoreporter durch Brasilien (oder anderswo) getourt bist?

Bevor ich begann Bilder zu machen bin ich zweimal von der Polizei ziemlich hart zusammengeschlagen worden. Aber in Brasilien hast du Glück, wenn es nur bei den Schlägen und Tritten von der Polizei bleibt, denn du kannst auch immer von ihnen angeschossen oder getötet werden. Die schlimmsten Situationen sind eigentlich immer mit der Polizei, denn diese kennen kein Limit, prügeln immer weiter auf dich ein und lassen nicht einfach von dir ab. Meiner Meinung nach sind die Polizisten in Westeuropa kleine Engel im Vergleich zu ihren Kollegen in Südamerika.

Mit den Fans hatte ich bisher nie ein ernsthaftes Problem gehabt, denn ich kenne die meisten von ihnen und habe speziell zu den Chefs ein sehr gutes Verhältnis. Hierzu eine weitere lustige Anekdote. Ich bin gemeinsam mit Palmeiras zu deren Auswärtsspiel nach Santos gefahren, als die Busse nach dem Spiel angegriffen und mit Steinen beworfen worden sind. Die Jungs im Bus machten dann mit mir den Spaß, dass meine eigenen Leute, mein eigener Klub, mich angriff. Aber im Grunde ist an diesem Tag nichts Schlimmes passiert.

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Das Internet machte die Welt bekanntlich kleiner und man kann viel leichter die Geschehnisse auf dem gesamten Globus verfolgen. Beobachten die Torcidas die europäische Szene und gibt es vielleicht Kontakte nach Europa?

Die brasilianischen Torcidas sind sehr an der europäischen Szene interessiert. Ihr seid die Meister dieser Kultur. Das Problem ist leider, daß nur wenige in Brasilien englisch sprechen und so die Kommunikation sehr schwierig ist.

Als ich noch in Brasilien war hatte ich bereits sehr viele ausländische Ultras den Gruppen vorgestellt und ihnen bei der Übersetzung geholfen. Ich habe zum Beispiel einige deutsche und polnische Ultras zu Besuchen in die Torcida Hauptquartiere, mit in die Kurve oder auf Auswärtsspiele mitgenommen.

Den einzigen echten Kontakt, den ich kenne, besteht zwischen einigen Leuten von PAOK zur Curva 1900 von Ponte Preta.

Wann hast du das erste Mal gemerkt, dass die Leute von deinen Fotografien nicht nur Notiz genommen haben, sondern deinen Stil besonders wertschätzen und von ihnen fasziniert sind?

Das ist eine schwierige Frage. Der brasilianische Künstler „Hello Oitcia“ hat mich sehr beeinflusst und inspiriert. Er sagte auch, daß seine Kunst eine Interaktion mit dem Betrachter herstellt. Das war irgendwie ein sehr wichtiger Punkt bei meinem Projekt. Ich wollte nicht die Supporter „benutzen“, einfach ein Bild von ihnen schießen und dann verschwinden. Ich will vielmehr ihre Gefühle verstehen, Erfahrungen teilen und eine Verbindung aufbauen. Und wenn sie meine Bilder mögen, ist das einfach die Konsequenz aus diesem Zusammenspiel.

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Du fotografierst Menschen in Extremsituationen. Sei es Menschen, die auf der Straße leben oder die schweren Jungs beim Fußball. Was inspiriert dich zu deinen Bildern und was möchtest du damit aussagen?

Ich habe nie Fotografie studiert. Mein erster Bezug waren Filme von den Meistern wie Stanley Kubrick oder Quentin Tarantino. Das erklärt es vielleicht etwas. Gewalt und soziale Ungerechtigkeit sind leider Teil der täglichen Routine, wenn du in Südamerika lebst. Ich wollte einfach ein Teil hiervon auf meinem Weg festhalten.

