Groezrock Festival 2015

Groezrock: Ein Teil unserer Musikredaktion lebte den Punk, liebte den Rock und labte sich an Bier. Was sonst noch so passiert ist, lest ihr hier. Leider war der Herr wohl dermassen breit, dass er vergessen hatte mal den Abzug zu betätigen und ohne Bilder nach Frankfurt zurückkehrte. Denn: Bier trinken ist wichtig! 

Groezrock_2015_

24 Jahre Groezrock stehen dem kleinen Festival aus Belgien zu Buche. Seit 1992 findet das Festival im beschaulichen Merhout, einer belgischen Gemeinde in der Region Flandern, statt. Angefangen hat das Groezrock als kleines Rock und Pop – mit nur einer Bühne. Seit 2003 gibt es zwei Zelte mit je einer Bühne. Die stetige Steigerung der Zuschauerzahlen, die man seit 1997 beobachten konnte und die immer höhere Anzahl an Bands, machen das Festival mittlerweile zu einer echten Marke. Stand 2015 sind 5 Bühnen und ein Zuschauerschnitt von ca. 40.000 Menschen an beiden Tagen. Seit 2006 findet das Festival an zwei Tagen statt. Von Jahr zu Jahr haben die Veranstalter es geschafft, Bands für das Festival zu gewinnen, die es eigentlich nicht mehr gibt oder die so selten spielen, dass man es als Exklusiven Auftritt werten könnte. In den letzten Jahren gab es unter anderen Bands, die ihr bekanntestes Album, von vorne bis hinten, gespielt haben. Millencolin (Pennybridge Pioneers) und Comeback Kid (Turn it Around mit dem alten Sänger) sind nur zwei Bands die man da nennen muss.

Im Grunde ist es ein sehr familiäres und sehr gut organisiertes Festival. Die Preise sind absolut human, auch wenn die Tickets von Jahr zu Jahr teurer werden. Allerdings konnte ich in den letzten Jahren so gut wie nichts ausmachen, was mich wirklich gestört hat. In den letzten 7 Jahren besuchte ich das Festival ganze fünf Mal. Angenehme Atmosphäre auf dem Zeltplatz sowie kurze Wartezeiten an den Eingängen sind als sehr positiv zu werten. Die Preise für Essen und Trinken belaufen sich auf 2€ pro Marke. An verschiedenen Punkten auf dem ganzen Gelände kann man sich diese Marken kaufen. Getränke (Bier und alkoholfreie Erfrischungsgetränke) kosten jeweils 1 Marke. Sehr fair, wenn man betrachtet, das man auf größeren Festivals meistens 5-6€ plus Pfand für ein 0,5 l Bier bezahlt. Auf dem Groezrock gibt es zwar nur 0,25 l Bier (Marke Jupiler = sehr lecker), aber für 2€, meiner Meinung nach, mehr als nur fair. Auch eine mehr als nur große Auswahl an Essen, findet man hier. Von traditionell belgischen Frittiergut (Pommes, Frikandelle etc.) bis zu Asiatisch und Steaks findet man eigentlich echt alles was das Herz begehrt. Vegetarische und Vegane Kost gibt es in Hülle und Fülle. Die Preise belaufen sich auf zwei Marken für Pommes bis hin zu vier Marken für ein Angus Steak.

Ihr werdet sicher merken, dass ich anders an Musik rangehe, wie der normale Konsument oder Festivalbesucher. Das liegt zum einen daran, dass ich selber seit über 15 Jahren Musik mache und zum anderen, dass ich schon so ziemlich alles gesehen habe, was ich jemals sehen wollte oder mir sehr wichtig war.  Mit 18 gründete ich die ersten Bands und seit damals kann ich auf eine respektable Anzahl an selbst gespielten Konzerten zurück blicken. Irgendwann wurde der Fußball präsenter, und ich kam an den Schneideweg zwischen Konzerten oder meinem Herzensverein.

Freitag

Das Problem, wenn man erst am Tag des Festivals anreist, ist auf jeden Fall der frühe Wecker. Um 7.15 Uhr standen meine Jungs vor der Tür. Geplant war der Besuch in Holland, kurz nach der Grenze in Aachen. Noch schnell in den Supermarkt und paar Dinge gekauft und ab weiter Richtung Antwerpen. Zum ersten Mal in meiner langen Festivalkarriere entschlossen wir uns, in einem Hostel zu nächtigen (Wir sind halt keine 20 mehr). In Antwerpen angekommen, fiel mir als erstes das Militär auf. Kleine Zwei-Mann Trupps, mit Maschinengewehren, marschierten durch die schönen Gassen. Völlig schockiert (sowas sieht man ja auch nicht alle Tage) fragte ich unseren Fahrer, was es damit auf sich hat und er erklärte mir, das Antwerpen die größte jüdische Gemeinde, außerhalb von Israel hat. Nach ein paar weiteren Blicken hätte ich mir die Frage wohl auch selber beantworten können. Überall jüdische Mitbürger, Geschäfte und anderes. Alles sehr traditionell. Da es in den Vergangenheit oft zu Übergriffen von islamischen auf jüdische Bürger gab, patrouilliert jetzt das Militär in kleinen Gruppen durch die Straßen. Das soll für Sicherheit sorgen…

Am Hostel angekommen begrüßte uns der zahnlose Hotelier und verwies uns an seine Kollegin. Eine kleine verrückte Asiatin mit einer guten Alkoholfahne kassierte uns ab (12,50€ und 2,50€ fürs Frühstück) und zeigte uns das große 16 Betten Zimmer im 5. Stock. Man denkt jetzt vielleicht, was eine miese Absteige, aber es war alles sehr sauber und selbst wenn es das nicht gewesen wäre, egal, es war ja nur für eine Nacht. Viva Punk!!!

