Das Tony Yeboah-Haus

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Eine Frankfurter Hauswand wird zum Wahrzeichen für Toleranz.

Es war bestimmt keine Liebe auf den ersten Blick, mit Sicherheit nicht. Die Frankfurter Eintracht musste 1989 um den Klassenerhalt bangen und kreuzte in den Relegationsspielen mit dem 1.FC Saarbrücken die Klingen. Auf Seiten der Saarländer stürmte der aus Ghana stammende Anthony Yeboah. In einer Zeit, in der die Reichskriegsflagge fast so etwas wie die offizielle Fanfahne im G-Block war, wurde er zum Hassobjekt der Eintracht Fans, die die übelsten rassistischen Schmähungen während der beiden Partien über ihn ausschütteten. Die Eintracht setzte sich mit einem 2:0 und 1:2 gegen den 1.FCS durch und verpflichtete zur neuen Saison eben diesen Yeboah.

Was nun in Frankfurt passierte, hielt niemand besser als das Komikerduo Badesalz in ihrem bitterbösen Satire / Sketch mit dem Namen „Anthony Sabini“ fest. Denn vom Hassobjekt avancierte der ghanaische Stürmer innerhalb von nur wenigen Wochen zum absoluten Publikumsliebling.

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Am kommenden Samstag, den 21. Juni ab 14h, wird ein einmaliges Wandgemälde dem Frankfurter Stadtbild übergeben. Ihr werdet es wahrscheinlich bei eurer Fahrt zur Arbeit oder zum Flughafen bereits gesehen haben, denn die Arbeiten unweit des S-Bahnhofs Niederrad laufen bereits seit dem 05. Juni auf Hochtouren. Mathias Weinfurter, Gewinner des Preises „Im Gedächtnis bleiben“ arbeitet hier gemeinsam mit Dominik Dresel und vielen weiteren Helfern an einem Mural mit dem Konterfei des in Frankfurt fast heldenhaft verehrten Stürmers und dem Satz „Wir schämen uns für alle, die gegen uns schreien“. Der Spruch kommt nicht von ungefähr. Wir schreiben das Jahr 1990 und rassistische Schmähgesänge sind an der Tagesordnung. So fassten die prominentesten schwarzen Bundesligaspieler Anthony Baffoe, Souleyman Sané und Anthony Yeboah ihren Mut zusammen und veröffentlichten einen „Offenen Brief an alle Fans“ in der BILD Zeitung, um sich gegen den Hass und den Rassismus zu positionieren.

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Mathias gewann mit den Nassauischen Heimstätten und dem Frankfurter Fanprojekt zwei starke Partner, die ihm bei der Realisierung seines Projektes, seinem Mahnmal gegen Intoleranz und Rassismus, unterstützen.

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Macht euch selbst ein Bild, bezieht Stellung und schaut am Samstag zwischen 14h und 17h in der Melibocusstraße 86 in 60528 Ffm-Niederrad vorbei. Frankfurt bleibt United Colors of Mainhattan.