Erzähle uns doch mehr von der Tätigkeit als Fotojournalist. Wenn ich es richtig in Erinnerung habe hat auch das VICE magazine deine Fotoserien über die Fankurven, den Alltag der Obdachlosen in Sao Paolo, der Gewalt der Torcidas, aber auch eine Tattooserie der Torcidas online gestellt. Erneut sehr eindringliche Bilder, mit einem besonderen Auge und Fokus auf die Details. Nun aber zur eigentlichen Frage. Arbeitest du als freiberuflicher Fotograf oder bist du in einer Agentur angestellt? Und wie bist du mit dem VICE und 11Freunde in Kontakt gekommen?

Ich bin bei keiner Agentur. Das macht es vielleicht ein wenig härter, aber das ist so wie ich es mag, denn so bin ich komplett unabhängig. Die Kontakte mit den unterschiedlichen Magazinen erfolgen relativ simpel, denn meine Arbeiten sind bereits in 30 Ländern erschienen und das macht vieles leichter.

Die Sache mit VICE war ebenfalls eine Sache die einfach so kommen musste. Es ist mein Lieblingsmagazin in Brasilien und ich denke, wir haben in etwa den gleichen Stil. Wie bereits erwähnt, war ich vor kurzem in Kuba und habe ein paar neue Arbeiten für das VICE abgeschlossen, die bald veröffentlicht werden.

Ich möchte euch auch ein paar andere Arbeiten vorstellen, die ich wirklich sehr mag, wie zum Beispiel hier:

http://www.vice.com/pt_br/read/as-torcidas-organizadas-estao-em-guerra.

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Du bist nun seit ein paar Wochen in Deutschland und hast hier bereits das ein oder andere Spiel besuchen und Kontakte knüpfen können. Was sagst du zu der deutschen Ultràszene und wie gefällt dir das Spieltagsgeschehen (die Gesänge, die Fahnen, etc.) hier?

Ich bin zum ersten Mal in Europa. Ich habe aktuell leider keine Zeit um Spiele in den anderen Ländern zu besuchen, aber ich bin sehr viel im Web unterwegs und unterhalte mich mit den unterschiedlichsten Leuten.

Die deutsche Szene ist in Europa mein Favorit, denn sie ist ausgesprochen ausgeglichen. In Europa gibt es einige Länder, die nur gut in Choreographien oder dem Kämpfen sind. Hier in Deutschland habe ich das gesamte Paket gesehen. Ich meine, dass ihr nicht nur gut in einer Sache seid. Hier gibt es viele Gruppen mit einer hervorragenden Mentalität, Kreativität, Ideen, hoher Mitgliederstärke, etc.

Mit diesem Interview präsentieren wir natürlich auch unseren Lesern deine Werke und wir schätzen, daß sie genauso imposant auf sie wirken werden, wie wir es bei uns erlebt haben. Planst du vielleicht eine Ausstellung in Deutschland?

Meiner Meinung nach sind Ausstellungen der beste Teil vom Fotografieren. Denn hier erhalte ich die Möglichkeit noch einmal mit meinen Fotos zu arbeiten, sie in den verschiedensten Größen, Materialien oder Umgebung zu präsentieren.

Während der WM organisierte das Magazin 11Freunde eine Ausstellung meiner Werke in Berlin, aber aktuell habe ich nichts derartiges geplant.

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An welchen weiteren Projekten arbeitest du aktuell?

Bevor ich nach Frankfurt kam, arbeitete in Havanna und war dort mit verschiedenen Projekten (u.a. auch Fußball) beschäftigt, die bald veröffentlicht werden.

Anfang Juni werde ich wahrscheinlich zu den Wahlen in die Türkei reisen und im Juli werde ich beim Gold Cup in den USA arbeiten. Obwohl die ja schon eine Zeit lang dort Fußball spielen, ist jetzt der Moment, das dort eine neuen Kultur am wachsen ist und ich bin sehr interessiert daran das Wachsen von nahem zu sehen.

Darüberhinaus bin ich weiterhin am studieren und werde Arbeiten mit Fußballbezug und Ultras in Europa herausbringen. Das wird aber alles noch eine Zeit lang dauern.