Dann ging es die gut 45 km zurück nach Merhout. Wir waren etwas spät dran und jetzt stand schon fest, dass ich zumindest schon einmal eine Band verpassen würde, die ich gerne gesehen hätte. The Swellers aus den USA spielten zu diesem Anlass ihr letztes Konzert. Schade aber egal – Lebbe geht weiter. Wie vorher schon geschrieben ist das Festival so gut organisiert, dass es keine Probleme gab einen guten Parkplatz zu finden. 10€ für beide Tage parken wurden bezahlt und ab aufs Gelände.

Wir steuerten erst mal die große „Main Stage“ an. Against Me! Sollten jetzt spielen. Da aber 10 Minuten später die erste Band spielen sollte, die wir uns rot markiert hatten, verließen wir die Main Stage in Richtung „Back to Basics Stage“. Auf der Bühne spielte jetzt Cold World. Diese Band ist einfach nur ein perfekter Einstieg in dieses Festival gewesen. Eine Mischung aus groovigem Hardcore, gespickt mit Zitaten bekannter Rap Acts und bekannt geworden durch ihre „Ice Grillz“ 7Inch, spielen sie nur noch wenige Konzerte heute. Aber wenn sie spielen ist das immer was Besonderes. Man merkt förmlich, dass es für sie der absolute Ausgleich zum normalen Familienleben ist. Begleitet wurde die Band vom Schlagzeuger und Gitarristen der Band Title Fight, die später am Abend auch noch spielen sollte. Wer auf Bands wie Biohazard, Life of Agony oder ähnliches steht, ohne dieses affige Gepose, sollte sich diese Band mal anhören.

Wir hatten jetzt bis zur nächsten Band ein wenig Zeit, erkundeten ein wenig das Festivalgelände, schauten uns die Merch-Zelte an und genehmigten uns ein paar Kräuter. Zum Thema Merchandise kann ich nur sagen, dass es mehr als fair dort mit den Preisen zu ging. Bis auf wenige Ausnahmen kosteten die Shirts nie mehr als 15€; auch bei den Sweatshirts und Zippern war es ähnlich. Ich wollte mir als nächstes die Broilers anschauen. Eine Premiere für mich. Hatte ich sie in Deutschland nie gesehen, so schaute ich sie mir eben in Belgien an. Aber immer noch eine Stunde Zeit. Also nochmal die kleinen Bühnen aufgesucht. Ein großes Banner mit der Aufschrift „Iron Reagan“ wusste zu gefallen. Der Soundcheck hörte sich auch vielversprechend an und so schauten wir uns den wohl witzigsten Auftritt des Festivals an, und zwar von einer Band die ich vorher nur vom Namen her kannte. Lange Haare, 80er Metal Outfit mit engen Hosen und hohen Nike oder Adidas-Sneakern und sehr gut gespielter Hardcore Punk mit ordentlicher Trash-Metal-Kannte. Mitglieder der Band spielen übrigens auch bei Municipal Waste, was ja manchen ein Begriff sein könnte. Auch zu erwähnen ist, dass es der erste Auftritt auf europäischem Boden für die Band aus den USA war.

Solider Auftritt und ab zu den Broilers. Großer Vorhang vor der „Main Stage“ Broilers Noir Beach Club 2015. Die Haare wurden kürzer, die Klamotten schicker und überwiegend deutsches Publikum versammelte sich vor der großen Bühne. Da ich absolut keine Erfahrung mit den Broilers habe was Liveauftritte angeht, war ich schon etwas gespannt. Enttäuscht wurde ich nicht so recht, aber auch so richtig vom Hocker gehauen hat es mich nicht. Ein gut gespieltes Set aus neuen und alten Liedern, und ein durchaus guter Sound, wussten zu gefallen. Allerdings ist das Gepose auf der Bühne einfach nur ätzend. Die englischen Ansagen waren eher witzig und nicht ernst zu nehmen. Ich glaube die Broilers haben ihre guten Zeiten hinter sich. Ob ich jetzt traurig bin, nie ein Konzert in einem kleinen Club gesehen zu haben, sei mal dahin gestellt. Keine andere Band hatte ein solches Arsenal an Bannern oder Vorhängen im Gepäck. Im Nachhinein betrachtet muss sowas auch nicht sein. Weniger Gepose und mehr Punk hätten dem Auftritt sicher besser getan.

