Bullen, Börse, Bundesliga

Das zweite Radioprogramm des Hessischen Rundfunks hatte in seiner brutal guten Sendereihe „Der Tag“ in der Sendung vom 22. August 2014 anlässlich des Bundesligastarts „Bullen, Börse, Bundesliga“ zum Thema.

Im Zentrum der Sendung steht die zunehmende Kommerzialisierung des Fußballs: Investoren, die Vereinen – gegen Mitbestimmung natürlich – unter die Arme greifen, Spielerberater, die sich – gierig auf 8- 12 % Provision und vorbei an den Eltern – via Facebook an junge Talente ranmachen und die Frage, ob Polizeieinsätze von den Vereinen bezahlt werden sollen.

Die Sendung beleuchtet die Themen objektiv und mit seltenen inhaltlicher Tiefe. So wird beispielsweise einem Juraprofessor statt Oliver Pocher Gehör geschenkt, ob Polizeieinsätze aus Steuermitteln oder vom Stadionbesucher über die Eintrittskarten zu bestreiten sind. Es geht hierbei um nichts geringeres als die gleichsam aktuelle wie fundamental-demokratische Frage, wer in der Bundesrepublik das Gewaltmonopol ausübt, nachdem der Bremer Senat künftig keine Polizisten mehr bei Fußballspielen ohne Kostenerstattung einsetzen will. Gibt der Staat die Wahrung der Öffentlichen Ordnung an Bahnhöfen und Innenstädten auf, überträgt er die Verantwortung den Vereinen und privatisiert diese hoheitliche Aufgabe demnach oder muss der Staat – und somit der Steuerzahler – diese Kosten (er-)tragen? Es zeichnet sich ab, dass diese Entscheidung dem Bundesverfassungsgericht zugetragen wird. Fußball ist eben wichtig…

Final kommentiert Martin Maria Schwarz den Fußball-Hype „der Mitte der Gesellschaft“. Was einmal „das Privileg des normalen Fanvolks war“ okkupieren spätestens seit der WM 2006 sämtliche Katzenbergers und Hipster für sich und reklamieren – in vollkommener Ignoranz gegenüber einer in Jahrzehnten gewachsener Fußballkultur – ungefragt die Deutungshoheit in und um die Stadien für ihresgleichen. Er rügt zudem die Tatsache, dass jeder Dreck in den Status einer wichtigen Nachricht erhoben wird und der Fußball selbst in den Hintergrund rückt.

Wer ansatzweise auf anspruchsvollen Fußball-Journalismus rund um das Stadion im hochwertigen Niveau von 11 Freunde steht, sollte sich eine Stunde Zeit für die Sendung nehmen, die auch im freundlichen MP3-Format runtergeladen werden kann. Klick hier.