Zurückblickend auf wahrscheinlich mehrere tausend Fotos auf diversen Festplatten, was war für dich persönlich deine bisher liebste oder beste Arbeit?

Ich denke, ich habe kein Lieblingsfoto. Für mich haben sie alle unterschiedliche Geschichten und Bedeutungen für mich. Und ich bin immer auf der Suche nach irgendetwas Besseren.

Mal die Frage, die sich vielleicht alle Technik Nerds gerade stellen. Mit welcher Kamera schießt du deine Bilder?

Es hängt immer von dem Foto ab, das du machen möchtest. Die meiste Zeit verwende ich eine Canon 7D, aber auch eine Fuji X100. Viele andere Male habe ich aber auch GOPRO, LOMO´s, etc. verwendet.

Es war uns eine Herzensangelegenheit deine Arbeiten und die Person hinter der Kamera unseren Lesern vorzustellen. Die letzten Worte gehören dir….

Vielen Dank und steht weiterhin gegen den modernen Fußball!

Gabriel Uchida

Homepage   FotoTorcida

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——- The English Version starts here ! ! ! ——- 

His photos are going around the world. Gabriel Uchida is maybe like the character “Daywalker” of the Hollywood Movie “Blade”. His home are the Brazilian Torcidas, respected from all fanscenes und welcome. He joined their away tours, visited their sectors and meetings.

Gabriel is known for his outstanding photo series about the Brazilian streets and grounds and his pictures do fascinating the viewers. His homepage FOTOTORCIDA.com.br has almost 600.000(!) klicks a day.

Gabriel Uchida took photos and portraits of the big boys of several Torcidas. Breathtaking records with a big love for the details and a unique view. Authentic photos of people in extreme situations.

We know by chance about Gabriel visit in Frankfurt am Main and have to thank our friend Dominik D. for the contact.

We did only know Gabriels work from the “11Freunde” magazine but it was our heartfelt wish to introduce you the man behind the camera.

Muitíssimo obrigado, Gabriel Uchida!

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It´s our big pleasure to make an interview with you. Your photos going through the world. Gabriel Uchida, the man behind fototorcida.com.br. Welcome to Franfurt, Gabriel. Please introduce yourself to our reader.

I’m a brazilian 28 years old photographer. Like most of the brazilian people football was always on my life. I grew up in living in front of a small pitch, my uncle was a professional football player and I myself played for the kids amateur team of my hometown. Then in 2009 I started taking photos of supporters.

You´re from Sao Paolo, a mega city in Brazil. In which borough you live and how is it to grow up and live in this huge Moloch?

Actually I grew up in a very small city called Cosmópolis. It’s in the countryside and it has 40.000 people. Only when I was 18 years old I moved with my family to Santos, a bigger city. Then when I was 21 I moved myself to São Paulo, this big and chaotic city that I love and hate. São Paulo has a population of 11 million people and it’s very rich in culture but also in violence. I can say we live in an unofficial war there. You have to be always aware of the mafia, the police, the gangs, everything. It’s insane how people can get used to violence and deaths but that’s the reality there, specially if you go to the poorest regions.

Gabriel, you have an eye-catching tattoo on your right arm. It´s a number code, an anchor and a AK47. Do you want to tell us about the background of it?

They are two different things. When I was younger I used to do pixo (a brazilian kind of graffiti) and our crew used to sign “129” – which is the brazilian criminal code for aggression. We chose this number for two reasons: pixo is more about vandalism, dirt and rebellion – that’s why the aggression. And also because most of the members of the group had already this code on their criminal record. If the police catch you in a street fight or something like that, you’ll probably have this code on your record. The anchor means “fidelity” to our group, that actually doesn’t exist anymore but it’s a good memory. The AK47 is another story. I lived in Havana, Cuba, for 33 days before coming to Frankfurt and once I was making a work about tattoos and after finishing the photos there was nobody at the studio. Then I’ve asked the artist to draw something traditionally Cuban and he made the AK47 because it was the favorite weapon of their fighters. By the way, I also have an ACAB tattoo on my leg, and it was done by a great friend of mine that is also the vice-president of Mancha Verde (Palmeiras) – if you watch The Real Football Factories International Brazil you’ll see him almost being shot in a away match.