Also verließ ich die Broilers 15 Minuten eher um wieder auf die „Back to Basics Stage“ zu wandern. Dort fingen jetzt Ceremony an. Eine Band die in ihren Anfangstagen alten und rauen Hardcore Punk spielten und sich im Laufe der Jahre zur Reinkarnation von Joy Division wurden (Grüße nach Manchester). Was dabei beindruckend ist, ist die Tatsache, dass sie beide Stile in ihrem Set so miteinander verbinden, dass es kaum auffällt. Die Kids rasteten völlig aus und eine Menge Stagediver waren zu Gange. Ein tolles Konzert und wieder einmal die Bestätigung , dass die kleineren Bands durchaus Wert sind angeschaut zu werden.

Als nächstes Standen Trash Talk auf dem Programm. Auf derselben Bühne wie zuvor schon Ceremony, wollten die Jungs aus Kalifornien den Kids mal zeigen was Sache ist. Da ich sie schon einige Male zuvor auf diversen Clubshows und Festivals gesehen hatte, wusste ich, was jetzt auf mich zukam. Irgendwie hat diese Band es immer geschafft noch einen drauf zu setzen. Hier spricht ein wahrer Fanboy (Grüße an den Chef). Sogar auf meinem Körper habe ich diese Band verewigt. Natürlich wurde ich nicht enttäuscht und erlebte so die komplette Anarchie und Randale. Wut, Hass und Depression und das alles in einem 30 Minuten Set. Wer es aus diesem Mob ohne eine Wunde raus geschafft hat, vor dem hab ich Respekt. Wie ein Geisteskranker wirbelte der Sänger über die Bühne und misshandelte sich selber sowie das Publikum. Make some noise Motherf….. Einfach unbegreiflich wie dieser Kerl immer noch am Leben sein kann. Es ist sicher nicht jedermanns Sache, aber wer Bock auf wütende Musik hat, ist hier bestens aufgehoben. Gekrönt wurde der Auftritt mit einer unfassbaren Masse an Menschen auf der Bühne. Von der Band war bis auf Schlagzeug und Bass nichts mehr zu hören und zu sehen aufgrund der Masse an Menschen Garnichts mehr. Mein persönliches Highlight auf dem Groezrock 2015. Noch als kleine Hintergrundinformation. Die Jungs von Trash Talk sind beheimatet auf einem Label was eher für Hip Hop Künstler bekannt ist (Tyler the Creator etc.), leben ohne festen Wohnsitz und tun den ganzen Tag nichts anderes als touren, kiffen, skaten und Dinge zerstören. Bekannte Musiker wie Bruce Springsteen oder Dave Grohl (Nirvana und Foo Fighters) tragen T-Shirts der Band und auch bei den gängigen Late Night Shows in den USA waren sie schon zu Gast und schockierten Amerika.

Ein paar Bands sollten noch folgen. Wir verließen die „Back to Basics Stage“ in Richtung „The Revenge Stage“. Kein weiter Weg, da sich beide Bühnen unmittelbar nebeneinander befinden, und auch meistens die Bands nicht parallel zueinander spielen. Ganz nett, wenn das überall gehen würde. Dann hätte ich an dem Tag vielleicht auch Lagwagon und Pennywise sehen können. Hier sollten jetzt Title Fight die Bühne entern. Wie schon bei Ceremony hat diese Band einen starken Wechsel in Musikalischer Hinsicht durchlebt. Was anfangs noch eher nach poppigem Punk klang, ist jetzt eine sehr ruhige Angelegenheit. Shoegazz nennt sich das hab ich mir sagen lassen. Gefiel mir die neue Platte eher nicht so gut, läuft sie nach dem Auftritt quasi nur noch. Also Leute, die Devise lautet; Konzerte besuchen und sich selber ein Bild machen. Ruhige verträumte Musik nach einem so langen Tag ist einfach Balsam für die Seele. Dazu das passende Licht und ein bombastischer Sound. Ein fast perfekter Abschied in die Nacht.

Die beiden Anderen wollten noch Defekter sehen, aber ich setzte mich vor das Zelt und fühlte mich einfach großartig. Tolle Bands an dem Tag erlebt und ein Gefühl von Freiheit, was man heutzutage nur noch selten erlebt, machte sich breit. Ich war zufrieden und erschöpft und machte mich irgendwann auf den Weg um mir Social Distortion anzuschauen. Der Headliner des Freitags begleitet mich schon mehr als die Hälfte meines Lebens und ich war gespannt was die alten Männer auf der Bühne noch so drauf haben. Ob es jetzt an der daran lag das ich unfassbar Müde war oder ich das Gefühl hatte das diese Band einfach nur Langweilig auf der Bühne war weiß ich nicht, aber nach 5 Songs tauchten die zwei Anderen auf, und wir beschlossen zurück nach Antwerpen zu fahren. Noch schnell im Schawarma Laden des Vertrauens (Der Fahrer hegt eine heimliche liebe für Antwerpen) gespeist und ab ins Hotel.