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You are supporter of FC Santos. It´s a well known club in Germany and everybody knows his famous son Pelé. Please tell us about the relationship of the club and the city. Are their any boroughs you can say they are only an area of FC Santos fans? Who is the biggest contender of the club and is there a Gentlemen agreement not to fight midweeks if supporters of different scenes would meet each other by chance?

Santos is a big club for its history but it comes from another city outside São Paulo. The capital three clubs Palmeiras, São Paulo and Corinthians usually say they are the only big teams of the state but it’s just a joke. The city Santos has mostly fans of their own club but actually they have more supporters in the capital São Paulo. The biggest rival of Santos depends of who are the best teams at the time but in general it’s Corinthians, although they say their biggest rival is Palmeiras. And there is no agreement between supporters in Brazil. Actually now it’s probably the worst time of football violence in the brazilian scene. There are lots of ambushes, all kinds of weapons and deaths every month, unfortunately.

Let´s talk short about the World Cup in Brazil or better said about the protests which took place before and during the Games. Did you were in Brazil at this time and if yes please let us know how the protests were organized? Did the Torcidas participate on it? And please reflect to our reader why the people did go on the streets? (For what or against what)

The big protests started about one year before the World Cup. They were organized by a group called Movimento Passe Livre (Free Pass Movement) who firstly were asking for lower prices at public transport and free pass for students. Then the protests started to move millions of people all around the country and other topics were added. At that time there were many huge protests every week and in many different cities. I can say it now because i’m far away from the brazilian police but I myself have participated on some events and meetings at the beginning of this movement some time ago. During the protests I was mostly concerned about getting all the ultra groups together in the same fight. Brazilian students and most of the social activists were not as used to police aggression as ultras were. For me, my function at that time was to use my “free pass“ with all the groups to help to spread the idea of everybody fighting together. The protests were the first time in many years that you could see lots of leaders and important football guys from different clubs fighting in the same side. Of course they all know each other but at that time there was respect and at least in São Paulo the police had much more problem when they were on the frontline. I believe the protests became huge because all the population were discontent with corruption, poverty, police aggression and many topics so everybody wanted to go to the street to fight for something. There’s a funny story. Once a famous brazilian TV show made a survey at live about the protests and most of the people voted saying they agreed with vandalism during protests. In a simple way it means everybody was already tired of been victim of violence from the police and the government.

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It´s always very difficult for a photo journalist to go between the rows on the terraces and to build up a contact to the Ultras and Hooligans. We think especially in South America it´s very difficult to do it. You´re working since 2009 as a Torcida photograph and you are touring with them trough the country. Please tell us about your passion to do the homepage and to be a known and respected photograph. How did all started and how you´re cooperate with the scenes now.

My idea since the beginning was to show a different and honest image of ultras and hooligans. If you’re a football guy you know you can’t trust 100% on what journalists say. Specially in Brazil we have very lazy and conservative people working on sports journalism. Now that I’ve been living it for many years I can say I would trust the brazilian hooligan with the largest criminal record but I would never trust most of the brazilian football journalists. Of course there are a few exceptions, but only a few one like Mauro Cezar Pereira, Leandro Iamin and Daniel Cassol. Since the beginning I’ve been taking photos in the middle of fans to really understand this culture and somehow to share their feelings – but also because I’ve been a football fan before starting to make photos and the stands are my place better than the media rooms. In the beginning of this project I had to talk to the fans in the stadiums much more than taking photos. I always had an open and sincere posture with fans. For exemple I never hid I’m a Santos fan even when it was playing against some other club and I was in the middle of rival fans. Fortunately all the groups understood my project and in a short time we

created a good relationship. Then they started to call me for closed meetings, to away games and also to tell me what they were preparing for the matches. This relationship is so strong that when Corinthians played the Libertadores finals – the most important match of their history – the club denied my press accreditation and when people knew it the groups started to offer me a ticket for free. By the way, all the tickets were sold old in a very short time and after that a few ones were been sold in the streets for more than hundreds of euros (in the brazilian economy it’s just possible for very rich people). Of course I said I couldn’t accept it because i would never take the place of a fan in the most important day of their club. There are also some funny stories. Once a very drunk regular fan tried to attack me on a derby. In a few seconds lots of hooligans came and punched the guy who also had to tell he was sorry for that. And of course I realized I also had my own role on the scene even thought I’m not an ultra or a member of some group. As the project FotoTorcida became more and more popular (there are publications that reached 600.000 views in one day) I could also use this space to report things like police repression, lies of the traditional media or helping to spread ideas against modern football.

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As I browsed in the German magazine 11Freunde this March I was fascinated by your photos of members several Torrcidas. Really impressive pictures, Gabriel! How did you get the idea to it and to get the guys to work with you?

That work was basically about tattoos and football, two things that I love. But I didn’t want to do just another photo gallery of ultras tattoos. Then I really chose the hardest men of São Paulo scene to do their portraits. Those are important guys, some leaders, some former leaders, all of them have good histories, not only lots of tattoos. And actually this collection is something that I’m considering to do in Europe too, but it takes some time.

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The Europeans have the wrong picture that all the big boys from the Favelas are only organized in the Torcida. So please tell us more about a Torcida. How are they organized, from which parts of the society they´re coming, how is a match day organized, is it allowed to visit away matched and last but not least are you member of a Torcida?

Historically most of members of Torcidas come from lower classes. You can find many ultras in favelas or very poor neighborhoods but there are also guys with big money. A match day depends a lot on who is the rival. If it’s a derby or an important match, the groups will start to meet around 6 a.m. even thought if the game is at 4 p.m. Each group has their own crew responsible for flags and banners, usually it’s called Flags Department or Patrimony Department. These guys will take care of transportation and organization of all materials. Away fans are allowed in all brazilian leagues, but sometimes it can be changed if there were a big riot previously. But anyway they try to keep rival fans away using different methods: selling only a few tickets (sometimes less than 2.000) and putting high prices (70 euros per ticket in the cheapest area). And sometimes they only sell tickets in the stadium and during the week. So the guys will have to sleep in the line and probably miss one day of working.

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Let´s speak about violence. Football violence. It looks like weapons aren´t a no-go and the fights / troubles are always be there. How do you would describe the situation in Brazil?

A few years ago there was a deal in São Paulo but it was only respected by Corinthians and Palmeiras fans. They were supposed to use only their fists and fights should be only at match days. It happened for two years but then a boy was killed and the deal was finished. Besides that the situation is chaotic in the whole country. Metal bars, bombs and all kinds of weapons are used. Once some fans were chasing a rival bus with military grenades but they were caught by police. Unfortunately there are many deaths today and they won’t stop because everytime there’s someone new looking for revenge.

Where you ever catched up in a bad situation when you visited a match of your team or doing your photos?

Before starting to taking photos, as a fan I have already been hardly punched by police two times. But in Brazil if police only punch you somehow you have to be happy because they can also shoot or kill you. The worst situations are always with police because they have no limit. I would say western europe police are angels compared to south american cops. With fans I’ve never had serious problems because I know most of the guys and specially all the leaders. There is a funny story. Once I traveled to Santos with a Palmeiras group. After the match our buses were attacked with rocks then the guys were making jokes saying that the fans of my own club were attacking me. But nothing serious happened that day.

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The Internet made the Earth a small place. It´s much easier to follow the football scenes all over the World. Are the Torcidas interested on the European fan culture and do you know something about any contacts between a Torcida and a European Group?

The brazilian torcidas are very interested on the european scene. You guys are the masters of this culture. The problem is that only a few guys speak english in Brazil so the communication is hard. When I was in Brazil I have already introduced many different foreigner guys to the groups and also helped with the translation. For example I have already took some polish and german ultras to visit some group headquarters and even to some matches and away trips. But it was something very particular. The only real connection I know is between Curva 1900 (a Ponte Preta hooligan group) and some guys of PAOK.

Gabriel, when did you notice for the first time the people love your photos and were fascinated by them?

Hard question. One of my influences was a brazilian artist called Helio Oiticica. He once said that art has to create interaction with the audience. Somehow this was an important point of my project. I didn’t wanted to just “use“ the supporters, take their photos and go away. I wanted to understand their feelings, to share experiences and to stablish connections. If they like my photos it’s just a consequence that can happens.

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You make pictures of people in extreme situations: homeless people, football thugs and so on. What does inspiried you to your work and what do you want to tell the observer with them?

I’ve never studied photography. My first references were Stanley Kubrick and Tarantino movies. It explains a little bit. Violence and social injustices unfortunately are parts of your routine if you live in South America. I just wanted to show a part of it on my way.

Please tell us more about your activity as a photo journalist. If I remember right , the VICE magazine present edyour photos of different series on their page. The point of view was amazing. It´s an outstanding work. Are you working as a freelancer or for a press agency? And how did you get the contact with VICE and 11Freunde?

I don’t have any kind of agency. Maybe it’s a little bit harder to work this way but I’m totally independent. The contacts with different magazines happened kind of naturally. I’ve already published in maybe around 30 different countries and it helps me a lot too. With VICE I think it was kind of natural, It is one of my favorite magazines in Brazil and I believe we have kind of similar styles. Recently I was in Cuba and I made some new works for them, I guess it’s coming soon. And there are some other works I did for them that I really like, for example this one: http://www.vice.com/pt_br/read/as-torcidas-organizadas-estao-em-guerra

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You are few weeks in Germany now and had already time to visit few matches and to enlarge your network of contacts. What do you say about the German football scene, the Ultras, the tifo with all the flags etc on the terraces?

It’s my first time in Europe. I didn’t have time to go to matches in other countries yet but from what I know seeing websites and talking to different people, German football scene is my favorite in Europe because it’s very equilibrated. There are some countries where they are just good on choreographies, or fighting, etc. Here in Germany I see you have the whole package, I mean you are not just good in one thing. Here there are lots of groups with good mentality, creativity, ideas, numbers, etc.

Beside this interview we do also present your works to our blog reader and we think the photos will be also very impressive for them. Are you planning to do an exhibition in Germany, maybe Frankfurt?

For me exhibitions are one of the best parts of photography because it’s the possibility to work again on my photos by using them in different sizes, materials, environments. During the last World Cup the 11Freunde magazine did an exhibition of my photos at their place in Berlin but for now I don’t have anything planned.

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What we can expect from you in the future? On which projects you are currently working on?

Before coming to Frankfurt I’ve been working in Havana (Cuba) for some time. I made different things there, including related to football, and it’s going to be published soon. In the beginning of June I’ll probably go to the elections in Turkey and in July I’ll work in the Gold Cup in the USA. Although they play football for a long time in the USA, now is the time when it’s growing a football culture there and I’m very interested to see it closely. Besides that I’m still studying and producing other stuff related to football and ultras here in Europe, but it takes some time.

Thousands of photos stored of different external drives….what do you would say in a retrospective was the best or your favourite one?

I guess I don’t have a favorite one. They have different stories, different meanings for me. And I’m always looking for something better.

For all the photo nerds: Which type of a camera you´re using for your shots?

It depends on which kind of photo I want to do. Most of the times I use a Canon 7D, but I also use a FUJI X100 and other times I’ve already used GOPRO, LOMOs, etc.

It was really our heartfelt wish to present your works and the man behind the camera on our blog. The last free words are yours….

Thanks a lot and stand against modern football!

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